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    Verhalten und Benehmen des Propheten Mohammad (s.) (Teil 1), (SIRA-I-NABAWI) von Märtyrer Ayatollah Murtadha Motahhari

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    Teil I

     

    Prophetisches Verhalten

     

    Inhaltsverzeichnis:

    Prophetisches Verhalten
    Der Unterschied zwischen Fachm und Fiqh
    Das Benehmen des Heiligen Propheten Mohammed (s.)
    Das Wort „Sirah“
    Dichtkunst und Dichter
    Soziale und politische Führung
    Die zwei Arten der Theosophie
    Theoretische Logik
    Über Dichtkunst
    Islam – eine Religion gegründet auf praktischer Logik
    Relativität der Moral
    Überschreitung (Verstoß)
    Wenn den Tyrannen gehorcht wird
    Anerkannte und zu befolgende Prinzipien
    Einfach und natürlich war der Prophet Mohammed (s.)

     

    Prophetisches Verhalten

     

    Der Allmächtige Gott sagt im Heiligen Qur’an:

    „Wahrlich, in dem Gesandten Allahs habt ihr ein schönes Vorbild für jeden, der auf Allah und den Jüngsten Tag hofft und oft Allahs häufig gedenkt.“ [Heiliger Qur’an, Sure 33 : Vers 21]

     

    Eine Quelle der Schönheit ist das praktische Verhalten des Heiligen Propheten Mohammed (s.). Ein besonderer Gottessegen für uns und Teil des Stolzes als Muslim, verglichen mit den Anhängern anderer Religionen, liegt in der Tatsache, dass die meisten der echten (authentischen) Aussprüche des Heiligen Propheten, die wir zweifelsohne von ihm übermittelt bekamen, uns heutzutage verfügbar sind, wohingegen keine andere Religion klar behaupten kann, dass eine bestimmte Aussage von Moses (a.), Jesus (a.) oder von irgendeinem anderen Propheten überliefert wurde. Es gibt zwar viele Aussprüche, die ihnen zugeschrieben werden, aber sie sind nicht eindeutig und nicht ohne Zweifel.

     

    Der zweite Unterschied zwischen dem Islam (bzw. dem Propheten des Islam) und anderen Religionen ist, dass der Lebensbericht Mohammeds (s.) ganz klar ist und auf Tatsachen gründet. In der Tat, keiner der Führer der Welt kann mit ihm verglichen werden. Selbst echte Aspekte und genaue Einzelheiten hinsichtlich des Lebens des Heiligen Propheten sind heutzutage in unserer Reichweite, wohingegen all solche Einzelheiten von keiner anderen der Heiligen Personen erlangt werden können. Das Jahr, der Monat, der Tag und sogar der genaue Wochentag seiner Geburt, die vorgeburtliche Periode, die Periode des Lebens in der Wüstensteppe (bei Beduinen), die Kindheit, seine Reisen in fremde Länder (außerhalb der arabischen Halbinsel), seine Beschäftigungen vor seiner Berufung zum Propheten, das Jahr seiner Heirat und sein Heiratsalter, die Zahl der Kinder, die vor ihm starben und wie alt sie waren, als sie starben – all dieses wie auch die Geschehnisse nach der Berufung, wie der erste Gläubige, der zweite Gläubige, der dritte Gläubige und wann sie den Islam annahmen, Mohammeds (s.) Gespräche mit Anderen, seine Merkmale und die Methoden, die er bei seinen Taten anwandte sind alle genau bekannt und tatsächlich klar und offensichtlich.

     

    Was beispielsweise Jesus Christus (a.) angeht, der als Prophet Mohammed (s.) vorausging und der einer der hervorragenden Propheten ist, weil er eine Religion verkündete, hätten viele an seinem Prophetentum gezweifelt, wäre er nicht vom Qur’an bestätigt worden. (Die Muslims der Welt anerkennen ihn als einen wirklichen und von Gott gesandten Propheten.) Im Prinzip glauben die Christen nicht alle christlichen Daten von einem historischen Standpunkt aus betrachtet. Und wenn sie die Zeitrechnung Anno Domini (= im Jahre des Herrn) haben bzw. „nach Christus“ (a.), so ist das eine Übereinkunft und weniger  tatsächlich.

     

    Aber anders als bei christlichen Zeitangaben ist es ein klares Datum, wenn wir behaupten, dass nach der Auswanderung (Hidschrah) des Propheten von Mekka nach Yathrib (Medina) soundso viele Jahre vergangen sind. Es ist möglich, dass Jesus Christus (a.) zweihundert Jahre vor oder dreihundert Jahre nach der Zeitrechnung lebte, die die Christen für seine Geburt behaupten. Christen (allerdings nicht jene, die wirklich an Jesus (a.) glauben) sind skeptisch, ob Jesus Christus (a.) tatsächlich auf der Welt existierte oder ob er nur eine eingebildete Gestalt war. Sie bezweifeln seine eigentliche Existenz.

     

    Dies ist natürlich vom islamischen Standpunkt aus falsch, denn der Heilige Qur’an hat ihn bestätigt, und da wir Muslims an den Qur’an glauben, sind wir frei von solchen Zweifeln. Aber wer waren die Schüler Jesu Christi (a.)? Wie lange dauerte es, bis die Bibel als Buch nach Jesus (a.) übertragen wurde? Wie viele Bibelfassungen existieren? All diese Fragen bleiben ohne (eindeutige) Antworten und bleiben zweideutig. Was den Heiligen Propheten des Islam anbelangt, so stammen seine Verhaltensweisen und Werte aus verlässlichen und echten (authentischen) Quellen; sie basieren nicht auf Skeptizismus; sie dienen uns als ein Pfadweiser und eine Autorität; und wir sind gebunden, ihnen zu folgen und von ihnen zu profitieren.

     

    Wichtig ist tatsächlich, dass es eine Genauigkeit in den Worten großer Persönlichkeiten gibt, so dass die Leute die Worte (und die Persönlichkeiten) verstehen können. Das gilt besonders für den Propheten des Islam, der nicht lediglich Aussagen machte, sondern sie auch in der Praxis selbst befolgte.

    Er sagte: „Gott gewährte mir reichhaltige Worte, d.h.: Er gab mir eine Kraft, dass ich kurze Aussagen mit tiefsinnigen Bedeutungen machen kann.“ (Quelle: Scheich Tusi, Amali, Vol. 2, p. 98-99)

     

    In der Tat, alle Leute lauschten den Worten des Propheten, aber nicht alle konnten sie in ihrer Tiefe richtig verstehen. Vielleicht 95 oder 99 Prozent konnten die Bedeutung seiner Worte nicht voll verstehen. Der Heilige Prophet selber sah diese Wirklichkeit voraus, als er sagte: „Zeichnet meine Reden auf und gebt sie den zukünftigen Generationen weiter. Es ist sehr wahrscheinlich, dass zukünftige Generationen den Sinn meiner Worte besser verstehen, als die Anhänger, die in der Nähe meines Predigtpfostens stehen.“

     

    Es gibt auch ein gut bekannte Überlieferung vom Propheten, in dem er sagt:

    „Gott gebe Glück all jenen, die meine Worte hören, sie aufzeichnen und sie jenen übermitteln, die nicht dabei waren, als ich die Worte sprach.“ (Quelle: Scheich Abbas Qumi, Safina al-Bihar, Vol. I, p. 392)

     

    Dann fuhr er fort:

    „Es mag sein, dass jemand, der ein Wort des Wissens und der Weisheit in einem Satz anderen mitteilt, es nicht selber voll verstehen kann.“

     

    Der Unterschied zwischen Fachm und Fiqh

     

    Der Unterschied ist, dass „Fachm“ das „absolute Verstehen“ ist, aber „Fiqh“ bezeichnet ein „tiefes Verständnis“ von etwas. Und wenn wir mit „Fiqh“ ein Gespräch meinen, so wäre das ein Gespräch mit einem tiefen Sinn. Wie vorher bemerkt wurde, sagte der Heilige Prophet des Islam, dass es sein mag, dass einige Gelehrte (Faqih) eine tiefsinnige Aussage, die sie von ihm gehört haben, an andere weitergeben, die noch geistreicher sind.

     

    Daher sehen wir, dass mit dem Vergehen der Jahrhunderte aus den Worten des Propheten über bestimmte Themen mehr Tiefsinniges entdeckt wurde. Beispiels­weise sprach der Prophet über Moral, aber die Geschichte der islami­schen Wissenschaften zeigt, dass es nicht vor dem zweiten und drit­ten Jahrhundert war, da die Leute die Bedeutung der Bemerkung des Propheten voll erkannten. Gleicherweise im vierten und fünften Jahr­hun­dert wurde das Verständnis über die Aussagen des Propheten noch klarer. Der gleiche Aspekt gilt auch für die Jurisprudenz, Ideologie, Philosophie, Ethik, Gnosis und andere Felder, über die sich der Prophet aussprach.

    Beispielsweise konnten Interpreten, die in späteren Perioden auf­tauch­ten, die Tiefe der Worte des Propheten besser verstehen. Die wundersame Natur seiner Aussprüche liegt in dieser eigentlichen Realität.

     

    Insbesondere wenn wir unser „Fiqh“ beschauen, und ein Genie wie Scheich Saduk oder Scheich Mufid oder Scheich Tusi, die alle um 1000 A.D. lebten mit Scheich Murtadha Ansari vergleichen, der etwa neunhundert Jahre später lebte, sehen wir, dass die Einsicht des Letzteren in die Worte des Propheten viel tiefer ist und dass er sie besser zu analysieren vermochte. Ist es, weil Scheich Ansari intelligenter war als Scheich Tusi? Gewiss nicht !

     

    Der Grund ist, dass Erkenntnis und Wissenschaft während der Zeit des Scheich Ansari ausgedehnter und fortgeschrittener waren. Daher war er besser ausgestattet als die Gelehrten tausend Jahre vor ihm. Gleicherweise einhundert oder zweihundert Jahre später gibt es wahrscheinlich Gelehrte, die ein tieferes Verständnis der Worte des Propheten haben werden, verglichen mit dem Verständnis des Scheich Ansari.

     

    Das Benehmen des Heiligen Propheten Mohammed (s.)

     

    In der gleichen Weise, da die Aussprüche des Propheten verborgene Bedeutungen enthalten, ist das Verständnis seines Benehmens ebenfalls der Interpreta­tion unterworfen und sollte tief überdacht werden. Der Heilige Qur’an sagt:

    „Wahrlich, in dem Gesandten Allahs habt ihr ein schönes Vorbild für jeden, der auf Allah und den Jüngsten Tag hofft und oft Allahs häufig gedenkt.“ [Heiliger Qur’an, Sure 33 : Vers 21]

     

    Wie der Heilige Qur’an sagt, ist das Verhalten des Propheten ein Vorbild für seine Anhänger; das will besagen: sein Wesen ist wie der Ursprung oder der Kern, aus dem alle Pflichten und Gesetze abgeleitet werden sollten. Natürlich, die Berichte des Lebens des Propheten zu erzählen ist an sich nicht allein wirksam, vielmehr ist es die Interpretation und das Verständnis seines Verhaltens, was für uns bedeutsam ist. Es ist wichtig zu wissen, warum er sich in einer gewissen Weise in einer gegebenen Situation verhielt und auf was er durch solch ein Verhalten abzielte. Aber, unglücklicherweise denken wir Anhängervolk des Propheten weder an einige kurze Worte von ihm, selbst wenn es nur in einer buchstabengetreuen Ebene wäre, noch vermögen wir uns zumindest nach seinem Benehmen und praktischem Leben zu richten.

