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    Unmöglichkeit das Wesen Allahs zu erfassen

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    Die islamische Logik [1] unterteilt den Menschen in drei Gruppen. Sie unterscheidet zwischen dem Wesen des Menschen, seinen Eigenschaften und seinen Taten. Das heißt, wenn wir die Person Zaid [2] vor uns haben, so können wir Zaid unterteilen. Wir können über sein Wesen an sich sprechen, wir können über seine Eigenschaften sprechen und wir können über seine Taten sprechen. Was das Wesen von Zaid angeht, so beschreibt die islamische Logik das Wesen eines Menschen an sich als ein „sprechendes Lebewesen“[3]. Das bedeutet, dass das Wesen und nur das Wesen [4] von Zaid nichts anderes ist, als ein „sprechendes Lebewesen“, also die Essenz von Zaid.

     

    Aber Zaid besitzt auch Eigenschaften: Er kann gerecht, liebevoll, fürsorglich, gutmütig und vieles mehr sein. Er kann groß, klein, schwarz, weiß, dick oder dünn sind. Diese Angelegenheiten gehören zu den Eigenschaften von Zaid. Allerdings besitzt Zaid auch Taten, wie zum Beispiel das Gehen, das Sitzen, das Arbeiten, das Schlafen, Trinken, Essen usw. So ist es möglich, über Zaid folgende Fragen zu stellen. Was ist Zaid? Diese Frage zielt auf das Wesen von Zaid selbst. Wie ist Zaid? Hierbei werden die Eigenschaften von Zaid angesprochen. Was macht Zaid? Dabei geht man auf die Taten von Zaid ein.

     

    Wir fragen uns nun, ob es eine Lehre gibt, welches sich mit dem Wesen und nur das Wesen von Allah beschäftigt. Wir fragen uns, ob es eine Lehre gibt, welche sich mit der Frage nach der „Washeit“ [5] beschäftigt, also nach dem Wesen Allahs. Hierbei ist die Antwort eindeutig. Weder die Erkenntnislehre [6], noch die Philosophie, noch die Glaubensüberzeugungen noch der heilige Qur’an noch sonst eine Lehre beschäftigt sich mit dem Wesen Allahs an sich. Die Kritiker der Philosophie und der Erkenntnislehre werfen den Gelehrten beispielsweise vor, dass sie sich mit dem Wesen Allahs an sich beschäftigen würden. Sie sagen, dass es diesbezüglich ein Verbot gibt. Ja, das stimmt, es wurde uns solch ein Verbot überliefert. Jedoch beschäftigt sich keine Lehre mit der „Washeit“ Allahs, keine Lehre versucht eine Antwort auf die Frage „Was ist Allah?“ zu finden. Wieso ist dem so? Der heilige Qur’an antwortet uns selbst auf diese Frage.

    وَلاَ يُحِيطُونَ بِه ِِ عِلْما

    Und sie umfassen nicht (dieses) Wissen [7]

     

    Überlieferungen bestätigen uns, dass sobald die Rede vom Wesen Allahs ist, man sofort einhalten muss. Es geht hierbei nicht weiter und der Mensch würde durch das Grübeln über die „Washeit“ Allahs nur zu einer Sackgasse kommen und im schlimmsten Fall in die Irre gehen. Aus diesem Grund sagt der gesegnete Vers:

    وَيُحَذِّرُكُمُ اللَّهُ نَفْسَه ُ

    Und Allah warnt euch vor seinem Selbst [8]

     

    Manche Qur’anwissenschaftler interpretieren diesen Vers damit, dass Allah die Menschen vor seiner Strafe warnt. Dies ist jedoch nicht annehmbar, da der heilige Vers nicht vor der Strafe Allahs warnt, sondern gezielt vor dem Selbst warnt, vor dem Wesen an sich. Hierrüber ist es verboten zu grübeln und zu sprechen, denn es ist uns nichts hierrüber bekannt. Aus diesem Grund heißt es in einem bekannten Bittgebet: „O derjenige, (von dem) niemand weiß was Er ist, außer Er selbst.“ [9] Durch das Arabische Wort „Huwa“ (هو) wird gezielt die Frage nach dem „Was“ gestellt und gleichzeitig beantwortet.

