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    Vereinigung und Einigung der Muslime auf der Welt sind unleugbare Notwendigkeit

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    „Die schiitischen und sunnitischen Religionsgelehrten müssen wegen der Einheit deutlich herausstreichen, dass jegliche Schmähung einer der islamischen Glaubensgruppen oder der Angriff auf Leben und Besitz ihrer Anhänger und /oder ihre Exkommunizierung als „Ungläubige“ verboten sind.“

     

    Das Oberhaupt der Islamischen Revolution hat bei seinem Treffen mit den schiitischen und sunnitischen Geistlichen in Kermanschah mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass die Hervorrufung von Meinungsverschiedenheiten zwischen diesen beiden Gruppen zu den Mitteln der Schwächung des Islams gehört. Er fuhr fort: „ Die schiitischen und sunnitischen Gelehrten müssen ernsthaft auf die heimtückischen Pläne achten und auf gemeinsamen Sitzungen und in Zusammenarbeit mit einander Wege zur Bekämpfung der Intrigen der Gegner finden….“

     

    Grundsätzlich ist mit Einheit nicht gemeint, dass alle islamischen Gruppen von ihren eigenen Überzeugungen Abstand nehmen und sich nur einer religiösen Denk- und Rechtsschule anschließen, denn dies war und ist überhaupt nicht möglich. Vielmehr ist mit Einheit gemeint, dass jede islamische Rechtsschule ihren selbstverständlichen Überzeugungen treu bleibt und nach ihnen handelt, aber gegenüber den anderen Rechtsschulen die Fähigkeit besitzt, großzügig zu sein und keinen Fanatismus zeigt, denn Fanatismus führt zu Auseinandersetzungen. Im Heiligen Koran heißt es:

     

    «ولا تَنازَعُوا فَتفْشَلُوا او تَذهبَ ریحکم و اصبروا انّ اللّه مع الصابرین»

     

    „Streitet nicht miteinander, damit ihr nicht scheitert und Kraft und Mut verliert! Seid geduldig, denn Gott ist mit den Geduldigen!“

     

    Die Vereinigung und Einigung der Muslime auf der Welt bilden eine unleugbare Notwendigkeit. Vereinigung und Einigung konnten bisher wegen einiger kurzsichtiger Ansichten, die auf Sekten-, Gruppen – oder ethnischen Motiven basierten, sowie aufgrund zahlloser Einmischungen von imperialistischen Staaten nicht oder nur in sehr blasser Form zustande kommen. Im heutigen Zeitabschnitt müssen die muslimischen Gelehrten die muslimischen Gesellschaften durch Bewusstmachung und Information über dieses Bedürfnis in Kenntnis setzen.

     

    Das Oberhaupt der Islamischen Revolution hat bei seiner Zusammenkunft mit den Verantwortungsträgern der Staatsordnung und den Gästen, die an der Sitzung für die Einheit teilgenommen haben, gesagt: „ „Die Einheit genießt gegenüber allen anderen Notwendigkeiten und Prioritäten den größten Vorrang. Sie kommt an erster Stelle und vor allen anderen zu stehen. Warum sehen wir nicht die Notwendigkeit des Zusammenschlusses der Muslime ein? Es liegt eine schwere Verantwortung auf unseren Schultern! Dieser Zeitabschnitt ist sehr entscheidend … Wir tragen heute Verantwortung. Die Regierungen, genialen und elitären Kräfte und Persönlichkeiten aus Kultur und Religion tragen heute Verantwortung! Wir alle sind hinsichtlich der Einheit der Islamischen Welt verantwortlich. Zu den wichtigsten Dingen, über die unser achtenswerter Imam Chomeini, (Gott habe ihn selig) vor dem Sieg der Revolution bis zum letzten Lebensabschnitt laufend sprach und die er unterstrich, gehört die Einheit der Islamischen Weltgemeinde; die Vereinigung der Muslime und das Nicht-Aufbauschen von kleinen Vorwänden. Wir sehen und verstehen heute, dass dies eine sehr weise und absolut richtige Empfehlung war.“

     

    Wir sind heute Zeuge von vielen Problemen, mit denen die Muslime auf der Welt zu kämpfen haben. Bei sorgfältiger Wahrnehmung der Islamischen Einheit und Abstinenz von Spaltung werden diese Probleme reduziert werden. Im Nachfolgenden wurde versucht, zusammengefasst die Frage der Islamischen Einheit und deren Notwendigkeit zu beleuchten, um somit diese wichtige Angelegenheit in der Islamischen Gesellschaft zu stützen.

