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    Teil 23: Sure Al Baqarah (die Kuh) Verse 107- 112

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    Im Namen Gottes, des Allbarmherzigen, des Gütigen! Nun haben wir bereits über einhundert Verse aus dem Koran übersetzt und betrachtet. Die letzte Ayeh im vorigen Beitrag war die Ayeh 106 der Sure 2, die die Aufhebung einiger Gebote durch Gott behandelt. Diesen Teil beginnen wir mit dem Offenbarungszeichen 107 dieser Sure. In diesem wird derjenige, der eine solche Gebotsänderung bemängelt, auf die Macht Gottes hingewiesen und es heißt dort:

     

    (2: 107- 112)

     

    أَلَمْ تَعْلَمْ أَنَّ اللَّـهَ لَهُ مُلْكُ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضِ ۗ وَمَا لَكُم مِّن دُونِ اللَّـهِ مِن وَلِيٍّ وَلَا نَصِيرٍ

     

    “ „Weißt du denn nicht, dass Gott die Herrschaft über Himmel und Erde hat? Außer Ihm habt ihr weder Freund noch Helfer.“ (2: 107)

     

    Da die Bani Israel sich ein falsches Bild von der Herrschaft Gottes machten und glaubten, ihr könne etwas im Wege stehen, bemängelten sie die Änderung von Geboten. Aber der Allmächtige erinnert sie daran, dass die ganze Welt und alles Dasein in Seiner Hand liegt und dass Er der wahre Herr und Helfer der Menschen ist, so dass er über alles, was sie betrifft bestimmen und es ändern kann. Alle Hilfe und Unterstützung kommt von ihm. Im Vers 108 der Sure 2 heißt es dann:

     

     

    أَمْ تُرِيدُونَ أَن تَسْأَلُوا رَسُولَكُمْ كَمَا سُئِلَ مُوسَىٰ مِن قَبْلُ ۗ وَمَن يَتَبَدَّلِ الْكُفْرَ بِالْإِيمَانِ فَقَدْ ضَلَّ سَوَاءَ السَّبِيلِ

     

    „„Oder wollt ihr eurem Gesandten (d.h. Mohammad) ähnliche Fragen (unangebrachte Ansinnen) stellen, wie sie früher dem Mose (von den Bani Israel) gestellt worden sind? Jeder, der den Unglauben gegen den Glauben eintauscht, ist damit endgültig vom geraden Weg abgeirrt.“ (2: 108)

     

    Dieses Offenbarungszeichen richtet sich an Muslime mit schwachem Glauben, die vom Propheten alle möglichen Wunder verlangten. Die Bani Israel hatten von Moses verlangt, er sollte ihnen Gott zeigen. Sie wollten Gott mit eigenen Augen sehen und dann an ihn glauben. Oder sie hatten Moses um ein Schreiben von Gott gebeten. Wunder sind jedoch ein Weg, um die Prophetschaft eines Gottgesandten zu beweisen und den Einwänden einen Riegel vorzuschieben. Aber die Propheten haben nicht die Aufgabe, alles zu tun, was von ihnen verlangt wird. Dieser Koranvers mahnt daher, dass unangemessenen Erwartungen, gegenüber Gott-Gesandten und gegenüber Gott nahestehenden Menschen, zum Unglauben führen. Und wenn diese nicht auf unangemessene Wünsche eingehen, wird der Bittsteller daraufhin in Glaubenszweifel geraten.

     

    Auch die nächsten beiden Offenbarungszeichen, Vers 109 und 110, sind an die Muslime gerichtet. Es heißt dort im übertragenen Sinne:

     

    وَدَّ كَثِيرٌ مِّنْ أَهْلِ الْكِتَابِ لَوْ يَرُدُّونَكُم مِّن بَعْدِ إِيمَانِكُمْ كُفَّارًا حَسَدًا مِّنْ عِندِ أَنفُسِهِم مِّن بَعْدِ مَا تَبَيَّنَ لَهُمُ الْحَقُّ ۖ فَاعْفُوا وَاصْفَحُوا حَتَّىٰ يَأْتِيَ اللَّـهُ بِأَمْرِهِ ۗ إِنَّ اللَّـهَ عَلَىٰ كُلِّ شَيْءٍ قَدِيرٌ

     

    „„Viele von den Leuten der Schrift möchten euch gern, nachdem ihr gläubig geworden seid, wieder zu Ungläubigen machen, da sie Neid empfinden, obwohl ihnen die Wahrheit deutlich geworden ist. Aber rechnet es ihnen nicht an und seid nachsichtig (und wartet), bis Gott Seine Anordnung schickt. Er hat wirklich zu allem die Macht.“ (2: 109)

     

     

    وَأَقِيمُوا الصَّلَاةَ وَآتُوا الزَّكَاةَ ۚ وَمَا تُقَدِّمُوا لِأَنفُسِكُم مِّنْ خَيْرٍ تَجِدُوهُ عِندَ اللَّـهِ ۗ إِنَّ اللَّـهَ بِمَا تَعْمَلُونَ بَصِيرٌ

     

    „Und betet das (tägliche) Gebet und gebt die Zakatsteuer! Und wisset: alles was ihr an Gutem für euch vorausschickt, das werdet ihr (am Jüngsten Tag) bei Gott vorfinden. In der Tat sieht Allah was ihr tut.“ (2: 110)

     

    Die Juden in Medina waren unentwegt bestrebt, die Muslime von ihrem Glauben abzubringen oder ihren Glauben ins Schwanken zu bringen. Der Koran warnt die Muslime und sagt: Grund ist nicht, dass sie den Islam und den Koran nicht verstanden haben, sondern sie tun dies aus Neid. Die Muslime waren damals noch wenig an der Zahl und sie besaßen keine Macht. Daher wies Gott die Muslime an, sich mit der Waffe der Nachsicht gegen den Druck des Feindes zu wehren, und ihren Charakter zu veredeln, indem sie sich gedulden, bis Gott einen neuen Weg zur Verteidigung weist, nämlich das Gebot des Djihades gegen die Gottesleugner und -verleumder. Diesem Offenbarungszeichen ist zu entnehmen, dass einer Aggression des Feindes nicht sofort eine Aggression entgegengesetzt werden soll.