     

    Es ist Allah, von dem niemand weiß, was Er ist, außer Er selbst. Aus diesem Wort (هو) wurde das Arabische Wort für die „Washeit“ (الماهيه) hergeleitet. Auch der logische Beweis führt uns zu der Aussage, dass es unmöglich ist, dass ein Geschöpf das Wesen des Schöpfers begreifen kann, denn von den Eigenschaften des Schöpfers ist die Unendlichkeit, wohingegen das Geschöpf endlich ist. Kann nun die Endlichkeit die Unendlichkeit begreifen? Nein, dies ist nicht möglich, außer wenn die Endlichkeit in die Unendlichkeit verschmelzen würde und dies widerspricht dem Einheitsbekenntnis Gottes und ist nicht annehmbar. Aus diesem Grund schrieb Allamah Tabatabai (r.) über den Namen Allahs folgendes:

    „Das Wort ‚Allah‘ stammt entweder von ‚Aliha‘, was so viel bedeutet wie ‚Angebeteter‘ oder es stammt vom Wort ‚Walaha‘, was so viel bedeutet wie ‚Verzweiflung‘.“[10]

     

    Wir verstehen nun, wieso es möglich ist, dass das Wort „Allah“ vom Wort „Verzweiflung“ stammen könnte, da der Verstand der Ersten und der Letzten verzweifelt ist, Allahs Wesen an sich zu erkennen und zu begreifen. Wenn wir nun von der Verzweiflung des Verstandes sprechen, so ist damit nicht nur der Verstand der Menschen gemeint, welche nicht von Allah erwählt wurden. Selbst die Propheten, seien sie von der „Ul-Ul-Azm“[11] oder nicht, Führer, Nachfolger von Propheten, ehrenhafte Diener Allahs – jede Existenz verzweifelt daran, Allahs Wesen zu begreifen. Doch wieso hat Allah (t.) den Weg der Erkenntnis Seines Wesens gesperrt? Diese Frage ist falsch gestellt, denn nicht Allah (t.) ist derjenige, welcher uns den Weg hierzu versperrt hat. Es ist unser Verstand dem es nicht möglich ist, das Wesen der Unendlichkeit zu begreifen. Nicht Allah (t.) war derjenige, der uns vom Begreifen gehindert hat, es ist unser Verstand der uns nicht zu dieser Wahrheit führen kann. Dass wir nicht fähig sind, dieses Wissen zu tragen, liegt somit an uns.

    أَنزَلَ مِنَ السَّمَاءِ مَاء ً فَسَالَتْ أَوْدِيَة ٌ بِقَدَرِهَا

    Er sendet Wasser herab vom Himmel, auf dass die Täler durchströmt werden nach ihrem Maß [12]

     

    Es ist das Maß, welches die Menge des aufgenommenen Wassers bestimmt. Ebenso verhält es sich mit der göttlichen Barmherzigkeit. Sie kommt vom Himmel gleichermaßen für alle hinab, doch manche profitieren mehr von dieser Barmherzigkeit als andere. Manche ziehen von dieser göttlichen Barmherzigkeit keinen Nutzen, andere wiederrum profitieren so sehr davon, dass der heilige Qur’an über sie sagt:

    ثُمَّ دَنَا فَتَدَلَّى

    فَكَانَ قَابَ قَوْسَيْنِ أَوْ أَدْنَى

    Hierauf näherte er sich; bis sich seine Nähe verstärkte, (8) bis er eine Entfernung von zwei Bogenlängen erreicht hatte oder noch näher [13]

     