     

    Geschichte der Hervorrufung von Uneinigkeit und Zwietracht unter den Muslimen

     

    Grundsätzlich zählen die Begrenztheit der menschlichen Wahrnehmungsfähigkeit und das menschliche Unvermögen zur definitiven Lösung aller Überzeugungsfragen zu den wichtigsten Faktoren für Meinungsunterschiede unter den Menschen. In Fällen, in denen eine Angelegenheit sich nicht eindeutig lösen lässt, gelangt jeder an eine Ansicht, die von den Ansichten der anderen verschieden sein kann. Dann treten Meinungsunterschiede zum Vorschein. Obwohl der Heilige Koran zur Vermeidung der Trennung aufruft –

    واعتصموا بحبل الله جمیعاً و لا تفرّقوا…»[۲]

     

    „Haltet euch allesamt an Gottes Band fest, zersplittert euch nicht… „ (2) – und die Herzen der Muslime miteinander vereinte, folgten jedoch leider der anfänglichen Entfaltung in der islamischen Frühzeit nach dem Verscheiden des Erhabenen Propheten (s.) Meinungsunterschiede hinsichtlich der Statthalterschaft. Dies geschah wegen Nichtbeachtung der Empfehlungen des Propheten (s.) über die Statthalterschaft und seiner Wahl eines Nachfolgers, auch wenn noch andere Gründe für diese Meinungsunterschiede genannt werden können.

     

    Diese Meinungsverschiedenheiten dehnten sich nach und nach immer mehr aus und leider haben die Islamgegner, darunter Juden und Christen diese zusätzlich geschürt, damit sie die progressive islamische Bewegung stoppen können. Auch innerhalb der Islamischen Gesellschaft haben obskure Individuen wie Ibn Abi Al Audscha`, oder Großrabbiner und Mönche unentwegt danach gestrebt, durch Fälschung von Überlieferungen und Verbreitung von Lügen, die Einheit der Muslime und die Verbreitung der islamischen Lehre innerhalb der muslimischen Gesellschaft zu behindern.

     

    Außerdem haben Schein-Gelehrte zur Wahrung ihrer persönlichen Interessen oder der Interessen ihrer Gruppe die Meinungsverschiedenheiten verstärkt, und nachdem seit Moawiyeh Abu Sufiyan die Beschimpfung und Verfluchung Imam Alis (a.s.) aufgekommen war, haben einige Schiiten ihrerseits mit Verfluchungen begonnen und auf diese Weise nahmen die Handlungen, die Uneinigkeit auslösen, zu.

     

    Auseinandersetzungen zwischen den Muslimen gehören zu den Ursachen der Rückständigkeit

     

    Ein wichtiger Faktor für den Mangel an Fortschritt der Muslime in den letzten Jahrhunderten sind die Auseinandersetzungen zwischen ethnischen oder islamischen Glaubensgruppen gewesen. Als die Welt das 2. Jahrtausend begann, galten die Muslime als Großmacht. Ihre Herrscher wurden in der Völkergemeinschaft als die besten betrachtet und ihre Städte waren Zentrum für Handel und Wissenschaft. In den muslimischen Gelehrten sah man wegen ihres Wissens und ihrer praktischen Erfahrungen „die denkenden Köpfe des Zeitalters“ und die Islamische Welt war Mittelpunkt politischer, wirtschaftlicher und sozialer Tätigkeiten jener Zeit. Aber was ist aus diesem Glanz und Ruhm der Muslime geworden? Warum können wir im jetzigen Jahrhundert nicht Zeuge der Größe der Muslime sein? Wie die Geschichte des Islams zeigt, haben in gleichem Maße wie die muslimischen Gesellschaften nach Wissen und Weiterentwicklung für die Erstarkung der Islamischen Welt strebten, die Meinungsverschiedenheiten aufgrund der Zugehörigkeit zu verschiedenen ethnischen oder islamischen Gruppen einen großen Teil der Energie der Umma verbraucht.

     

    Ein wichtiger Grund für die Rückständigkeit der Muslime sind diese ergebnislosen Meinungsverschiedenheiten gewesen. Hätten die Muslime sich nicht von den Offenbarungslehren entfernt und ihre politische Festigkeit und gesellschaftliche Einheit bewahrt, hätten sie zweifelsohne beachtenswerte Fortschritte erzielt. Auch heute können die Muslime , wenn sie sich statt sinnloser Konflikte und Verschwendung ihrer Ressourcen, zur Einheit die Hände reichen und sich an dem göttlichen Tau festhalten, eine große Macht mit weitgehenden Möglichkeiten auf Weltebene sein und bereits mit ein paar wenigen Plänen und unter Einsatz vorhandener Fähigkeiten in der Technologie miteinander wetteifern.