     

    Die islamische Moral verlangt, dass die Muslime zunächst gegenüber Anfeindungen Nachsicht üben, damit sich der Feind vielleicht besinnt und von seinen Anfeindungen ablässt. Wenn er dies nicht tut, dann ist der Kampf gegen ihn erlaubt. Die Ayeh 110 der Sure Baqarah enthielt die Anweisung, dass die Muslime ihr tägliches Gebet beten und die Zakatsteuer geben sollen, damit sie ihren Glauben wahren und nicht geschwächt werden und ihre Beziehung zu dem Schöpfer des Daseins und zu den anderen Muslimen, besonders zu den Bedürftigen unter ihnen, erstarkt. Im Koran geht das Gebot des täglichen Gebetes fast immer mit dem Gebot der Zakatabgabe, die wohltätigen Zwecken dient, einher. Denn Gott-Dienen reicht alleine nicht aus, der Mensch soll auch seinen Mitmenschen Dienste erweisen. Und wer nur Bedürftigen hilft, aber das Gott-Dienen vergisst, lässt sich leicht zu Überheblichkeit bewegen. Jedenfalls gibt Gott an dieser Stelle die gute Nachricht: Jedem von euch, der ein gutes Werk tut, dem ist bei Gott Belohnung sicher. Die beiden darauf folgenden Koranverse weisen darauf hin, dass die Bani Israel allen überlegen sein wollten.

     

    Vers 111 und 112 lassen sich wie folgt übersetzen:

     

     

    وَقَالُوا لَن يَدْخُلَ الْجَنَّةَ إِلَّا مَن كَانَ هُودًا أَوْ نَصَارَىٰ ۗ تِلْكَ أَمَانِيُّهُمْ ۗ قُلْ هَاتُوا بُرْهَانَكُمْ إِن كُنتُمْ صَادِقِينَ

     

    „„Und sie (d.h. die Leute der Schrift) sagen: ‚Niemand wird ins Paradies eingehen außer denen, die Juden oder Christen sind.‘ Das sind ihre (persönlichen) Wünsche. Sag: ‚Bringt doch euren Beweis vor, wenn ihr die Wahrheit sagt!'“ (2: 111)

     

     

    بَلَىٰ مَنْ أَسْلَمَ وَجْهَهُ لِلَّـهِ وَهُوَ مُحْسِنٌ فَلَهُ أَجْرُهُ عِندَ رَبِّهِ وَلَا خَوْفٌ عَلَيْهِمْ وَلَا هُمْ يَحْزَنُونَ

     

    „Aber nein! Wer auch immer sich Gott ergibt und dabei rechtschaffen ist, dem steht sein Lohn bei seinem Herrn zu! Und sie brauchen keine Angst zu haben, und sie werden nicht traurig sein.“ (2: 112)

     

    Mit diesen Koranzeichen wird eindeutig gesagt, dass die Behauptung der Juden, dass sie ganz bestimmt ins Paradies kommen, nicht mehr ist als ein schöner Wunschtraum. Das Paradies gehört keinem bestimmten Volk und keiner bestimmten Menschenrasse. Der einzige Maßstab für den Einlass ins Paradies sind die guten würdigen Werke des Menschen und ein gottesfürchtiges Verhalten. In diesen Koranversen heißt es, dass die guten Werke und die Gottergebenheit dem Menschen das Tor zum Paradies öffnen. Zusammengefasst schließen wir folgendes aus diesem Koranabschnitt: Wir sollten keine unangemessenen Erwartungen stellen, da dies den Glauben schwächt. Nachsicht und Güte gegenüber den Gottesleugnern und -verleumdern stehen an erster Stelle, erst dann härtere Reaktionen. Wir sollten wissen, dass Nachsicht keine Schwäche gegenüber ihnen ist, sondern die Möglichkeit schafft, dass sie aufhorchen und umdenken.

     

    Wir sollten nicht glauben, dass das der Einlass ins Paradies ein Monopolrecht eines bestimmten Volkes oder einer bestimmten Rasse ist, denn der Einlass ins Paradies hängt vom Glauben und rechtschaffenen Handeln ab. Wir sollten uns in den Dienst des Volkes stellen und wissen, dass Gott es sieht, wenn wir gute Werke tun. Wahrer Frieden hier und in der Ewigkeit sind nur durch Glauben, Aufrichtigkeit und gute Werke möglich. Jemand der Gott ergeben ist, fürchtet sich vor nichts und niemandem. Abschließend bitten wir Gott alle falschen Vorstellungen und Wünschen von uns fernzuhalten, damit wir nicht in Eigendünkel und Selbstzufriedenheit verfallen.