     

    Ein gutbekannter iranischer Schriftsteller, der vor ein paar Jahren starb und der nicht allzu sehr in seiner Jugend religiös war, wurde in den letzten Jahren mit mir befreundet, weil ich einige von diesem Autor verfasste Bücher studierte. Einstmals erzählte er mir, dass er ein Buch übersetze: „Die Weisheit der Religion“. Das Buch enthielt Weisheitssprüche aus der Religion des Moses, des Zarathustra, des Buddha und unseres Propheten (s.).

     

    Er sagte, der Autor des Urtextes habe viel mehr Weisheitssprüche von den anderen Propheten als vom Heiligen Propheten des Islam gebracht, und da er (als Übersetzer) eine flexible Art des Übersetzens anwende, wolle er einhundert Verse des Heiligen Qur’an und einhundert kurze Aussprüche des Imam und Kalif Ali (a.) seinem Buch beifügen. Er sagte, er hätte kein Problem gehabt Qur’an-Verse und Aussprüche Alis zu finden und zu übertragen. Aber hinsichtlich der Worte des Propheten Mohammed (s.), bat er mich, da er des Arabischen nicht kundig sei und er nichts in persischen Büchern finden konnte, ihm die persische Übersetzung von einhundert Sätzen des Heiligen Propheten zu liefern, so dass er sie nach seinem eigenen Geschmack und Stil formulieren könne.

     

    Ich lieferte ihm die verlangten Sätze zusammen mit ihrer Übersetzung (ins Persische), damit er keinen Fehler machen könne, und er veröffentlichte sie in seinem Buch, das den Titel „Weisheit der Religion“ hatte. Eines Tages kam er und sagte mir, er habe nicht gewusst, dass der Prophet solche Worte und Aussprüche geäußert habe. Dieser Mann war ein gutbekannter iranischer Schriftsteller mit weltweitem Ruhm, ein Bücherwurm in seinem gesamten Lebenslauf, und dennoch hatte er niemals die Worte und Aussprüche unseres Propheten gehört, und es war nur nach der Veröffentlichung seines Buches, dass er bemerkte und billigte, die Worte des Propheten Mohammed (s.) wären sinnreicher und hochrangiger als jene aller anderen Propheten.

     

    Warum sollten wir Muslims so nachlässig sein, dass nicht einmal unsere Schriftsteller irgendwelche Aussprüche kennen, die unser Prophet hinterlassen hat? Im Betrachten des Benehmen des Prophe­ten waren wir möglicherweise noch nachlässiger. Es war diese Erkennt­nis, die diesen Schriftsteller ermunterte, vor ein paar Jahren ein Buch diesbezüglich schreiben zu wollen. Ich wollte ebenfalls ein paar Notizen machen, aber als ich weiter vordrang, fand ich mich in einem Ozean, der immer tiefer wurde. In der Tat, das Benehmen des Heiligen Propheten (s.) ist so reichhaltig, zieht solch tiefe Sinnbedeu­tungen nach sich, dass eine kleine Facette davon uns zum Rahmen­werk der grundsätzlichen Regeln führen kann. Selbst ein nur kleines Erwägen der Taten des Propheten kann als Licht dienen, um sehr entfernte Weiten zu beleuchten.

     

    Das Wort „Sirah“

     

    Im Arabischen ist das Wort „Sirah“ abgeleitet von der Wurzel „Sair“, was „Wandern“ und „Bewegung“ bedeutet. Die Benutzung und An­wendung des Wortes „Sirah“, wie von den Muslims seit dem ersten und zweiten Jahrhundert (nach der Hidschrah [1]) verwendet, war voll­kom­men angemessen, wiewohl unsere Historiker nicht ganz erfolg­reich waren, wenn sie den von diesem Wort bezeichneten Begriff praktisch anwendeten. Vielleicht die authentischste „Sirah“ wurde von Ibn Ishak geschrieben und später von Ibn Hischam in einem Buch gesammelt. Angeblich soll Ibn Ishak ein Schiit gewesen sein, der in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts nach der Hidschrah lebte.

     

    Im Arabischen reimt sich „Sirah“ mit „Filah“, was den Typ der began­genen Tat bezeichnet. Das gleiche gilt mit „Dschalsah“ und „Dschilsah“, was „Sitzen“ und „Art des Sitzens“ bedeutet. Dies ist ein feiner Aspekt, da „Sair“ das Benehmen des einzelnen ist, wohingegen „Sirah“ die persönliche Art des Benehmens ist, und in unserer Diskussion ist der wichtige Aspekt zu wissen, welche spezifische Art des Benehmens der Prophet Mohammed (s.) hatte. Die Gelehrten, die eine „Sirah“ schrieben, betonten tatsächlich das Benehmen des Propheten, und so sollten die Bücher über „Sirah“ richtigerweise die Bücher von „Sair“ genannt werden. Die Sirat-al-Halabiah beispielsweise, ist in Wirklichkeit „Sair“ und nicht „Sirah“, denn es spricht über das Benehmen des Propheten, nicht über den Stil, die Methode und die Manier, womit er sich in verschiedenen Situationen zu verhalten pflegte.

     

    Dichtkunst und Dichter

     

    Poesie bzw. Dichtkunst hat verschiedene Formen und Stile. Nun, in den Augen eines Menschen, der nichts über poetische Stile weiß, gibt es keinen Unter­schied zwischen Rudaki, Sadi, Moulavi, Sana’y, Sa’ib und Hafis [2], die alle eine meisterliche Hand in der Dichtkunst hatten. Er nennt sie alle Poeten bzw. Dichter und ihre Schriften Poesie bzw. Dichtkunst. Aber jemand, der vertaut mit Poesie ist, weiß, dass jeder dieser Poeten einen ihm eigenen Stil des Rhythmus anwandte, wie Indisch (Hindi), Khorasanisch und ein spezielles Muster, um das Heldentum, die Mystik zu bejubeln, und so weiter.

     

    Es ist Tatsache: In der Untersuchung der Poesie ist es wichtig, ein Wissen über die poetischen und rhythmischen Stile zu besitzen; andernfalls kann von einem Nichtexperten auf diesem Felde kein Unterschied zwischen verschiedenen Gedichten festgestellt werden. Das gleiche gilt für die Prosa, denn auch sie hat ihre eigenen Stile. So kann man nur mit dem Wissen über solche Stile fähig sein, die verschiedenen Arten der Prosa auszumachen.

     

    Allgemein gesprochen: Für jemanden, der mit Kunst nicht vertraut ist, kann jegliches Gebäude, Fliesenwerk und Beschriften eine Manifestation der Kunst sein, aber wenn er Experten zu Rate zieht, wird er bemerken, dass es verschiedene Stile in jedem Felde gibt; und jede Geschicklichkeit und Kunst hat ihre ihm eigenen Stile. Ein deutscher Schriftsteller schrieb ein gutes Buch, das neulich unter dem Titel „Islamische Kunst“ ins Persische übersetzt wurde. Er argumentiert, dass die islamische Kunst einen exklusiven Stil in der islamischen Welt und Zivilisation genießt, und so bewies er, dass der Islam in der Kunst unabhängig ist.

     

    Für den einfachen Verstand waren Aristoteles und Biruni zwei Gelehrte, Philosophen und Denker, gleich im Status. Ibn Sina, Plato, Bacon, Descartes, Stewart Mill und Hegel sind alle Gelehrte und Denker. Gleicherweise betrachtet solch ein einfacher Geist Scheich Saduq, Scheich Kulaini, Ichvan As-Safa [3] und Nasir al-Din Tusi als gleichartige Gelehrte und Wissenschaftler. Aber ein gelehrter und wissensreicher Mensch weiß, dass es einen bemerkenswerten Unterschied in den Methoden, Stilen und Denkweisen dieser Gelehrten und Philosophen gibt.

     

    In der Tat, jeder Gelehrte hat seine eigene Methode. Man mag die Beweisführung (Erörterung) und die Ableitung betrachten und der aristotelischen Logik insgesamt folgen. Der eine nutzt solche Logik in der eigenen Analyse bei allen Zwei­gen des Wissens, wie Medizin, Jurisprudenz, Literatur und so weiter. Der andere aber mag sich mehr auf das Experimentieren verlassen. Dies gilt für viele der modernen Gelehrten. Angeblich soll sich Birunis Methode von jener Avicennas unterscheiden, wiewohl beide zwei zeitgenössische Genies waren, wobei der erstere mehr das Experimentieren bevorzugte und der Zweite mehr die aristotelische Logik.

     

    Der eine mag sich auf die rationale Erkenntnis (in der eigenen Analyse) verlassen, und der andere auf Bücher und Ahadith (Überlieferungen). Wenn der verstorbene Allamah Madschlisi beispielsweise ein Buch über Medizin schreiben wollte, gründete er immer sein Werk auf Bücher und Ahadith, ohne ihrer Echtheit große Wichtigkeit beizumessen, oder er sammelte zumindest relevante Ahadith (Überlieferungen) in seinem Buche. Wollte er über Gunst und Ungunst der Tage schreiben, verließ er sich diesbezüglich auf Erzählungen.

     

    Ebenfalls ist das Verhalten den verschiedenen Manieren und Stilen unterworfen. Entsprechend allgemein gesprochen: Die Verhaltens­for­schung ist in Wirklichkeit das Studieren der verschiedenen Stile der Manieren, die im Verhalten des Menschen auftauchen. Könige der Welt hatten Manieren und Methoden, die ihnen eigen waren. Dies gilt für alle Philosophen und Asketen gleichermaßen. Ähnlich haben alle Propheten spezifische, aber auch gemeinsame Verhaltenstechniken, wie auch jeder Methoden und Verhaltensweisen hat, die ihm eigen sind.

     

    Viele der Dichter, Künstler und Philosophen folgen keinerlei Stil oder Methode in ihren Werken. Zuweilen bauen sie auf Vernunft, zuweilen auf Weisheit und zuweilen auf Gefühle und Emotionen. Sie ermangeln einer gesunden Logik, und so wollen wir uns mit ihnen nicht beschäftigen. Auch im Benehmen hat fast keiner einen spezifischen Stil und eine spezifische Art. Die meisten von uns wissen nichts über die Methoden, die wir beim Lösen von Problemen unseres Lebens anwenden, und wir vermögen sie nicht zu erklären, wenn wir sie erklären sollten. Es gibt ein paar wenige Menschen, die bei gewissen Lebenszielen spezifischen Methoden und Stilen folgen. Und wenn wir über die „Sirah“ des Heiligen Propheten sprechen, beschäftigen wir uns mit den praktischen Methoden, die er bei der Verkündigung des Islam einsetzte: Beispielsweise seine Methoden der Führung (denn er begründete eine Regierung, nachdem er von Medina siegreich nach Mekka zurückgekehrt war und seit damals war er der Führer der islamischen Gemeinschaft), seine Methoden des Richtens unter dem Volk, sein Verhalten mit seinen zahlreichen Frauen und Kindern, seine Methoden im Umgang mit Freunden und Gefährten, seine Methoden im Umgang mit hartnäckigen Feinden und sein Verhalten unter verschiedenen Umständen.

