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    Verhalten und Benehmen des Propheten Mohammad (s.) (Teil 2), (SIRA-I-NABAWI) von Märtyrer Ayatollah Murtadha Motahhari

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    Teil II

     

    Anwendung der Mittel

     

    Inhaltsverzeichnis:

    Allgemeines
    Qur’anische Erzählungen sind authentisch
    Neue Ableitungen sind gestattet
    Ibrahim, der Sohn des Heiligen Propheten Mohammed
    Der Prophet David (a.s.)

     

    Allgemeines

     

    Eine andere Lektion, die aus dem praktischen Verhalten des Heiligen Propheten gezogen werden kann, ist die richtige Anwendung, um Ziele zu erreichen. Allgemein gesprochen, der Mensch sollte heilige und edle Ziele im Leben haben. Überdies sollte der Mensch hinsichtlich seiner Ziele und der angewandten Mittel ein wahrer Muslim sein. Einige Leute sind keine wahren Muslime, soweit es ihre Güter betrifft, und sie denken nur an den eigenen Magen, an den Schlaf und an die weltlichen Freuden. Sie wollen nur ein genussreiches Leben führen. Diese Leute können nicht Muslime genannt werden, nicht einmal Menschenwesen, denn ihre Ziele gehen nicht über die tierische Triebe des Menschen hinaus – ein wahres Menschenwesen hat aber Ziele. Die einzigen Ziele eines wahrhaftigen Menschen liegen im Gehorsam gegenüber Gottes Geboten.

     

    Um seine heiligen Ziele zu verwirklichen, sollte der Mensch notwendigerweise gewisse Mittel benutzen. Hier taucht die Frage auf, welche Mittel er anwenden sollte. Genügt es, dass der Mensch heilige und gottesgewollte Ziele habe, aber unbedenklich böse und unheilige Mittel einsetzt? Oder sollte er heilige Mittel anwenden, um heilige Ziele zu erreichen? Diese Fragen werden unten geklärt werden.

     

    Angenommen, unser Ziel ist, die Religion zu verkünden. Ist es gestattet, jegliches Mittel zu verwenden, um solch ein Ziel zu verfolgen? Die Antwort ist ein klares: „Nein!“ In der gleichen Weise ist es verboten, Lügen zu erzählen oder zu schmeicheln, um persönliche Interessen zu erreichen. Ebenso, will z.B. jemand als heiliges Ziel eine Moschee bauen, so darf er keine Lügen erzählen, um Geld oder Baumaterialien aufzutreiben, wiewohl andere das als gut und fromm betrachten könnten. Eine Überlieferung (Hadith) zu fabrizieren und sie dem Propheten Mohammed (s.) und den zwölf Imamen anzudichten, um Leute auf den richtigen Weg zu bringen, selbst ohne eigene Interessen, oder mit schlechtem Gerede über andere zum Gebet aufzufordern, wäre auch tadelnswert. Bei der Erreichung von Zielen hat der Islam nicht den Grundsatz : „Der Zweck heiligt die Mittel“. Beispielsweise zu sagen, die Rezitation eines bestimmten Qur’an-Verses würde jemanden Glück bringen oder wenn eine Geschichte fabriziert wird oder ein Traum, damit Leute zu Islam-Gläubigen werden – das alles verbietet der Islam.

     

    Es wird berichtet, dass Ali Bin Kab öfters eine Überlieferung (Hadith), die Rezitation bestimmter Qur’an-Verse würde bestimmte Wirkungen und Segnungen zeitigen. Jemand fragte ihn, warum gerade nur er solch eine Hadith erzähle. Er erwiderte, er habe die Hadith fabriziert, um Gott zu schmeicheln und er fügte hinzu: „Mir fiel auf, dass bei Versammlungen die Leute meistens Legenden und Abenteuer erzählen und Lyriken aus der vorislamischen Zeit rezitieren und dadurch die Zeit vergeuden. Ich erfand diese Hadith als ein gutes Mittel, dass die Leute stattdessen den Qur’an rezitieren.“ Gewisslich ist dies falsch, denn die Wahrheit kann nicht auf Falschheit gegründet werden.

     

    Im Ganzen, die Propheten Gottes und unter ihnen der Prophet des Islam griffen niemals zur Falschheit, um die Wahrheit aufzurichten; vielmehr griffen sie immer zur Wahrheit beim Bau der Wahrheit.

     

    Qur’anische Erzählungen sind authentisch

     

    Von einigen Ägyptern wurde behauptet, dass der Heilige Qur’an nicht ein Geschichtsbuch sei, das tatsächliche Ereignisse und Geschehnisse aufzeichnet. Vielmehr habe er ein heiliges Ziel, nämlich Geschichten und Gleichnisse den Leuten zu erzählen, damit sie von ihnen lernen, egal ob die Geschichten und Gleichnisse wahr seien oder nicht.

     

    Im Laufe der Geschichte sind von klugen Leuten Tierfabeln erzählt worden, die jedermann eben als Fabeln erkennt. Beispiel dafür sind die Fabeln von „Kalilah und Demnah“, in denen Löwen, Füchse, Hasen und andere Tiere die Hauptgestalten sind. In einer Fabel beispielsweise schildert der Literat einen sehr kleinen Hasen, der einen riesigen Löwen in einen Brunnen schleudert, damit der Mensch verstehe, dass Körper und körperliche Kraft nicht mit Weisheit und Intellekt konkurrieren können. Nun, einige Leute haben (was Gott verhüten möge) qur’anische Gleichnisse mit solchen Fabeln gleichsetzen wollen; sie sagten, dass es für uns nicht notwendig sei zu beweisen, ob es wahre historische Erzählungen seien oder nur allegorische, denn wir müssten bloß von ihnen lernen.

     

    Dieses Argument ist völlig falsch und unsinnig, denn die prophetische Logik gestattet den Propheten nicht, unwahre und fabrizierte Vorfälle zu verwenden, um auf die Wahrheit hinzuweisen, selbst allegorische nicht. Es ist unmöglich für den Propheten des Islam, für den Heiligen Qur’an, für die zwölf Imame und für andere hohe Gelehrte aus dieser Denkschule, grundlose Argumente zu benutzen, um ein heiliges Ziel zu erreichen. Wir (Muslime) haben keinen Zweifel, dass alle Erzählungen des Qur’an in ihrer Form und im Inhalt offenkundige Wirklichkeiten sind, und es besteht kein Bedürfnis, die qur’anischen Gleichnisse durch Geschichtsbücher abstützen zu lassen; vielmehr sollte die Geschichte (Historie als Wissenschaft) vom Qur’an gestützt sein.

     

    Es gibt einen grundlegenden Unterschied in der Denklinie der modernen Gelehrten und der antiken Gelehrten. Die modernen Gelehrten glauben, „der Zweck heiligt die Mittel“, d. h. , hat man ein heiliges Ziel, kann jedes Mittel gebraucht werden. Dies wird von einigen ägyptischen Gelehrten als ein Prinzip betrachtet. Die antiken Gelehrten haben eine Geschichte erzählt, die der verstorbene Scheich Ansari (Gott habe ihn selig) zweimal in seinem Werke „Makasib-i-Muharrimah“ gebracht hat: Wenn Männer die Religion verdrehen, indem sie Ideen fabrizieren, die in der Religion nicht enthalten sind, oder wenn sie aus der Religion Dinge entfernen, die in ihr eingeschlossen sind, so sollte man gegen diese Männer mit starker Logik antreten und die Leute auf deren Lügen und Häresien aufmerksam machen.

