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    Teil 37: Sure Al Baqarah (die Kuh) Verse 177- 179

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    Der Koranvers 177 der Sure 2 lautet sinngemäß auf Deutsch: (2: 177- 179)

     

    لَّيْسَ الْبِرَّ أَن تُوَلُّوا وُجُوهَكُمْ قِبَلَ الْمَشْرِقِ وَالْمَغْرِبِ وَلَـٰكِنَّ الْبِرَّ مَنْ آمَنَ بِاللَّـهِ وَالْيَوْمِ الْآخِرِ وَالْمَلَائِكَةِ وَالْكِتَابِ وَالنَّبِيِّينَ وَآتَى الْمَالَ عَلَىٰ حُبِّهِ ذَوِي الْقُرْبَىٰ وَالْيَتَامَىٰ وَالْمَسَاكِينَ وَابْنَ السَّبِيلِ وَالسَّائِلِينَ وَفِي الرِّقَابِ وَأَقَامَ الصَّلَاةَ وَآتَى الزَّكَاةَ وَالْمُوفُونَ بِعَهْدِهِمْ إِذَا عَاهَدُوا ۖ وَالصَّابِرِينَ فِي الْبَأْسَاءِ وَالضَّرَّاءِ وَحِينَ الْبَأْسِ ۗ أُولَـٰئِكَ الَّذِينَ صَدَقُوا ۖ وَأُولَـٰئِكَ هُمُ الْمُتَّقُونَ

    „Rechtschaffenes Handeln besteht nicht nur darin, dass ihr euch (beim Gebet) mit dem Gesicht nach Osten oder Westen wendet. Es besteht vielmehr darin, dass man an Gott, den Jüngsten Tag, die Engel, die Schrift und die Propheten glaubt und sein Geld – obwohl es einem lieb ist – für die Verwandten, die Waisen, die Armen, den der unterwegs in Not geraten ist, die Bedürftigen und für die Freiheit der Sklaven hergibt, das Gebet verrichtet und die Zakatsteuer bezahlt. Und diejenigen, die, wenn sie eine Verpflichtung eingegangen sind, diese erfüllen, und die in Not und Ungemach und in Kriegszeiten geduldig sind. Ja, sie sind aufrichtig (wenn sie sagen, sie glauben, denn sie handeln nachdem was sie sagen und denken) und sie sind die wahrhaft Gottesfürchtigen.“ (2: 177)

     

    Dieser Koranvers ist einer der umfangreichsten im Koran. In ihm werden die wichtigsten Grundlagen der Rechtschaffenheit, die im Islam hinsichtlich Überzeugung, Handeln und Moral bestehen, besprochen. Der Prophet hat über diesen Koranvers gesagt:

     

    „Wer nach dieser Ayeh handelt, dessen Glauben ist vollendet.“

     

    Schon zuvor steht in der Sure 2 über die Änderung der Gebetsrichtung geschrieben und wir hatten bei der Besprechung dieser Koranstelle gesagt, dass die Juden die Änderung der Gebetsrichtung heftig kritisierten und dieser Änderung eine große Bedeutung beimaßen. Dieser Vers ist eine Erwiderung auf ihr Verhalten und Er mahnt sie: glaubt nicht, dass es bei der Religion Gottes nur wichtig ist, in welche Richtung der Mensch betet. Die Religion Gottes hat viel mehr und viel wichtigere Aspekte, und ein wirklich religiöser Mensch ist ein Mensch, der alle diese Aspekte ernst nimmt.

     

     

    Ein großer Teil der Religionslehre bezieht sich auf die innere Überzeugung und besagt, dass der Mensch an Gott, die Engel, die Himmelschriften, den Jüngsten Tag und die Propheten glauben soll.

     

    Es leuchtet ein, dass sich eine solche Überzeugung des Glaubens im Handeln, der Erfüllung der religiösen Pflichten, wie dem täglichen Gebet, oder auch in der Sorge um die Bedürftigen, in Form der Zakatsteuerabgabe oder Spenden, zeigen muss. Dieses Handeln gemäß der Überzeugung bildet einen weiteren Teil der Religion.