     

    Soziale und politische Führung

     

    Einige Männer bauen auf die Gewalt, um eine Gesellschaft zu führen, und sie glauben nur an Kraft und Gewalt und sonst nichts. Ihre Logik ist: „Ein einziges Horn ist zwei Meter Schweif vorzuziehen.“

    Dies ist die Politik der Gewalt und des Drucks, welcher die US-Amerikaner heutzutage [4] im Glauben folgen, dass Schwierig­keiten nur mit solch einer Politik beseitigt werden können. Dies ist tatsächlich die Politik Yazids [5]. Einige andere Leute vertrauen bei ihrer Politik mehr der Täuschung als allem anderen. Solch eine Politik wurde von Muawiya [6] angewandt. Yazid und Muawiya waren beide gleich in der Strategie, aber verschieden in der Taktik.

     

    Einige andere bevorzugen, auf die Moral zu bauen, d.h. eine wirkliche Moral, nicht eine, die in Wirklichkeit eine Beleidigung für die Moral ist, denn das würde der Täuscherei Muawiyas gleichkommen. Moral, gegründet auf Ehrlichkeit und Wahrheit, war Alis (a.) Methode in der Politik, wenn man es mit Muawiya vergleicht. Aber die meisten Leute zogen Muawiyas Politik der Politik Alis vor und nannten sie wahre Politik, und deswegen wurde das Wort „Politik“ gleichbedeutend mit „Täuscherei“ und „Trickserei“, selbst heutzutage, entgegengesetzt ihrer wahren Bedeutung, d.h. die Angelegenheiten des Volkes sollten (korrekt) verwaltet werden.

     

    Ein Politiker ist tatsächlich ein Administrator und auf diesem Boden wurden unsere reinen zwölf Imame „Politiker der Gottesknechte“ genannt. Soweit es die Beratung betrifft – und das ist überraschend genug – handelte der Heilige Prophet des Islam (s.) nicht nach seinen persönlichen Ansichten, wiewohl er den Status des Prophetenamtes genoss und wiewohl seine Gefährten (Sahaba) solch einen starken Glauben an ihn hatten, so dass, wenn er ihnen befohlen hätte, sich im Meer zu ertränken, sie es getan hätten.

     

    Er mochte es nicht, Entscheidungen nach eigenem Gusto und Gutdünken zu fällen; er bevorzugte, andere zu konsultieren, um Lösungen für Probleme zu finden. Er war sich bewusst, dass der geringste Nachteil bei der persönlichen Entscheidungsfindung bedeuten würde, das Wachstum der Persönlichkeiten seiner Gefährten zu behindern und sie als bloße Werkzeuge zu betrachten, die keine Denkfähigkeit und keine Entscheidungskraft hätten. Das hätte später für alle Leute als schlechtes Beispiel gedient.

     

    So enthielt er sich, selbstsüchtige und selbstherrliche Methoden anzuwenden. Statt dessen lieferte er seinen Anhängern Leitideen, wie es einen wirklichen Führer auszeichnet. In der Schlacht zu Badr wie auch in der Schlacht zu Uhud konsultierte er seine Gefährten. Bei der zweiten Schlacht informierte er sie, dass die Götzenanbeter in die Gemarkung von Medina eingedrungen seien, und er suchte ihre Meinung, ob sie aus der Stadt ausrücken sollten und die Feinde draußen bekämpfen sollten oder ob sie in der Stadt bleiben sollten und ihre Stellungen befestigen sollten; allerdings würde dann den Feinden Gelegenheit gegeben, sie zu belagern, was aber des Feindes Niederlage herbeiführen würde.

     

    Die meisten Ältesten und erfahrenen Gefährten wollten in Medina bleiben, aber die Jungmänner, die mit jugendlichem Ehrgeiz erfüllt waren, waren gegen die Idee, von Feinden umzingelt zu werden, ohne geeignete Maßnahmen dagegen zu ergreifen. Sie betrachteten das Bleiben in der Stadt als eine Beleidigung gegen ihre Männlichkeit. Der Heilige Prophet selber billigte die Ältesten und die Erfahrenen und glaubte, sie wären erfolgreicher, wenn sie in der Stadt blieben. Aber dennoch folgte er den Jungmännern, welche die Mehrheit der Gefährten bildeten und unterstützte die Idee, Medina zu verlassen und dem Feinde am Berge Uhud entgegenzutreten. Sie ergriffen die Waffen, und er befahl ihnen, auszurücken. Die Jungmänner traten nun an ihn heran und sagten, sie hätten nicht darauf bestanden, wenn er unbedingt dagegen gewesen wäre. Sie bekannten, dass sie dem Propheten gehorsam sein wollten und in Medina bleiben würden, wiewohl sie lieber ausrücken möchten. Der Heilige Prophet sagte, es wäre für einen Propheten nicht richtig, die Waffen niederzulegen, nachdem er sich zum Vorstoß entschlossen hätte. Er betonte, hätten sie sich einmal entschlossen auszurücken, müssten sie das auch tun.

     

    Aus diesen Methoden und Manieren kann eine Menge gelernt werden, wie Imam Ali (a.) sagt:

    „Der Prophet war wie ein wandernder Arzt, der seine Salben zubereitet hatte und seine Instrumente erhitzt hatte. Er gebrauchte sie, wo immer das Bedürfnis entstand, blinde Herzen, taube Ohren und stumme Zungen zu heilen. Er folgte mit seinen Medizinen den Flecken der Nachlässigkeit und den Stätten der Verwirrung. Die Leute nahmen nicht Licht von den Lichtern seiner Weisheit, noch schufen sie eine Flamme von dem Feuerstein seines funkensprühenden Wissens. In dieser Sache sind sie wie grasendes Rindvieh und wie harte Steine.“ (Quelle: Nahdsch-ul-Balagha, Rede Nr. 108 Seite 156, Ausgabe Abhi Saleh)

     

    Wir können hier Schlussfolgern, dass nicht alle Leute logisch denken, wiewohl sie glauben zu denken. In verschiedenen Situationen verhalten sich die Leute in einer gewissen Weise, aber nur ein paar wenige gründen ihr Verhalten auf Kriterien, von denen sie niemals abweichen, während sich die Masse unlogisch verhält. Logisches Denken ist in der Tat ein Denken, das auf logischen Kriterien gründet, und es gibt nur wenige Leute, die diesen Kriterien folgen; die Masse ist meistens verwirrt in ihrem Denken und Verhalten.

     

    Die zwei Arten der Theosophie

     

    Die Philosophen glauben, dass die Theosophie (Wissen über Gott) zwei Arten hat: spekulative (Theoretische) Theosophie und prakti­sche Philosophie. Theologie, Mathematik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Physik, Musik, Naturwissenschaft, Zoologie und Bota­nik werden insgesamt spekulative Theosophie genannt, wohingegen Ethik, Politik und Hauwirtschaft praktische Theosophie genannt werden.

     

    Solch eine Klassifizierung wurde nicht in der Logik gemacht, aber dies gilt auch für die Logik, soweit logische Kriterien betroffen sind. Daher können wir „theoretische Kriterien“ haben, die sich auf die allgemeine Logik beziehen, und wir können „praktische Kriterien“ haben, die Methoden und Arten genannt werden.

     

    Jedes Individuum sollte seine Taten auf eine feste Logik gründen und ihr in allen Umständen der Zeit und des Ortes und im gesamten per­sön­lichen Leben folgen und sollte sie niemals verletzen. Der Heilige Prophet Mohammed (s.) tat das gleiche. Er folgte einer bestimmten Logik in seinen Aktionen, und wir Muslims sollten uns anstrengen, seine praktische Logik und seine Verhaltenstechniken zu erkennen, um sie in unseren Aktionen zu verwenden.

     

    Strenge Logik fehlt im Marxismus. Er sagt: Das Leben ist sehr stark beeinflusst von den Umständen der Zeit und des Ortes, besonders wenn Klassenkämpfe und Machtkämpfe auf das Leben einwirken. Der Marxismus gewährt dem persönlichen Denken, der persönlichen Meinung und dem persönlichen Glauben keine Ursprünglichkeit, während soziale und ökonomische Umstände und Klassensituationen berücksichtigt werden.

     

    Der Marxismus behauptet, dass es grundsätzlich unmöglich ist, ein eigenes (persönliches) Denkmuster zu haben; er sagt, dass die Menschenwesen ihre Denkweise und ihre Logik verändern, wenn sie sich vom Reichtum zur Armut hinbewegen und umgekehrt. In der Tat, ein verarmtes Individuum, das immer der Unterdrückung, der Einengung und der Quälerei unterworfen war und alle Arten der Verelendung durchgemacht hat, besitzt – ob er es will oder nicht – ein gewisses mentales Gerüst, das durch die speziellen Lebensbedingungen entworfen ist.

     

    Der Einzelne spricht von Gerechtigkeit und Freiheit, und er glaubt an das, was er sagt, denn die spezifischen Situationen seines Lebens bringen ihn dazu, so zu tun. Dieser Einzelne wird seine Begriffe ändern, sollten seine Lebensbedingungen sich zum Reichtum wandeln, nachdem er in Armut gelebt hat. Er wird dann seine frühere Vorstellung abstreifen und eine andersartige Interpretation von Gleichheit, Billigkeit, Freiheit und Gerechtigkeit behaupten: Auf alle Fälle, mit dem Auftauchen von Wandel in den Lebenssituationen verändern sich auch die persönlichen Interessen, und da der Mensch seine Interessen nicht ignorieren kann, wird sich notwendigerweise sein Denken verändern. Das ist deswegen, weil sich das persönliche Denken von Natur aus um die eigenen persönlichen Interessen dreht. Wenn ein Mensch verelendet ist, drehen sich seine Gedanken um die Interessen der verelendeten Klassen. Im Gegensatz dazu, wenn er sich der Klasse der Reichen anschließt, wird er notwendigerweise die Interessen dieser Klasse im Kopfe haben.

     

    In der Vergangenheit haben wir gewöhnlicher weise diese Worte nicht ernst genommen, aber heutzutage finden wir, dass tatsächlich eine Kette der Philosophie in ihnen verwurzelt ist. Es gibt einen Witz, der von den Theologiestudenten in Maschhad über einen ihrer Kameraden erzählt wird, der einstmals sagte: „Ich folge jenem Manne im Gebet, der mir Geld gibt und meine Gebete sind korrekt.“ „Wie?“ fragten sie ihn. Er antwortete: „Ich glaube, dass jener, der mir kein Geld gibt, ein Sünder ist! So würden meine Gebete nicht richtig sein, wenn ich ihm folgen würde. Aber sobald er mich mit Geld ausstattet, wandelt sich meine Meinung und ich werde glauben, dass er ein guter Mensch ist.“

     

    Immer nahmen wir dies nicht ernst, aber heutzutage sehen wir, dass es sich als eine Art Philosophie erwies, welche die Idee herausstellte, dass sich das Denken des Menschen nur um seine eigenen Interessen dreht, denn der historische und ökonomische Determinismus behauptet das so. Das ist natürlich nicht mehr als eine bloße Behauptung, und wir sollten in der Praxis herausfinden, ob es wahr ist oder nicht. Wir sollten Menschenwesen beobachten und herausfinden, ob ihr Bewusstsein nicht mehr als ein Spielzeug ihrer (persönlichen) Interessen ist. Ist dies nicht eine völlig antihumane Theorie? Sorgfältige Untersuchung wird uns zeigen, dass diese Behauptung im Grunde falsch ist. Der Glaubenslose wird auch solch eine Behauptung zweifelsohne unterstützen, aber wir können niemals zustimmen, dass alle Menschenwesen notwendigerweise und zwanghaft nur an ihre eigenen Interessen denken, denn es gibt Hunderte, die nicht so handeln.