     

    Die Feinde des Islams und die Zwietracht unter den Muslimen

     

    Der Angriff der Fremden und der Imperialisten und ihre Bestrebungen, die Länder in der Islamischen Welt rückständig zu halten, damit sie deren menschlichen und natürlichen Ressourcen ausbeuten können, sowie die Fortdauer der westlichen Vorherrschaft über diese Länder, wurden dadurch möglich, dass man korrupte Vasallenherrscher an die Macht brachte, die Muslime in Zwietracht und Bürgerkriege verwickelte und (anstelle der islamischen Leitsätzen) Devisen, die den Kolonialismus begünstigten, wie Nationalismus und Panarabismus als Ersatz einführte.

     

    Indem sie die vorhandenen Klüfte unter den Muslimen vertieften, blinden Eifer von ethnischen und islamischen Glaubensgruppen schürten und die Überzeugungen der einen Gruppe zur angeblichen Unterstützung der Überzeugungen einer anderen angriffen, haben sie die Einheit unter den Muslimen zerstört, sie in diese Auseinandersetzungen verwickelt und gedanklich von den wesentlichen Fragen abgelenkt.

     

    Das Oberhaupt der Revolution hat darüber gesagt: „ Die Engländer agierten in diesem Zusammenhang gekonnter als die anderen imperialistischen Feinde. Sie haben viele Jahre in Iran, der Türkei und arabischen Ländern und auf dem Indischen Subkontinent gelebt und sind mit den geheimen Kniffen darüber, wie man die Sunniten gegen die Schiiten und umgekehrt die Schiiten gegen die Sunniten aufhetzen kann, vertraut. Sie haben langfristige Ziele gehabt. Nach dem Sieg der Islamischen Revolution, wurde diese imperialistische Aktion forciert … weil die Islamischen Republik nämlich an ein großes Ziel gelangt war und einen hohen Gipfel erklommen hatte. Dieser Gipfel war das „ Erwachen der Islamischen Welt“. Und deshalb nahmen die Motivierung und Gründe der Zwietrachtstifter und der imperialistischen Front zur Hervorrufung von Uneinigkeit und Streit zu.“ (3)

     

    Natürlich konzentrieren sich diese Spaltungsversuche nicht nur auf die schiitisch-sunnitische Frage, sondern manchmal machen sie sich auch in Form von Streit innerhalb der sunnitischen Denk- und Rechtsschulen oder auch zwischen den schiitischen Glaubensgruppen und ebenso als Fehden zwischen Volksstämmen und ethnischen Gruppen bemerkbar.

     

    Zusammenschluss der Islamfeinde

     

    Vereinigung und Einmütigkeit bewirken Wunder bei der Vorantreibung von Zielen, der Größe und des Sieges von Gemeinschaften. Nichts ist so wirkungsvoll wie die Vereinigung und der Zusammenhalt zwischen Völkern und Nationen. Einstimmigkeit, Einmütigkeit und Übereinstimmung der Feinde der Muslime zeigen, dass sie sich diesbezüglich völlig im Klaren sind und im Islam den gemeinsamen Feind und das einzige Hindernis für ihre arrogante Vorherrschaft sehen. Daher rücken sie trotz aller Unterschiede in Religion und Ideologie, Rasse, Region und Politik in allen Dingen näher zusammen und machen gemeinsame Sache bei der Vernichtung des Islams.

     

    Für dieses üble Bündnis zeugen verschiedene Beispiele, unter anderem das Näherrücken der christlichen Konfessionen, die sich trotz der starken religiösen Differenzen zwischen Katholiken und Protestanten näher kamen, ebenso wie die Annäherung zwischen Juden und Christen, ungeachtet ihrer historischen religiösen Feindschaft, die so weit ging, dass die Christen die Juden als Hauptschuldige für die Kreuzigung von Christus betrachten, oder aber auch der Zusammenschluss der europäischen Länder trotz der Kriege, Massaker und ethnischen und politischen und ideologischen Konflikte, die es unter ihnen gegeben hat.

     

    Notwendigkeit der Herstellung von Einigkeit und Solidarität aus der Sicht des Korans

     

    Der Heilige Koran hat als einer der beiden größten Schätze in zahlreichen Versen die Muslime vor der Zwietracht und Spaltung gewarnt. Er hat sie dazu angehalten, Geduld gegenüber einander zu üben. Gott hat in der Sure Anfal, (Sure 8), im Vers 46 geboten: „Gehorcht mit dem Geist der Glaubenseinheit Gott und Seinem Gesandten und streitet und trennt euch nicht, damit ihr nicht geschwächt werdet, scheitert und Kraft und Mut verliert! Seid einmütig und geduldig, denn Gott ist mit den Geduldigen!“

     

    Infolge von Streit verliert eine Gesellschaft ihren Zusammenhalt. Die schlimme Folge von Meinungsverschiedenheiten sind Schwäche und zermürbende Rückständigkeit. Wenn die Saat der Zwietracht unter Menschen oder Gruppen gestreut wird, werden sie dermaßen schwach gegenüber Ereignissen, dass sie keinerlei Hoffnung haben, gegenüber Problemen standhalten zu können. Das ist genau das, was Feinde einer Gemeinschaft erreichen wollen.

