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    Über die Entstehung der Ulum al-Quran[1]

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    Zur Zeit seiner Offenbarung war der Koran für die Zuhörer ein leben­diges Ereignis. Er war Teil ihres Lebens, eher noch das Leben selbst, und nicht bloß ein Buch. Man braucht kaum die Hilfe anderer, um sein eigenes Leben zu verstehen. Jedoch wurden die lebendigen Worte gleichzeitig auch niedergeschrieben. Sie wurden zum Buch. Ein ge­wisser Verlust ist unvermeidbar bei einem solchen Vorgang: der Text bleibt nicht so lebendig, so verständlich wie davor; dennoch gibt es hierzu keine Alternative. Aber mit der Zeit braucht ein geschriebener Text zum klaren Verständnis zunehmend Hilfe von außen. Es war deshalb natürlich und unvermeidbar, dass im Umkreis des Korans verschiedene Wissenszweige entstanden, um zu seinem besseren Verständnis bei­zutragen.

     

    Zu Lebzeiten des Propheten (Allah schenke ihm Frieden) begann die Entwicklung jener Disziplinen und Wissenszweige, die sich auf das Verständnis des Korans bezogen und dafür für erforderlich gehal­ten wurden. Man nennt sie ulum al-quran. Das Bedürfnis, die Bedeu­tung der verschiedenen Begriffe und Texte richtig und vollständig zu verstehen, war von Anfang an vorhanden. So wurden die exege­tischen (tafsir) und lexikalischen (mufradat, gharaib, lugha) Grund­lagen gelegt. Stufenweise wurden die Fragestellungen weiter ausge­weitet. Was wurde wann und wo offenbart? Bei welcher Gelegenheit und unter welchen Umständen? Waren unterschiedliche Lesarten erlaubt und falls ja, welche waren es? Wurden Versen durch neue ersetzt? Wie wurde der Koran angeordnet und wie wurde er ge­sammelt? Dies sind nur einige Fragen, die gestellt und auch beant­wortet wurden. Um diese Antworten herum entwickelten sich die ulum al-quran.

     

    Das Verfassen von Büchern war das Kennzeichen der islamischen Kultur. Die ulum al-quran bildeten hierbei keine Ausnahme. Schriften über die verschiedenen Aspekte wurden schon im ersten Jahrhundert nach der Hidschra verfasst. So wird zum Beispiel die erste Schrift über Tafsir den Prophetengefährten Ubaj ibn Kab und Abdullah ibn Abbas und Said ibn Dschubair[2] (93 n.H.[3]) zugeschrieben; Ikrimah (107 n.H) schrieb über die Anlässe und Um­stände der Offenbarung (Asbab an-Nuzul).

     

    Bis zum Ende des 3.Jahrhunderts wurde offensichtlich eine große Anzahl von Büchern geschrieben, jedoch war keines davon allumfassend. Das Bedürfnis nach einem systematischen, umfassenden Werk muss spürbar gewesen sein. Das erste Werk dieser Art soll von Abu Bakr Muhammad Ibn Khalaf (309 n.H.) mit 27 Bänden verfasst worden sein und ist be­kannt als Al-hadi fi ulum al-quran, jedoch das erste noch existierende Buch ist das von Burhanuddin Zarkaschi (gest. 794H) Al-burhan fi ulum al-quran.

     

    Hierauf folgte Al-itqan fi ulum al-quran von Dschala­luddin Sujuti (gest. 911H), das hauptsächlich auf Zarkaschis Al­-burhan basiert. Sujutis Al-itqan wird als Standardquelle zu den ulum al-­quran benutzt.

     

    [1] Entnommen aus dem Vorwort zur (englischsprachigen) ersten Auflage, Khurram Murad, 1983 (Überarbeitet von www.islamaufdeutsch.de)

    [2] Said ibn Dschubair war tabii und ein Schüler von Ibn Abbas

    [3] N.H. bedeutet nach der Auswanderung der ersten Muslime von Mekka nach Medina im Jahre 622; Islamische Zeitrechnung. In Klammern steht das Sterbedatum der Person.

     

    Quelle: http://www.hadielislam.com/de/index.php?pg=article&id=4401