     

    Ali Al-Vardi ist ein irakischer Schriftsteller und ein Universitäts­professor, der ein paar Bücher im Arabischen schrieb und einige davon wurden ins Persische übersetzt. Er ist ein Schiit und gleichzeitig ein Marxist. So haben seine Bücher eine marxistische Färbung; aber da er auch religiös ist, spricht er zuweilen gegen den Marxismus. Er ist unbefangen genug, um zu sagen, dass Ali (a.) in seiner Lebenszeit dieses marxistische Prinzip aufhob, dass ein Mensch seine Denkweise ändert, je nachdem ob er reich oder arm ist und dass die Gedanken unter verschiedenen sozialen Situationen anders sind.

     

    Imam Alis Biografie zeigt, dass dies nicht wahr ist, denn wir sehen: Als er an der tiefsten und an der höchsten gesellschaftlichen Stufe war, wandelten sich sein Verhalten und sein Denken nicht im geringsten. An dem einen Tag ist er ein einfacher Arbeiter und ein einfacher Soldat, der sein Leben dadurch fristet, dass er Bewässerungskanäle ausgräbt, Bäume pflanzt und Ödland kultiviert, und am anderen Tag steigt er zum Gipfel der Macht empor, als der Islam sein Reich erweiterte und Waffen und Reichtümer erbeutete. Aber Alis Denkweise änderte sich dennoch nicht. Es sollte natürlich zugegeben werden, dass Muslims massenhaft ihren (ursprünglichen) Glauben verloren, als die Fluten des Reichtums die Welt des Islam überschwemmten. In der Tat, die widrige Wirkung des Wohlstandes auf viele Leute ist unleugbar, aber wir können den marxistischen Satz: „Das Sein bestimmt das Bewusstsein!“, nicht als allgemeingültiges Prinzip anerkennen.

     

    Wer war Zubair und was korrumpierte ihn? Die Riesensummen an Geld und die massenhaften Beutegüter machten ihn zum Eigentümer von tausenden Pferden, Bediensteten und Häusern in Ägypten, Kufa (Irak) und Medina.

     

    Was verdarb Talha? Das gleiche! In der Tat, eine beträchtliche Schar der Prophetengefährten wurde entweder durch weltliche Positionen oder durch das Verlangen nach dem Kalifat oder durch Gier nach Geld und Reichtum verdorben. Das obige Marx’sche Prinzip war und ist jedoch kein allgemeingültiges Prinzip, andernfalls wären alle Prophetengefährten den gleichen Pfad gewandelt – was Gott verhüte – und sie wären in gleicher Weise von Geld und Rang beeinflusst worden. Gegenteilig zu dieser Doktrin kennen wir hervorragende Gestalten unter den Sahaba [7], die sich fest gegen solche Fluten stemmten. Ali und seine Anhänger beispielsweise änderten sich nicht im geringsten, wenn sie solche Ränge und außergewöhnliche Geld­summen erwarben. Salman Farsi war einer von ihnen. Als Gouverneur von Mada’in (Irak) blieb er der gleiche wie zur Lebenszeit des Propheten.

     

    Mada’in (Ktesiphon – Seleukia) war die Hauptstadt des antiken Perserreiches und der damalige Kalif (Omar) hielt es für notwendig, einen muslimischen Gouverneur persischer Abstammung dort hinzuschicken, damit die Perser nicht ungehalten wären, wenn sie mit einem Mann anderer Herkunft zu tun hätten. Dementsprechend wurde Salman der Perser, ein gläubiger Muslim, gebildet in islamischen Themen, zum Gouverneur eines Gebietes ernannt, das früher von den sassanidischen Großkönigen Anuschirvan und Khosrau Parvis regiert wurde, die tausende Sklaven und Sklavinnen hielten, sowie regiert von Yasgerd, der einige Tausendschaften Musiker hatte und in dessen Harem zwölftausend Frauen eingeschlossen waren. Die Ausstattung Salman Farsis während seiner Amtszeit war nicht mehr als ein Ranzen, den er persönlich auf dem Rücken trug, als er sich von Mada’in wieder verabschiedete, (um nach Medina zurückzukehren), wiewohl der Islam siegreich war, mit großen Eroberungen, und Salman Farsi Unmassen an Beutegütern zu verwalten hatte.

     

    Ali al-Vardi sagt, das Leben Alis hätte die Marx’sche Theorie aufgehoben, aber ich meine, auch das Leben Salman Farsis und Abu Dharrs negierten sie ebenso. Abu Dharr erlebte noch die erste Hälfte der Regierungszeit des Kalifen Osman (644-656 A.D.). Er hatte nichts, keine weltlichen Besitztümer; er hatte nur das Recht, zum Guten zu mahnen und vom Bösen abzuraten, als damals andere Männer Unmassen von Gold besaßen und vom Kalifen Osman mit bis zu einhunderttausend Dinaren oder Dirham belohnt wurden, um damit Herden von Schafen und Pferden, zahlreiche Sklaven und Sklavinnen zu erwerben.

     

    Kalif Osman strengte sich sehr an, den Mann mit der scharfen Zunge, nämlich Abu Dharr, zum Schweigen zu bringen, der ihm schädlicher war als hunderte Schwerter. Er verbannte Abu Dharr nach Damas­kus, ließ ihn schlagen und foltern, aber alles erwies sich als wir­kungs­los. Kalif Osman gab seinem Sklaven einen Geldsack und versprach, er werde ihm die Freiheit schenken, wenn er Abu Dharr überrede, den Geldsack anzunehmen.

     

    Der redegewandte Sklave traf Abu Dharr, aber trotz aller Anstrengungen konnte er ihm den Geldsack nicht aufdrängen. Abu Dharr fragte sich, wessen Geld es wäre und warum es ihm aufgedrängt werden solle; und er fragte den Sklaven: „Falls das mein Anteil am staatlichen Zakat ist, was du mir anbietest, was machst du mit den Zakat-Anteilen anderer? Zahlst du ihnen ebenfalls ihre Zakat-Anteile aus? Wenn nicht, warum zahlst du mir alleine den Zakat-Anteil aus?“

     

    Der Sklave merkte, dass er ihn nicht überreden konnte, und nun wollte er die religiösen Gefühle Abu Dharrs ansprechen. Er fragte: „Willst du nicht, dass ein Sklave die Freiheit erhält?“ Abu Dharr erwiderte: „Ja, das möchte ich auch.“ Da sagte der Sklave: „Ich bin Osmans Sklave, und er hat mir versprochen, mir die Freiheit zu schenken, wenn du dieses Geld annimmst. Daher, nimm es bitte um meinetwillen.“ Abu Dharr antwortete daraufhin: „Ich wollte sehr gerne, dass du frei wirst. Aber wenn ich das Geld annehme, so gewinnst du deine Freiheit, aber ich werde ein Sklave in den Händen Osmans.“

     

    Wir (Muslims) glauben, dass schon vor Ali das Leben des Heiligen Propheten Mohammed (s.) ebenfalls die von Marx niedergelegten Prinzipien zerstört hat. Der Prophet Mohammed (s.) blieb der gleiche von den ersten Tagen seiner Berufung über die Zeit bei der Schlucht zu Abu Talib [8] bis zur Zeit seines Todes. In die Schlucht zu Abu Talib waren der Prophet und einige seiner Gefährten verbannt – ohne Nahrung, Wasser und andere Lebensnotwendigkeiten. Die Bedingungen der Verbannten waren so verzweifelt, dass einige heimliche Muslims der Stadt Mekka heimliche Kontakte zu ihnen aufbauten, besonders zu Ali, und im Dunkel der Nacht schmuggelten sie ein kleines Nahrungspaket hinein, womit die Verbannten nun den Hun­ger mildern konnten.

     

    Der Prophet lebte unter solchen Bedingungen in der Schlucht zu Abu Talib. Aber im zehnten Jahr der Auswanderung (Hidschrah) schätzten ihn die damaligen Supermächte (römisch-byzantinisches Reich und persisches Reich) hoch ein und fürchteten ihn gleichzeitig. Nicht nur die Arabische Halbinsel war unter seinem Einfluss, sondern er hatte auch eine unvergleichliche Macht erworben, dass die Politiker der Supermächte damals die unmittelbar bevorstehende Expansion von der Arabischen Halbinsel aus und die Niederlage der beiden Supermächte voraussagten. Jedoch, als Sieger damals verhielt sich der Prophet Mohammed (s.) kein Stück anders, als in jeder Zeit als er in der Schlucht zu Abu Talib verbannt war.

     

    Einstmals ging ein Beduinen-Araber zum Heiligen Propheten und verlangte etwas von ihm. Als er dem Propheten näher kam, zitterte er, da er von der erhabenen Persönlichkeit des Propheten gehörte hatte. Der Prophet wurde besorgt und fragte ihn, warum er so ängstlich sei. Dann umarmte er vertraut den Mann und sagte ihm: „Sei mutig und tapfer! Vor was hast du Angst? Ich bin kein Despot. Ich bin der Sohn einer Frau, die mit eigenen Händen das Lamm zu melken pflegte. Ich bin wie dein eigener Bruder. So sage mir, was dein unruhiges Herz haben will.“

     

    Aufgrund solch eines Benehmens sagen wir, dass sich der Prophet nicht erlaubte, irgendwie von der Macht beeinflusst zu sein oder von der Autorität oder von dem großen Reich oder von den ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Solche Beispiele können (den­noch) nicht den spirituellen Zustand des Propheten oder Alis hinrei­chend beschreiben; ihr Status war in der Tat zu erhaben: Wir sollten uns das Leben solcher Männer wie Salman Farsi, Abu Dharr, Ammar, Uwais Qarawi und hunderte ihresgleichen betrachten, oder wir sollten die Biografien der Männer der jüngsten Vergangenheit studieren, wie Scheich Ansari, der die höchste Autorität in allen Zweigen des Wissens erlangte. Als armer Sucher nach Wissen betrat er die Theologische Schule Nadschaf (im Irak), und als er starb war er genauso arm. Die Leute schauten auf sein Haus, seine Möbel, und sie sagten, er lebe ja wie ein Bettler.

     

    Jemand sagte ihm: „Hoher Herr! Du verrichtest ein wunderbares Werk, indem du all diese Fonds (islamische Steuern), die dir zufließen, nicht anrührst.“ Scheich Ansari fragte: „Was ist wunderbar daran?“ Der Mann bohrte weiter: „Wunderbar ! Gibt es irgendetwas bedeutender als dies?“ Scheich Ansari erwiderte: „Mein Werk ist höchstens wie die Arbeit eines Eselstreibers von Kaschan, der bezahlt wird, um Waren in Isfahan einzukaufen und nach Kaschan zu transportieren. Hast du jemals gesehen, dass diese Männer Betrug und Täuscherei am Eigentum der Leute begehen? Die Eselstreiber sind vertrauenswürdig, und sie sind gegen Betrug gefeit. Mein Werk ist keine so wichtige Sache, wie dir dünkt. „So sehen wir, dass seine „religiöse Autorität“ dem Geiste diese großartigen Mannes nicht gestattete, von Machtstolz oder von der Meinung anderer überwältigt zu werden.

     

    Folglich, die Studie der Biografie einiger besonderer Individuen ent­hält die Tatsache, dass der Mensch eine klare und unwandelbare Hal­tung und Logik unter weit verschiedenen Umständen haben kann, und dies lässt sich leicht beweisen. Marx’s Studien zu Typen ähnlich wie Marwan-ul-Hakam, Osman, Zubair und Talha sind zweifelsohne unvollständig und irreführend. Hätte er das Leben einiger edler Per­sön­lichkeiten studiert, hätte er nicht solch ein irrsinniges Prinzip aufgestellt, noch wäre er zu falschen Schlüssen gekommen.