     

    Erfinderische Neuerung ist in der Poesie, Kunst und Philosophie usw. erlaubt, aber nicht in der Islam-Religion. In der Islam-Religion ist das verboten, denn weder wir (das gewöhnliche Volk) noch die zwölf Imame, welche die Nachfolger und die Erben des Propheten Mohammed (s.) sind, sowie die Vollstrecker seines Willens und die Lagerstätte seines Wissens, haben die Islam-Religion eingeführt. Selbst der Prophet Mohammed (s.) ist nicht der Erfinder der Islam-Religion. In Wahrheit hat Gott die Islam-Religion dem Propheten Mohammed (s.) offenbart. Übermittler war der Engel Gabriel, der Engel der Offenbarung. Der Prophet Mohammed verkündete dann die Islam-Religion den Menschen und erläuterte sie umfassend seinen Nachfolgern und Erben (den zwölf Imamen).

     

    Neue Ableitungen sind gestattet

     

    Idschtihad (selbständige Rechtsfindung) will ein Gebot (aus dem Qur’an und aus anderen verlässlichen Quellen) für die aktuelle Zeit ableiten und anwenden. So kann der Mudschtahid [1] eine neue Schluss­folgerung ziehen, auch wenn er und andere früher anders entschieden. Dies ist im Islam gestattet, denn sie ist eine neue Folgerung, aber sie ist keine Bidat[2] in der Islam-Religion. Bidat wird als eine der größten Sünden im Islam betrachtet. Hinsichtlich Bidat sagt eine Überlieferung (Hadith): „Wer einen Bidat-Mann besucht, hat wahrhaft seine (Islam-) Religion ruiniert.“

     

    Das heißt, es ist verboten, einen Mann zu Rate zu ziehen, der eine Bidat-Sache in die Islam-Religion einführt. Es gibt auch die andere Hadith, in der das Wort „fabahituhum“ für den Bidat-Denker gebraucht wurde.

     

    Das arabische Wort „buht“ hat zwei Implikationen. Die eine Implikation ist „irreführen, irremachen“ (oder: verblüffen, bestürzen, in Erstaunen setzen) und so wird „buht“ in der qur’anischen Diskussion zwischen Abraham und den Tyrannen seiner Zeit verwendet, und die Qur’an-Stelle besagt: „Das verwirret den Ungläubigen!“ [Heiliger Qur’an, Sure 2 : Vers 258].

    Das heißt, er war von Abrahams Logik verwirrt und verblüfft.

    Die zweite Implikation ist „Unheil, Unglück“ oder „falsche Beschuldigung (Verleumdung)“, was auch im Qur’an zu finden ist, worin gesagt wird: „Gelobt bist Du (O Gott), dies ist eine große Verleumdung.“ [Heiliger Qur’an, Sure 24 : Vers 16]

     

    Der verstorbene Scheich Ansari behauptet ausdrücklich in einer Textstelle, dass „bahituhum“ bedeutet, gegen die Ungläubigen mit starker Logik anzutreten, sie zu verblüffen und sie in der gleichen Weise schuldig zu beweisen, wie Abraham mit Nimrod debattierte und ihn verwirrte (und verblüffte). Einige andere haben es jedoch so interpretiert: Hat man mit Bidat-Männern zu tun, darf man Lügen erzählen und falsche Anschuldigungen machen, um sie zu verdammen, d.h. es könnten unheilige Mittel angewendet werden, um ein heiliges Ziel zu erreichen. Aber diese (Interpretation) kann von Männern mit gesunder Vernunft niemals akzeptiert werden!

     

    Die Probleme und die betrügerischen Machenschaften der menschlichen „Ideale“ sind erstaunlich. Zuweilen täuscht das Unterbewusstsein den Menschen in solch einer Weise, dass er das selber nicht erkennt. Beispielsweise, in der Nacht vor dem Geburtstag des Heiligen Propheten Mohammed (s.) kann man (angeblich!) eine Sünde oder Laster begehen, um damit den Propheten zu erfreuen [3], aber der Prophet hat solch ein sündhaftes Verhalten gerügt.

     

    Es wird eine Geschichte erzählt, dass einstmals ein Mann in ein Wirtshaus ging und für einen Groschen Wein verlangte. Der Schankmann sagte, dass ein Tropfen Wein nicht betrunken mache. Aber der Gast sagte, die Berauschung wäre die gleiche wie bei einer großen Menge Wein. Der Gast verlangte den Tropfen Wein, um Trunkenheit vorzutäuschen und um zu tun, was ihm beliebte. Das gilt auch für einige Leute heutzutage. Sie suchen nach Vorwänden, um ihre Ziele zu verwirklichen. Beispielsweise beleidigen sie und schütten Unheil über ihre Gegner, indem sie diese der Bidat (unerlaubten Neuerung) beschuldigen und unter der Meinung, dass man gegen alle Bidat-Denker mit Lügen und Verleumdung vorgehen dürfe. Was wird mit der Islam-Religion geschehen, wenn sich solch eine Haltung durchsetzt?

     

    Als Abu Huraira Statthalter Muawiyas in Medina war, brachte eines Tages ein Mann Zwiebeln auf den Markt, aber niemand wollte sie kaufen. Der Händler traf Abu Huraira und bat ihn, ein gutes Werk zu tun, damit er eine Vergütung für die unverkauften Zwiebeln erhalte. Der Händler sagte, er sei ein Muslim, und er hätte erfahren, Zwiebeln seien in Medina knapp, und so habe er all seine Habe verkauft, habe dafür Zwiebeln erworben und sie nach Medina gebracht; aber nun seien die Zwiebeln am Verderben, weil die Medinenser sie nicht kauften. Abu Huraira bat ihn, die Zwiebeln zu einer gewissen Stelle zur Zeit des Freitags-Gottesdienstes zu bringen. Abu Huraira wandte sich an die Leute und sagte: „O Leute ! Ich hörte den geliebten Gottesgesandten sagen: ‚Wer immer Zwiebeln aus Akka in Medina isst, wird dadurch eindeutig ins Paradies eintreten.’ “ Als die Leute diese (falsche) Überlieferung (Hadith) hörten, kauften sie innerhalb einer Stunde all diese Zwiebeln und Abu Hurairas Gewissen war befriedigt, dass er einen muslimischen Gläubigen vor dem Ruin gerettet habe.

     

    Falsche Ahadith dieser Art sind zahlreich. Vielleicht fünfundneunzig Prozent der Ahadith werden über die Vorzüglichkeiten von bestimmten Städten (Siedlungen) und anderen Örtlichkeiten erzählt. Sie wurden tatsächlich fabriziert, um einigen Leuten Profit zu bringen. Beispielsweise soll der Prophet angeblich gesagt haben: „Die beste aller Städte ist Baihag.“ Es ist ganz klar, dass einige Einwohner von Baihag diese Hadith erfanden, um daraus zu profitieren. Wie konnte denn der Heilige Prophet Mohammed (s.) über eine solch weit entfernte Stadt im Iran nachdenken? Diese falschen Ahadith haben die Islam-Religion besudelt.

     

    Die Eigenschaften und echten Ahadith der Propheten erlauben niemals, mit falschen Mitteln zur Wahrheit zu gelangen. Warum folgte Ali einer starren Politik und lehnte Einflüsterungen von Ibn Abbas, Mughairah Ibn Schubah und dergleichen ab, wiewohl seine Ziele zweifelsohne heilig waren? Es wird berichtet, dass Mughairah dem Imam und Kalif Ali vorschlug, zu Beginn dessen Kalifats (658) indifferent zu Muawiya zu sein und ihm seine Position (als Gouverneur von Syrien) zu belassen und ihn erst abzusetzen, wenn sich das Kalifat gefestigt habe. Imam Ali (a.) lehnte diesen Vorschlag ab und sagte, falls er Muawiya als Gouverneur (in Syrien) belasse, selbst nur für eine kurze Zeitspanne, würde es bedeuten, dass er ihn als korrekten Mann akzeptiere, wenigstens für diese Zeitspanne. Er fügte hinzu, er wisse, Muawiya sei boshaft, und er möchte nicht das Volk belügen und ihn dem Volke vorsetzen. Mughairah sah, dass sein Vorschlag Imam Ali (a.) nicht beeinflusste, und er versicherte, Ali verhalte sich richtig, und er widmete sich wieder den eigenen Geschäften. Ibn Abbas sagte später, dass Mughairahs Vorschlag tatsächlich dessen Meinung war, aber weil sich dieser (später) Muawiya anschloss, bezweifelte er, Mughairah meine es ernst mit der Aussage, Imam Ali verhalte sich korrekt.

