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    …und steht in Ergebenheit vor Allah.

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    Über die Wichtigkeit und Notwendigkeit des Verrichtens der Gebete wird wohl kaum Unwissenheit und Zweifel unter Muslimen bestehen. Doch sagt Allah den Muslimen im Quran noch viel mehr zum Gebet, als dass es nur mit dem Absolvieren von vorgeschriebenen Bewegungen erledigt wäre. So heißt es: „Haltet die Gebete ein, so wie das mittlere Gebet und steht in Ergebenheit vor Gott.“ (2:238). Ohne Zweifel gehört zu dieser Ergebenheit die Demut, auf Arabisch khuschu.

     

    In diesem Begriff steckt neben der demütigen Haltung auch die Bedeutung von leise werden und Bescheidenheit. Und wie könnte man dies nicht sein, wenn man sich vollends darüber bewusst ist, vor wem man dort im Gebet steht? So drückt sich Demut im Gebet dadurch aus, dass man in geistiger Anwesenheit und Konzentration vor Allah steht und mit dem Herzen genau fühlt, was man sagt und tut.[1]

     

    Aber wenn wir auf unsere Gebete schauen und uns fragen, wie sehen diese aus? So werden nicht wenige von uns sich in einem oder mehreren der folgenden Punkte wieder finden.

     

    „Ich gehe mal eben beten“, so fängt nicht selten der Weg zum Gebet an. Die Zeit für das aktuelle Gebet ist auch schon bald wieder zu Ende, also erledigen wir das noch schnell. Außerdem fängt ja auch gleich die Serie im Fernsehen an (wahlweise die 2. Halbzeit beim Sport), es ist ja gerade Werbepause, die Freundin wollte gleich noch anrufen, man möchte pünktlich ins Internet, der Besuch kommt und man ist doch noch gar nicht fertig mit Kochen und Backen… Im Gebet sind wir dann durch  den Alltag abgelenkt, uns fällt ein, was noch zu erledigen ist, was wir außerdem unbedingt unseren Freunden erzählen müssen, der Stress und der Ärger, den wir in der Arbeit hatten kommt wieder hoch, das Handy klingelt (wer könnte das sein und was möchte er?) und sowieso – wieso muss der Nachbar gerade jetzt laut Musik hören?

     

    Was für ein Gefühl bleibt nach so einem Gebet in uns übrig? Im schlechtesten Fall das Gefühl, dass man doch immerhin ein inneres Häkchen auf der to-do-Liste setzen kann. Im besten Fall ein Gefühl der eigenen Unzufriedenheit und Traurigkeit. In beiden Fällen wird das Gebet meistens mit der Zeit zu einer Last und Nachlässigkeiten schleichen sich ein.

     

    Allah, unser Schöpfer, Der uns besser kennt als jeder andere, sagt uns im Quran, wieso dies so ist: „Und nehmt eure Zuflucht zur Geduld und zum Gebet. Siehe, dies ist fürwahr schwer, außer für die Demütigen (khāschi´ ūn).“ (2:45) – uns fehlt die Demut im Gebet und vielleicht auch die Geduld, etwas für diese Demut zu tun.

     

    Das Gebet ist die zweite Säule im Islam, nach der innerlichen Bezeugung und der nach außen hin verbalen Bekundung, der Schahada. Nicht allein diese Stellung verdeutlicht die Wichtigkeit des Gebetes. Auch ist es im Vergleich zu den anderen drei Säulen – dem Fasten, der Zakat und der Pilgerfahrt – ein Gottesdienst, der sich nicht auf wenige Momente, Tage, Wochen im Jahr beschränkt, sondern täglich mehrmals von uns gefordert wird. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Menschen am Tage der Auferstehung als erstes Rechenschaft über die Verrichtung der Gebete ablegen werden.[2]

     

    Der Sinn und Zweck dieses irdischen Lebens ist uns klar und deutlich mitgeteilt worden: „Und Ich habe die Dschinn und die Menschen nur darum erschaffen, damit sie Mir dienen.“ (51:56). Der Alltag mit all seinen Pflichten, aber auch Vergnügungen, ist nicht das Ziel im diesseitigen Leben und so kann die Konsequenz auch nur jene sein, dass das uns täglich auferlegte Gebet unseren Tag strukturiert. Wir schaffen nicht ein bisschen Platz für die Gebete im Alltag, sondern verschaffen dem Alltag ein bisschen Platz zwischen den Gebeten.