     

    An einer anderen Stelle im Koran heißt es: „Haltet euch allesamt am Band (der Religion) Gottes fest, verstreut euch nicht und werdet nicht zu verschiedenen Gruppen.“ (4) In diesem Vers werden zwei Dinge geboten, nämlich: erstens die Haltsuche an dem göttlichen Seil und zweitens die Versammlung zu diesem Tun. Das geehrte Revolutionsoberhaupt hat zur Erläuterung dieses Verses gesagt: „Es ist für jeden Muslim eine Pflicht sich an dem Habl – i Allah – dem Tau Gottes festzuhalten. Aber der Koran begnügt sich nicht damit, dass er uns anweist beim Tau Gottes Halt zu suchen, sondern er erklärt uns, dass wir diese Suche nach Halt bei dem Habl – i Allah in Gemeinschaft durchführen – gemeinschaftlich! Gemeinsam sollen sich alle festhalten und diese Gemeinschaft und Vereinigung ist eine weitere Pflicht. Daher müssen die Muslime nicht nur (einzeln) beim Tau Gottes Halt suchen, sondern sie müssen dies in Gemeinschaft mit den anderen Muslimen tun.“ (5)

     

    Handlungsstrategien zur Erreichung praktizierter Einheit

     

    Wenn die Muslime auf der Welt darauf achten, dass die Feinde des Islams stets Verschwörungen vorbereiten und Zwietracht unter dem Islamischen Glaubensvolk stiften wollen, um diese Spaltung wie ein Werkzeug einzusetzen und die muslimischen Völker imperialistisch auszunutzen, werden sie zur Bekämpfung dieser Verschwörungen eine Strategie wählen und die Pflicht verspüren, sich nach ihr zu richten. Im Nachfolgenden werden einige von diesen Strategien angeführt.

     

    1. Beachtung der gemeinsamen Punkte

     

    Ein sehr wichtiger Faktor, welcher in der heutigen Welt zu einer Vereinigung der Schiiten und Sunniten führt, ist die Beachtung der Gemeinsamkeiten zwischen ihnen. Die Gemeinsamkeiten dieser beiden islamischen Glaubensrichtungen sind erheblich größer an der Zahl als die Fälle von Unterschieden. Leider richtet man jedoch das Augenmerk auf die Unterschiede und die gemeinsamen Überzeugungen werden völlig übersehen. Tawhid, das Prophetentum und das Jenseits ( Stamm der Religion) sowie das Gebetsritual, das Fasten, die Qums – und Zakatzahlung, der Hadsch, der Dschihad, das Gebieten des Guten und Verwehren des Schlechten (Zweige der Religion) aber auch die Gebetsrichtung und der Koran und viele andere weitere Dinge können als gemeinsame Faktoren unter den Muslimen zur Sprache kommen. Diese werden aber bedauerlicherweise alle vergessen.

     

    2. Stärkung und Hervorhebung des gemeinsamen Schicksals der Islamischen Umma

     

    Die Islamische Welt macht einen großen Bestandteil der menschlichen und politischen Bevölkerungsgeographie aus. In dieser großen Geographie besitzt die Islamische Umma ein gemeinsames soziales Schicksal. Aus der Sicht der islamischen Überzeugungen gilt es als eine Pflicht der Muslime, sich um die Angelegenheiten der anderen Anhänger des Islams und um die schlechte Lage von muslimischen Geschwistern auf der Welt zu kümmern. Die Muslime müssen hinsichtlich der Situation ihrer Glaubensbrüder Verantwortung verspüren und es muss sie berühren, wenn Glaubensbrüder Leid erfahren. Die Verbreitung und Verstärkung des Mitgefühls und des Gedankens, das gleiche Schicksal zu teilen, wird schließlich bessere Grundlagen für die Vereinigung und die praktizierte Einheit der Muslime schaffen.