     

    Imam Alis Standhaftigkeit in solchen Angelegenheiten war wegen der Tatsache, dass er den Wegen und Manieren der Propheten folgte und eine Politik des Betruges für falsch hielt. Die Vorgänger Alis (nämlich Abu Bakr, Omar und Osman) werden Genies genannt, weil sie jegliche Mittel benutzen, um ihre Ziele zu erreichen, und Alis Politik wurde von einigen abgelehnt, weil er zur Verwirklichung seines Zieles nur zu wahren und legitimen Mitteln griff.

     

    Eines Tages kam ein Vertreter eines arabischen Stammes zum Heiligen Propheten Mohammed (s.) und behauptete, die Stammesleute würden den Islam unter drei Bedingungen annehmen:

    1.) Wenn es ihnen erlaubt wäre, ihre Götzen noch für ein Jahr zu verehren und anzubeten.

    2.) Wenn sie das tägliche rituelle Gebet nicht zu machen bräuchten, denn das wäre zu hart für sie.

    3.) Wenn sie davon befreit wären, ihre großen Götzen mit ihren eigenen Händen zu zerstören.

     

    Der Heilige Prophet erwiderte, die ersten beiden Bedingungen müsse er ablehnen, aber die dritte Bedingung würde er annehmen. Wiewohl der Prophet nicht gern auf den Stamm verzichtete, der zum Islam konvertieren wollte und so die Schar der Muslime verstärken würde, machte er ihnen nicht das Zugeständnis, noch für ein Jahr ihre Götzen zu verehren. Hätte er die erste Bedingung akzeptiert, hätte er tatsächlich den Götzenkult bestätigt und dem konnte er nicht einmal für vierundzwanzig Stunden zustimmen. Gleicherweise, hätten sie den Propheten gebeten, ihnen nur für vierundzwanzig Stunden das rituelle Gebet zu erlassen, so hätte er das sofort abgelehnt.

     

    Noch erstaunlicher ist: Einige Leute gebrauchen nicht allein unhei­lige und illegitime Mittel, sondern sie beuten der anderen Unwissenheit und Nachlässigkeit aus, um damit die Wahrheit und Religion zu stützen und zu stärken. Beispielsweise gibt es eine erdichtete Geschichte, die hochedle Mutter des vierten schiitischen Imams [4] Zain-ul-Abideen sei bei der Tragödie zu Kerbela dabeigewesen. Einige Leute glauben diese Geschichte, während Geschichtsbücher und Überlieferungen erzählen, sie wäre schon bei der Geburt des Babies gestorben. Kein einziges Buch über die Kerbela-Tragödie erwähnt, sie wäre dabei gewesen. Aber einige Volksprediger meinen, weil das Volk die Geschichte gerne höre und glaube, solle sie wiederholt und betont werden, unabhängig davon ob sie echt sei oder nicht. So eine Auffassung ist nicht korrekt. Wir (die Gelehrten und die Prediger) sind verantwortlich, das Volk aus seinem tiefen Schlaf der Unwissenheit aufzuwecken und dies ist eine der Eigenschaften des Heiligen Propheten Mohammed (s.). Imam Ali (a.) deutet darauf mit den folgenden Worten hin:

     

    „Der Prophet war wie ein wandernder Arzt, der seine Salben zubereitet hatte und seine Instrumente erhitzt hatte. Er gebrauchte sie, wo immer das Bedürfnis entstand, blinde Herzen, taube Ohren und stumme Zungen zu heilen. Er folgte mit seinen Medizinen den Flecken der Nachlässigkeit und den Stätten der Verwirrung. Die Leute nahmen nicht Licht von den Lichtern seiner Weisheit, noch schufen sie eine Flamme von dem Feuerstein seines funkensprühenden Wissens. In dieser Sache sind sie wie grasendes Rindvieh und wie harte Steine.“ (Quelle: Nahdsch-ul-Balagha, Rede Nr. 108 Seite 156, Ausgabe Abhi Saleh)

     

    Der Heilige Prophet gebrauchte heftige Gewalt in einigen Situationen und benutzte Salben (für geistige Wunden) in anderen Situationen, d.h., er verhielt sich sehr streng mit fester Entschlossenheit, und er war auch ganz milde, wenn es zu anderen Situationen passte; und beide Verhaltensweisen zielten darauf ab, das Volk aufzuwecken. In der Tat, er wandte moralische Prinzipien an, wo sie als Mittel dienen konnten, die Leute wach zu machen, und er gebrauchte das Schwert (Gewalt und Autorität), wo es helfen konnte, die Leute voranzubringen.

     

    Ibrahim, der Sohn des Heiligen Propheten Mohammed

     

    Ibrahim war ein geliebter Sohn des Heiligen Propheten mit der Sklavin Maria Qibtiah [5]. Der Sohn Ibrahim starb mit achtzehn Monaten. Der Heilige Prophet war ein sehr feinfühliger Mann, und er brach in Tränen aus, und er sprach:

    „O Ibrahim, unsere Herzen sind zerbrochen und wir vergießen Tränen in Kummer um dich. Aber wir können niemals ein Wort gegen Gottes Willen äußern.“

     

    Alle Muslime waren gerührt, als sie den Heiligen Propheten trauern sahen. Zufällig gab es eine Sonnenfinsternis am Tage des Todes Ibrahims. Die Muslime meinten, das wäre ein Zusammenhang von Himmel, Erde und Prophet. Sie meinten, die Sonnenfinsternis sei wegen des Todes des Sohnes des Heiligen Propheten gewesen.

     

    Dies bedeutet natürlich nichts in sich selbst. Selbst die gesamte Welt kann für den Heiligen Propheten umgestürzt werden. So nahm das Gerücht Schwingen; und alle Männer und Frauen Medinas meinten, die Sonnenfinsternis sei wegen des Herzenskummers des Propheten gewesen. Folglich wurde ihr Glaube an den Heiligen Propheten stärker. Der Heilige Prophet jedoch wollte der Leute Unwissen und Schwäche nicht für sich ausnutzen; er wollte nur starke Argumente benutzen, wollte ihr Wissen und ihre Intelligenz anregen, während er sie zum Islam rief, denn der Heilige Qur’an hatte ihm geboten:

     

    „Rufe mit Weisheit und schöner Ermahnung auf den Weg deines Herrn und streite mit Ihnen auf die beste Art.“
    [Heiliger Qur’an, Sure 16 : Vers 125]

     

    Er wollte seine Ziele nicht mit jeglichen Mitteln verwirklichen. So ging er zur Predigt-Ecke und sagte den Leuten:

    „Die Sonnenfinsternis ist nicht für meinen Sohn.“

     

    So lehnte er diesen unlogischen Grund ab. Er nutzte nicht solche Begründungen, um schweigsam zu bleiben, denn im Islam ist kein Raum für solche Täuscherei. Solche Mittel werden von jenen ergriffen, deren Religion nicht auf Logik gründet, noch auf klarem Beweis. Zweitens, jene, die solche Tricks verwenden, landen letztendlich im Verdruss. Wie das Sprichwort sagt:

    „Du kannst einige Leute die ganze Zeit narren, aber du kannst nicht alle Leute die ganze Zeit narren.“

     

    Drittens, Gott gestattet ihm nicht, so zu handeln. Um das Richtige zu gewinnen, sollte man die richtigen Mittel einsetzen. Wenn man das Richtige und das Falsche zusammenmischt, wird das Richtige ruiniert. Das Richtige verschwindet, wenn das Falsche eindringt.

