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    Über Ibni Sina und die arabische Medizin

    Über Ibni Sina und die arabische Medizin
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    Etwa im Jahre 1200 hatte al-Idrisi seine außerordentlich akkurate Weltkarte gezeichnet. Ibn al-Haytham hatte eine wissenschaftliche Erklärung des Sehprozesses vorgelegt, und er benutzte die camera obscura. Ibn Khaldun hatte sein großes Werk „Muqaddima“ geschrieben. Ibn Sina hatte sein bekanntes Buch al-Qanun (der Kanon) geschrieben, das eine immense medizinische Enzyklopädie ist und über eine Million Worte enthält. Ibn Ruschd schrieb seine „Risalat al-I’tibar“, die das europäische Denken stark beeinflußte, besonders hinsichtlich der Beziehung zwischen Religion und Philosophie.

     

     

    Die Arabische Medizin

     

    Basierend auf der Rolle des Islam, sind die arabischen Beiträge zur Medizin hauptsächlich als Erhaltung und Zusammenstellung charakterisiert worden. In einer Zeit der Unruhe waren sie die Erhalter der Tradition; sie pflegten die medizinische Kultur, sie gaben medizinischen Studien einen hohen Platz in ihrer Zivilisation, und sie waren Übermittler, von denen die westliche Welt ein wertvolles Erbe übernahm.

     

    Die Muslime leisteten viel mehr, als nur die Traditionen der Vergangenheit in Sicherheit zu verwahren. Ihnen ist auch die Etablierung der Pharmazie und Chemie als Wissenschaften zuzuschreiben.

     

    Viele Drogen, die vordem unbekannt oder wenig beachtet waren, wurden Teil der materia medica. Methoden der Extraktion und Zubereitung von Medizin erreichten eine hohe Kunst, und die arabischen Techniken der Destillation, Kristallisation, Lösung, Sublimierung und Reduktion sollten die wesentlichen Prozesse der Pharmazie und Chemie werden.

     

    Obwohl die Ärzte oft noch weiterhin ihre eigenen Medikamente bereiteten, wurde die Pharmazie als eine eigene Wissenschaft unter arabischen Herrschern etabliert.

     

    Die wichtige Rolle der Entwicklung der modernen Chemie findet ihren Ausdruck in der bedeutenden Anzahl heute verwendeter chemischer Begriffe, die der arabischen Sprache entstammen: unter anderem Alkali, Alkohol, Elixier und auch Sirup.

     

    Es wurde starke Betonung auf klinischen Unterricht gelegt, und einige arabische Mediziner wurden für ihre brillanten Beobachtungen berühmt, die den Test der Zeit bestanden haben. Sie beschrieben Krankheiten, die von den Griechen kaum als solche erkannt worden waren. Sie verstanden die Tuberkulose und Pericarditis besser als ihre Vorgänger. Hakim Ibn Sina legte sogar die übertragbare Natur der Tuberkulose nahe.

     

    Die Entwicklung von leistungsfähigen Krankenhäusern war ein herausragender arabischer Beitrag zur Medizin. Die römischen militärischen „valetudinaria“ und die seltenen christlichen Krankenhäuser, wie etwa das von Fabiola gegründete, waren nur rohe Prototypen im Vergleich mit der Anzahl, Organisation und Vortrefflichkeit der arabischen Krankenhäuser in der Zeit nach dem Propheten Muhammad.

     

     

    Hakim Ibn Sina (980-1037)

     

    Im nördlichen Stadtzentrum von Isfahan liegt der Bezirk Dardascht. Hier befand sich im 11. Jahrhundert die „Schule der Medizin“ des großen Ibn Sina, oder Avicenna, wie man ihn hier im Westen kennt. Das Gebäude ist heute stark renovierungsbedürftig und auch nicht mehr zugänglich.

     

    Ibn Sina wurde 980 in Afchaneh bei Buhara geboren. Er eignete sich selbständig die medizinische Wissenschaft an und beherrschte schließlich die „Metaphysik“ des Aristoteles, wobei ihm die arabischen Kommentare Al-Farabis sehr halfen. Seine medizinischen Fähigkeiten erweckten die Aufmerksamkeit des Sultans von Bukhara, der ihn unter seinen Schutz stellte. Dennoch reiste er immer weiter Richtung Westen und war schließlich der Vesir des Prinzen von Hamadan und später, als dieser von seinem Wunsch, nach Isfahan zu gehen, erfuhr, als dessen Gefangener.

     

    Ibn Sina konnte schließlich der Gefangenschaft, als Sufi getarnt, entkommen und nahm Zuflucht beim Amir von Isfahan. Hier konnte er die ihm zustehende Ehre genießen. Nachts hielt er philosophische Treffen ab, die der Amir manchmal selbst leitete. Während der restlichen Zeit schrieb er seine großen Werke.