     

    3. Abstinenz von Irrglauben und grundlosen emotionalen Bindungen

     

    Ein Weg zur Abwehr der feindlichen Verschwörungen, der zur Einheit führt, besteht darin, die Hoheitssphäre der religiösen Denkschule von Irrtümlichem und grundlosen emotionalen Bindungen zu befreien. Die Entfernung von häretischen Momenten spielt eine sehr große Rolle dabei, dass eine religiöse Denkschule heil bleibt, und hebt ihr Potential für den Gedankenaustausch an. Blinder Eifer für falsche Manifestationen, die nicht zur Religion gehören und aus Phantasien, lokalen Zielen und Traditionen hervorgehen, schaden dem Gesicht der Religion und der Religionsanhänger und versperren den Weg zu irgendeiner Vereinigung. Ein solcher Weg wäre die Distanzierung der Schiiten von den Ghulaat , den Übertreibern, und die Distanzierung der Sunniten von den Nawasib (den Feinden Imam Alis und seiner Familie ) und den Feinden der Imame, die die Beleidigung der Imame der Schiiten als Gott – Dienen betrachten.

     

    4. Aufklärung über den gemeinsamen Feind und die drohenden Gefahren

     

    Wenn die Muslime, religiösen Schriftsteller und Gelehrten auf diese alle gemeinsam betreffenden Gefahren aufmerksam gemacht werden, wird es sie davon abhalten, sich den geringfügigen Meinungsunterschieden zuzuwenden und es wird sie für die kollektive Verteidigung der Ganzheit der Islamischen Ordnung und der religiösen Überzeugungen gewinnen.

     

    Heute sieht sich die Islamische Umma politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Gefahren gegenüber, die sie gemeinsam bedrohen. Die kulturellen Bedrohungen, welche die religiösen Überzeugungen der Muslime herausfordern, gehören zu den wichtigsten Bedrohungen in der heutigen Welt. Sie fordern die Ganzheit des Islamischen Denkens zum Kampf heraus. Diese Gefahren lassen geografische, nationale Grenzen und Abgrenzungen zwischen religiösen Denkschulen und Volksgruppen hinter sich und stellen die gemeinsame Identität der Islamischen Umma, nämlich die Religiosität und die Treue zu der Werteordnung des Islams in Frage. Deshalb tragen die muslimischen Denker die Pflicht, im Rahmen der Behütung der Religiosität und der Gläubigkeit als gemeinsames Ziel sich in ein- und demselben Schützengraben namens „Behütung der Religiosität“ einzufinden. Dies wird auf seine Art schon ein konkretes Sinnbild für die Islamische Brüderlichkeit sein.

     

    5. Wahrung der Unantastbarkeit der Heiligkeiten islamischer Religionsgruppen

     

    Es gehört zu den Pflichten der schiitischen und sunnitischen Gelehrten in Bezug auf die Einheit unter den Muslimen, dass sie deutlich das Verbot jeder Art von Schmähung oder jeglichen Übergriffs auf das Leben, den Besitz, und die Ehre bzw. das Verbot der Exkommunikation irgendeiner islamischen Glaubengruppe unterstreichen, und derartige Schritte mit der Verletzung der Heiligkeit der Hoheitssphäre aller Muslime gleichstellen. Der Heilige Koran hat hinsichtlich des Verbotes, die Überzeugungen voneinander zu schmähen, und der Ablehnung einer solchen Tat gesagt:

    „Ihr sollt die Götzen, die die Ungläubigen anstelle Gottes anbeten, nicht schmähen, sonst würden sie auch aus Unwissenheit euren Gott beschimpfen. Wir haben jedes Volk dabei belassen, sein Verhalten gut zu finden.“ (6)

     

    In der Schlacht von Siffin traten Hudschr Ibn Adi und Amr Bin al-Hamaq al-Khuza’iy vor, brachten ihre Abscheu gegenüber dem Leuten von Schaam (Syrien, Libanon, Palästina und große Teile von Jordanien) vor und verdammten sie. Aber Imam Ali (a.s.) sandte ihnen die Botschaft: „Lasst von dem ab, worüber berichtet wird, und kommt sofort zu mir.“ Als die beiden zu ihm kamen, sagten sie „Ali! Sind wir denn nicht im Recht?“ Er sagte: „ Doch!“ Sie sagten: „Sind diese Leute denn nicht im Unrecht?!“ Er sagte: „Doch!“ Sie fragten wieder: „Warum untersagst du uns dann, dass wir sie beschimpfen?“

     

    Imam Ali (a.s.) antwortete: „Weil ich es für euch nicht richtig und passend finde, dass ihr flucht und schimpft.“ (7)

     

    Es ist eine Pflicht der Muslime, dass sie über die positiven Merkmale ihrer Überzeugungen sprechen, anstatt zu schmähen, was den anderen Religionen und religiösen Denkschulen heilig ist. Wenn heute die Islamische Umma und die muslimischen Gelehrten bei religionsrechtlichen Meinungsunterschieden den Grundsatz des gegenseitigen Respekts und der religionsrechtlichen Entschuldbarkeit hinsichtlich der Ansichten, die sie jeweils besitzen, bewahren, werden mit Gewissheit die Unterschiede in den religionsrechtlichen Ansichten nicht nur kein Hindernis für ihre Brüderlichkeit sein, sondern die Grundlage für das Gedeihen und die Vervollkommnung des Islamischen Religionsrechts schaffen.