     

    Einstmals hörte ein großer Gelehrter einen gewissen Sayyid [6] falsche Berichte über die Tragödie zu Kerbela erzählen. Der große Gelehrte protestierte: „Was sollen diese Geschichten, die du erzählst?“ Der Sayyid antwortete: „Kümmere dich um deine eigene Rechtswissenschaft und um die Prinzipien der Religion. Ich kann mit meinem Vorfahren Hussein machen, was mir gut dünkt.“

     

    Solche Haltungen waren vielfach schädlich für unsere Religion. Wenn das Ziel heilig ist, sollten die Mittel zur Erreichung dieses Zieles ebenfalls heilig sein. Wir sollten nicht lügen, nicht verleumden, sollten andere nicht beschuldigen, weder um unsretwillen noch um unserer Religion willen. Zu lügen, zu verleumden und Leute zu beschuldigen ist tatsächlich das, was die Religion verbietet. Wir sollten sorgfältig auf die Leben unserer reinen zwölf Imame zurückschauen, um zu sehen, wie sie lebten. Als Imam Ali (a.) auf Muawiya bei der Schlacht von Siffin stieß, achtete Muawiya darauf, das Wasser des Euphrats von Imam Alis Truppen abzusperren. Imam Ali und seine Kampfgefährten waren ohne Wasser, und Ali sandte eine Botschaft an Muawiya, worin er ihm mitteilte, dass er für Verhandlungen sei und vielleicht würde Gott ihnen helfen, die Probleme der Muslime zu lösen.

     

    Dann forderte er Muawiya auf, ihnen den Zugang zum Euphrat-Wasser zu gestatten. Muawiya jedoch lehnte das ab; er hielt die Wassersperre für eine gute Taktik, um den Endsieg zu erringen. Imam Ali durchschaute die Absicht Muawiyas, und er befahl einen Angriff; bei Sonnenuntergang waren die Soldaten Muawiyas gezwungen, sich vom Ufer des Euphrats zurückzuziehen, und die Soldaten Alis besetzten das Euphrat-Ufer. Die Soldaten Alis wollten nun mit gleicher Münze zurückzahlen und ihnen das Euphrat-Wasser absperren. Aber Imam Ali (a.) sagte zu seinen Soldaten:

     

    „Wir wollen das nicht tun, denn Gott hat das Wasser den Muslimen und den Nichtmuslimen in gleicher Weise gegeben. Das Wasser abzusperren wäre ungebührlich. Wir wollen den Krieg nicht durch solch eine niedrige Tat gewinnen.“

     

    In der Geschichte um Amr Ibn Aas, der tatsächlich sehr gemein war, sehen wir, wie einstmals Imam Ali den Muawiya aufforderte, keine Muslime mehr an die Fronten in den Tod zu schicken, und ein Zweikampf zwischen Imam Ali und Muawiya würde das Massentötungen ersparen. Amr Ibn Aas sprach immer wieder auf Muawiya ein: „Du bist ein Mann des Mutes. Ergreife die Waffen und tritt zum Zweikampf gegen Ali an.“

     

    Aber Muawiya wusste, dass er beim Zweikampf gegen Imam Ali keine Chance hatte, so dass er getötet werden würde, und daher lehnte er das Duell ab. Schließlich konnte Muawiya den Amr Ibn Aas überreden, an seiner Stelle zum Zweikampf anzutreten. Dieser war zweifelsohne ein tapferer Mann und er war der Befehlshaber der Truppen Muawiyas, als sie Ägypten besetzten. Er legte seine Wehr an und ging zum Schlachtfeld; er spähte nach einem Gegner, der nicht so stark wie Ali wäre. Er schrie: „Ich werde euch töten, während Ali nicht hier ist.“

     

    Abd-al-Fadhl, ein 14-jähriger Jüngling, war angetreten. Imam Ali näherte sich langsam und schweigend, um von Amr Ibn Aas nicht bemerkt zu werden. Als er ihm nahe war, sagte er: „Ich bin der qureischitische Führer, bei dem jedermann sicher ist.“

     

    Amr Ibn Aas war zu Tode erschrocken und floh reitend davon. Imam Ali verfolgte ihn und schlug ihn mit dem Schwert. Amr Ibn Aas wusste, dass Imam Ali nichts gegen den Islam tun würde, und er sprang vom Pferd und zeigte blitzschnell seine Geschlechtsorgane (es ist nämlich im Islam verboten, die Geschlechtsorgane eines anderen anzuschauen). So drehte sich Ali um und ließ Amr bin Aas entfliehen. Imam Ali hätte ihn jederzeit töten können, aber da er zur Erreichung seines Zieles kein unwürdiges Mittel anwenden wollte, achtete er auf den Anstand, wenn er gegen den Feind antrat. Solche Beispiele zeigen, dass unsere reinen zwölf Imame anders als gewöhnliche Menschen waren und dass sie auch andere Denkweisen hatten. Sie waren die Wächter der Aufrichtigkeit und Wahrheit.

     

    Für Imam Hussein (a.) spielte es keine Rolle, ob er getötet werden würde oder nicht. Sein Ziel war tatsächlich, eine Religion vor der Auslöschung zu bewahren; er wollte die Religion nicht unterdrückt sehen; dieses Prinzip mag unbedeutend erscheinen.

     

    Am Tage von Aschura war Schimr, ein unvergleichlich boshafter Mann, gierig danach, die Situation an den Fronten zu sehen. Er wollte unbedingt hinter die Zelte kommen, so dass er die beabsichtigten Verbrechen begehen konnte. Aber er hatte nicht bemerkt, dass Imam Hussein (a.) die Zelte bereits zu einem Halbkreis angeordnet hatte, und ein Graben mit Feuer verhinderte den Zugang zu den Zelten. Als Schimr das sah, wurde er wütend und er fluchte.

     

    Ein Krieger Imam Husseins bat um Erlaubnis, Schimr mit einem einzigen Hieb töten zu dürfen. Aber Imam Hussein stimmte nicht zu. Der Krieger dachte, dass Imam Hussein vielleicht nicht wisse, wie boshaft Schimr sei und sagte: „Ich weiß, welch boshafter Mensch Schimr ist.“

    Der Imam antwortete: „Auch ich kenne ihn recht gut.“

     

    Der Krieger sagte: „Warum erlaubst du dann mir nicht, ihn zu töten?“

    Imam Hussein antwortete: „Wir sind nur zwei Gruppen von Gegnern, die sich gegenüberstehen; und ich will nicht der Aggressor sein oder der erste, der den Kampf beginnt. Ich werde die Schlacht nicht beginnen, bis sie die Schlacht mit Blutvergießen starten, da ich dieses qur’anische Prinzip respektiere:

     

    „(Entweihung eines) heiligen Monats (soll) im Heiligen Monat (vergolten werden), und für alle heiligen dinge ist Vergeltung. Wer sich also gegen euch vergeht, den straft für sein Vergehen in dem Maße, in dem er sich gegen euch vergangen hat. Und seid ehrfürchtig gegenüber Allah und wissen, dass Allah mit den Gottesehrfürchtigen ist.““
    [Heiliger Qur’an, Sure 2 : Vers 194]

     

    Imam Ali (a.) deutete ebenfalls auf den gleichen Vers des Heiligen Qur’an in der Schlacht zu Siffin und sagte, er würde nicht den Krieg eröffnen, sondern sich nur defensiv verhalten.

    Diese Punkte zeigen den Charakter der zwölf Imame und geben uns eine klare Idee, wie sie über islamische Prinzipien dachten, selbst über zweitrangige. Der Feind jedoch dachte nicht in der gleichen Weise.