     

    Theoretische Logik

     

    In der theoretischen Logik beschäftigen wir uns mit der vernünftigen Erörterung (Beweisführung) und mit Dichtkunst. Beweisführung wird in der Mathematik benutzt, um eine Theorie zu beweisen oder aufzustellen. Andererseits, vernünftige theoretische Hypothesen müs­sen akzeptiert werden, und es muss ihnen anstandslos gefolgt werden. Beispielweise wird einem Studenten der Mathematik gelehrt, dass die totale Summe der Winkel eines Dreiecks 180 Grad beträgt, und sie ist niemals kleiner oder größer. Dann werden Gründe dafür ausgesagt. Nun könnte ein Mathematiklehrer so frei und selbstherrlich sein, um (durch eigene Gründe) zu beweisen, dass diese Totalsumme zuweilen 170 Grad beträgt und andere Male 120 Grad oder 200 Grad? Nein, solch eine Macht hat er nicht. Selbst Einstein würde von einem kleinen Studenten kritisiert werden, wenn er so etwas beweisen wollte. Einstein würde in der Tat gegen Vernunft und Logik handeln und niemand würde dies gerne annehmen.

     

    Über Dichtkunst

     

    Dichtkunst ist weich wie Wachs, und so steht sie leicht dem Menschen und dem Dichter zur Verfügung. Er kann ein Gleichnis, eine Metapher, eine Imagination usw. anwenden, wie er es wünscht – ein Gedicht ist ohne Logik und Beweisführung. Wird der Dichter aufge­fordert, etwas zu bejubeln, so macht er das. Aber er kann die gleiche Sache verdammen und kritisieren, wenn er darum gebeten wird.

     

    Beispielsweise war Fardusi (der große persische Epos-Dichter) eines Tages mit Sultan Mahmud rundum zufrieden, und so überschüttete er ihn mit Lobhudeleien und er schrieb: „Mahmud, der Halter der Welt und der große König.“ Am anderen Tag fühlte er sich aber von Mahmud beleidigt und er tadelte den Schah auf diese Weise: „Wäre eine wahre Prinzessin die Mutter des Königs, hätte er mir viel mehr Gold und Silber geschenkt.“

     

    Dichtkunst kann so manipuliert werden, wie es dem Dichter beliebt. Wird ein Dichter gebeten, das Reisen zu rühmen, kann er schreiben:

    „Es wäre sehr gut zu reisen.

    Unbewegt zu sein, ist absurd, sage ich.

    Könnte der Baum sich auch bewegen,

    fände er Axt und Säge erfreulich.“

     

    Andererseits, falls er gebeten wird, die feste Bleibe zu loben, könnte er schreiben:

    „Der Berg ist fest gegründet

    und so ist er groß und schwer.

    Der Wind umher wandert

    und sein Gewicht ist leer.“

     

    Es ist daher offensichtlich, dass Poesie auf Imagination gründet, die in sich selbst bedeutungslos ist. Sie ist jedoch wirksam zu allen Zeiten.

    Es wird erzählt, dass ein König einen Feind hatte, den er einfangen wollte. Das gelang ihm, und schließlich henkte er ihn. Ein Poet, der ein Schüler des Gehenkten war, der weiterhin am Galgen hing, verfasste eine Lobrede auf ihn und verteilte sie heimlich im Volke. Natürlich kamen später die Leute dahinter, wer der Verfasser war. Eine Zeile des Gedichtes lautet: „Bei meiner Religion, dies ist offenkundig und richtig, da er im Leben und im Tode zur Höhe emporstieg.“ Der König hörte dieses Gedicht und er bemerkte, dass er auch gehenkt werden möchte, um so gelobt zu werden.

     

    Hinsichtlich des praktischen Wissens sind einige Leute fest, standhaft, entschlossen und aufrichtig. In der Tat, die Prinzipien und Regeln, denen sie anhängen, sind eindeutig und klar und ihre Anhänglichkeit ist so standfest, dass niemand sie im geringsten schwächen kann. Diese Leute können durch Gewalt, Köderung, soziale und ökonomische Umstände und Klassenstatus keineswegs beeinflusst werden. Dies ist wegen der Tatsache, dass feste und fundamentale Prinzipien wie logische und mathematische Prinzipien sind; sie sind dem Neigungen des Menschen und seinen Gefühlen nicht unterworfen. Der Heilige Prophet Mohammed (s.), Ali, Imam Husayn und selbst ihre Anhänger, wie Salman Farsi, Abu Dharr, Miqdad, Scheich Murtadha Ansari und dergleichen waren alle Männer dieser Kategorie. Aber im Gegensatz dazu sind die Prinzipien einiger Leute im Leben wie jene eines Poeten, und sie gestatten den Gedanken, von Geld und Verlockung beeinflusst zu werden. Sie verändern sich beständig, denn es fehlen ihnen feste und grundsätzliche Prinzipien.

     

    Islam – eine Religion gegründet auf praktischer Logik

     

    Ein sehr wichtiger Punkt, der, während das Verhalten des Propheten diskutiert wird, nicht vernachlässigt werden darf, ist, dass der Islam eine Denkschule ist, die auf praktischer Logik gründet.

     

    Das Menschenwesen besitzt eine Struktur und eine ursprüngliche Natur, wodurch es einer festen und unveränderlichen Logik folgt und anhangt und wodurch es einen standhaften und unentwegten Status in der praktischen Logik gewinnt; und niemals wird es dann von ir­gend­einer Gewalt oder Macht beeinflusst. Deswegen schildert Imam Ali (a.) den Gläubigen als einen standhaften Berg, der von schweren Stürmen nicht bewegt und weggeschoben werden kann, wie Abstürze und Unbilligkeiten, die zuweilen im Leben des Menschen vorherr­schen und auch Wohlstand und Herzensfrieden, worüber der Qur’an sich äußert:

     

    „Und unter den Menschen ist manch einer, der Allah halbherzig verehren. Wenn ihn Gutes trifft, so ist er damit zufrieden; trifft ihn aber eine Prüfung, dann kehrt er zu seinem (früheren) Weg zurück. Er verliert diese Welt so gut wie die künftige. Das ist ein offenbarer Verlust.“ [Heiliger Qur’an, Sure 22 : Vers 11]

     

    Imam und Kalif Ali gibt im Nahdsch-ul-Balagha eine schöne Beschreibung des Wortes „Genügsamkeit“; er sagt:

    Genügsamkeit wird in zwei Aussagen des Qur’an ausgedrückt:

    „… damit ihr euch nicht zu sehr über die Güter betrübt, welche euch entgehen, und euch nicht zu sehr freut über jene, die euch zuteil werden.“

     

    „Suchd“ (Genügsamkeit) ist ein Zustand der Seele und kann nicht durch bloße scheinheilige Taten erreicht werden. Der wahre „genügsame“ Mensch ist tatsächlich derjenige, der weder sorgenvoll ist, wenn die Welt sich ihm verweigert, noch wird er narrenhaft fröhlich, sollte ihn die Welt mit Gunsterweisen überschütten. In der Tat, er ist derjenige, der in beiden Situationen der gleiche bleibt und seine spirituelle Ausdauer und Standhaftigkeit nicht verliert.

     

    Imam Alis Definition von „Suchd“ (Genügsamkeit) geht über die Begriffe von Marx und Hegel hinaus, die das Gegenteil glauben und die jene Tatsache ablehnen, dass Ali sagte, die Menschenwesen können solch einen erhabenen Zustand erringen, dass sie unbeeinflussbar von Klasseninteressen wären. Die Schule des Islam gründet auf diese eigentliche Realität. Der Humanismus des Islam und des wahren Muslim legt die Basis für Menschenwesen, die genügsam bleiben in der Weise, die Imam Ali (a.) beschrieben hat.

     

    Wie in der praktischen Logik wurden in der theoretischen Logik einige Methoden gründlich abgeschafft. Beispielsweise ist in der theoretischen Logik das Glauben an die Aussagen anderer Leute, sogar der religiösen Gelehrten, bei wissenschaftlichen Angelegen­heiten verboten. Auch in der praktischen Logik wird dieses Prinzip beobachtet, und auch der Islam stützt das. Beispielsweise enthüllen ein gründ­liches Studium des praktischen Verhaltens des Heiligen Propheten Mohammed (s.), des Imam Ali (a.) und anderer Imame, und eine tiefe Erwägung der Bücher, die über sie von Schiiten und Sunniten geschrieben wurden, die Tatsache, dass sie niemals Methoden gebrauchten, um „günstige Tage“ und „ungünstige Tage“ auszumachen. In Nahdsch-ul-Balagha (Gedanken und Worte Imam Alis) wird erzählt:

     

    Imam Ali (a.) entschloss sich, zum Kampf gegen die rebellischen Kharidschiten auszurücken; Acha’ath Bin Qais, der damals einer seiner Gefährten war, trat an ihn heran und sagte: „O Fürst der Gläubigen ! Ich bin Astrologe und ein Experte, um günstige und ungünstige Tage herauszufinden. Ich kam zu diesem Schluss, dass bei einem jetzigen Vorstoß du und eine große Schar deiner Gefährten am Ende besiegt und getötet werden.“

     

    Imam Ali (a.) erwiderte: „Wer immer die unsinnige Voraussage des Astrologen glaubt, verleugnet tatsächlich die Worte des Heiligen Propheten Mohammed.“

    Imam Ali befahl dann seinen Gefährten sofort den Angriff im Namen Gottes und im Gottvertrauen, und auf den Astrologen solle gar nicht geachtet werden. Später zeigte sich, dass Ali seinen größten Sieg im Krieg gegen die Kharidschiten errang.

     

    Abdul Malik Bin A’ayun, ein Bruder Suraris, war ein Gelehrter und ein berühmter Erzähler in seiner Zeit. Er hatte Astrologie studiert und praktizierte sie auch. Aber schrittweise fühlte er, dass sein astrologisches Wissen zum Unfug für ihn wurde, denn jeden Tag, wenn er sein Haus verlassen wollte, wurde er durch die Anordnung der Gestirne gestoppt, und er wurde in Zweifel gestürzt, ob er den Ausgang beginnen solle oder nicht.

     

    Er ging dann doch zum Imam Sadiq (a.) und bemerkte: „Oh Nachkomme des Gesandten Gottes ! Die Astrologie macht mir Kummer. Ich habe einige astrologische Bücher und ich fühle, dass ich erst dann eine Entscheidung treffen kann, wenn ich die Bücher befrage.“

     

    Imam Sadiq war verwundert und fragte: „Praktizierst du wirklich diese Dinge?“

    Der Mann erwiderte: „Ja, oh Nachkomme des Gesandten Gottes.“

    Da riet der Imam, schnellstens nach Hause zu gehen und all solche Bücher zu verbrennen, und er solle danach alles über Astrologie vergessen.

     

    Im Überblick betrachtet gibt es, zusätzlich zu einer Reihe von Überlieferungen (Ahadith), ein paar Leute, welche die in der qur’anischen Sure [41:16] erwähnten „unglücklichen Tage“ erklären wollen. Eine Untersuchung all dieser Ahadith durch die schiitischen Imame macht es klar, dass die Astrologie (Horoskopstellerei) das Menschenleben nicht im Ernst beeinflussen kann, und die Astrologie kann durch Vertrauen in Gott und im Bekenntnis zum Heiligen Propheten Mohammed (s.) und den zwölf schiitischen Imamen ignoriert werden.

