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    Über die Zeitehe, Auzug aus dem Buch „Stellung der Frau im Islam“ von Ayatollah Morteza Motahari

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    Zwei Arten von Ehen

     

    Eine besondere Eigenheit der islamischen Ehegesetzgebung besteht darin, daß im Islam zwei Arten von Ehen existieren: die Dauer und die Zeitehe, die sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede aufweisen. Der wichtigste Unterschied besteht darin, dass die Partner schon bei der Schließung der Zeitehe entscheiden, dass sie eine zeitlich begrenzte Ehe miteinander eingehen, die jedoch nach Ablauf der Frist verlängert werden kann.

     

    Ein weiterer Unterschied besteht darin, daß es den Partnern freisteht, den Ehevertrag nach Belieben zu gestalten. Bei der Dauerehe ist der Ehemann z. B. gesetzlich verpflichtet, für den Lebensunterhalt der Frau aufzukommen; bei der Zeitehe hängt es von den Bedingungen des frei ausgehandelten Ehevertrages ab. So kann es geschehen, daß der Ehemann nicht für die Ausgaben seiner Frau aufkommen kann oder will, oder aber die Ehefrau den Mann dafür nicht in Anspruch nehmen will.

     

    In der Dauerehe muß die Frau den Mann als Familienoberhaupt akzeptieren und seine Entscheidungen in Familienangelegenheiten respektieren. In der Zeitehe dagegen hängt auch dies von den ausgehandelten Bedingungen des Ehevertrages ab. Bei der Dauerehe beerben sich die Ehepartner unweigerlich gegenseitig; bei der Zeitehe verhält es sich anders.

     

    Der grundlegende Unterschied zwischen Zeit- und Dauerehe besteht also darin, dass bei der Zeitehe die Bedingungen der Ehegemeinschaft nach dem freien Willen der Partner vertraglich festgesetzt werden. Die zeitliche Begrenzung der Ehe bedeutet in der Tat, dass sie sogar die Freiheit besitzen, über die Dauer des Zusammenlebens zu entscheiden.

     

    In der Dauerehe darf keiner der Ehepartner ohne Einwilligung des anderen eine Schwangerschaft verhüten bzw. die Fortpflanzung verhindern. Die Rechtslage der Kinder, die aus einer Zeitehe hervorgehen, unterscheidet sich nicht von der Rechtslage der Kinder aus der Dauerehe.

     

    Die Morgengabe ist sowohl in der Dauerehe als auch in der Zeitehe vorgeschrieben, mit dem Unterschied, daß sie bei der Zeitehe ausdrücklich im Ehevertrag erwähnt werden muß, weil sonst die Ehe ungültig ist, bei der Dauerehe dagegen die Nichterwähnung der Morgengabe nicht zur Ungültigkeit des Vertrages führt, weil in diesem Falle im Nachhinein eine der sozialen Lage der Frau entsprechende Morgengabe festgesetzt wird.

     

    Alle in der Dauerehe geltenden Verbote, die eine spätere Ehe mit den nächsten Verwandten (Eltern und Kinder) des Partners ausschließen, gelten ebenfalls für die Zeitehe. Unzucht mit einer verheirateten Frau, ob zeitlich begrenzt oder dauerhaft verheiratet, ist verboten. Die gleichzeitige Ehe mit Schwestern ist sowohl dauerhaft als auch zeitlich begrenzt verboten.

     

    In diesem Zusammenhang möchten wir der Frage nachgehen, ob die Zeitehe, wie es von manchen Autoren behauptet wird, gegen die Menschenwürde und den Geist der Menschenrechtsdeklaration verstößt und ob sie, sollte sie in früheren Zeiten notwendig gewesen sein, auch heute noch zeitgemäß ist.

     

    Modernes Leben und Zeitehe

     

    Wie schon erwähnt, erwachsen den Ehepartnern aus der Dauerehe mehr Verantwortung und Pflichten. Daher gibt es kaum Mädchen und Jungen, die schon zu Beginn ihrer Volljährigkeit, d. h. während sie bereits voll unter dem Druck ihres Geschlechtstriebes stehen, imstande sind, diese Verantwortung auch zu übernehmen.