     

    Die Dämmerung kam allmählich und Imam Hussein war damit beschäftigt, seine Truppen zur Rechten und zur Linken und in das Zentrum zu stellen. Er wählte den Fahnenträger und er achtete nicht auf die Tatsache, dass der Feind eine Armee von 30.000 Mann hatte, wohingegen seine Schar nur aus zweiundsiebzig Personen bestand. Zuhair bekam den Befehl über den rechten Flügel und Habib bin Masahir über den linken Flügel; Imam Husseins Bruder Abulfadhl richtete die Flagge empor, und mutig traten sie gegen eine Armee von 30.000 Soldaten an. Andererseits achtete der Feind weder auf Ehrenhaftigkeit noch unterließen sie Unehrenhaftes. Gier nach weltlichen Besitztümern und der Wunsch Gouverneur der nordiranischen Landschaft namens Rey zu werden, blendete Umar bin Sad. Sein letztendliches Ziel war, sich bei Ubeidullah ibn Ziad einzuschmeicheln, um unbedingt Gouverneur von Rey zu werden. Er war der erste Krieger, der auf die Zelte des Imam schoss. Dann wandte er sich an seine Mannen und sagte: „Ihr alle seid Zeugen, dass ich den ersten Pfeil geschossen habe.“

     

    Umar bin Sad hatte über 4.000 Bogenschützen, die beständig auf den Imam und die Gefährten schossen. Imam Hussein hatte auch ein paar Bogenschützen, die tapfer zurückschossen und für jeden Mann, den sie verloren, töteten sie mehrere auf der feindlichen Seite. Viele Mannen des Imam Hussein fanden den Märtyrertod während der Schießerei, aber gewiss war Imam Hussein nicht derjenige, der den Angriff startete. Der Aschura-Krieg begann mit dem Pfeil des Umar bin Sad und er endete mit dem Pfeil, der Imam Hussein (a.) vom Pferde warf.

     

    Der Prophet David (as)

     

    So wie der Heilige Qur’an erzählt, geschah die Geschichte Davids (s.) folgendermaßen:

    „Ist die Geschichte von den Streitenden zu dir gelangt? Wie sie über die Mauer (seines) Gemachs kletterten; wie sie bei David eindrangen …… (Wir sind) zwei Streitende, von denen einer sich vergangen hat gegen den anderen; richte darum zwischen uns in Gerechtigkeit, und handle nicht ungerecht, und leite uns zu dem geraden Weg.“
    [Heiliger Qur’an, Sure 38 : Vers 21]

     

    Anscheinend muss es sich um mehr als zwei Männer gehandelt haben, wiewohl der erste Vers des Heiligen Qur’an dazu impliziert, dass es ein einziger Mann war.

    „Fürwahr, dieser mein Bruder hat neunundneunzig Schafe und ich nur ein einziges.“
    [Heiliger Qur’an Sura 38 : Vers 23]

    In anderer Auslegung ist die Schar der Feinde mehr als einer, bis über zehn.

     

    Das war Gottes Prophet und auch König und Herrscher seines Volkes (Israel). Die zwei oben erwähnten Männer kamen zu David. Der eine vertrat seine Familie und sagte, er habe nur ein Schaf, aber sein Bruder habe neunundneunzig Schafe, aber dieser habe ihm das einzige Schaf auch noch wegnehmen wollen. Dann bat er David um ein gerechtes Urteil.

     

    Der Heilige Qur’an erwähnt die Klage, aber er sagt nicht, ob sich der andere Mann verteidigte oder nicht; der Qur’an lässt nur David sagen:

    „“Wahrlich, er hat Unrecht gegen Dich getan, dass er dein Schaf zu seinen vielen Schafen forderte; und gewiss, viele Teilhaber vergehen sich aneinander, außer denjenigen, die glauben und Gute Werke tun; aber derer gibt es nur wenige!“ Nun merkte David, dass Wir ihn auf die Probe gestellt hatten; also bat er seinen Herrn um Vergebung und fiel anbetend nieder und bekehrte sich. Dann vergaben Wir ihm dieses; wahrlich, er hatte nahen Zutritt zu Uns und eine herrliche Einkehr.“
    [Heiliger Qur’an, Sura 38 : Vers 24]

     

    Hier stoßen wir auf zwei Fragen:

    1.) Wer waren jene, die zu David (a.) kamen? Waren sie Menschenwesen? Und ist diese Geschichte eine wahre Erzählung?

    2.) Oder waren sie Engel, die von Gott geschickt wurden, um David zu prüfen?

     

    In diesem Falle müsste die Geschichte eine erdichtete sein und es hätte keine wirklichen Schafe gegeben und auch keine Brüder, die miteinander stritten! Sie (die Engel) müssten zu David gekommen sein, um ihn zu verhören und als er das merkte, bat er um Vergebung.

     

    Gemäß der Erzählung unserer sunnitischen Glaubensgeschwister hatte der Prophet David (a.) mehrere Frauen. Einstens betete er in seiner Altarkammer, als der Satan in Gestalt eines wunderschönen Vogels am offenen Fenster der Altarkammer erschien. Der Vogel war so wunderschön, dass David (a.) das Gebet unterbrach, um den Vogel zu fangen. Der Vogel flog etwas weiter weg, und David (a.) wollte ihn wieder ergreifen, und der Vogel flog weiter weg und ließ sich auf dem Dache nieder. David (a.) bestieg das Dach, um den Vogel fangen zu können. Gerade hier auf der Dachterrasse badete die Frau des Uria, eines Soldaten Davids (a.), und David (a.) sah sie nackt. Sie war sehr schön, und David (a.) verliebte sich in sie.

     

    Er fragte, wer sie wäre, und erfuhr, dass ihr Ehemann, ein Soldat, an der Front diente. David (a.) schrieb einen Brief an den Obersten General, er solle Uria an die vorderste, gefährlichste Front schicken, wo er sicherlich den Tod fände. Der oberste General tat so, und der Soldat wurde getötet. Die Frau war nun Witwe. Als ihre Trauerzeit abgelaufen war, heiratete David (a.) sie. Der Engel erinnerte David (a.) an diese Szene, um ihm gewahr werden zu lassen, er wäre wie der Volksgenosse, der neunundneunzig Schafe hatte, aber das einzige Schaf des anderen unbedingt haben wollte.

     

    Gemäß des Buches Uyun Al-Akbar Ar-Reda, (S. 193), hatte der achte schiitische Imam, Ali Reza (a.) eine Sitzung, um mit Vertretern verschiedener Länder und Religionsgemeinschaften zu diskutieren, mit Juden, Christen, Zoroastriern, Sabäern und auch Vertretern verschiedener muslimischer Rechtsschulen, einschließlich sunnitischer Gelehrter. Kalif Mamun wohnte der Sitzung bei. Imam Ali Reza forderte einen sunnitischen Gelehrten auf, was er zur David-Geschichte im Qur’an zu sagen habe. Der sunnitische Gelehrte erzählte es so, wie es oben wiedergegeben ist.