     

    6. Veranstaltung von gemeinsamen wissenschaftlichen Sitzungen seitens der Gelehrten und religiösen Intellektuellen

     

    Zweifelsohne sind der geistige Austausch und die Disputation zwischen den schiitischen und sunnitischen Denkern und Gelehrter ein Faktor, negative Vorstellungen unter ihnen und damit auch unter der Islamischen Umma zu verhüten. In diesem Sinne kommt der Veranstaltung von gemeinsamen wissenschaftlichen Sitzungen, auf denen die schiitischen und sunnitischen Gelehrten zusammen ihre islamischen und religiösen Standpunkte und Gesichtspunkte darlegen, eine wichtige Bedeutung bei der Herstellung von Islamischer Einheit und der Annäherung der Islamischen Rechtsschulen zu. Wenn die schiitischen und sunnitischen Gelehrten untereinander ihre religionsrechtlichen und religiösen Gesichtspunkte richtig verstehen, wird dies letztendlich zur Verbreitung der gemeinsamen Punkte und zum Verblassen der geringfügigen Unterschiede in den religionsrechtlichen Fragen beitragen und die Grundlagen für die praktische Verwirklichung der islamischen Brüderlichkeit schaffen. Die Zusammenstellung von gemeinsamen Werken in Form von Büchern, Zeitschriften und Zeitungen unter den Gelehrten der schiitischen und sunnitischen Denk- und Rechtsschulen, zählt ebenso zu den Größen, welche die Einheit fördern.

     

    Die Exkommunikation (Takfir) – eine ernsthafte Gefährdung des Weges zur Einheit

     

    Die Exkommunikation und die Tendenz zu ihr stehen nicht im Einklang mit dem Geist des Islams und den Lehren des Propheten. Die Exkommunikation ist der Islamischen Kultur fremd. Wir begegnen in der Geschichte des Islams keinerlei Anzeichen für sie und die islamische Kultur hat sich nicht nur von ihr distanziert, sondern sie sogar bekämpft. Zur Zeit des Propheten des Islams (s.) war dies allgemeine Sitte. Der Prophet selber hat niemals einer Person oder einer Gruppe Unglauben vorgeworfen. Dies wurde erst nach seinem Verscheiden üblich und als wichtigstes Ziel und Motiv für die Exkommunikation (von Muslimen) kann das Streben nach Macht und persönlichen und politischen Interessen bezeichnet werden.

     

    Die Exkommunikation und der Hang zu ihr kann als einer der Hauptfaktoren für die Verbreitung von denkerischen und sozialen Abweichungen und die Hervorrufung von Unrecht, Unheil sowie der Vorenthaltung gesellschaftlicher Rechte für einige Muslime gelten.

     

    Die meisten Auseinandersetzungen zwischen den Muslimen gehen nicht auf die religiöse Vorgehensweise und Lehre zurück, sondern werden von gesellschaftlichen Problemen und der Zunahme von religiösem Übereifer beeinflusst, denn die allgemeinen Lehren der Islamischen Denk- und Rechtsschulen spornen im Gegensatz zu der Marschroute einiger ihrer Anhänger nicht zu Auseinandersetzungen zwischen den Rechtsschulen und der Verbreitung der Exkommunizierung unter den Muslimen an, sondern rufen die Muslime zur Vereinigung, Verständigung und Beseitigung ihrer Meinungsverschiedenheiten auf.

     

    Die Chawaridsch waren die erste Gruppe, die den Gedanken des Takfirs (der Exkommunizierung) und die Neigung zu seiner Praktizierung im Islam aufbrachten und nach ihnen sind ihre geistigen Anhänger wie die Ahle-Hadith, die Salafiten und Wahhabiten unter Anführung von Mohammad Ibn Abd al Wahhab als die Haupturheber der Verbreitung des Takfir-Denkens in der Islamischen Welt bezeichnet worden.

     

    Aus der Sicht aller islamischen Rechtsschulen ist jeder, der sich mündlich zu Tawhid (der Einheit Gottes) und den religiösen Grundprinzipien des Islams bekennt, ein Muslim und sein Leben wird geachtet und niemand kann aufgrund oberflächlicher und unsachgemäßer Argumente jemanden als Abtrünnigen (Murtad) und als Ungläubigen (Kafir) abstempeln und ihm daraufhin nach dem Leben trachten.