     

    Allah sagt im Quran ebenso: „Wahrlich, erfolgreich sind die Gläubigen, die in ihren Gebeten voller Demut sind.“ (23:1-2). Das Gebet ist demnach nicht nur eine Pflicht, die erfüllt werden muss. Das Gebet verspricht Wohlergehen und Ruhe im Herzen. In einer Überlieferung sagt der Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm): „Lass uns Ruhe durch das Gebet finden, O Bilal.“ (überliefert nach Abu Dawud). Im Gebet stehen wir vor Allah und niemand sonst kann uns so milde, barmherzig und gnädig gegenüber treten wie Er. Wir sprechen mindestens 17-mal am Tag den folgenden Vers: „…Dir allein dienen wir und Dich allein bitten wir um Hilfe.“ (1:5), aber trotzdem lassen wir uns von unseren Problemen und Schwächen im Gebet ablenken, anstatt darin den Schlüssel zur Lösung der selbigen zu sehen.

     

    Auch wenn es bisher noch nicht deutlich ausgesprochen wurde, so muss gesagt werden, dass nach Ansicht der Gelehrten Demut im Gebet insofern verpflichtend ist, als dass auch nur jene Teile des Gebetes, die mit Demut, d.h. in Konzentration, verrichtet wurden, angenommen werden: „Ein Diener betet und es wird nichts anderes angerechnet außer ein Zehntel des Gebetes oder ein Achtel oder ein Siebtel oder ein Sechstel oder ein Fünftel oder ein Viertel oder ein Drittel oder die Hälfte.“ (überliefert nach Imam Ahmad). Möchten wir wirklich mit dem Gefühl aufstehen, dass wir vielleicht zu 9/10 im Gebet abwesend waren und etwas höher und wichtiger erachteten als Allah?

     

    Was können wir nun dafür tun, Demut im Gebet zu erlangen? Demut ist keine Angelegenheit, die man einfach hat oder nicht. Wir müssen Allah darum bitten, bitten, bitten und immer wieder bitten. Und wer dieses besondere Geschenk von Ihm erhält sollte weiter bitten, um es nicht wieder zu verlieren. Jedoch können wir auch selber aktiv werden, um diesen Wunsch zu unterstützen. Einige vor allem äußere Aspekte lassen sich leichter umsetzen. Wir können darauf schauen, dass störende Faktoren minimiert werden. Dazu gehört u.a. die Wahl eines ruhigen Gebetsplatzes, das Ausschalten von Radio, Fernseher und auch Handy, gegebenenfalls auch das Schließen von Fenstern und Türen. Auch visuelle Reize können uns im Gebet stören. Daher sollte darauf geachtet werden, dass nichts unsere Blicke im Gebet auf sich zieht, indem man diese Dinge wegräumt, um- oder abhängt.

     

    Aus einem Hadith[3] wissen wir über den Propheten (Allahs Segen und Friede seien auf ihm), dass ihn schon das Muster auf seiner Kleidung im Gebet störte und heute ist es nicht selten das Muster des Gebetsteppichs, das unsere Aufmerksamkeit erregt. In diesem Fall können schlichte Kleidung und musterlose Teppiche Abhilfe schaffen. Auch empfiehlt der Prophet in verschiedenen Überlieferungen nicht zu beten, wenn das Essen bereit steht, man zur Toilette gehen muss[4] oder man müde ist[5], sondern in diesen Fällen erst den menschlichen Bedürfnissen Rechnung zu tragen. Andere Aspekte verlangen von uns vor allem auch eine innere Veränderung, das Bewusstwerden und das in Einklang bringen von Handlung und Herz. Diese Veränderungen können teilweise nur vorgenommen werden, wenn wir dabei gegen unsere eigenen Schwächen kämpfen. Wir müssen zuallererst den Dingen in unserem Leben ihre entsprechende Bedeutung beimessen, Weltliches relativieren und die gottesdienstlichen Handlungen in den Mittelpunkt rücken und ihnen den Eifer und Elan widmen, den wir sonst so manch einem unserer Hobbys zukommen lassen.

     

    Die Unterbrechung des Alltags und die Hinwendung zu Allah beginnen nicht erst mit dem Heben der Hände zum Takbir (das Sprechen der Worte „Allahu akbar“). Das Gebet beginnt bereits mit den ersten Schritten, die wir unternehmen, um die Gebetswaschung (Wudhu) zu vollziehen. Wir sollten nicht nachlässig dabei sein, denn Wudhu ist der Zugang zum Gebet, ohne die rituelle Reinheit wird jedes Gebet ungültig bleiben. Wir sollten uns bewusst machen, dass dies nicht nur eine äußerliche Reinigung ist, sondern auch eine innere Säuberung. Wer sich Zeit für Wudhu nimmt  hat auch mehr Zeit, um sich vom Alltag zu entfernen.