     

    Imam Ali Reza (a.) sagte darauf:

    „Ehre sei Gott! Wie sagst du solch eine Sache über den Propheten Gottes? Was für ein Prophet ist das, wenn er sein Gebet unterbricht, um einen schönen Vogel zu fangen, und er wird so fasziniert von ihm, dass er ihm bis aufs Dach folgt?! War denn kein Diener da, der an seiner Stelle den Vogel eingefangen hätte? Und was für ein Prophet ist das, wenn er den Vogel vergisst, weil er eine schöne Frau sieht und sie befragt? Als er erfuhr, ihr Mann sie ein guter Soldat, der sein Leben auf dem Schlachtfeld wage, wie konnte er dann eine List spielen, damit der Soldat getötet würde und er die begehrte Frau heiraten könne? So ein Verhalten wäre ja Ausschweifung und Schurkerei ! Was für ein Prophet wäre David (a.), wenn er all dies täte?“

     

    Die Gelehrten fragten Imam Ali Reza nach der wahren Geschichte und er erwiderte:

    „Diese Dinge sind nicht im Heiligen Qur’an. Die Geschichte ist folgendermaßen: Einstmals lief der Prophet David (a.), der wegen seiner Weisheit und seiner Urteile berühmt war, Gefahr, darauf stolz zu werden und sich zu sagen: „Meine Urteile sind die besten! Ich mache meine Urteile für das Volk in einer Weise, dass niemand die kleinste Schwäche darin finden kann.“ Wie im Falle von Jonas und Adam veranlasste diese kleine Selbsteinbildung Gott dazu, David (a.) zu prüfen, um dessen Scheitern und Übereile zu erweisen, weil David die andere Partei nicht angehört hatte.“

     

    Der Heilige Prophet Mohammed (s.) sagte in seinem Gebet:

    „O Gott überlasse mich nicht meiner Selbst, nicht einmal für den Bruch­teil eines Momentes oder das Blinzeln eines Auges.“

     

    Umm Salama (eine Frau des Propheten) erzählt, wie sie eines nachts bemerkte, dass der Prophet Gottes nicht mehr bei ihr im Bette lag, und sie fragte sich, wo er denn geblieben ist, und die fand ihn in einer Ecke des Zimmers. Sie hörte ihn beten:

    „O Gott, bitte lass das Böse nicht an mich herantreten, nachdem Du mir Erlösung gegeben hast. O Gott, bitte bedränge mich nicht mit solch einer Plage, dass mein Feind frohlockt. O Gott, bitte überlasse mich nicht meiner Selbst, nicht einmal für eine Moment.“ [7]

     

    Umm Salama sagt, dass sie bei diesem Punkt zu weinen begann. Als der Heilige Prophet fertig mit seinem Gebet war, fragte er sie, warum sie weine. Umm Salama sagte: „Wenn du so demütig sprichst, was ist dann unsere Position vor der Gnade Gottes?!“

    Der Heilige Prophet antwortete: „Ja natürlich, deine Bemerkung ist richtig. Gott überließ meinen Bruder Jonas (den Propheten !) (s.) für einen Moment sich selbst, und du weißt, was ihm widerfahren ist.“

    Die kleinste Eingebildetheit bei Propheten wird sie der Gunst Gottes entziehen. Einbildung und Fall sind gleich.

     

    Imam Ali Reza sagte: „David (s.) lief Gefahr zu glauben, es gäbe auf der ganzen Welt keinen besseren Richter als ihn. Diese Einbildung (Selbsttäuschung) griff ihn an, und Gott unterwarf ihn der Prüfung, und die Folge war, dass David (s.) sich Gott neu unterwarf.“

     

    David (s.) übersah: Wenn jemand mit einer Anklage kommt, sollte der Richter kein Wort der Bejahung und der Vermutung äußern. Aber wir sehen: Als jemand zu David (s.) kam und behauptete, sein reicher Volksgenosse, der neunundneunzig Schafe besaß, hätte noch sein einziges Schaf haben wollen, da lief David (s.) Gefahr, sich der Selbstüberschätzung hinzugeben. Ohne Verteidigungsworte der anderen Partei anzuhören und ohne jede Überlegung sagte David (s.):

     

    „Wenn es ist, wie du sagst, dann hat der andere Unrecht getan.“ Aber plötzlich erinnerte sich David (s.), dass der korrekte Weg der Urteilsfindung darin bestand, beide Parteien anzuhören und dann erst zu einem Urteil zu kommen. Er gewahrte, dass der Grund für dieses Fehlurteil seine Eingebildetheit (Selbsttäuschung) war, die für diesen schweren Schlag verantwortlich war.

     

    Imam Ali Reza fügte dann hinzu: „Die Geschichte ist nicht die gleiche, wie du erzählst. Es gibt im Qur’an nichts von einer schönen Taube, die flog oder von einer aufreizenden Frau.“

     

    Nun sollten wir sehen, wie diese im alten Judentum verdrehte Geschichte in Büchern der Muslime kopiert und reproduziert wurde! Alles, was ich sagen kann, ist dies: Gott bewahre uns vor solch einem Judentum, welche – wie damals – die Wahrheit verdrehen, und vor den Werken, die es der Welt antat!

     

    Eines der Dinge, die der Heilige Qur’an dem damaligen Volk Israel zuschreibt, ist die Verdrehung und Abänderung von Tatsachen, selbst bis zum heutigen Tag [8]. Die Bani Israil (das Volk Israel) gelten als ein intelligentes, aber listiges Volk, welche die wichtigen ökonomischen und kulturellen Kanäle in der Welt kontrolliert [9].

     

    Eine Übertragung ihrer Aktivitäten, wie sie Information, Historie, Geografie und Nachrichten verdreht haben, würde die von ihnen begangenen Verbrechen enthüllen. Gerade jetzt kontrollieren die Israelis die Weltpresse, und dies ist ein sehr wichtiger Kanal der Propaganda. Die Israelis kontrollieren tatsächlich die Massenmedien in jenen Ländern, auf die sie ihre Hände legen können. Die Israelis wollen dann diesem Volk das Gehirn waschen. Das tun sie nicht erst heutzutage; seit jeher haben sie das getan. Berits der Heilige Qur’an sagt dementsprechend:

     

    „Erwartet ihr, dass sie (die Juden) euch glauben, wenn ein Teil von ihnen das Wort Allahs hört, es dann verdreht, nachdem sie es begriffen, und sie kennen (die Folgen) davon?“
    [Heiliger Qur’an, Sure 2 : Vers 75]

     

    Oh Muslime! Was erwartet ihr denn von solchen Israelis? Kennt ihr sie denn nicht? Es sind solche Leute, die sogar als Moses (a.) bei ihnen war und Gottes Worte hörte, doch seine Worte verdrehten, wie sie wollten. Und dies taten sie nicht aus Unwissenheit, sondern wohl überlegt. Einige haben jetzt den gleichen Geist, und diese fahren fort, solche Verbrechen zu begehen. Solche Leute verdrehten Tatsachen, tausende Jahre, und solche Leute hielten die Verdrehung als eine Grundpflicht. Solche Israelis erscheinen in den verschiedenen Ecken der Welt, sind gut maskiert und propagieren ihre Ideen in der Kultur und Sprache eines jeden Volkes.

     

    Zum Beispiel um Zwiste zwischen Sunniten und Schiiten zu schaffen, sponsern einige von ihnen einen strammen Sunniten, der heftig gegen die Schia spricht. Dann verdrehen derartige Israelis listig die Worte der einen Partei, um die zwei Parteien gegeneinander aufzubringen. Das Volk Israel hat ihr Altes Testament mit Unwahrheiten gefüllt. Zum Beispiel fabrizierten solche Leute falsche Geschichten über vergangene Nationen. Der Heilige Qur’an hat derartige abwegigen und erdichteten Geschichten entlarvt. Um den Heiligen Qur’an zu widerlegen und um ihre Erdichtungen im Alten Testament zu stützen, haben sie eine Reihe von Überlieferungen über den Heiligen Propheten Mohammed (s.), über seine Nachkommenschaft, d.h. die Heiligen zwölf Imame, erfunden, um samt und sonders hinsichtlich der Echtheit zu verwirren. [10]

     

    Da gab es die Amalekiter, die einstens das heutige Jerusalem besetzt hatten. Moses (s.) forderte die Juden auf, die Amalekiter anzugreifen, mit Sinn für Ehre und Beharren auf die Rechte. Aber gemäß Heiliger Qur’an sagten die Juden:

    „Sie sprachen: O Moses! Siehe eine herrschlustiges (großes) Volks ist darin, und wir werden es nicht betreten, ehe jene es verlassen haben. Doch wenn sie es verlassen, dann wollen wir einziehen.“ Da sagten zwei Männer von denen, die (Gott) fürchteten – Allah hatte sie in seiner Huld begabt-: „Ziehet ein durch das Tor gegen sie; seid ihr eingezogen, dann werdet ihr siegreich sein. Und vertraut auf Allah, wenn ihr Gläubige seid.“ Sie sagten: „O Moses(s.), wir gehen nimmer hinein, solange jene darin sind. Gehe du hinein mit deinem Herrn und kämpft. Wir wollen solange hier bleiben.“
    [Heiliger Qur’an, Sure 5 : Vers 22-24] [11]

     

    Die meisten der Juden im benannten Vers waren ungebührlich und gierig und erwarteten viel, ohne etwas selber tun zu wollen und sie drückten sich vor dem Kampf, obwohl Moses (s.) sie dazu aufrief.

