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    Teil 78: Sure Al-e Imran (Familie oder das Haus des Imran) Verse 90-94

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    Wieder wollen wir in den Koran hineinsehen und uns näher mit seiner Bedeutung beschäftigen. In unserer Koraninterpretation folgen nun die Verse 90 und 91 der Sure Al-e Imran: (3: 90- 94)

     

    إِنَّ الَّذِينَ كَفَرُوا بَعْدَ إِيمَانِهِمْ ثُمَّ ازْدَادُوا كُفْرًا لَّن تُقْبَلَ تَوْبَتُهُمْ وَأُولَـٰئِكَ هُمُ الضَّالُّونَ

     

    „In der Tat! Diejenigen, die ungläubig geworden sind, nachdem sie gläubig waren, und hierauf dem Unglauben immer mehr verfallen, deren Reue wird nicht angenommen werden. Das sind die, die irregehen. (3: 90)

     

    إِنَّ الَّذِينَ كَفَرُوا وَمَاتُوا وَهُمْ كُفَّارٌ فَلَن يُقْبَلَ مِنْ أَحَدِهِم مِّلْءُ الْأَرْضِ ذَهَبًا وَلَوِ افْتَدَىٰ بِهِ ۗ أُولَـٰئِكَ لَهُمْ عَذَابٌ أَلِيمٌ وَمَا لَهُم مِّن نَّاصِرِينَ

    Diejenigen, die ungläubig geworden sind und in diesem Zustand sterben – nicht die Erde voller Gold würde von einem von ihnen angenommen werden, wenn er sich damit loskaufen wollte. Eine schmerzhafte Strafe haben sie zu erwarten. Und sie haben keinen Helfer.“ (3: 91)

     

    Der Mensch entscheidet selber darüber, welchen Weg er geht und wählt den Glauben oder den Unglauben. Manche glauben nur, weil sie ihren Vorvätern folgen oder weil es ihnen gerade so gefällt oder passt. Ein derartiger Glaube entbehrt einer festen Grundlage. Daher geben sie ihn auch mit Leichtigkeit auf und verfallen in Unglauben. Möglicherweise treten sie sogar an die Spitze der Ungläubigen.

     

    Solche Leute geraten derart auf Abwege, dass sie sich mit eigenen Händen den Weg zur Rückkehr verbauen. Sie sind dermaßen oberflächlich, dass nur die Todesgefahr oder der Sieg der Muslime sie wachrütteln und sie zur Reue zwingen könnte. Aber eine Reue, die aus Angst ums Leben geschieht, ist nichts wert, sie wird nicht anerkannt. Reue muss aufgrund wahrhaftiger innerer Umkehrbereitschaft beruhen und nicht auf äußeren Umständen. Ein rein mündliches Reuebekenntnis nützt nichts mehr. Weder mit einem Lippenbekenntnis noch mit allem Reichtum können sie sich vor der göttlichen Strafe am Jüngsten Tag retten. Es gibt niemanden, der ihnen helfen könnte, vor dem Brand der Verdammnis sicher zu sein.

     

    Wir sehen daher:

     

    Erstens: Die Wahrung des Glaubens ist noch wichtiger als der Glauben selber. Wie oft sind nicht schon Gläubige zu Ungläubigen geworden!

     

    Zweitens: Gott nimmt Reue entgegen. Aber einige Menschen beharren auf ihrem Unglauben, sodass sie alle Voraussetzungen für Gottes Barmherzigkeit verlieren.

     

    Drittens: Verlassen wir uns nicht auf unseren Glauben, die Gefahr als Ungläubiger zu sterben droht jedem.

     

    Vers 92 der Sure 3 beinhaltet folgendes:

     

    لَن تَنَالُوا الْبِرَّ حَتَّىٰ تُنفِقُوا مِمَّا تُحِبُّونَ ۚ وَمَا تُنفِقُوا مِن شَيْءٍ فَإِنَّ اللَّـهَ بِهِ عَلِيمٌ

     

    „Ihr (Gläubigen) werdet das Gutsein nicht erlangen, solange ihr nicht etwas von dem hergebt, was ihr liebt. Und was immer ihr hergebt, darüber weiß Gott Bescheid.“ (3: 92)

     

    In diesem Vers der Sure 3 steht das arabische Wort Al Ber. Dieses Wort hat eine umfassende Bedeutung und umfasst alles Gute, sowohl im Denken wie im Handeln. Der Koran nennt dazu Beispiele: Glaube an Gott, Handlungen wie das tägliche Gebet, der Kampf um das Gute im Zeichen Gottes, das Einhalten eines Bündnisses. Vers 92 der Sure 3 nennt als Beispiel für „Al Ber“ das Spenden. Er sagt: Spenden ist ein gutes Werk, wenn wir den anderen von dem geben, was wir selber gerne haben. Wenn wir weggeben, was wir selber benutzt haben und nicht mehr benötigen, so ist dies also kein „ Al Ber“.

     

    In den Überlieferungen steht, dass am Hochzeitsabend von Fatemeh, der geehrten Tochter des Propheten (gesegnet sei sie), ein Bettler an die Haustür klopfte. Er bat um alte Kleidung. Fatemeh gab ihm ihr neues Kleid, das Hochzeitskleid. Damit handelte sie nach der göttlichen Anweisung: Spendet von dem, was ihr gerne habt.