     

    Alle Muslime in der Welt richten sich im Gebet gen Mekka. Damit sich nicht nur unser Körper auf die Kaaba ausrichtet, sondern auch das Herz, kann es hilfreich sein, sich die Vorstellungen von Hatim Assam (Allahs Wohlgefallen auf ihm) zu Eigen zu machen: „So stelle ich mir vor meinen Augen die Ka´ba vor, unter meinen Füßen die Brücke (sirat) über die Hölle ins Paradies, zu meiner Rechten das Paradies, zu meiner Linken die Hölle und hinter mir läuft der Todesengel her. Ich stelle mir vor, der Prophet beobachtet mich im Gebet und ich denke, dass dies mein letztes Gebet in dieser Welt ist.“

     

    Die mit am meisten wiederholten Worte im Gebet sind: „Allahu akbar“, wir müssen uns deren Bedeutung immer wieder klar vor Augen führen: „Gott ist größer – größer als alles andere“. Wenn wir diese Worte sprechen, dann kann und darf in diesem Moment auch nichts wichtiger und größer sein als das Gespräch mit unserem Herrn. Schweifen wir jedoch mit unseren Gedanken absichtlich ab, dann heißt das im Grunde nichts anderes, als dass es etwas gibt, das für uns mehr wert ist, sich damit zu beschäftigen.

     

    Wenn wir rezitieren, so rezitieren wir die Worte Allahs. Auch dies sollte mit Respekt und Demut vollzogen werden. Und wir treten dabei mit Allah in Interaktion, vor allem in der Sure al-Fatiha, über die es folgende Überlieferung gibt: Der Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) sagte: „Allah, der Gepriesene und Erhabene, sagte: ‚Ich habe das Gebet zwischen Mir und Meinem Diener geteilt, in zwei Hälften, und Mein Diener soll bekommen, wofür er bittet.’ Wenn der Diener: ‚Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten’ sagt, sagt Allah: ‚Mein Diener hat Mich gelobt’. Wenn der Diener: ‚dem All-erbarmer, dem Barmherzigen’ sagt, sagt Allah: ‚Mein Diener hat Mich gepriesen’. Wenn der Diener: ‚dem Herrscher am Tage des Gerichts’ sagt, sagt Allah: ‚Mein Diener hat Mich gerühmt’. Wenn der Diener: ‚Dir (allein) dienen wir, und Dich (allein) bitten wir um Hilfe’ sagt, sagt Allah: ‚Dies ist zwischen Mir und Meinem Diener, und Mein Diener soll bekommen, wofür er bittet’. Wenn der Diener: ‚Führe uns den geraden Weg, den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast, nicht (den Weg) derer, die (Deinen) Zorn erregt haben, und nicht (den Weg) der Irregehenden’ sagt, sagt Allah: ‚All dies ist für Meinen Diener, und Mein Diener soll bekommen, wofür er bittet.’“ (überliefert u.a. nach Muslim). Wer würde dabei seinem Herrn ins Wort fallen wollen, nur weil er fertig werden möchte?

     

    Der Quran wurde nicht offenbart, damit wir einfach etwas zu sagen haben im Gebet, nein – wir sollen über Seine Worte nachdenken, sie zur Mahnung nehmen, als Orientierung und Richtschnur. Dies kann man nur, wenn man sich mit dem Lesen nicht übereilt, sondern mit Bedacht rezitiert und Pausen macht, um über die Bedeutung nachzusinnen. Auch sollten wir es uns nicht zu einer Gewohnheit werden lassen, stets nur die gleichen Suren zu rezitieren (und zumeist die ganz kurzen). Lieber sollten wir es uns zur Gewohnheit machen, dass wir uns bemühen, mehr und mehr vom Quran auswendig zu lernen.

     

    Wurde Demut bisher vor allem als eine geistige Anwesenheit beschrieben, so geht dies auch einher mit der Demut des Körpers. Der Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) hat uns davor gewarnt, mit dem Blick im Gebet abzuschweifen oder ihn gar gen Himmel zu richten, genauso warnte er davor, mit der Kleidung zu spielen. Aber vor allem warnte er davor, die Beugung (ruku´) und die Niederwerfung (sudschud) mit der fehlenden Ruhe auszuführen. In einer Überlieferung heißt es dazu: Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) betrat die Moschee und nach ihm kam ein Mann herein und betete. Danach grüßte dieser den Propheten mit dem Salam; der Prophet erwiderte den Salam und sagte zu ihm: „Gehe zurück und bete, denn du hast nicht gebetet!“ Der Mann ging zurück und betete genauso, wie er zuvor gebetet hatte. Anschließend kam er zum Propheten und grüßte ihn mit dem Salam; der Prophet erwiderte den Salam und sagte zu ihm: „Gehe zurück und bete, denn du hast nicht gebetet!“ (Und der Prophet wiederholte es dreimal).