     

    Aber ein dritter Teil der Religion besteht darin, die Beziehung zu Gott und zu seinen Geschöpfen richtig und dauerhaft aufrecht zu erhalten. Dafür ist die Beachtung von moralischen Grundsätzen wie Ausdauer, Standhaftigkeit und Treue bezüglich aller Verpflichtungen gegenüber Gott und den Menschen notwendig.

     

    Die Ayeh 177 der Sure 2 bezeichnet diejenigen als gute Menschen, die sowohl die Spendepflicht in Form der Zakatabgabe einhalten als auch spenden, ohne religiös dazu verpflichtet zu sein. Einige aber glauben, dass sie ihre Pflichtzahlungen nicht mehr zu leisten brauchen, wenn sie Bedürftigen geholfen haben und andere glauben, dass sie die Not der Bedürftigen nichts mehr angeht, weil sie die Zakatsteuer entrichtet haben.

     

    Auch die nächste Ayeh der Sure Baqarah, Ayeh 178, ist etwas länger. Sie enthält folgende Anweisungen:

     

    يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا كُتِبَ عَلَيْكُمُ الْقِصَاصُ فِي الْقَتْلَى ۖ الْحُرُّ بِالْحُرِّ وَالْعَبْدُ بِالْعَبْدِ وَالْأُنثَىٰ بِالْأُنثَىٰ ۚ فَمَنْ عُفِيَ لَهُ مِنْ أَخِيهِ شَيْءٌ فَاتِّبَاعٌ بِالْمَعْرُوفِ وَأَدَاءٌ إِلَيْهِ بِإِحْسَانٍ ۗ ذَٰلِكَ تَخْفِيفٌ مِّن رَّبِّكُمْ وَرَحْمَةٌ ۗ فَمَنِ اعْتَدَىٰ بَعْدَ ذَٰلِكَ فَلَهُ عَذَابٌ أَلِيمٌ

    „Ihr Gläubigen! Bei Totschlag ist euch die Vergeltung vorgeschrieben: ein Freier für einen Freien, ein Sklave für einen Sklaven, und ein weibliches Wesen für ein weibliches Wesen. Und wenn jemandem von seiten seines religiösen Bruders etwas erlassen wird (und der Anspruch auf Vergeltung in den Anspruch auf Blutgeld umgewandelt wird) soll die Zahlung der Di’eh (des Blutgeldes) auf rechte und richtige Weise vollzogen werden. Das (die Möglichkeit, die Vergeltung in Wiedergutmachungszahlung umwandeln zu dürfen) ist eine Erleichterung und Barmherzigkeit von seiten eures Herrn. Wenn nun aber einer hierbei eine Übertretung begeht, hat er eine schmerzhafte Strafe zu erwarten.“ (2: 178)

     

    Der Islam sieht nicht nur den einzelnen Menschen getrennt von der Gemeinschaft, sondern auch den Menschen in seiner Beziehung zu den anderen Mitgliedern der Gesellschaft. Für diese Beziehungen hat er Gebote aufgestellt, aufgrund derer Sicherheit hergestellt werden kann. Ein Problem, das in jeder Gesellschaft vorkommt, ist der Totschlag. Zur Verhütung von Morden, welche das Leben der Menschen unsicher machen, gibt es im Islam das Gebot der Vergeltung. Laut diesem Gebot wird bei absichtlichem Mord, der Mörder zum Tode verurteilt, damit nicht wieder unschuldiges Blut vergossen wird und keiner es wagt, anderen Menschen das Leben zu nehmen.

     

    Aber bei der Ausübung dieses Rechtes muss Gerechtigkeit herrschen. Der Mord an einem Mann wird an einem Mann vergolten, der an einer Frau an einer Frau und wenn dies nicht möglich ist, so muss für Unterschiede Blutgeld bezahlt werden.

     

    Man sollte sich in diesem Zusammenhang verdeutlichen, welche Regelungen und Sitten zuvor, d.h. in vorislamischer Zeit, bei den Arabern üblich waren: Wenn jemand den Angehörigen eines fremden Stammes umgebracht hatte, waren alle Mitglieder des betroffenen Stammes, für den Mord an nur einer Person bereit, den Stamm, zu dem der Mörder gehörte, auszurotten. So konnte es sein, dass lange Kriege zwischen verschiedenen Stämmen ausbrachen.