     

    Ibn Sina starb auf einer Reise von Isfahan nach Hamadan im Alter von 58 Jahren. Seine Grabstätte war jahrhundertelang das Ziel zahlloser Pilger. Eine gemeißelte Inschrift nennt ihn „Arzt aller Ärzte, den Vorzüglichsten der Vorzüglichen“.

     

     

    Ibn Sinas „Kanon“ der Medizin

     

    An allen Universitäten Europas war der „Kanon“ Ibn Sinas die Grundlage des medizinischen Studiums. Obgleich Paracelsus den Kanon 1525 auf den Index setzte, wurde er noch im 17. Jahrhundert an holländischen Universitäten als Lehrbuch empfohlen.

     

    Bis zum 18. Jahrhundert finden sich zahlreiche Neuauflagen. Die jahrhundertelange Verwendbarkeit des „Kanons“ der Medizin beruht auf seiner Vollständigkeit, seiner Systematik und der Klugheit seiner Ratschläge. Er besteht aus fünf Büchern, von denen jedes einzelne in eine Anzahl Unterabteilungen oder Fen zerfällt.

     

    Das erste Buch bietet Definition und Aufgabe der Medizin, Anatomie und Physiologie der einzelnen Organe, die Lehre von den Elementen, „Komplexionen“, „Temperamenten“ und „Säften“, in der versucht wird, eine Theorie des Stoffwechsels und der physiologischen Vorgänge aufzustellen. Das Buch behandelt weiter die Ursachen und Symptome der Krankheiten, gibt eine Pulslehre und erläutert Harnuntersuchungen. Außerdem werden Kinderheilkunde und Diätlehre, allgemeine Therapie, Blutentziehung, Schröpfen und Darmausspülung behandelt.

     

    Das zweite Buch enthält eine allgemeine Darstellung der einzelnen Heilmittel. Das europäische Mittelalter fand sich in den Heilmitteln Avicennas oft nicht zurecht, weil man erst nach langer Mühe die botanische Bedeutung der angeführten Pflanzennamen verstand und die arabischen Pflanzennamen zu übersetzen vermochte.

     

    Das dritte Buch behandelt spezielle Pathologie und Therapie mit anatomischen und physiologischen Grundlagen und gibt ein Bild der Erkrankungen folgender Körperteile: Gehirn, Auge, Ohr, Nase, Mund, Zunge, Zähne, Lippen, Kehle (dabei behandelt es Luftröhrenschnitt und Kanülenverwendung), Lunge, Herz, Blutdrüsen, Magen, Leber, Milz, Darm, Harnorgane und Genitalien. Außerdem befaßt es sich mit Geburtshilfe, ferner mit Bruch- und Extremitätenerkrankungen.

     

    Im vierten Buch werden verschiedene Arten von Fieber, darunter Masern, Röteln und Pocken beschrieben und ihre Behandlung angegeben. Außerdem finden wir eine Lehre von den krankhaften Veränderungen, eine Prognostik und Krisenlehre sowie eine Abhandlung über Chirurgie, dazu eine Lehre von den vergifteten Wunden und Ausführungen über Mittel der Kosmetik.

     

    Das fünfte Buch schließlich behandelt die zusammengesetzten Arzneimittel.

     

    Über die Bedeutung des Wassers gibt Ibn Sina eine umfassende Theorie: Er handelt über die Einwirkung des Wassers auf die Physiologie der Ernährung, den Flüssigkeitszustand der Gewebe und seinen Zusammenhang mit fiebrigen und anderen Erkrankungen.

     

    Vielgerühmt ist die Exaktheit in dem Abschnitt des „Kanons“, der über die Beobachtung des Pulsschlages handelt. Die chinesische Medizin hatte in dieser Hinsicht eine besonders feine Diagnostik entwickelt, die von Avicenna noch weitergebildet wurde. Seine eigene diagnostische Fähigkeit wird in Zusammenhang mit den Pulsuntersuchungen durch eine im Mittelalter weit verbreitete scherzhafte Geschichte deutlich gemacht:

     

    Ibn Sina hatte den Auftrag, einen stumm gewordenen jungen Menschen zu heilen. Als er sich nicht mehr zu helfen wußte, ließ er einen seiner Schüler die Namen der Städte und Dörfer der gesamten näheren und weiteren Umgebung laut und deutlich aufzählen. Er selbst überwachte den Puls, um jede Veränderung im Befinden des Patienten beim Nennen irgendeines der angeführten Namen feststellen zu können. Bei der Nennung eines bestimmten Ortes diagnostizierte er eine Erhöhung des Pulsschlages und urteilte, der junge Mann sei aus Liebeskummer krank geworden. Er ordnete die Überführung nach dem betreffenden Ort an und siehe da, die Heilung war nach einiger Zeit vollständig.

     

    Quelle: Islamische Zeitung

     

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    Quelle: http://www.enfal.de/grund42.htm