     

    Es ist eine Charakteristik unserer Zeit, daß der Abstand zwischen der biologischen Reife und der sozialen Mündigkeit zur Gründung einer Familie immer größer wird. Wenn es in früheren Zeiten möglich war, daß ein Jugendlicher einen Beruf, den er ein Leben lang ausüben sollte, schon zu Beginn seiner Volljährigkeit ausübte, ist dies in unserer Zeit nicht mehr möglich. Ein erfolgreicher junger Mann, der seine Schul- und Hochschulbildung ohne Verzögerung absolviert, kann erst etwa mit fünfundzwanzig Jahren anfangen, Geld zu verdienen. Er braucht sicherlich drei bis vier Jahre, bis er sich bescheiden eingerichtet hat und soweit ist, zu heiraten. Ebenso lange braucht ein Mädchen, das erfolgreich ein Studium absolvieren möchte.

     

    Wenn Sie heute einem achtzehnjährigen Schüler, der auf der Höhe seiner sexuellen Reife steht, vorschlagen zu heiraten, wird er Sie auslachen; ebenso eine sechzehnjährige Schülerin. Es ist praktisch unmöglich, daß sie in diesem Alter die Bürde der Dauerehe und die Verantwortung eines Lebens, das mit vielen Verpflichtungen gegenüber dem Ehepartner und den Kindern verbunden ist, auf sich nehmen.

     

    Welche Alternativen gibt es?

     

    Vorläufige Enthaltsamkeit, sexueller Kollektivismus oder Zeitehe? Es wäre interessant zu wissen, was unter diesen Umständen mit der Natur des Menschen und seinem sexuellen Trieb geschehen soll.

     

    Soll der Mensch dahingehend beeinflußt werden, daß die Volljährigkeit verzögert wird, bis wir unsere Ausbildung beendet haben, weil uns heutzutage die Umstände nicht erlauben, mit achtzehn bzw. sechzehn Jahren zu heiraten?

     

    Sind die jungen Menschen bereit, eine Zeitlang wie Mönche zu leben, Entbehrungen auf sich zu nehmen und ein asketisches Leben zu führen, bis eine Möglichkeit für die Dauerehe gefunden worden ist? Angenommen, ein junger Mensch ist bereit, eine vorläufige Enthaltsamkeit zu akzeptieren, wird sich seine Natur diesem Zwang soweit anpassen, daß die zu erwartenden gefährlichen psychischen Folgen dieses Verzichts, die durch die moderne Psychologie festgestellt wurden, ausbleiben?

     

    Es bleiben nur zwei Alternativen: Wir überlassen die jungen Menschen sich selbst, erlauben einem jungen Mann, unzählige Mädchen zu verführen und sehen großzügig darüber hinweg, wie ein Mädchen zu mehreren Männern uneheliche Beziehungen unterhält und ein Kind nach dem anderen abtreibt; denn es entspricht nach Meinung einiger kurzsichtiger Interpreten dem Geiste der Menschenrechtserklärung, wenn Mann und Frau gemeinsam und Schulter an Schulter marschieren, auch wenn der Weg in die Hölle führt.

     

    Werden solche Jungen und Mädchen mit solchen uneingeschränkten Beziehungen während ihrer Ausbildung später die Männer und Frauen fürs Leben sein, wenn sie die Dauerehe miteinander eingehen?

     

    Die zweite Alternative ist die freiere Zeitehe. Die Zeitehe hält an erster Stelle die Frau davon ab, gleichzeitig die Partnerin mehrerer Männer zu sein. Das führt unweigerlich zur Selbstbeschränkung des Mannes. Wenn eine Frau ausschließlich einem bestimmten Mann gehört, so gehört er umgekehrt auch dieser bestimmten Frau, es sei denn, eines der Geschlechter ist in der Überzahl. So können Jungen und Mädchen ihre Ausbildung beenden, ohne Entbehrungen und ihre Folgen auf sich nehmen zu müssen oder dem sexuellen Kollektivismus zu verfallen.

     

    Die Versuchsehe

     

    Eine Versuchsehe kann nicht nur während der Ausbildung, sondern auch unter anderen Lebensumständen notwendig werden. Grundsätzlich können Männer und Frauen, die beabsichtigen, eine Dauerehe miteinander einzugehen, einander indessen noch nicht völlig vertrauen können, für eine begrenzte Zeit versuchsweise heiraten.

     

    Sie können die Ehe fortsetzen, wenn ein ausreichendes Vertrauensverhältnis hergestellt ist, oder sich trennen, wenn dies nicht der Fall ist.

    Warum wird im Westen die Tätigkeit der Prostituierten – allerdings unter der Kontrolle der Behörden – für notwendig erachtet? Hat dies nicht damit zu tun, daß die ledigen Männer, die aus finanziellen Gründen nicht heiraten können, als eine große Gefahr für die Familien angesehen werden?