     

    Wir sollten also nicht denken, die Bedürftigen sind mit dem zufrieden was wir ablegen oder uns überfällig ist. Sie sind aufgrund ihrer Mittellosigkeit dazu gezwungen, damit zufrieden zu sein. Wir sollten also von dem spenden, was ihr selber gern haben.

     

    Infaq – ist ein ausgedehnter Begriff und mehr als nur Spenden. Unter Infaq fällt jede Hilfe an andere. Das kann eine Geldspende sein oder auch ein Geschenk. Jemandem Geld leihen, natürlich zinslos, ist ebenso Infaq. Damit kann auch eine Stiftung gemeint sein oder die Erfüllung eines Gelöbnisses.

     

    Wir schließen aus der Ayeh 92, der Sure 3:

     

    Erstens: Aus der Sicht der Religion Gottes, besteht „Gutsein“ nicht nur im täglichen Gebet und anderen Formen der Gottesanbetung. Der Gläubige hat ebenso die Aufgabe den Bedürftigen zu helfen und aus wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu helfen.

     

    Zweitens: Gott sieht alles, was wir anderen spenden, wir sollten daher vom Besten geben und genug.

     

    Drittens: Die Märtyrer erreichen den höchsten Rang, denn sie haben ihr liebstes Kapital auf dem Wege Gottes gegeben: Ihr Leben!

     

    Viertens: Beim Helfen ist die Qualität entscheidend, nicht die Menge.

     

    Fünftens: Im Islam geht es nicht nur darum, die Hungernden zu sättigen, sondern es geht auch darum, dass der Spender innerlich an seiner Spende wächst. Das ist der Fall, wenn er sich von dem, was er gerne hat trennt. Dies lässt Großzügigkeit und Opferbereitschaft in ihm wachsen.

     

    Nun die Übersetzung der Verse 93 und 94, Sure 3:

     

    كُلُّ الطَّعَامِ كَانَ حِلًّا لِّبَنِي إِسْرَائِيلَ إِلَّا مَا حَرَّمَ إِسْرَائِيلُ عَلَىٰ نَفْسِهِ مِن قَبْلِ أَن تُنَزَّلَ التَّوْرَاةُ ۗ قُلْ فَأْتُوا بِالتَّوْرَاةِ فَاتْلُوهَا إِن كُنتُمْ صَادِقِينَ

     

    „Alle Speisen waren, bevor noch die Thora herabgesandt wurde, den Kindern Israels erlaubt, ausgenommen das, was Israel (Beiname des Propheten Jakob) sich selber verboten hat. Sag: Bringt doch die Thora herbei und lest sie vor, wenn ihr die Wahrheit sagt! (3: 93)

     

    فَمَنِ افْتَرَىٰ عَلَى اللَّـهِ الْكَذِبَ مِن بَعْدِ ذَٰلِكَ فَأُولَـٰئِكَ هُمُ الظَّالِمُونَ

     

    Diejenigen, die, nachdem dies klargelegt ist, gegen Gott Lügen aushecken, sind die Frevler.“ (3: 94)

     

    Die Juden in Medina kritisierten, dass das Religionsgesetz des Islam in einigen Punkten dem Gesetz der Propheten Jesus und Moses widersprach. Zum Beispiel sagten sie: In den Lehren dieser Propheten war Kamelfleisch und Kamelmilch nicht erlaubt, aber im Islam sind sie erlaubt.

     

    In dieser Ayeh erfolgt die Antwort, dass Dinge wie diese auch unter Moses erlaubt waren. Nur Jakob (Israel), hatte zuvor auf Fleisch und Milch des Kamels verzichtet, weil er sie nicht vertrug und die Bani Israel dachten, dies sei ein ewiges religiöses Verbot. Das war es aber nicht. Moses hatte sie erlaubt und das stand in der Thora.

     

    Darauf weist diese Koranstelle hin, denn es heißt: Die Thora ist die Quelle des Religionsgesetzes, dass Moses überbrachte und nicht das, was ihr gehört habt oder sagt. Erst wenn in der Thora etwas verboten ist, dann betrachtet es als verboten. Behauptet nicht etwas von Gott, was nicht stimmt.

     

    Wir entnehmen dieser Koranstelle wieder mehrere Punkte:

     

    Erstens: Was Gott erlaubt hat, das verbietet nicht, und was er verbietet, dass erklärt nicht für erlaubt. Richtet euch danach, was die Religion als verboten oder erlaubt erklärt hat, und nicht danach was die Leute sagen oder was sich in der Gesellschaft als Kultur oder Brauch eingebürgert hat.

     

    Zweitens: Grundsätzlich gilt in Zweifelsfällen, dass eine Speise erlaubt ist. Wir brauchen nicht zu beweisen, dass dies der Fall ist. Aber wenn jemand die Behauptung aufstellt, dass etwas religionsrechtlich verboten ist, dann muss er dies begründen.

     

    Drittens: Wir sollten unsere persönliche Meinung nicht im Namen der Religion vorbringen. Dies ist das größte Unrecht, dass wir der Religionslehre, ihrer Führung und den anderen antun können.

     

    Abschließend hoffen wir, dass wir den anderen voraus sind, wenn es darum geht den Bedürftigen zu helfen. Außerdem hoffen wir, dass wir uns hinsichtlich der religiösen Gebote an die Schrift Gottes halten, anstatt uns nach Sitten und Bräuchen zu orientieren.