     

    Demgemäß beachtet ein Muslim und wahrer Schiit diese Dinge nicht in der Praxis, und wenn er beispielsweise reisen will, gibt er etwas als Almosen, vertraut in Gott in seinem Bekenntnis zum Propheten Mohammed (s.) und in die zwölf Imame, und dann beginnt er seine Reise. Überdies achten diejenige, die von Astrologie daherreden, selber nicht auf sie, soweit es ihre praktische Logik und Haltung betrifft.

     

    Es gibt einen gutbekannten und weitverbreiteten Aberglauben in Iranisch-Khorasan und insbesondere in der Stadt Fariman (Motahharis Heimatstadt), und der Autor bemerkte diesen Aberglauben auch in anderen Städten: Wenn jemand eine Reise machen will und ein Sayyid (ein Nachkomme Fatimas und Imam Alis) kreuzt seinen Weg, so sollte er das als ein schlechtes Vorzeichen ansehen, denn er würde niemals von dieser beabsichtigten Reise zurückkehren. Im Gegensatz dazu, trifft er einen Fremdling, wird seine Reise angeblich günstig und lohnenswert sein.

     

    Unser geehrter Professor, der verstorbene Mirsa Ali Aqae Schirasi, entdeckte den Ursprung dieses Aberglaubens und sagte, dieser sei wegen der Verbrechen, Drohungen und Unterdrückung durch die Abbasiden entstanden, wodurch die Sadat-Leute [9] getötet wurden und sogar ganze Familien, die ihnen Unterschlupf gaben. Daher glaubten die Leute allmählich, dass die Sayyids politisch ungünstig seien, obwohl sie in Realität überhaupt nicht ungünstig waren. Da jedes Haus, wo ein Sayyid wohnte, niedergerissen werden musste, verwurzelte sich im Laufe der Zeit in den Köpfen der Leute tief dieser Aberglaube zu einem innerlichen bösen Vorzeichen.

     

    Einstmals begegnete ich selber [10] zweimal oder dreimal dieser Situation. Ich wollte von Fariman nach Qum reisen. Meine Mutter (Gott habe sie selig), meine Schwestern, die anderen weiblichen der Familie und einige Freunde wollten mich verabschieden. Ich bestieg hurtig ein Pferd, um die zwölf Kilometer vom Dorf nach Fariman zu reiten, und dort wollte ich einen Bus zur Weiterreise nehmen. Ich hatte gerade das Pferd bestiegen, da sah ich einen Sayyid auf mich zukommen. Ich betete zu Gott, denn wenn die Frauen das bemerkt hätten, so hätten sie mich nicht weg reiten lassen.

     

    Der Sayyid trat an mich heran und wollte wissen, ob ich von Fariman direkt nach Qum reisen würde oder nochmals ins Dorf zurückkommen würde. Er fragte: „Hoher Herr ! So Gott will, wirst du nicht zurück­kommen?“ Meine Antwort war: „Nein ! So Gott will, ich werde nicht.“ Die Frauen jedoch hörten unser Gespräch nicht, andernfalls hätten sie mich nicht wegreiten lassen. Um zum Ende der Geschichte zu kommen: Ich reiste nach Qum ab und nach einer bestimmten Zeitspanne kehrte ich wieder zurück, ohne irgendeine Misslichkeit oder Härte gehabt zu haben.

    Ein Muslim sollte daher nicht auf solche abergläubigen Vorstellun­gen achten. Im Gegenteil sollte er durch Gottvertrauen sie aus seinem Gemüt wegwischen.

     

    Relativität der Moral

     

    „Relativität der Moral“ oder Relativität der moralischen Werte ist ein weltweites Problem unseres Zeitalters. Die Menschen sind sich nicht einig, was das Gute und das Böse ist, und daraus sind viele irreführende Lehren entstanden. Das tatsächliche Ziel ist, allgemeine humane Standards für das Gute und das Böse zu begründen, das heißt: Wie sollte man sich zum Guten verhalten? Dieses Problem ist heutzutage weitverbreiteten Widersprüchen unterworfen, und daher ist es notwendig, das Problem zu diskutieren.

     

    Einige Leute glauben, die Moralität und die Standards des Guten und des Bösen seien relativ. Mit anderen Worten, sie behaupten, dass Menschlichsein etwas Relatives wäre, und das bedeutet, dass die menschlichen Standards sich je nach Zeit und Ort verändern müssen. Das impliziert, dass etwas, das moralisch gut zu einer gewissen Zeit und unter gewissen Umständen ist, zu anderen Zeiten und unter anderen Bedingungen als unmoralisch betrachtet werden kann. Das ist es, was sie unter „Relativität der Moral“ meinen.

     

    Es muss hier bemerkt werden, dass Grundprinzipien der Moralität und Urstandards der Menschlichkeit überhaupt nicht relativ sind, aber zweitrangige Standards und Prinzipien sind es. Wir können diese Wirklichkeit auch im Islam beobachten. Soweit das praktische Verhalten des Propheten Mohammed (s.) betroffen ist, gab es einige Prinzipien, die er unter jeglichen Umständen als verboten und ungültig betrachtete. Auch unsere zwölf Imame wandten niemals solche Prinzipien an, denn der Islam hat sie grundsätzlich für alle Zeiten, alle Plätze und alle Umstände verboten.

     

    Anders als unsere sunnitischen Glaubensbrüder sind wir schiitischen Muslime mit einer Schatzkammer ausgestattet. Die sunnitischen Glaubensbrüder haben eine 23-jährige Zeitspanne des Heiligen Propheten nach seiner Berufung, die großteils lehrhaft ist, soweit sein praktisches Verhalten unter verschiedenen Umständen betroffen ist, aber die Schiiten haben zusätzlich eine Zeitspanne von 250 Jahren Unfehlbarkeit der zwölf Imame, was bedeutsam ist, weil überliefert ist, wie die zwölf Imame unter verschiedenen Umständen lebten, und eine tiefschürfende Studie über die zwölf Imame kann uns richtige Methoden und Einsichten liefern, die wir bei unseren täglichen Lebenssituationen anwenden können. Diese Wirklichkeit unterscheidet uns von anderen muslimischen Glaubensbrüdern, die nur auf die erste Zeitspanne von 23 Jahren bauen und glauben, der Heilige Prophet (s.) wäre die einzige unbefleckte Persönlichkeit gewesen.

     

    Der sechste schiitische Imam Sadiq (a.) beispielsweise, lebte in der abbasidischen Periode, und was dort passierte, ist dem Heiligen Propheten Mohammed (s.) niemals zugestoßen. So sind wir diesbezüglich reicher, als unsere muslimischen Glaubensbrüder, denn die einmütige Ablehnung gewisser Prinzipien durch den Propheten wie auch durch unsere zwölf Imame unter allen Umständen kann uns zur Tatsache führen, dass sie dem Prinzip der Relativität der Moral nicht unterworfen sind.

     

    Die Vertreter der „Relativität der Moral“ mögen darauf hingewiesen werden, dass Verrat eines der Prinzipien der Standards ist, welches die Leute bei ihren gegenseitigen Geschäften anwenden könnten. Die Mehrheit der Politiker der Welt gebraucht Verrat, um ihre Ziele zu erreichen. Einige gründen all ihre Politik darauf, und andere gebrauchen Verrat bei gewissen Gelegenheiten. Sie glauben, dass Moralität in der Politik bedeutungslos ist und daher nicht wert ist, in Erwägung gezogen zu werden. Ein Politiker mag versprechen, schwören oder ein Abkommen unterzeichnen, um dieses oder jenes zu tun oder nicht zu tun, aber er nur solange bleibt loyal dazu, solange sie ihm nützen, aber sobald sie sich als schädlich für seine Interessen erweisen, wird er aller Wahrscheinlichkeit nach seine Versprechungen nicht achten.

     

    In seinem Buche „Der Zweite Weltkrieg“ erwähnt Winston Churchill den Angriff der Alliierten auf den Iran und sagt, dass sie mit dem Iran übereingekommen waren, weshalb sie den Iran nicht hätten angreifen sollen. Aber, so fügt er hinzu, solche Übereinkünfte können nur in einem kleinen Maßstab getroffen werden, beispielsweise zwischen zwei Personen. Aber in der Politik, wenn Nutzen und Schicksale einer Nation betroffen sind, verliere die Übereinkunft ihre Bedeutung. Weiterhin behauptet er, dass er die Interessen Großbritanniens deswegen nicht ignorieren konnte, auch wenn die Verletzung eines Abkommens mit einem anderen Staat unmoralisch und gegen die Prinzipien der Humanität sei.

     

    Auch Muawiya gründete seine Herrschaft auf die gleiche Politik des Verrats. Imam Ali (a.) dagegen wollte solch eine Politik nicht betrei­ben, selbst als es um sein eigenes Kalifat ging; und so zeigte er eine der Eigenschaften, die ihn von allen Politikern der Welt unterschei­det. Imam Ali (a.) war der Hüter wahrer und korrekter Prinzipien. er glaubte, dass die Hut humaner Prinzipien, Wehrhaftigkeit, Ehrlich­keit und Treue die Philosophie hinter seinem Kalifat begründe. Wie konnte er dann diese Prinzipien opfern, um das Kalifat festhalten zu können? In der Tat, nicht allein, dass er selber solch einer Philosophie folgte, sondern klar notierte er sie in seinem erlauchten Brief an Malik al-Aschtar, seinem Statthalter in Ägypten und er formulierte:

     

    „Wenn du ein Abkommen zwischen dir und deinem Feinde schließest, oder wenn du ihm etwas eidlich versprichst, dann erfülle deine Zustimmung und halte dein Versprechen treu … Allah garantiert Abkommen und eidliche Versprechen als ein Zeichen der Sicherheit…“ (Quelle: Asch-Scharif Ar- Rasi: Nahdsch-ul-Balagha Alis, p. 542, Qum: Institut für islamische Studien, 1975).

     

    Nun fragen wir die Advokaten der absoluten „Relativität der Moral“, ob sie glauben, dass ein Führer diesem Prinzip selbst hinsichtlich Verrat folgen sollte, das heißt: verräterisch wie auch ehrlich, je nachdem, wie es Zeit und Ort erforderlich machen? Nein, dieses Prinzip ist absolut falsch.