     

    Bertrand Russell und die Zeitehe

     

    Der bekannte englische Philosoph Bertrand Russell schreibt in diesem Zusammenhang: “ …. Im Grunde genommen erhalten uns die Prostituierten die Reinheit der Familiengemeinschaft und die Unschuld unserer Frauen und Kinder. Als Locky diese Meinung in der viktorianischen Ära äußerte, waren die Moralisten erbost, ohne jedoch den Grund zu wissen. Sie konnten ihm niemals die Fehlerhaftigkeit seiner Idee nachweisen. Die Logik der Moralisten erschöpfte sich darin: ,Wenn die Menschen unseren Anweisungen gefolgt wären, existierte keine Prostitution.‘ Sie wissen aber nur zu gut, dass keiner auf ihre Worte achtet.“

     

    Das ist also die westliche Lösung der Abwendung einer Gefahr, die Männern und Frauen droht, die aus finanziellen Gründen nicht heiraten können; das andere war der islamische Vorschlag zur Lösung dieses Problems. Ist es im Sinne der Menschenwürde und der Menschenrechtserklärung, wenn einige unglückliche Frauen nach der westlichen Empfehlung diese „gesellschaftliche Aufgabe“ übernehmen?

     

    Bertrand Russeli, der der Versuchsehe ein ganzes Kapitel widmet, führt aus: „Richter Lindsey, der jahrelang am Gerichtshof von Denver beschäftigt war und einige Tatsachen aus eigener Anschauung feststellen konnte, schlug vor, eine Art ‚Freundschaftsehe‘ einzuführen. Leider verlor er daraufhin seine offizielle Stellung.

     

    Statt in jungen Menschen Schuldgefühle zu wecken, hatte er vielmehr an ihr Glück gedacht. Die Katholiken und die Gegner der Schwarzen setzten jedoch alles daran, seine Absetzung zu bewirken.

     

    Die Einführung der Freundschaftsehe war der Vorschlag eines weisen Konservativen, der in den Geschlechtsbeziehungen eine Art Beständigkeit schaffen wollte. Lindsey hatte festgestellt, dass für junge Leute der finanzielle Aspekt das Hauptproblem der Eheschließung darstellt. Finanzielle Mittel sind nicht nur bei der eventuellen Geburt von Kindern notwendig, sondern auch deswegen, weil es sich nicht schickt, dass die Frauen den Lebensunterhalt bestreiten. So kommt er zu dem Schluss, dass die jungen Leute eine Freundschaftsehe schließen sollen, die sich in zweierlei Hinsicht von der normalen Ehe unterscheidet:

     

    Erstens dient sie nicht dem Zwecke der Fortpflanzung; zweitens ist eine Scheidung in beiderseitigem Einvernehmen möglich, solange keine Schwangerschaft vorliegt und keine Kinder geboren worden sind; außerdem hat die Frau wie bei der Dauerehe auch nach der Scheidung Anspruch auf Unterhaltsbeihilfe …

     

    Ich zweifle nicht an der Wirksamkeit der Vorschläge Lindseys. Wenn sie von der Gesetzgebung übernommen worden wären, hätten sie eine weitgehende Verbesserung der allgemeinen Moral bewirken können.“

     

    Das, was Lindsey und Russell als Freundschaftsehe bezeichnen, unterscheidet sich zwar von der islamischen Zeitehe, zeigt aber deutlich, dass Denker wie Lindsey und Russell eingesehen haben, dass die Dauerehe allein den Erfordernissen der heutigen Gesellschaft nicht gerecht wird.

     

    Einwände und Schwierigkeiten

     

    Die Nachteile, die im Zusammenhang mit der Zeitehe erwähnt werden, sind folgende:

    1. Die Ehe sollte auf einer dauerhaften Basis aufgebaut werden. Die Partner sollten von der Eheschließung an das Gefühl haben, einander für immer zu gehören, und eine Trennung niemals in Erwägung ziehen. Daher könne die Zeitehe keine solide Vereinbarung zwischen den Partnern sein.

     

    Dass die Ehe auf einer dauerhaften Basis gegründet werden soll, ist eine richtige Feststellung. Dieser Einwand wäre aber nur dann berechtigt, wenn wir die Dauerehe aufgeben und durch die Zeitehe ersetzen wollten. Zweifellos sollen und werden die Partner dann die Dauerehe eingehen, wenn sie es sich leisten können, einander vollkommen vertrauen und entschlossen sind, einander für immer zu gehören.