    Wir führen ein weiteres Beispiel auf, um das Gesagte verständlicher zu machen. Ein Lehrer betritt seine Klasse, lehrt den Unterrichtsstoff und geht wieder. Nun sehen wir, dass einige Schüler von diesem Unterricht mehr profitieren konnten als andere. Sie sind imstande, den kompletten Unterrichtsstoff fehlerfrei zu wiederholen. Andere haben nur einen bestimmten Teil des Unterrichts verstanden und andere haben gar nichts vom Unterricht verstehen können. Alle Schüler haben jedoch den gleichen Unterrichtsstoff zu Hören bekommen, jedoch konnten einige hiervon mehr profitieren als andere. Es liegt somit an das Individuum selbst, wie viel Nutzen vom Unterricht gezogen wird.

     

    Der heilige Qur’an deutet im Folgenden heiligen Vers jedoch auf das Wesen Allahs (t.) hin.

    Sprich: Er ist Allah, der Einzige [14]

    قُلْ هُوَ اللَّهُ أَحَد

     

    Wir haben bereits erwähnt, dass das Wort „Er“ (هو) auf die „Washeit“ hindeutet und damit das Wesen an sich benennt. Analysieren die Sprachwissenschaftler beispielsweise diesen Vers, dann sagen sie lediglich, dass das Wort „Er“ ein Pronomen ist, welches auf „Allah“ hindeutet. Gibt man diesen Vers jedoch den Rechtsgelehrten und Qur’anexperten, so sehen sie dieses „Er“ nicht als ein Pronomen, sondern als ein Zeichen auf das Wesen. Der Vers beginnt mit „Sprich: Er ist…“ und durch das „Er“ (هو) bekommt der Leser nun mit, dass es sich im Folgenden um das Wesen Gottes handeln wird.

     

    Doch was wissen wir über das Wesen Gottes? Wie bereits erläutert, können wir nichts über das Wesen Gottes wissen und aus diesem Grund besagt der heilige Vers weiterhin „Allah“. Sprich: Er ist Allah, denn mehr wissen wir nicht über das Wesen Allahs an sich. Wir sollen uns nicht mit dem Wesen Allahs an sich beschäftigen und wenn wir zu diesem Punkt kommen, so sollen wir sagen: Er ist Allah. Doch Er ist Allah, der Einzige [15]. Aus diesem Grund heißt diese Sure auch „die Sure des Monotheismus“, denn sie handelt lediglich vom Einheitsbekenntnis Gottes und trifft bereits im ersten Vers die höchste Stufe des Einheitsbekenntnisses und dieses ist das Einheitsbekenntnis des Wesens [16].

     

    Jedoch müssen wir uns auch an dieser Stelle fragen, was es mit dem Namen „Allah“ auf sich hat. Wieso lautete der reine Vers nicht: „Sprich, Er ist der Allerbarmer, der Einzige“? Wieso wurde auf den Namen „Allah“ stattdessen zurückgegriffen und welche Spezifität genießt dieser Name?

     

    [1] منطق

    [2] häufig verwendeter Beispielname (wie im Deutschen der Name „Müller“ oder „Mustermann“)

    [3] الحيوان الناطق

    [4] الذات بما هي هي

    [5] الماهيه – Washeit, bezeichnet die Frage nach dem Wesen an sich

    [6] عرفان – Irfan, Lehre von der Erkenntnis Allahs

    [7] Der heilige Qur’an: 20:110

    [8] Der heilige Qur’an: 3:28

    [9] يا من لا يعلم ما هو إلا هو

    [10] Allamah Tabatabai: „Tafsir al-Mizan“, Band 1, S. 18

    [11] Die angesehenste Gruppe der Gesandten und diese sind Noah, Ibrahim, Mussa, Issa und Muhammad, Allahs Frieden sei auf ihnen allen.

    [12] Der heilige Qur’an: 13:17

    [13] Der heilige Qur’an: 53:8-9

    [14] Der heilige Qur’an: 112:1

    [15] أحد

    [16] التوحيد الذاتي

     

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    Quelle: http://www.alhaydari.de/tawheed/allah/124-wesen-allahs.html

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