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    Teil 60: Sure Al Baqarah (die Kuh) Verse 278- 282

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    Im letzten Teil wurden Koranverse in denen es um Zinsgeschäfte geht behandelt und die schlimme Wirkung solcher Geschäfte aufgezeigt. Auch in den folgenden Versen aus der Sure 2 geht es um Zinsgeschäfte.

    Hier die Übersetzung von Vers 278 und 279 der Sure 2:

     

    (2: 278- 282)

     

    يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا اتَّقُوا اللَّـهَ وَذَرُوا مَا بَقِيَ مِنَ الرِّبَا إِن كُنتُم مُّؤْمِنِينَ

     

    „Ihr Gläubigen! Fürchtet euch vor Gott! Und lasst künftig das Zinsnehmen bleiben, wenn ihr gläubig seid!“ (2: 278)

     

    فَإِن لَّمْ تَفْعَلُوا فَأْذَنُوا بِحَرْبٍ مِّنَ اللَّـهِ وَرَسُولِهِ ۖ وَإِن تُبْتُمْ فَلَكُمْ رُءُوسُ أَمْوَالِكُمْ لَا تَظْلِمُونَ وَلَا تُظْلَمُونَ

     

    „Wenn ihr dies nicht tut, dann sagt ihr Gott und Seinem Gesandten den Krieg an! Wenn ihr euch jedoch bekehrt, steht euch euer (verliehenes) Kapital zu, so dass weder ihr (durch Zinsgeschäfte) Unrecht tut, noch euch Unrecht (durch Vorenthaltung des verliehenen Kapitals) getan wird.“ (2: 279)

     

    Bevor das Zinsverbot offenbart worden war, hatten einige Muslime Geld verliehen und Zinsen dafür erhalten. Doch nach dem Verbot von Zinsgeschäften, kamen sie zum Propheten, um ihn zu fragen, was nun zu tun sei. Dem Propheten wurden die beiden Koranverse geoffenbart. Daraufhin erklärte er vor den versammelten Muslimen alle bisherigen Zinsgeschäfte für ungültig und sagte: Als erste müssen meine Verwandten das Zinsnehmen einstellen.

     

    In den vorherigen Versen hieß es, wenn ihr den Bedürftigen helft und ihnen Geld leiht, ohne dafür Zinsen zu verlangen, dann ist dies als ob ihr Gott Geld geliehen hättet. Daher wird Gott euch dies lohnen. In den Versen 278 und 279 der Sure 2 werden nun diejenigen gemahnt, die Geld verleihen um damit Zinsgeschäfte zu machen und damit die Bedürftigen unter Druck setzen. Ihnen wird gedroht: Wenn ihr dieses Unrecht weiter betreibt und das Zinsnehmen nicht einstellt, so kommt dies einer Kriegserklärung an Gott gleich. Und Gott wird die Rechte der Bedürftigen verteidigen.

     

    Aus Offenbarungswort 278 und 279 der Sure 2 entnehmen wir folgendes:

     

    Erstens: Der religiöse Glaube beschränkt sich nicht nur auf das tägliche Gebet und das Fasten, er verlangt auch, dass wir uns vor unrechtmäßiger Besitzanhäufung hüten. Sich von solchem religions-rechtlich verbotenen Einkommen fern zu halten, ist praktizierte Gottesfürchtigkeit.

     

    Zweitens: Der Islam respektiert das persönliche Eigentum, er erlaubt jedoch den Reichen die Ausbeutung anderer nicht.

     

    Drittens: Weder anderen ein Unrecht zu tun ist zulässig noch sich ein Unrecht von anderen antun zu lassen. Bezüglich der Zinsgeschäfte bedeutet das, sowohl Zins nehmen als auch Zins zahlen sind untersagt.

     

    Die nächsten beiden Koranverse, Vers 280 und 281, Sure 2, lauten wie folgt:

     

    وَإِن كَانَ ذُو عُسْرَةٍ فَنَظِرَةٌ إِلَىٰ مَيْسَرَةٍ ۚ وَأَن تَصَدَّقُوا خَيْرٌ لَّكُمْ ۖ إِن كُنتُمْ تَعْلَمُونَ

     

    „Und wenn einer (ein Schuldner) in Bedrängnis ist (und nicht die Schuld rechtzeitig zurückbezahlen kann), dann gebt ihm Aufschub, bis er Erleichterung gefunden hat. (wenn er aber überhaupt nicht in der Lage ist, die Schuld zurückzubezahlen) ist es besser für euch, wenn ihr ihm (die Schuld) schenkt. Wenn ihr nur Bescheid wüsstet.“ (2: 280)

     

    وَاتَّقُوا يَوْمًا تُرْجَعُونَ فِيهِ إِلَى اللَّـهِ ۖ ثُمَّ تُوَفَّىٰ كُلُّ نَفْسٍ مَّا كَسَبَتْ وَهُمْ لَا يُظْلَمُونَ

     

    „Und fürchtet euch vor dem Tag, an dem ihr zu Gott zurückgebracht werdet, worauf jedem voll der Lohn für das gezahlt wird, was er begangen hat! Und ihnen wird nicht Unrecht getan.“ (2: 281)

     

    Der Koran spornt die Muslime an zinslos Geld zu verleihen, den Bedürftigen zu helfen und warnt sie vor Zinsgeschäften.