     

    Die Möglichkeit, die Zeitehe einzugehen, wurde geschaffen, weil die Dauerehe allein den Erfordernissen der Menschen nicht unter allen Umständen gerecht werden konnte. Die Beschränkung auf die Dauerehe hätte den Menschen entweder eine zeitlich begrenzte sexuelle Enthaltsamkeit auferlegt oder sie zum vorehelichen Geschlechtsverkehr ermutigt. Es ist selbstverständlich, dass sich die jungen Männer und Frauen mit der Zeitehe nicht zufriedengeben würden, wenn sie von vornherein die Möglichkeit hätten, eine Dauerehe zu schließen.

     

    2. Die Zeitehe schade dem Ansehen der Frau, weil sie eine Art Menschenvermietung und die religiöse Absegnung des Menschenhandels sei. Es verletze die Würde der Frau, daß sie ihren Körper dem Mann gegen Bezahlung zur Verfügung stelle.

     

    Dieser Einwand ist erstaunlich. Was hat die Zeitehe mit Vermietung zu tun? Gibt die zeitliche Begrenzung der Ehe ihr den Charakter einer Vermietung? Wird diese Meinung vertreten, weil die Morgengabe bei der Zeitehe ausdrücklich bestimmt werden muss? Bewahrt die Frau nur dann die Menschenwürde, wenn sie von dem Mann nichts bekommt? (Die Frage der Morgengabe werden wir in einem besonderen Kapitel behandeln.)

     

    Die islamischen Rechtsgelehrten stellen ausdrücklich fest, dass zwischen der Zeit- und der Dauerehe kein Unterschied besteht. Beide müssen unter Berücksichtigung besonderer Formen geschlossen werden. Die Zeitehe ist ungültig, wenn man sie unter Verwendung von Begriffen aus dem Vermietungsgeschäft schließt.

     

    Im übrigen, wann hätte man die Vermietung der Menschen abgeschafft?

     

    Schneider, Gepäckträger, Ärzte, Sachverständige, Beamte – angefangen vom Ministerpräsidenten bis hin zum einfachen Beamten und Arbeiter – sie alle sind Menschen, die sich „vermietet“ haben, nicht aber eine Frau, die nach eigenem Willen mit dem Mann ihrer Wahl eine zeitlich begrenzte Ehe eingeht. Sie wird weder vermietet, noch begeht sie eine Tat wider die Menschenwürde. Wenn Sie „vermietete“Frauen kennen lernen wollen, wenn Sie die Sklaverei der Frau erleben möchten, fahren Sie nach Europa und Amerika und besuchen Sie die Filmgesellschaften.

     

    Dort können Sie beobachten, wie jede reizvolle Bewegung und sexuelle Kunst der Frau vermarktet wird. Die Eintrittskarten, die Sie für Kinos und Theater kaufen, sind in der Tat Gebühren für diese Art der“ Vermietung“ der Frauen. Was diese Frauen alles anstellen müssen, um Geld zu verdienen! Sie müssen eine Zeitlang unter der gewissenhaften Anleitung der Experten lernen, wie sie ihre weiblichen Reize wirkungsvoll zur Geltung bringen können.

     

    Sie müssen ihren Körper, ihre Seele und ihre Persönlichkeit in den Dienst der Geschäftemacher stellen, um für sie Kunden anzulocken. Besuchen Sie Kabaretts, um zu sehen, wie die Würde der Frau „bewahrt“ wird. Dort sehen Sie, wie sie gegen ein geringes Entgelt ihre ganze Würde lassen muss, um die Gäste zu „unterhalten“ und den Besitzer reicher zu machen.

     

    Vermietet sind auch jene Mannequins, die sich von großen Kaufhäusern anheuern lassen und unter Verlust ihrer Würde den Profit der Kapitalisten vergrößern. Schließlich sind auch jene Frauen vermietet, die all ihre weiblichen Reize pflichtgemäß auf dem Bildschirm zur Schau stellen, um eine Ware anzupreisen.

     

    Es ist eine bekannte Tatsache, dass heutzutage Schönheit, sexuelle Anziehungskraft, Stimme, Kunst, Persönlichkeit und der Körper der Frau in den Dienst des abendländischen Kapitalismus gestellt worden sind. Bewusst oder unbewusst wird auch die iranische Frau allmählich in diese Richtung getrieben. Mir ist allerdings unbegreiflich, wieso die Frau, die freiwillig eine zeitlich begrenzte Ehe mit einem Mann eingeht, als „gemietet“ angesehen wird, aber jene, die gegen ein jämmerliches Entgelt die Palette ihrer Kunststücke vor den lüsternen Augen einiger Tausend Männer vorführt, um sie zufriedenzustellen, nicht.