     

    Überschreitung (Verstoß)

     

    Das bedeutet, dass man nicht über die eigenen rechtmäßigen Grenzen gehen sollte, selbst wenn es sich um Feinde handelt. Gibt es irgend­eine Grenze, die beachtet werden muss, wenn man gegen Ungläubige antritt? Ja ! Der Heilige Qur’an sagt:

    Und kämpfet für Allahs Pfad gegen jene, die Euch bekämpfen, doch überschreitet das Maß nicht. Allah liebt nicht die Maßlosen. (Heiligen Qur’an, Sure 2, Vers 190)

     

    Mohammed (s.), der Heilige Prophet des Islam und Ali (a.), der Imam und Kalif der Gläubigen, rieten immer ihren Gefährten, die verletzten Feinde nicht zu töten, auch nicht die Frauen, Kinder, Alten, Waffenunfähigen und Behinderten, und es sollte ihnen Wasser gegeben werden; selbst hinsichtlich der koreischitischen [11] Ungläu­bigen, die nicht nur dem Propheten spinnefeind waren, sondern ihn auch zwanzig Jahre lang bekämpften, ihm jeden Stein in den Weg legten, des Propheten Kinder und Verwandte töteten, ihn und seine getreuen Gefährten folterten – so sehr sie nur konnten, solange der Prophet in Mekka weilte (vor seiner Flucht nach Medina); und sie verletzten seine Zähne und seine Stirne; aber der Heilige Prophet verhielt sich gerecht und mäßig gegen jene, die nach der Eroberung Mekkas noch lebten, als die Muslime die absolute Macht über ihre Feinde hatten. Die Muslime behandelten die Feinde nach dem fol­genden Vers der Sure Al-Maidah (und sie ist die letzte Sure, die dem Heiligen Propheten gerade nach der Eroberung Mekkas offenbart wurde):

     

    „Oh die Ihr glaubt! Seid verantwortlich in Allahs Sache, bezeugend in Gerechtigkeit. Und die Feindseligkeit eines Volkes soll euch nicht verleiten, anders als gerecht zu handeln. Seid gerecht, das ist näher der Gottesehrfurcht. Und fürchtet Allah; wahrlich Allah ist kundig eures Tuns.“ [Heiliger Qur’an, Sure 5 : Vers 8]

     

    Ist es nun tatsächlich erlaubt, in gewissen Situationen die eigenen Grenzen zu überschreiten? Niemals ! Jede Angelegenheit ist an gewisse Maßstäbe und Schranken gebunden, die nicht überschritten werden sollten. Warum überhaupt bekämpft der Mensch seine Feinde? Wenn er das tut, um seine Komplexe und Hindernisse loszu­werden, wird es mit dem Islam nicht verträglich sein. Wenn er kämpft, um für die Menschlichkeit ein Hindernis aus dem Wege zu räumen, sollte er das Kämpfen beenden, wenn er sein Ziel erreicht hat, damit er seine Grenzen nicht überschreitet.

     

    Wenn den Tyrannen gehorcht wird

     

    Wenn man die Sympathie des Feindes sucht, indem man sich der Tyrannei und Grausamkeit unterwirft, so ist das ein falsches Prinzip, dem der Heilige Prophet Mohammed (s.) und die zwölf Imame niemals im Leben gefolgt sind. Dieses Prinzip und die anderen obigen falschen Prinzipien werden vom Propheten (s.) und von den zwölf Imamen abgelehnt.

     

    Anerkannte und zu befolgende Prinzipien

     

    Er gibt gewisse Prinzipien, denen der Heilige Prophet Mohammed (s.) und die zwölf Imame immer anhingen, auch in einer relativen Weise. Der Grad der Relativität dieser Prinzipien wird unten disku­tiert werden.

     

    Es gibt zwei Prinzipien (im Islam), nämlich „das Prinzip, Macht zu haben“ und „das Prinzip, Macht zu gebrauchen“. Das erste impliziert, dass die Muslime Macht haben müssen, um Feinde abzuwehren und deren Angriffe zu vereiteln und sie nicht unvernünftigerweise anzu­greifen. Der Heilige Qur’an sagt diesbezüglich:

    „Rüstet euch mit Macht gegen sie, so gut, wie ihr nur könnt und mit einer Reiterschar, um damit in Schrecken zu versetzten die Feinde Allahs und eure Feinden und noch andere außer diesen, die ihr nicht kennt; Allah kennt sie.“
    [Heiliger Qur’an, Sure 8 : Vers 60]

     

    „In Schrecken zu versetzten“ (turhibun) impliziert hier die Macht, dass die Feinde aufhören, muslimische Länder anzugreifen. Dies ist ein absolutes Prinzip, kein relatives, an das man denken sollte und das man jederzeit befolgen sollte, solange es Feinde gibt.

     

    Das andere Prinzip, „das Prinzip, Macht zu gebrauchen“, differiert vom ersteren. Ja, der Islam hält es für relativ gestattet und der Heilige Prophet wendet es auf der gleichen Basis bei spezifischen Angelegenheiten an: bleibt nichts anderes übrig, um den Feind zu­rück­zuschlagen, so muss zu Gewalt und Kraft gegriffen werden.

     

    Im Nahdsch-ul-Balagha bezieht sich Imam und Kalif Ali auf einige kennzeichnende Eigenschaften und im Ganzen auf das praktische Verhalten des Heiligen Propheten und er sagt:

    „Der Prophet war wie ein wandernder Arzt, der seine Salben zubereitete und seine Instrumente erhitzte. Er gebrauchte sie, wann immer das Bedürfnis entstand, blinde Herzen, taube Ohren und stumme Zungen zu heilen. Er folgte mit seiner Medizin dem Feld der Nachlässigkeit und den Orten der Verwirrung. Die Leute nahmen kein Licht von den Lichtern seiner Weisheit, noch verschafften sie sich eine Flamme vom Funkenflug seines Wissens. So waren sie in dieser Angelegenheit wie grasendes Rindvieh und wie harte Steine.“

     

    Wiederum lesen wir im Nahdsch-ul-Balagha:

     

    „Jene, die nicht Sünden begehen und mit Sicherheit (vor Sünde) ausgestattet sind, sollten Mitleid haben mit den Sündern und den Ungehorsamen. Dankbarkeit sollte großteils ihre Nachsicht sein und sollte sie davon abhalten, bei anderen Fehler zu finden. Was ist der Verleumder, der seinen Bruder tadelt und Fehler bei ihm findet?“

     

    Selbstverständlich sollte ein Kranker, der Sympathie verdient, nicht grob behandelt werden oder sich selbst überlassen werden, sondern er sollte stattdessen gepflegt und geheilt werden. Der Heilige Prophet des Islam handelte wie ein Arzt, der Patienten heilt. Ärzte teilen sich grundsätzlich in zwei Kategorien: Eie einen haben ein festes und dauerndes Amtsgebäude und heilen jene Patienten, die zu ihnen hinkommen, und diese Ärzte kümmern sich nicht um andere; und die Ärzte der zweiten Kategorie reisen herum und sie sind nicht damit zufrieden, nur Leute zu behandeln, die zu ihnen kommen. Sie selber gehen zu allen Patienten innerhalb ihres Aktionsradius.

     

    Imam Ali (a.) sagt, der Heilige Prophet Mohammed (s.) habe zur Klasse der Wanderärzte gehört. Der Prophet besuchte in seinem ganzen Leben die moralisch und geistig Kranken. Zu diesem Zweck reiste er sogar nach Ta’if (südöstlich von Mekka). Er pflegte zur heiligen Moschee in Mekka zu gehen, den Qur’an zu rezitieren und dadurch die Leute zum Islam zu rufen. Während der verbotenen Monate, wenn den Arabern verboten war, sich gegenseitig zu bekriegen, kamen die arabischen Stämme nach Mekka, um die Wallfahrtszeremonien ge­mäß ihrer eigenen Riten zu vollführen, besonders wenn sie sich am Berge Arafat versammelten. Der Heilige Prophet fühlte sich dann sicher und nutzte die Gelegenheit, zu den Leuten zu predigen. Abu Lahab, einer der Onkel des Propheten, war ein Ungläubiger, und er forderte immer die Leute auf, „seinem verrückten und lügenden Neffen“ nicht zuzuhören. Aber der Prophet dachte trotz solch gemei­ner Kränkungen an seine Verantwortung.

     

    Es wird erzählt, dass einstens Jesus Christus gesehen wurde, wie er das Haus einer Hure verließ. Seine Jünger waren ganz überrascht und fragten: „O Geist Gottes ! Was hast du an solch einem Ort gemacht?“ Er antwortete: „Ein Arzt besucht seinen Patienten.“

     

    Solch Ärzte trugen immer die Salben, die Scheren, die Pinzetten mit sich. Die Salben benutzten sie, wo immer es möglich und wirksam war, aber wenn das nichts nutzte, gebrauchten sie die Instrumente zu Operationen und Einschnitten. Tatsächlich waren diese Ärzte in eini­gen Situationen freundlich und milde und in anderen waren sie schmerzhaft.

     

    Im ganzen sollte die islamische Gemeinschaft die stärkste in der ganzen Welt sein, damit nicht Feinde die Interessen, Besitztümer, Gebiete und Kulturgüter der islamischen Gemeinschaft begehen mögen. Dies ist ein absolutes Prinzip. Andererseits, die Gewaltanwendung ist ein relatives Prinzip, das zuweilen notwendig ist und zuweilen nicht.

     

    Einfach und natürlich war der Prophet Mohammed (saas)

     

    Einfachheit war unter den relativen Prinzipien, die der Heilige Prophet im Leben befolgte. Es wird erzählt, gestützt auf den Imam Hasan Mudschtaba (s.), diesen gestützt auf seinen Onkel mütterli­cher­seits, auf Hind Ibn Abi Khalid [12], der sagte:

    Der Gottesgesandte (saas) hatte nur wenige Sachen.

     

    Der Heilige Prophet Mohammed (s.) erwählte tatsächlich das Prinzip „einfach und ungekünstelt (natürlich)“ in allen Lebenslagen zu sein, und er wandte dieses Prinzip in allem und jedem an, wie Speise, Kleidung, Umgang mit anderen und so weiter. Er enthielt sich der Einschüchterung, zu der gewöhnlicher weise die Mächtigen greifen und die zuweilen ins Extrem geht. Als Muhammad Khan Qadschar in Kerman regierte, beging er grausame Massaker, blendete vielen die Augen, verfüllte die Untergrundkanäle (Kanale zur Bewässerung) und gab sich unerhörter Zerstörung hin – er war ein Beispiel für diesen Extremismus. Man sagt, dass einstens ein Soldat ihm hinterbrachte, ein anderer Soldat würde einen Mordkomplott gegen ihn planen. Muhammad Khan untersuchte diese Sache, und sie erwies sich als Lüge. Es wurde ihm erzählt, dass zwischen den beiden Soldaten eine Rivalität bestehe, weil beide das gleiche Mädchen heiraten wollten, und da der eine Erfolg hatte, plante der andere Rache durch solch falsche Beschuldigung.

     

    Er sprach zu seinem Neffen Fath’ali Schah (der damals sein Kronprinz war, denn Muhammad Khan war ein Eunuch und hatte deswegen keine Kinder) und bat ihn um seine Meinung, wie geurteilt werden solle. Fath’ali Schah antwortete, es wäre ganz offensichtlich, dass der lügenhafte Soldat bestraft werden müsse. Muhammad Khan bemerkte, dass Fath’ali Schah von einem logischen Standpunkt Recht habe, aber von einem politischen Standpunkt sei seine Logik falsch. Fath’ail Schah fragte, warum denn. Muhammad Khan erwiderte: „Was die Gerechtigkeit betrifft, ist der Soldat der falschen Anklage schuldig und sollte bestraft werden. Aber es ist mehrere Tage und Nächte her, dass die Gemüter aller Involvierten (der Ankläger, der Angeklagte, die Zeugen und alle anderen) die Gedanken an meine Ermordung hegten. Mit solch einem Gedanken können diese Leute beschließen, mich tatsächlich zu ermorden. So, es ist nicht ratsam, irgendeinen von ihnen am Leben zu lassen.“

    Und so exekutierte Muhammad Schah alle in diese Sache Involvierte nur deswegen, weil sie ungewollt an seinen Tod gedacht hatten.

     

    Dschingis Khan und Timur Lenk

     

    Auf alle Fälle erschreckten sie die Leute durch ihre prunkhafte Erscheinung, womit sie Respekt einflößten. Imam und Kalif Ali sagt im Nahdsch-ul-Balagha, dass Gott seine Propheten nicht mit solch weltlichen Pomp und Prunk ausstattete und die Propheten selber mochten auch nicht Pomp und Ruhm. Imam Ali (a.) fügt weiter hinzu, dass Moses (s.) und sein Bruder Aaron den Pharao besuchten, und sie waren ganz schlicht und einfach gekleidet, und in schlichter Weise riefen sie ihn auf, sich Gott zu unterwerfen.