     

    Diese beiden Koranverse weisen auf einen ethisch wichtigen Punkt hin, nämlich: wenn ein Schuldner nicht in der Lage ist, rechtzeitig seine Schuld zu begleichen, so soll ihm eine Frist eingeräumt oder noch besser die Schuld geschenkt werden. Dieser Schuldnachlass wird ganz gewiss von Gott belohnt werden.

     

    Wenn sich die Menschen solche Empfehlungen zu Herzen nehmen würden, wie viel freundlicher wäre dann die Atmosphäre in einer Gesellschaft! Die Bedürftigen hätte keine Not mehr zu leiden, und die Wohlhabenden würden nicht mehr der Gier und Sucht nach weltlichen Dingen zum Opfer fallen. Es gäbe nicht mehr so große Unterschiede zwischen den Menschen.

     

     

    Aus dieser Koranstelle entnehmen wir:

     

    Erstens: Ein wichtiger Aspekt, um den es beim Spenden und zinslosen Geldverleih geht, ist das Wohl der Entbehrenden. Deshalb darf es nicht passieren, dass sie nach Rückzahlung ihrer Schulden wieder genauso arm sind wie vorher.

     

    Zweitens: Der Islam ist wahrer Unterstützer der Schwachen. Durch das Zinsverbot und den Aufruf zum Spenden will er die wirtschaftlichen Lücken in einer Gesellschaft schließen.

     

    Drittens: Gottes Zufriedenheit zu gewinnen und die Bedürftigen zufrieden zu stellen, steht über einem Einkommensgewinn.

     

    Es folgt nun Vers 282 der Sure 2 in der Übersetzung:

     

    يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا إِذَا تَدَايَنتُم بِدَيْنٍ إِلَىٰ أَجَلٍ مُّسَمًّى فَاكْتُبُوهُ ۚ وَلْيَكْتُب بَّيْنَكُمْ كَاتِبٌ بِالْعَدْلِ ۚ وَلَا يَأْبَ كَاتِبٌ أَن يَكْتُبَ كَمَا عَلَّمَهُ اللَّـهُ ۚ فَلْيَكْتُبْ وَلْيُمْلِلِ الَّذِي عَلَيْهِ الْحَقُّ وَلْيَتَّقِ اللَّـهَ رَبَّهُ وَلَا يَبْخَسْ مِنْهُ شَيْئًا ۚ فَإِن كَانَ الَّذِي عَلَيْهِ الْحَقُّ سَفِيهًا أَوْ ضَعِيفًا أَوْ لَا يَسْتَطِيعُ أَن يُمِلَّ هُوَ فَلْيُمْلِلْ وَلِيُّهُ بِالْعَدْلِ ۚ وَاسْتَشْهِدُوا شَهِيدَيْنِ مِن رِّجَالِكُمْ ۖ فَإِن لَّمْ يَكُونَا رَجُلَيْنِ فَرَجُلٌ وَامْرَأَتَانِ مِمَّن تَرْضَوْنَ مِنَ الشُّهَدَاءِ أَن تَضِلَّ إِحْدَاهُمَا فَتُذَكِّرَ إِحْدَاهُمَا الْأُخْرَىٰ ۚ وَلَا يَأْبَ الشُّهَدَاءُ إِذَا مَا دُعُوا ۚ وَلَا تَسْأَمُوا أَن تَكْتُبُوهُ صَغِيرًا أَوْ كَبِيرًا إِلَىٰ أَجَلِهِ ۚ ذَٰلِكُمْ أَقْسَطُ عِندَ اللَّـهِ وَأَقْوَمُ لِلشَّهَادَةِ وَأَدْنَىٰ أَلَّا تَرْتَابُوا ۖ إِلَّا أَن تَكُونَ تِجَارَةً حَاضِرَةً تُدِيرُونَهَا بَيْنَكُمْ فَلَيْسَ عَلَيْكُمْ جُنَاحٌ أَلَّا تَكْتُبُوهَا ۗ وَأَشْهِدُوا إِذَا تَبَايَعْتُمْ ۚ وَلَا يُضَارَّ كَاتِبٌ وَلَا شَهِيدٌ ۚ وَإِن تَفْعَلُوا فَإِنَّهُ فُسُوقٌ بِكُمْ ۗ وَاتَّقُوا اللَّـهَ ۖ وَيُعَلِّمُكُمُ اللَّـهُ ۗ وَاللَّـهُ بِكُلِّ شَيْءٍ عَلِيمٌ