     

    Wer entwürdigt die Frau? Der Islam, der die Männer daran hindert, die Frauen derart auszubeuten, sie vor solcher Sklaverei warnt und ihnen verbietet, ihren Lebensunterhalt mit diesen Beschäftigungen zu bestreiten, oder der Westen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts?

     

    Wenn die Frau eines Tages wirklich aufgeklärt und imstande ist, die Machenschaften des Mannes im 20. Jahrhundert gegen sich zu erkennen, wird sie sich gegen diesen Betrug auflehnen und zugeben, dass der Islam ihr den einzigen wahren Schutz bietet.‘

     

    3. Die Zeitehe schaffe wegen ihrer zeitlichen Begrenzung keine dauerhafte Gemeinschaft zur Erziehung der Kinder. Sie führe dazu, dass die Kinder den Schutz eines liebenden Vaters und einer zuversichtlichen Mutter entbehren müssen.

     

    Wir erwähnten bereits, dass einer der Unterschiede zwischen beiden Ehen die Fortpflanzung betrifft. In der Dauerehe kann keiner der Ehepartner ohne die Einwilligung des anderen die Fortpflanzung verhindern, während in der Zeitehe in dieser Beziehung beide frei sind. Die Frau darf sich auch bei dieser Form der Ehe dem Manne nicht verweigern, kann jedoch einer Schwangerschaft vorbeugen.

     

    Die modernen Verhütungsmittel haben dazu beigetragen, dieses Problem vollkommen zu lösen. Wenn den Ehepartnern trotzdem daran gelegen ist, Kinder zu bekommen, und sie bereit sind, die Verantwortung für ihre Erziehung zu übernehmen, ist ihnen diese Möglichkeit gegeben. Die Liebe, die der Mensch für sein Kind empfindet, ist unabhängig von der Form der Ehe. Sollten die Eltern sich allerdings weigern, ihren elterlichen Pflichten nachzukommen, wird das Gesetz sie dazu anhalten. Das Gesetz schützt ja auch das Recht der Kinder aus Dauerehen, wenn die Eltern sich scheiden lassen. Wenn die Partner eine zeitlich begrenzte Ehe schließen, um ihren natürlichen Trieb zu befriedigen, dürfen sie die Schwangerschaft verhüten.

     

    Die katholische Kirche verbietet die Schwangerschaftsverhütung. Die vorsorgliche Verhütung der Schwangerschaft ist im Islam nicht verboten. Verboten ist allerdings die Schwangerschaftsunterbrechung. Die Feststellung der schiitischen Rechtsgelehrten, daß die Dauerehe zum Zwecke der Fortpflanzung und die Zeitehe an erster Stelle zur Befriedigung des Geschlechtstriebes diene, ist folglich in diesem Sinne zu verstehen.

     

    Zeitehe und Harem

     

    Die gesellschaftlichen Ursachen der Entstehung des Harems Bei der Entstehung des Harems haben zwei Faktoren eine wichtige Rolle gespielt:

    Einer war der Glaube an die sittliche Reinheit der Frau. Die moralischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen der Umwelt sollten so beschaffen sein, dass die Frauen sich nicht erlauben, gleichzeitig mit mehreren Männern sexuelle Beziehungen zu unterhalten.

     

    Reiche und lüsterne Wüstlinge meinten, dieses Problem nur dadurch lösen zu können, dass sie eine Anzahl von Frauen in einem Harem um sich sammelten. Wenn die Gesellschaft von der Frau keine sittliche Reinheit erwartet hätte, die Frau bereit wäre, sich jedem Mann leicht hinzugeben und schließlich, wenn die Männer jederzeit die Möglichkeit hätten, sich mit der gewünschten Frau zu amüsieren, hätten gerade Männer dieser Art mit Sicherheit Mühen und Kosten zur Einrichtung von Riesenharems gespart.