     

    Die Denkweisen von Mohammad Ibn Abd al Wahhab und seiner radikalen Anhänger werden scharf kritisiert, denn aufgrund dieses Denkens wurde ein Teil der Muslime, insbesondere die Schiiten, wegen einiger Ansichten ihrer Denk- und Rechtsschule und religiöser Bräuche wie Pilgerbesuch und Trauerfeiern und die Fürbittesuche bei den Edlen aus dem Hause des Propheten (s.a.) als Götzenanbeter und Gottesleugner verurteilt und es wurde erklärt, dass es religionsrechtlich „mubah“ (erlaubt) sei, ihr Blut zu vergießen. Vom Standpunkt der anderen islamischen Rechtsschulen und Gelehrten aus gesehen, wird der Hang zur Exkommunizierung anderer im Wahhabismus ebenso kritisiert und diese Gruppe wird von allen islamischen Denk- und Rechtsschulen abgelehnt, sowohl von den Schiiten als auch den Sunniten (8).

     

    Rolle der Verantwortungsträger hinsichtlich des Zusammenhaltes und der Einheit

     

    1. Gerechte Werteverteilung

     

    Imam Ali a.s. hat in seinem Befehlsschreiben an Malek Aschtar über die Beachtung der Situation der Bevölkerung in Ägypten geschrieben:

     

    „Wähle Freundlichkeit zum Volk und Liebe zu ihm als Gewand für dein Herz und sei nicht wie ein Raubtier, welches die Menschen wie eine Beute verschlingt, denn das Volk besteht aus zwei Gruppen: Die einen sind deine religiösen Brüder und die anderen sind so wie du erschaffen“(9).

     

    Alle Menschen, Schiiten und Sunniten, müssen die gleichen Bürgerrechte genießen. Die Vermögens- und Erstarkungsquellen müssen gerecht unter ihnen verteilt werden, damit jeder an das gelangen kann, was seiner Eignung und Fähigkeit entspricht. Die Verantwortungsträger müssen die Bürgerrechte jedes Einzelnen, die dieser als Angehöriger eines Staates besitzt, berücksichtigen. Beispiele sind dabei unter anderem das Recht auf Unterkunft, Lehre und geeignete medizinische Möglichkeiten und Rechte wie das Recht auf gerechte Behandlung vor Gericht usw. Dies festigt die Gefühlsverbindung zwischen den Minderheiten und der Mehrheit und bringt sie einander näher. So hat Imam Ali a.s. in seinem Schreiben an Malik Aschtar diesen verpflichtet, die Rechte der Menschen vollständig (und unabhängig von ihren Ansichten) zu berücksichtigen.

     

    2. Ernsthafte Kontrolle von radikalen impulsiven Gruppen

     

    Innerhalb jeder Glaubensgruppe und Religion treten Personen oder Untergruppen auf, die hinsichtlich der Ziele ihrer Lehre hochempfindlich sind und unter Missachtung der Vernunft, Logik und ausreichender Weitsicht ihre Ansichten verteidigen wollen. Dies kommt bei den islamischen Rechtsschulen ebenso vor, so dass einige Leute oder Gruppen, ohne das Wohl des Landes und der Gesellschaft ins Auge zu fassen, ihre Ansichten äußern und zu deren praktischen Umsetzung unüberlegte Handlungen vornehmen. Leider war unser Land ebenso Zeuge bitterer Vorfälle, zu denen es unter den Islamischen Rechtsschulen und seitens einiger Personen und Kreise im Namen einer bestimmten Religion durch radikales und exkommunizierendes Verhalten kam. Daher müssen die Verantwortungsträger diesem Problem besondere Aufmerksamkeit schenken, derartige Vorfälle unterbinden und die Aktivitäten von solchen Leuten ernsthaft kontrollieren.

     

    3. Beaufsichtigung der Produktionen der Rundfunk- und Fernsehanstalt und der Gruppenmedien

     

    In der heutigen Welt, welche sich im Zeitalter der Kommunikationen befindet, übernehmen die Massenmedien eine konstruktive Rolle bei der Herstellung von fruchtbaren Beziehungen und der Vorstellung von korrekten Standpunkten oder auch umgekehrt der Hervorrufung von Konflikten unter den verschiedenen Gesellschaftsgruppen. Gegenstand der Medien weltweit sind in der Hauptsache Informationsübermittlung und Unterhaltung. Wenn wirtschaftliche, politische, gesellschaftliche und kulturelle Fragen vorkommen, so werden sie im Rahmen dieser beiden Bereiche zur Sprache gebracht. Das iranische Medium der Rundfunk- und Fernsehanstalt muss über diese beiden Strategien hinaus auch die Funktion der Lehre und Wegweisung übernehmen. Wenn bei der Produktion von Programmen, in denen in Bezug auf Lehre oder auch Wegweisung das Thema der Islamischen Einheit missachtet wird, ist die schädliche und Zwietracht hervorrufende Auswirkung wegen der großen Zuschauerzahl besonders schwerwiegend und gefährlich und deshalb müssen hinsichtlich der Aufsicht über diese Anstalt ernsthafte Vorkehrungen ins Auge gefasst werden.

