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    Teil 115: Sure An Nissa (Frauen) Verse 58- 59

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    Teil 115: Sure An Nissa (Frauen) Verse 58- 59
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    Wir beginnen diesen Koranbeitrag mit der Übersetzung des Verses 58 der Sure 4, Sure An Nissa : (4: 58- 59)

     

    إِنَّ اللَّـهَ يَأْمُرُكُمْ أَن تُؤَدُّوا الْأَمَانَاتِ إِلَىٰ أَهْلِهَا وَإِذَا حَكَمْتُم بَيْنَ النَّاسِ أَن تَحْكُمُوا بِالْعَدْلِ ۚ إِنَّ اللَّـهَ نِعِمَّا يَعِظُكُم بِهِ ۗ إِنَّ اللَّـهَ كَانَ سَمِيعًا بَصِيرًا

     

    „Gott befiehlt euch, anvertraute Güter ihren Eigentümern auszuhändigen und, wenn ihr als Schiedsrichter tätig seid, zu entscheiden, wie es recht und billig ist. Welch gute Ermahnung, die Gott euch (damit) gibt! Er hört und sieht (alles).“ (4: 58)

     

    Manche Menschen glauben, Religion sei etwas rein Privates und bestehe nur in der persönlichen Beziehung des Menschen zum Schöpfer. Aber die Religionen göttlicher Herkunft wollen nicht nur das Glück des Einzelnen sondern das Wohl der ganzen Gesllschaft. Der Islam nennt hier nun als Voraussetzung für Glauben und Religiösität, dass Gerechtigkeit und Pfandtreue in der Gesellschaft eingehalten werden.

     

    In mehreren islamischen Überlieferungen heißt es: ‚Achtet darauf, wie aufrichtig und zuverlässig ein Gläubiger ist und nicht auf die Länge seiner Gebetsverbeugungen.‘

     

    Wenn jemand eine Sache, die ihm anvertraut wurde veruntreut, ist das ein Zeichen dafür, dass er ein Heuchler ist. Pfandtreue ist im Islam ein weitgehender Begriff. Zu den göttlichen Pfändern wird nicht nur Besitz gezählt, sondern auch Wissen, die Familie und sogar – gemäß einigen Überlieferungen – die Führung der Gesellschaft. Die Mitglieder der Gesellschaft müssen gut darauf acht geben, dass sie die Führung ihrer Gesellschaft geeigneten rechtschaffenen Menschen anvertrauen, denn diese ist der Schlüssel zu ihrem Wohl. Viele Probleme in der Gesellschaft sind darauf zurückzuführen, dass inkompetente und ungerechte Leute an der Macht sind.

     

     

    Die Pfänder, für die der Mensch verantwortlich ist, sind dreierlei Art:

     

    Ein Pfand bezieht sich auf die Beziehung des Menschen zu Gott und besteht in den göttlichen Geboten und Verboten, die der Mensch beachten soll.

     

    Ein zweites Pfand sind die Dinge, die die Menschen einander zur Aufbewahrung anvertrauen. Eine Geldsumme zum Beispiel, kostbare Gegenstände oder auch Bücher usw.. Jegliches anvertraute Gut muss in ordnungsgemäßem Zustand an seinen Besitzer zurückgeben werden.

     

    Die dritte Art Pfand steht in Beziehung des Menschen zu sich selber. Ein solches Pfand ist zum Beispiel das Leben, ist Machtbefugnis oder es sind die körperlichen und geistigen Kräfte. Aus islamischer Sicht sind dies alles Pfänder, deren eigentliche Besitzer nicht wir Menschen sind, sondern sie wurden uns zur Bewahrung von Gott anvertraut. Der wahre Besitzer ist Gott, und wir müssen diese kostbaren Güter, die er uns überlassen hat, auf die beste Art und Weise nutzen. So, wie es ihr Besitzer gerne sieht.

     

     

    Vers 58 der Sure 4 lehrt uns also unter anderem folgendes:

     

    Erstens: Für jedes Pfand gibt es einen geeigneten Pfandhalter und wir sollten hohe Pfandgüter in kompetente Hände legen. Es verstößt gegen den Glauben, wenn wir gesellschaftliche Pfandgüter wie Regierungs- und Justizämter Menschen überlassen, die mit diesen Pfändern nicht richtig umgehen.

     

    Zweitens: Wenn uns jemand etwas anvertraut, so müssen wir es ihm ordnungsgemäß zurückgeben, denn er ist der Besitzer, gleich ob er Muslim ist oder nicht.

     

    Drittens: Nicht nur ein Richter muss gerecht sein, alle Gläubigen müssen gerecht sein, ob in der Familie oder in der Gesellschaft.