     

    Der andere Faktor war das Fehlen einer sozialen Gerechtigkeit. Wenn keine soziale Gerechtigkeit herrscht, besitzen einige wenige alles in Hülle und Fülle, die Mehrheit dagegen nicht einmal das Notwendigste. In solch einer Gesellschaft können es sich viele Männer nicht leisten, zu heiraten und Familien zu gründen. Dadurch wächst die Zahl der ledigen Frauen, die das Reservoir für den Harem bilden. Wenn aber in einer Gesellschaft soziale Gerechtigkeit herrscht und die Voraussetzungen zur Wahl des Partners und Gründung der Familie geschaffen worden sind, bekommt jede Frau einen Mann und braucht nicht zum Lustobjekt der Harem-Herren zu werden.

     

    Ist die Zeitehe religiöse Förderung der Lüsternheit?

     

    Es besteht kein Zweifel daran, daß die Offenbarungsreligionen sich gegen die Lüsternheit richten. Die Absage an die Lüsternheit geht in manchen Religionen sogar so weit, daß sie die Form einer strengen Askese annimmt.

     

    Einer der klaren Grundsätze des Islam ist die Bekämpfung der Lüsternheit. Der Koran vergleicht diese Sklaven der sinnlichen Leidenschaft mit Götzendienern. Der Lüstling (Qawwaq), der sich zum Ziel gesetzt hat, viele Frauen zu besitzen und das Liebesleben mit allem und jedem zu genießen, erregt nach islamischem Glauben den Zorn Gottes. In dem Abschnitt über die Scheidung werden wir die islamischen Quellen über dieses Thema angeben.

     

    Der Islam bietet zwar den Vorteil, daß er die Askese und das Klosterleben verbietet, er läßt jedoch keine Lüsternheit zu. Alle instinktiven Triebe sollen nach der islamischen Lehre nur im Rahmen der natürlichen Bedürfnisse befriedigt werden. Sie dürfen nicht zu einem aus der Kontrolle geratenen seelischen Brand entfacht werden.

    Wir können also davon ausgehen, dass alle Formen der Lüsternheit und Ungerechtigkeit unislamisch sind.

     

    Es besteht kein Zweifeldaran, daß es nicht in der Absicht des Gesetzgebers lag, durch die Einführung der Zeitehe den Wüstlingen die Möglichkeit zu geben, sich auszutoben, einen Harem zu gründen und Frauen und Kinder unglücklich und obdachlos zu machen.

     

    Harem in der heutigen Welt

     

    In der heutigen Welt ist dieser Brauch aufgegeben worden. Er wird als ungehörig betrachtet und es wird versucht, die Ursachen zu beseitigen, die dazu führten. Welche Ursachen? Wird etwa die soziale Ungerechtigkeit beseitigt, damit die jungen Menschen
    heiraten können und somit der Schaffung des Harems die Grundlage entzogen wird?
    Nein, es wird ein anderer Weg beschritten.

     

    Man zerstört den Glauben an die sittliche Reinheit der Frau und erfüllt damit einen großen Wunsch des männlichen Geschlechtes; denn so wertvoll für sie das Ansehen und die Würde der Frau ist, bildet sie doch ein großes Hindernis für den Mann.

    Die Wüstlinge unserer Zeit haben es gar nicht nötig, Kosten und Mühe in einen Harem zu investieren. Dank der westlichen Zivilisation findet der Mann überall einen Harem.

     

    Der Mann unseres Jahrhunderts braucht nicht die Macht und das Vermögen eines Harun ar-Raschid, um die Frau nach allen Regeln der Kunst auszubeuten. Wenn ein junger Mann wie Adl Kotwali behaupten kann, dass er gleichzeitig zweiundzwanzig Geliebte in allen Aufmachungen gehabt habe, was braucht er dann noch mehr? Der Harem des modernen Mannes entsteht dank der westlichen Zivilisation ohne Kosten und Mühe.

     

    Wenn der Held der „Tausendundeine Nacht“ erfahren würde, welche Möglichkeiten des sinnlichen Lebens ihm heute kostenlos zur Verfügung stünden, hätte er sich keinesfalls mit Haremsfrauen abgegeben. Er hätte bestimmt mit den Abendländern für die Abschaffung des kostspieligen Harems, der Polygamie und der Zeitehe gestimmt, denn so etwas bringt schließlich Verantwortung mit sich.

     

    Der Gewinner des Spiels von gestern und heute dürfte klar sein, wer aber ist der Verlierer? Wir müssen leider zugeben, dass die leichtgläubige und treuherzige Frau auch in der Gegenwart wie in der Vergangenheit wieder der Verlierer ist.

     

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    Quelle: http://www.al-shia.eu/familie/zeitehe_a_motahari.htm

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