     

    „Ihr Gläubigen! Wenn ihr auf eine bestimmte Frist ein Schuldverhältnis eingeht, dann schreibt es auf! Und ein Schreiber soll es in eurer Gegenwart aufschreiben, so wie es recht und billig ist. Und wer schreiben kann, der soll aus Dank dafür, dass Gott ihn das Schreiben lehrte, sich nicht weigern, es aufzuschreiben. Und der Schuldner soll diktieren und Gott seinen Herrn fürchten und nichts davon abzwacken. Und wenn der Schuldner schwachsinnig oder minderjährig ist oder nicht selber zu diktieren vermag, soll sein Anwalt, so wie es recht und billig ist (die geschuldete Summe und Zahlungsfrist) diktieren. Und nehmt zwei Männer von euch zu Zeugen. Wenn es nicht zwei Männer sein können, dann sollen es ein Mann und zwei Frauen sein, solche, die euch als Zeugen genehm sind, damit für den Fall, dass die eine von ihnen sich irrt oder etwas vergisst, die andere sie daran erinnert. Und die Zeugen sollen sich nicht weigern (als solche aufzutreten), wenn sie dazu aufgefordert werden. Und lasst es euch nicht verdrießen (ihr Gläubigen) es (die Schuldsumme und Frist) aufzuschreiben, ob gering oder groß! Auf diese Weise ist, so dünkt es Gott, am besten dafür gesorgt, dass ihr gerecht handelt und richtig Zeugnis abgebt, und keine Zweifel hegt. Anders ist es, wenn es sich um eine augenblicklich greifbare, unter euch zirkulierende Ware oder ein Bargeschäft handelt. Dann ist es für euch keine Sünde, wenn ihr es nicht aufschreibt. Aber nehmt, wenn ihr ein Kaufgeschäft abschließt, Zeugen! Und kein Schreiber oder Zeuge darf (von euch) unter Druck gesetzt oder schikaniert werden (damit er Unwahres schreibt oder aussagt). Wenn ihr dies tut, so ist dies ein Frevel gegenüber Gott. Und fürchtet Gott! Gott lehrt euch (wie ihr richtig leben und dass ihr gerecht sein sollt) und weiß alles.“ (2: 282)

     

    Dieser Koranvers ist der längste Koranvers überhaupt. Er handelt vom haq-ol-naas, d.h. der Wahrung der finanziellen Rechte der Menschen. Der Vers 282 der Sure 2 regelt Handelsgeschäfte. Diese Regeln sollen verhindern dass einer der Handelspartner Schaden erleidet oder benachteiligt wird.

     

    Die Bedingungen, die dieser Koranvers für die Richtigkeit eines Handelsvertrages aufstellt, lassen sich wie folgt zusammenfassen:

     

    Erstens: Für jeden Geldverleih und jedes Geschäft, bei dem später die geschuldete Leistung erbracht werden soll, muss eine Urkunde erstellt werden, unabhängig vom Wert der Schuld.

     

    Zweitens: Ein Schreiber, der weder Schuldner noch Gläubiger ist, soll diese Urkunde schreiben. Derjenige, der eine Schuld auf sich nimmt, soll den Inhalt diktieren.

     

    Drittens: Der Schuldner und der Schreiber dürfen Gott nicht vergessen und nicht von Wahrheit und Recht abweichen.

     

    Viertens: Es müssen außerdem mindestens zwei vertrauenswürdige Zeugen zugegen sein.

     

    Fünftens: Bei Bargeschäften braucht nichts schriftlich festgehalten zu werden. Zeugen genügen.

     

    Wir sehen wie umfassend der Islam ist. Er umfasst nicht nur das seelische Wohl des Menschen, sondern behandelt auch rechtliche Fragen aus dem Alltag. Beachten Sie, dass das Gebot, die vereinbarten Vertragsbedingungen schriftlich festzuhalten, in einer Zeit erfolgte, in der die meisten Menschen nicht schreiben konnten. Dies zeigt auch, dass der Islam die Menschen anregt die Schrift zu erlernen.

     

    Das Gebot, einen Handel schriftlich festzuhalten, soll dazu dienen, dass kein Misstrauen entsteht, weil evtl. eine vereinbarte Pflicht vergessen wurde, Irrtümer entstehen oder die Schuld abgestritten wird.

    Auch die wirtschaftliche Sicherheit nimmt durch schriftliche Vereinbarungen zu.

     

    Die genaue Beschreibung eines Handels hat daher zumindest drei Vorteile:

     

    – sie bürgt für die Verwirklichung der Gerechtigkeit,

    – sie ist eine Urkunde für das Handelsgeschäft und

    – sie verhindert das Aufkommen von Misstrauen in der Gesellschaft