     

    4. Aufsicht über Tätigkeiten von Schriftstellern und Kulturprodukte

     

    Die Schriftsteller muslimischer Länder haben immer, weil sie über die Komplotte des Feindes bei der Zwietrachtstiftung und der Zersplitterung der Islamischen Umma, welche die muslimischen Länder schwächt, aufklären, eine wichtige entscheidende Rolle innegehabt. Sie können wegen ästhetischer und gekonnter Ausdrucksweise in Begleitung von Epos und Gefühl den muslimischen Regierungen und Völkern bei der Verwirklichung der Einheit helfen, oder aber auch im Gegenteil Zwietracht und religiöse und soziale Spannungen schüren. Deshalb ist die ernsthafte Aufsicht über schriftstellerische Tätigkeiten im Rahmen von Zeitschriften und Büchern, bei denen der Verdacht auf Spaltung und Provokation der Gefühle der Sunniten oder der Schiiten besteht, ausgesprochen notwendig.

     

    Der ehrwürdige Imam Chomeini (r.h.) hat in einer Botschaft, die er anlässlich des 22. Bahman und des Jahrestages des Sieges der Islamischen Revolution an die Menschen richtete, diesen Punkt mit Nachdruck hervorgehoben und gesagt: „ Die Gelehrten und Wissenschaftler überall auf der Welt, und ganz besonders die Gelehrten und Denker des gewaltigen Islam, sollen sich gemeinsam und einmütig und mit dem gleichen Ziel für die Rettung der Menschheit aus der ungerechten Vorherrschaft jener listigen verschwörerischen Minderheit, die mit ihren Intrigen und ihrem Propagandalärm ihre ungerechte Herrschaft über die Weltbewohner ausdehnen, erheben und in Wort, Schrift und Tat die falsche Furcht, die die Unterdrückten überschattet, beseitigen. Sie sollen die Bücher, die jüngst seitens des Imperialismus von Hand dieser Sklaven des Satans veröffentlicht wurden und zwischen den muslimischen Gruppen Konflikte schüren, beseitigen und die Wurzeln der Meinungsverschiedenheiten, welche Ursprung aller Schwierigkeiten der Unterdrückten und der Muslime sind, ausreißen und einmütig und gleichgerichtet entschieden gegen diese Gruppenmedien, die die meiste Zeit rund um die Uhr damit verbringen, Unheil zu stiften, Zwietracht zu streuen und Lügen und Gerüchte zu verbreiten, vorgehen.“ (10)

     

    Die Anhänger der Islamischen Rechtsschulen haben das Recht, frei ihre religiösen Lehren zu verkünden. Aber weder die Lehre des Islams noch das Wohl der Islamischen Welt und genauso wenig der Grundsatz der Brüderlichkeit erlauben irgendjemandem, negative Propaganda gegen die anderen islamischen Rechts- und Denkschulen durchzuführen. Die Verhinderung von fanatischem Verhalten, die weder einer islamischen Rechtsschule noch dem Islam etwas nützen, ist eine der wichtigen Aufgaben der Islamischen Gelehrten und ein wichtiger Schritt in Richtung Verwirklichung der islamischen Brüderlichkeit.

     

     

    Fußnoten

     

    1. Sure Anfal (8), Vers 46
    2. Sure Ale Imran, Vers 103
    3. Ausführungen des geehrten Oberhauptes der Islamischen Revolution bei der Zusammenkunft der schiitischen und sunnitischen Gelehrten zu gemeinsamen Überlegungen, 25.10.1385 (Mitte Januar 2007)
    4. Sure Ale Imran, (3) Vers 103
    5. Ausführungen des Revolutionsoberhauptes bei der Zusammenkunft mit den Teilnehmern an der Konferenz für die Islamische Einheit 30.5.1385 (zweite Augusthälfte 2006)
    6. Sure An`am, (6) Vers 108
    7. Kommentar zu Nahdsch – ul Balagha, Ibn Abi Hadid, Bd. 12, S. 121 u. 122
    8. Darlegung von Exkommunikation und Tendenzen zu ihr unter den Muslimen, Nikzad Teherani, Nawaje Qalam, 1388 schin (2009)
    9. Nahdsch – ul Balagha, Brief an Malik Aschtar, „Malik- Aschtar- Vertrag“
    10. Sahifeh Imam (Chomeini), Band 19, S. 149

     

    Quelle: Taghrib. Ir