     

    Aber der Islam legt Gerechtigkeit und Angemessenheit zugrunde. Auf der einen Seite untersagt er, dass für den Mord an einer Person, mehr als eine Person getötet wird, auf der anderen Seite räumt er den Angehörigen des Opfers das Recht zur Vergeltung ein, lässt aber auch zu, dass sie für den Erhalt eines Blutgeldes oder sogar ohne ein solches, auf Vergeltung am Mörder verzichten. Wenn aber die Angehörigen des Opfers die Di’eh-Zahlung verlangen, dann dürfen sie deshalb trotzdem nicht den Schuldner ungebührend bedrängen. Aber auch der Täter darf die Zahlung dieser Wiedergutmachung nicht unbegründet hinauszögern.

     

    Beide Seiten müssen einen guten, angemessenen Weg wählen und sich bewusst sein darüber, dass eine Übertretung der göttlichen Gesetze eine harte Bestrafung am Jüngsten Tag zur Folge hat.

     

    Der folgende Koranvers, Ayeh 179, der Sure 2 weist auf die wichtige Rolle der Anweisungen, die in Ayeh 178 erfolgten, hin.

     

    Sein Inhalt lautet sinngemäß:

     

    وَلَكُمْ فِي الْقِصَاصِ حَيَاةٌ يَا أُولِي الْأَلْبَابِ لَعَلَّكُمْ تَتَّقُونَ

     

    „Ihr, die ihr Verstand habt: Im Gesetz der Vergeltung verbirgt sich Leben für euch. Vielleicht werdet ihr gottesfürchtig sein.“ (2: 179)

     

    Leider wenden Einige, ohne die Wirkungen des Gesetzes der Vergeltung zu kennen ein, durch den Tod des Mörders würde das Opfer doch nicht wieder lebendig. Und sie erheben den Vorwurf, dass diejenigen, die Vergeltung üben, selber einen Mord begehen.

     

    Der Koran hält die Antwort zu dieser Kritik, die heute oftmals unter dem Begriff „Menschenrechte“ geübt wird, bereit. Er verweist auf einen wichtigen Punkt:

     

    Menschliche Gemeinschaften können nicht überstehen, wenn in ihnen keine Sicherheit und Gerechtigkeit herrscht. Für die Herstellung von beidem ist die Vergeltung an einem Mörder notwendig.

     

    Vergeltung ist weniger persönliche Vergeltung als vielmehr ein Garantiefaktor für die Sicherheit in der Gesellschaft. Es fragt sich, in welchen Ländern heute die Krimininalstatistiken die höchsten Mordraten aufweisen: In den Ländern, in denen das Gesetz der Vergeltung zumindest zum Teil gilt oder in den Ländern, die das Handeln nach diesem Gesetz als Mord bezeichnen?

     

    Aus den Ayeh 177 bis 179 der Sure 2, können wir wie folgt zusammenfassen:

     

    1. Der Glaube an Gott zählt, wenn er damit einhergeht, dass wir Bedürftigen und Notleidenden helfen und die Rechte der Anderen achten.
    2. Auf dem Wege Gottes auf Hab und Gut zu verzichten, ist ein Zeichen dafür wie echt unser Glaube ist.
    3. Glaube setzt auch Standhaftigkeit in Zeiten der Armut, des Leidens und des Kriegsgeschehens voraus. In Zeiten von Frieden und Sicherheit zu glauben, beweist noch nicht die Festigkeit dieses Glaubens.
    4. Der Islam sieht in der Vergeltung nicht den einzigen Weg zur Bestrafung des Mörders und sieht auch nicht wie andere den besten Weg darin, die Strafe vollständig zu erlassen. Er räumt neben dem Vergeltungsurteil noch die Wahl zwischen zwei weiteren Wegen ein:

     

    Verzicht der Betroffenen auf Vergeltung bei Erhebung eines Blutgeldes oder Verzicht der Betroffenen auf Vergeltung bei gleichzeitigem Verzicht auf einen Blutgeldanspruch.

     

     

    Abschließend bitten wir Gott, er möge uns beistehen, damit wir an alle seine Gebote glauben und uns nicht das aussuchen, was uns gefällt, d.h. an einen Teil der Religionslehre glauben und an einen anderen Teil nicht.