     

    Viertens: Bei der Wahrung eines Pfandgutes und der Beachtung der Gerechtigkeit müssen wir immer Gott zugegen wissen. Er hört und sieht alles.

     

    Fünftens: Der Mensch braucht guten Ratschlag und Gott ist der beste Ratgeber. Er meint es gut mit den Menschen.

     

    Hier nun die Übersetzung des Verses 59 der Sure 4:

     

    يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا أَطِيعُوا اللَّـهَ وَأَطِيعُوا الرَّسُولَ وَأُولِي الْأَمْرِ مِنكُمْ ۖ فَإِن تَنَازَعْتُمْ فِي شَيْءٍ فَرُدُّوهُ إِلَى اللَّـهِ وَالرَّسُولِ إِن كُنتُمْ تُؤْمِنُونَ بِاللَّـهِ وَالْيَوْمِ الْآخِرِ ۚ ذَٰلِكَ خَيْرٌ وَأَحْسَنُ تَأْوِيلًا

    „Ihr Gläubigen! Gehorchet Gott und dem Gesandten und den Befehlshabern (uliul amr) unter euch (oder: die zuständig sind)! Und wenn ihr über eine Sache streitet (und nicht einig werden könnt), dann wendet euch damit an Gott (und seine Schrift) und den Gesandten, wenn ihr an Gott und den Jüngsten Tag glaubt! So ist es am besten (für euch) und nimmt am ehesten einen guten Ausgang.“ (4: 59)

     

    Im Zusammenhang mit dem vorherigen Koranvers, dem Vers 58 der Sure 4 haben wir gesagt:

     

    Regierung und Rechtsbarkeit sollen gerechten und kompetenten Personen überlassen werden. Der Vers 59 sagt nun zu den Gläubigen:

     

    Außer auf Gott und seinen Propheten, sollt ihr auch auf die gerechten Führer, denen die Angelegenheiten der Gesellschaft anvertraut wurden, hören. Ihr sollt ihnen folgen. Das setzt der Glaube an Gott und den Jüngsten Tag voraus.

     

    In den Überlieferungen heisst es: Als der Prophet des Islam in den Tabuk-Krieg zog, überließ er die Verwaltung von Medina seinem Schwiegersohn Ali Ebne Abitaleb und sagte: ‚Du bist für mich das, was Aaron für Moses war.’Danach wurde der oben genannte Koranvers dem Propheten offenbart und bestätigte diese Anweisung.

     

    Möglicherweise irrt sich die Bevölkerung hinsichtlich der Eigenschaften der Verwalter oder sind sich darüber uneinig, deshalb heisst es in dem Vers 59 weiter:

     

    In Zweifelsfällen wendet euch an die Schrift Gottes oder seht, wie der Prophet gelebt hat. Das sind die besten Schiedsrichter für euch. Ihre Befragung hat das beste Resultat zur Folge. Auch wenn wir den ‚uliul amr‘ – den kompetenten Befehlsberechtigten folgen, hören wir auf Gott und gehorchen ihm. Hier liegt also kein Widerspruch zum Ein-Gott-Glauben vor. Denn weil Gott uns dies anordnet, folgen wir der Anweisung des Propheten und der kompetenten Befehlsberechtigten.

     

    Aus Vers 59 der Sure 4 lässt sich ableiten:

     

    Erstens: Für den Gehorsam gegenüber dem Propheten und den ‚uliul amr‘ wurden keine Bedingungen eingeräumt. Das heisst also, dass man diesen absolut gehorchen kann, weil sie keine Fehler und keine Sünden begehen.

     

    Zweitens: Der Prophet hatte zwei Ämter: Er musste die Gebote Gottes übermitteln und seinen Prophetenauftrag führen. Das war das eine Amt. Sein anderes Amt war die Verwaltung der Gesellschaft und die Aufstellung von Regierungsanordnungen aufgrund der jeweiligen Bedürfnisse der Gesellschaft.

     

    Drittens: Die Gläubigen sollen die islamische Gesellschaftsordnung akzeptieren und den gerechten Führern folgen und diese unterstützen.

     

    Viertens: Der beste Weg zur Beseitigung von Meinungsverschiedenheiten unter den verschiedenen islamischen Konfessionen ist der, dass die Muslime sich nach der Schrift Gottes und der Tradition des Propheten richten. Diese werden von allen akzeptiert.

     

    Fünftens: Jemand der unter den Muslimen Streit auslösen will, der sollte wirklich an seinem Glauben zweifeln. Anstelle dessen sollte er nach Wegen suchen, wie Streitigkeiten beseitigt werden können.