     

    Der Mann sagte: „Bei Dem, Der dich mit der Wahrheit entsandt hat: ich weiß nicht, wie ich Besseres tun kann als dies. Belehre mich also!“ Darauf sagte der Prophet: „Wenn du dich zum Gebet hinstellst, eröffne das Gebet mit dem Takbir, dann rezitiere einige Verse aus dem Quran, die du auswendig gelernt hast, dann verbeuge dich in der Weise, dass du dies ruhig bis zum Ende ausführst, dann erhebe deinen Oberkörper in der Weise, dass dieser aufrecht wird, dann werfe dich in der Weise nieder, dass du die Niederwerfung bis zum Ende ruhig ausführst, dann richte deinen Oberkörper in der Weise auf, dass du die Sitzlage ruhig einnimmst und dies machst du im ganzen Gebet weiter!“ (überliefert nach Bukhari und Muslim). Wie viele von uns und wie oft würde der Prophet (Allahs Segen und Friede seien auf ihm) uns nun, wenn er heute bei uns wäre, zurückschicken, um das Gebet zu wiederholen auf Grund unserer hastigen Bewegungen? Die Beugung und die Niederwerfung sind Bewegungen der besonderen Hingabe und Demut und ihnen sollte die Zeit eingeräumt werden, die ihnen gebührt. Dies bedeutet, dass der Körper in jeder Position zur Ruhe kommt. Wenn wir für uns verinnerlichen, dass wir im Sudschud Allah am nächsten sind, dann würden wir wohl kaum noch den Drang verspüren, die Niederwerfung schnell beenden zu wollen.

     

    Mit dem Salam ist das Gebet beendet, doch sollte man nun nicht fluchtartig aufspringen, als wollte man alles nur schnell hinter sich lassen. Neigt sich ein Treffen mit einem geliebten Menschen dem Ende zu, so können wir nur schwer voneinander lassen und ziehen den Abschied in die Länge, denn es gibt noch so viel zu sagen. Gleichfalls sollten wir das Gefühl der Demut aus dem Gebet mitnehmen und für weitere gute Taten nutzen. Wir sollten zunächst um Vergebung bitten, für die im Gebet begangenen Fehler (so auch für die nicht immerwährende Demut) und Allah bitten, dass wir Seiner in besserer Weise gedenken und Ihm in schönerer Art danken und dienen.

     

    Wenn wir es, so Gott will und mit Seiner Hilfe, schaffen, diesen Weg zu gehen um tiefe Demut im Gebet zu erlangen, dann werden wir nicht erleichtert aus dem Gebet aufstehen und unser inneres Häkchen setzen, dann werden wir betrübt darüber sein, dass das Treffen mit Allah vorbei ist und wir werden uns danach sehnen, das nächste Gebet verrichten zu dürfen. Wir werden uns fragen, ob unser Gebet angenommen wurde oder ob wir eine innere Stimme vernehmen sollten, die uns sagt: „Gehe zurück und verrichte das Gebet, denn du hast nicht gebetet“.

     

    Amaly Hoffmann

    [1] Ein Großteil der im Artikel dargestellten Hinweise und Quellen wurden aus dem Vor-trag über Demut im Gebet von Abdelhay Fadil entnommen. Diesen Vortrag kann man jedem Leser nur wärmstens empfehlen, denn er behandelt das Thema Demut umfassend und ist durch viele Beispiele und Überlieferungen sehr anschaulich, sehr persönlich gehalten. Möge Allah ihn für seine Bemühungen reichlich belohnen und möge Allah uns zu den glücklichen Muslimen gehören lassen, die das Gefühl der tiefen Demut im Gebet verspüren dürfen.

     

    Der Vortrag ist zu finden auf der Internetseite:

    http://www.data.islamiat.de/

    [2] berichtet von at-Tabarani

    [3] überliefert u.a. bei Bukhari und Muslim

    [4] beides überliefert u.a. bei Muslim

    [5] überliefert bei Bukhari

     

     

    Quelle: http://islam-verstehen.de

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