    In der Schlacht zu Uhud sagte Miqad zum Heiligen Propheten (s.): „Oh Prophet Gottes ! Wir wollen nicht wie die Juden sagen: „Geh du und dein Gott und kämpft und wenn ihr gewinnt, werden wir nachkommen.“ Wir folgen deinem Befehlen, selbst wenn du uns aufforderst, uns ins Meer zu stürzen, dann tun wir das.“

     

    Die Juden [12] wollten die qur’anische Kritik an ihnen unterlaufen, und sie wollten die Muslime weiterhin verwirren; deswegen erfanden sie Geschichten über die Amalekiter, und sie behaupteten, es würden dort in Jerusalem keine normalen Menschenwesen leben, sondern sie wären Abkömmlinge einer Frau namens „Anak“. Anak wäre eine Frau, die sitzend eine Fläche von zehn mal zehn Acker bedecken würde. Sie hätte einen Sohn namens Aud, der so riesig war, dass Moses, der vierzig Zoll hoch gewesen wäre und einen Stock von vierzig Zoll gehabt hätte und vierzig Zoll hochspringen hätte können, nur auf den Knöchel des Riesen hätte schlagen können.

     

    Dann geht die Geschichte weiter, eine Gruppe der Amalekiter sei zu den Einöden vor Jerusalem gekommen. Moses schickte einige Kundschafter, die sehen sollten, wer sie waren und was sie taten. Die Kundschafter erzählten, die Amalekiter seien Riesen von mehreren Kilometern Höhe. Die Amalekiter würden Fische fangen, indem sie ihre Hände in das Meer und dann die Fische direkt vor die Sonne hielten, um sie zu grillen. Ein Amalekiter sah auf seine Füße hinab und sah winzige Geschöpfe, die sich darauf bewegten. Das waren die Scharen des Moses. Der Amalekiter schnappte sich ein paar Juden und steckte sie in seine Ärmelmuffen. Der Riese sagte: „Seht mal ! Das sind die Leute, die gekommen sind, dieses Land an sich zu reißen.“

     

    Wenn solche Riesen tatsächlich in Jerusalem gelebt hätten, so hätte Moses kein Recht gehabt, seinem Volk zu befehlen, das Land zu erobern. Die Ängstlichen unter den Juden erfanden listig solche Geschichte, um die wahre Geschichte im Qur’an zu widerlegen, worin die damaligen Juden wegen Feigheit kritisiert werden. Diese erfundenen Geschichten wurden dann von den Juden gehegt und an sunnitische Muslime weitergegeben.

     

    In der David-Geschichte hören wir von einem Vogel und von Davids Liebe zu Urias Ehefrau und von Urias Tod und so weiter; das alles wurde von den damaligen Israeliten fabriziert und dann den Muslimen eingetrichtert. Hier gewahren wir die Wichtigkeit der zwölf Schiitischen Imame. Der Achte Imam Ali Reza entlarvt die Lügen und Verleumdungen gegenüber David, indem er sagt, dass die David-Geschichte im Qur’an nicht unwahr wäre, und das, was in den Heiligen Qur’an hineinkommt, nicht fiktiv sei, sondern real. Die Leute, die zu David kamen, wollten nicht sein Richtergefühl erwecken, sondern das, was geschah, erweckte ihn. Wenn gesagt wird, diese Leute wären Engel gewesen, dann muss man sich fragen, wie die Engel eine Szene schufen, um David zu erwecken? Ihr Ziel wäre natürlich ein heiliges, aber die ganze Geschichte wäre ausgeheckt.

     

    Hier sollte ich erwähnen, was Allamah Tabatabai in seinem Tafsir (Qur’an-Kommentar) Al-Mizan dazu sagt. Er sagt, dass wir zunächst nicht sicher sind, ob diese Leute Engel wären oder nicht. Selbst wenn wir annehmen, sie wären maskierte Engel gewesen, so wäre es etwas anderes als eine Fiktion in eine real existierende Welt einzuführen. Die Tatsache, dass es unsere Pflicht ist, die Wahrheit zu sagen und nicht zu lügen und anzuzeigen, dass „diese Sache wahr ist“ und „dass jene Sache falsch ist“, hat mit dieser materiellen Welt zu tun. Falls in dieser materiellen Welt zwei Männer zu David (a.) kamen und David (a.) anlogen, dann würde es bedeuten, dass sie profane [13] Mittel benutzten, um ein heiliges Ziel zu erreichen. Aber eine Parabel (Gleichnis) ist eine andere Sache, worin eine Tatsache in einer anderen Maske dargestellt wird, wie im Falle wahrer Träume. In wahren Träumen, wiewohl dort Ähnlichkeit (Gleichnis) ist, gibt es keinen Raum für profane Mittel.

     

    Der Heilige Prophet (s.) beispielsweise träumte, eine Gruppe von Affen würde an der Predigt-Kanzel der Medina-Moschee auf- und abturnen, während die Muslim-Hörerschaft zum Predigt-Pfosten guckte und sich langsam zurückzog. Der Prophet wachte auf, war traurig und unglücklich und betrachte das Geträumte als Zeichen eines Schlages, der die Welt des Islam treffen würde. Der edle Engel Gabriel stieg hernieder und interpretierte diesen Traum für den heiligen Propheten:

     

    „Und wir haben das Traumgesicht, dass wir Dich sehen ließen, nur als Prüfung für die Menschen gemacht und ebenso den verfluchten Baum im Qur’an. Und wir warnen sie, jedoch es bestärkt sie nur in großer Ruchlosigkeit.“
    [Heiliger Qur’an, Sure 17 : Vers 60]

     

    O Prophet ! Nach dir werden die Omayyaden dein Volk regieren. Sie werden deine Predigtstelle besetzen, sie werden vom Islam schwätzen, werden anscheinend sich dem Islam fügen, aber in Wirklichkeit werden sie das Volk vom Islam wegtreiben. Dies ist ein Traum, durch den Gott etwas dem Heiligen Propheten enthüllte. Wenn wir sagen, Träume seinen nur wahr, wenn sie tatsächlich in der gleichen materiellen Form wie im Traum gesehen werden, dann müsste wir den Traum des Propheten als unwahr betrachten, denn die Omayyaden erkletterten die Propheten-Kanzel nicht als wirkliche Affen.

     

    Dieser Traum jedoch war ein wahrer, denn er repräsentierte die Wirklichkeit in einer anderen Maske. Die Affen waren allegorisch die Omayyaden, und die Volksschar, die von der Predigt-Kanzel zurückwich, bedeutet, dass der Islam nur im Äußeren beobachtet werden würde, aber sein Inhalt und Geist würden verschwinden. Wenn Engel in Verkleidung einem Propheten erscheinen, so sind sie keine falschen Wesen, sondern wirkliche Engel. Wahrheit und Unwahrheit in Gleichnissen der Engel für einen Propheten fallen mit einem wirklichen Ereignis zusammen, und im Falle Davids (s.) fiel die Erscheinung mit der Wirklichkeit zusammen; daher wurden hier keine profanen Mittel eingesetzt.

     

    Die andere Frage hier ist: Falls der Islam den Gebrauch profaner Mittel zur Erreichung heiliger Ziele verbietet, warum gestattete dann der heilige Prophet den Muslimen, die Karawane der mekkanischen Ungläubigen anzugreifen und die Güter zu konfiszieren? Dies wurde natürlich für einen heiligen Zweck getan, nämlich für den Sieg des Islam. Viele mögen sagen, dass Dschihad [14] im Islam gestattet ist, wenn dadurch ein heiliges Ziel erreicht werden kann. Oder (so glauben viele) eine weiße Lüge [15] ist besser, als eine Wahrheit, die zum Unglück führt. Wenn jemand zu wählen hat, das Leben eines würdigen Menschen durch die weiße Lüge zu retten oder dessen unschuldiges Leben durch eine wahre Aussage zu gefährden, dann gebiete der Islam die weiße Lüge, um sein Leben zu retten. Ist das nicht, ein profanes Mittel zu gebrauchen, um ein heiliges Ziel zu erreichen?

     

    Die Antwort ist: Zuweilen ist das Mittel nicht einfach ungesetzlich oder hassenswert, beispielsweise der Dschihad. Es ist falsch zu meinen, Leben und Eigentum eines Menschen sollten bewahrt werden, koste es was es wolle, mit der biologischen Begründung, er gehöre zur Menschheit.

     

    Solche Ideen kommen vom Westen. Von einem biologischen Blickwinkel war Muawiyah ein Menschenwesen, und so war Abu Dharr. Es ist nicht so, dass Abu Dharrs Blutgruppe derjenigen Muawiyas überlegen gewesen wäre. Wenn wir Menschenwesen vergleichen oder beurteilen, betrachten wir nicht die biologische Form, sondern die menschlichen Eigenschaften und Standards, die menschlichen Kriterien. Wer antihuman ist, der ist in Wirklichkeit kein normales Wesen. Muawiya war ein antihumanes Wesen. Schimr bin Dhildschouschan war ein antihumanes Wesen. D.h. sie ermangelten der menschlichen (humanen) Qualitäten, wie Edelsinn, Vorzüglichkeit, Ehrlichkeit, Frömmigkeit, Gerechtigkeit, Unabhängigkeitsliebe, Freiheitsliebe, Geduld, Nachsicht usw.

     

    Eine biologische, menschliche Form ist potentiell und nicht in sozialer Wirklichkeit. Wenn ein Mensch gegen Humanität rebelliert, gegen Freiheit, Monotheismus, Gerechtigkeit, Rechtschaffenheit usw., so kann er nicht für ehrenwert gehalten werden, und sein Leben und Eigentum sind nicht unantastbar [16]. Wenn man einem Mörder sein Leben nimmt, indem man ihn tötet oder hinrichtet, so ist das nicht etwas Abscheuliches oder Hassenswertes, sondern es wäre für einen heiligen Zweck getan. Wenn ein Mörder, der jemand anderen getötet hat, hingerichtet wird, so ist das nicht abscheulich. Die Hinrichtung eines Mörders ist für einen erhabenen Zweck. Wenn ein Mensch so weit kommt, dass er unschuldige Menschen tötet, hört er auf, ein humanes Wesen zu sein.

     

    Abul ala Muari sagte: „Ich verstehe nicht die islamische Bestrafung, die Hand eines Diebes abzuschneiden, weil er einen Viertel-Dinar gestohlen hat aber eine Geldstrafe von 500 Dinare für die Verletzung einer Hand bekommt. „Da gab Sayyid Murtadha eine wun­derschöne Antwort: „Die Ehre der Hand ist wegen der Ehrlichkeit, und Verrat beraubt die Hand des Respekts. Das ist es, wie du die Weisheit Gottes verstehen sollst.“ [17]

     

    Ja, die Hand als ein physikalisches Organ des menschlichen Körpers ist nicht achtenswert durch sich selbst. Wenn sie sagen, ihr Wert wäre fünfhundert Dinare, aber wenn sie als Strafe von Einviertel­Dinar abgeschnitten wird, so ist das deswegen, weil die Hand achtenswert und ehrenwert und äußerst wertvoll ist; aber wenn die Hand verräterisch ist, so ist sie wertlos; die Hand ist für den Dieb sogar schädlich.

     

    Über die qureischitischen Ungläubigen [18] jedoch sollten wir sagen, dass sie Leute waren, die dreizehn Jahre lang nichts anders taten, als die Stimme des Heiligen Propheten daran zu hindern, die Menschen zu erreichen, denn das wäre gegen ihre Interessen gewesen. Sie schikanierten die Muslime und folterten sie zu Tode, vergrößerten die Verbrechen ins Extreme und beraubten sie ihrer Güter. Die Qureischiten waren eine Gruppe von Wucherern, die auf diese Weise Reichtum angehäuft hatten. Können wir noch sagen, ihr Besitz wäre würdig der Ehre und müsste bewahrt werden? Nein, solch Eigentum kann nicht geachtet werden. Da selbst das Ziel nicht heilig war, war dieser Besitz nicht der Ehre und des Schutzes würdig. Letztendlich ist dieser Besitz nicht weniger bedeutsam und wichtig als das Problem, wie man das Leben eines Gläubigen durch eine täuschende Lüge rettet.

     

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    [1] Mudschtahid ist derjenige, der zur selbstständigen Rechtsfindung (Idschtihad) qualifiziert ist.

    [2] Revision, Abänderung

    [3] Dies wird hier als Beispiel eines alten Aberglaubens aufgezeigt

    [4] Zain-ul-Abideen bedeutet „Zierde der Gottesdiener“; er wird auch „Sadschad“ genannt (der sich Niederwerfende).

    [5] Qibtiah heißt „die Koptin“. Quellen für diese Aussage sind: 1.) Sirah Halabi, Vol. 3, p. 34, 2.) Bihar, Vol. 22, p. 154, 3.) Bihar, Vol. 23, p. 114, 4.) Mihjat Al-Baida, Vol. 3, p. 366

    [6] Nachkomme des Propheten (s.)

    [7] Quelle: Bihar, Neue Edition, Vol. XVI, p. 217, und Qumi Interpretation, S. 432

    [8] Motahhari bezieht sich auf die Situation der Schahzeit im Iran, in der die wirtschaftliche und politische Macht im Iran sehr ungleichmäßig verteilt war.

    [9] Wenn Motahhari in seiner Vorlesung hier von den „Israelis“ spricht, dann meint er damit nicht ein ganzes oder Teil eines Volkes sondern nur die als „Zionismus“ bekannte rassistische Auserwähltheitsideologie und deren Anhänger, zumal der Islam selbst das Judentum schützt! Es sei daran erinnert, dass manche Anspielungen sich im wesentlichen auf die Schahzeit im Iran beziehen.

    [10] Derartige Überlieferungen werden in der islamischen Geschichts- und Überlieferungswissenschaft als „israelitisch“ bezeichnet.

    [11] Bereits diese Verse des Heilige Qur’an selbst sind ein Beleg dafür, dass der Islam jegliche form von Rassismus ablehnt, indem im Vers die Gottesehrfürchtigen Juden genannte werden.

    [12] Das Volk von Medina hatte eine große jüdische Gemeinde, von denen einige zum Islam konvertierten

    [13] nicht dem Dienst an Gott dienende

    [14] Anstrengung auf Gottes Weg

    [15] gemeint ist eine Lüge, die einem guten Zweck dient

    [16] Gemeint ist, dass jemand, der gegen die Gesetze verstößt, bestraft werden kann.

    [17] Es sei hier ergänzend erwähnt, dass die drastischen Strafen für Diebstahl erst bei Erfüllung von zahllosen Voraussetzungen eintreten können, die hier nicht Gegenstand der Diskussion sind.

    [18] Mit Bezug auf den vorher erwähnten Angriff auf die Karawane

     

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    Quelle: http://www.al-shia.eu/der%20prophet/Verhalten_und_Benehmen_Teil_2.htm