     

    Imam Ali (a.) sagt:

    „Als Moses, Sohn des Imran, mit seinem Bruder Aaron zum Pharao ging, trugen sie wollene Umhänge und hielten Hirtenstäbe in ihren Händen; sie garantierten dem Pharao, er könne das Land Ägypten behalten und seine Ehre würde fortdauern, wenn er sich Gott unterwerfe. Aber der Pharao sagte: ‚Wundert ihr (Hofleute) euch nicht, dass diese beiden Männer mir die Fortdauer meiner Ehre und das Behalten meines Landes garan­tieren, wiewohl sie wie arme Strolche ausschauen. Wären sie das nicht, warum haben sie keine Goldringe an ihren Handgelenken?’ Der Pharao sagte das so, weil er stolz auf sein Gold und die ange­sammel­ten Güter war, und er betrachtete Wolle und Wolltuch als wertlos.

     

    Als Allah, der Gerühmte, Seinen Propheten entsandte, wenn Er gewollt hätte, für sie Schatzkammern und Lagerstätten mit Gold aufzutun, sowie bepflanzte Gärten und darinnen die Vögel des Himmels und die Tiere der Erde eingesetzt hätte, so hätte Er es vermocht. Hätte Gott so getan, dann hätte es keine Erprobung gegeben, keine Vergeltung und keine Nachricht (über das Jenseits). Jene, welche die Botschaft Gottes annehmen, hätte nicht die Vergeltung gegeben werden können, die nach der Prüfung fällig wird, und die Gläubigen hätten nicht die Belohnung für gute Taten verdient, und all diese Worte hätten ihren Sinn nicht behalten. Aber Allah, der Gerühmte, macht Seine Propheten fest in ihrer Entschlossenheit und gibt ihnen eine augenfällige armselige Erscheinung, zusammen mit Zufriedenheit, welche die Herzen und Augen mit Sorgenfreiheit erfüllt und mit Genügsamkeit ohne Habsucht. Falls die Propheten Macht (Autorität) besaßen, konnten sie nicht angegriffen werden, oder wenn sie Ehre besaßen, konnte sie nicht geschädigt werden, oder wenn sie Güter besaßen, nach denen sich die Leute die Hälse verrenkten, wäre es für die Leute sehr leicht gewesen, Lektionen zu suchen, und es wäre schwierig für sie gewesen, uneinsichtig zu sein. Die Leute hätten dann den Glauben aus Furcht angenommen oder aus Faszination und die Absicht aller Leute wäre die gleiche geblieben, wiewohl ihre Taten verschieden wären. Daher beschloss Allah, der Gerühmte, dass die Leute Seinen Propheten folgen sollten, Seine Bücher anerkennen sollten, demütig vor Seinem Antlitz bleiben sollten, Seinem Gebet gehorsam sein sollten und die Gottesknechtschaft mit Aufrichtigkeit annehmen sollten, und kein Jota von irgendetwas Anderem sollte darinnen sein; und je schwerer die Prüfung und Mühsal wären, desto größer auch sollten Belohnung und Vergeltung sein.“[13]

     

    Der Pharao konnte nicht verstehen, wie Moses und Aaron in ihren schäbigen Kleidern und Holzstäbe haltend von ihm verlangten, er solle sich demütig ihrem Gott unterwerfen und seine Großartigkeit aufgeben. Die beiden Männer machten Bedingungen, als ob sie ihres Sieges sicher wären. Pharao dachte: Wenn diese beiden Männer eine erfolgreiche Zukunft hätten, würden sie da nicht ein besseres Ausse­hen, Gold, Juwelen und prunkhaftes Auftreten haben? Gold erschien dem Pharao als Faktor der Großartigkeit, und schäbige, abgetragene Kleider erschienen ihm als Zeichen der Niedrigkeit. So dachte er, falls Moses und Aaron in Kontakt mit Gott wären, so wären den beiden Gold, Ruhm und Schätze gegeben, zehnmal mehr als er selber besaß.

     

    Im letzten Wort bezieht sich Imam Ali (a.) auf die Philosophie hinter der Entsendung von Propheten und warum sie Gott nicht mit weltlicher Pracht ausstattet; Imam Ali (a.) drückt die Realität aus, dass falls Gott die Propheten mit solchen Dingen ausgestattet hätte, wäre die Freiheit der Wahl aufgehoben worden, und der Glaube an Gott wäre erzwungen worden, weil Gold und Geld die Menschen geblendet hätten.

     

    Imam Ali (a.) sagt, solch ein Glaube wäre von allen Leuten angenommen worden, aber das wäre nicht der wahre gewe­sen. Wahrer Glaube ist nur dann, wenn er mit reiner Absicht und mit freiem Willen verbunden ist. Gott kann Propheten den Befehl über die Tiere gewähren, wie er es für Salomon (a.) tat, und sie können Vögel über ihren Häuptern herumkreisen lassen und so werden Zweifel an ihrem Prophetentum beseitigt. Aber Glaube, der aus Wundern kommt, ist zwanghaft. Solch ein Glaube ist nicht das Ergebnis intelligenter Wahl, denn wahrer Glaube wurzelt nicht in Gewalt und Zwang.

     

    Was Wunder und Übernatürliches anbelangt, sollte gesagt werden, dass sie begehrenswert sind, soweit sie den Propheten helfen, Gründe für ihre Behauptungen zu geben. Aber darüber hinaus würde Anarchie ausbrechen, denn jedermann möchte ein Wunder zu seinem persönlichen Nutze haben, er möchte Eisen zu Gold verwandelt haben und so weiter.

     

    Im Ganzen sollte noch einmal betont werden, dass Gott von seinen Propheten Prunk und Pracht fern hält, und sie wiederum suchen solches gar nicht. Unabhängig davon welche Macht und welcher Einfluss den Propheten von Gott gegeben wird, liegt sie einzig in ihrem kühnen Mut und in ihrer festen Entschlossenheit. Deswegen steht Moses (s.) mit einem einfachen Hirtenstab und Rosenkranz vor dem Pharao und spricht mit beeindruckender Fertigkeit. In der Tat, Gott gewährt seinen Propheten solche Zufriedenheit, dass ihre Augen und Herzen selbst mit wenigen Sachen gesättigt sind, und das führt zu einem schlichten und einfachen Leben, und Prunk und Pomp der Pharaonen wird in Stücke geschlagen.

     

    Es wird in Geschichtsbüchern aufgezeichnet, dass Alexander der Große nach der Eroberung Irans und anderer Länder von den Leuten geehrt und gehuldigt wurde, außer vom berühmten Philosophen seiner Zeit, Diogenes, der von Muslims „Biuschank“ genannt wird, und den Mevlana Rumi in seinem hervorragenden Dichtwerk Divan-i-Schams erwähnt:

     

    Gestern durchsuchte der Scheich die Stadt mit einem Licht, da sie mit Dämonen vollgestopft war und humane Sicht begehrte. Es wurde ihm gesagt: „Das kann nicht gefunden werden, wir haben schon gesucht.“ (Er sagte:) „Was nicht gefunden werden kann, ersehne ich Tag und Nacht.“

     

    Auf jeden Fall warfen die Leute sich huldigend vor Alexander nieder. Diogenes weigerte sich aber, so zu tun. Alexander beschloss, ihn in eigener Person zu besuchen. Er begab sich in die Einöde, begleitet von einem großen Gefolge, denn Diogenes besaß kein Haus, er lebte in einem Fass. Als sie zu Diogenes kamen, nahm er gerade ein Sonnenbad, wie man das heutzutage nennt. Sie kamen dicht an Diogenes, dass das Wiehern der Pferde und der Klang der Rassel Diogenes störte. Er stand für eine Weile auf, aber bald legte er sich wieder nieder und beachtete sie nicht. Schließlich trat Alexander heran. Diogenes erhob sich und sie wechselten ein paar Worte. Dann sagte Alexander zu ihm, ob er irgendetwas für ihn tun könne, um seine elenden Lebensbedingungen zu erleichtern. Diogenes sagte: „Ja, geh mir aus der Sonne.“

     

    Alexander kehrte zurück und die Generäle seiner Armee sprachen, welch ein Trottel doch Diogenes gewesen wäre, da er vom größten Imperator nichts verlangt habe. Aber Alexander, der vom hohen Geiste des Diogenes ernsthaft gedemütigt worden war, sprach ein Wort, das die Geschichte aufbewahrt hat; er sagte: „Wäre ich nicht Alexander, so möchte ich Diogenes sein.“ Die Realität jedoch ist, dass er schon als Alexander lieber Diogenes gewesen wäre.

     

    Kurz, es ist Gottes Wille, dass die Propheten die Einfachheit und die Genügsamkeit suchen. Sie gewannen die Herzen nicht mit oberflächlichem Pomp und Ruhm, sondern vielmehr mit Schlichtheit und Einfachheit. Der Heilige Prophet des Islam (s.) verachtete weltliche Aufgeblasenheit und bekämpfte sie in seinem ganzen Leben. Wenn er sich beispielsweise entschloss, einen anderen Ort aufzusuchen, gestattete er seinen Gefährten nicht, als Eskorte aufzutreten. Wenn er ein Pferd ritt, so gebot er nicht den andern, ihm zu Fuß zu folgen und er bat sie , entweder voranzugehen oder, wenn möglich, gleichfalls auf einem Pferd zu reiten. Niemals gestattete er jemandem, ihm zu Fuß zu folgen, während er zu Pferde ritt, weil er das für ein ungehöriges Verhalten betrachtete. Wann immer er Treffen mit seinen Gefährten hielt, bat er sie, sich in einem Kreise niederzusetzen, so dass jeder in einer gleichen Position war. Niemals nahm er bei Sitzungen einen Ehrensitz ein; er wollte nicht, dass andere sich ihm unterlegen fühlten. Er hing immer an der Einfachheit und Schlichtheit bis zu seinem letzten Atemzuge, und ihm dünkte das als ein Führer gebieterisch.

     

    Imam Ali (a.) verhielt sich auch so während seines Kalifats, denn der Islam verbietet den muslimischen Führern, pompös zu sein. Ihre Groß­artigkeit und Pracht liegt in ihrer Spiritualität und Selbstgenügsamkeit, nicht im Äußeren. Zur Zeit seiner Regierung reiste Imam und Kalif Ali einstmals nach Klesiphon (Irak) und besuchte den berühmten Palast des sassanidischen Großkönigs Anuschirvan. Dort rezitierte einer der Gefährten ein Gedicht über die Treulosigkeit der Welt – die Könige sterben dahin und lassen ihre Paläste zurück. Ali bat ihn stattdessen die Verse des Heiligen Qur’an zu rezitieren:

    „Wie zahlreich waren die Gärten und die Quellen, die sie zurück­ließen! Und die Kornfelder und die ehrenvollen Stätten! Und die Annehmlichkeiten, die sie genossen!“ [Heiliger Qu’an, Sure 44 : Vers 25-27]

     

    Als Imam Ali (a.) das Grenzland Persiens betrat, begrüßte ihn eine Schar Ältester und Häuptlinge am Dorfrande, da sie von seiner Ankunft hörten, und wie es ihre Sitte war, begannen sie, vor ihm herzurennen. Ali gebot ihnen Einhalt und er fragte sie, warum sie so täten. Sie erwiderten: „Es ist bei uns Sitte, die Aristokraten in dieser Weise zu ehren, und so taten wir für dich.“

     

    Imam Ali (a.) sagte: „Ihr erniedrigt euch tatsächlich in dieser Weise und das nützt den Aristokraten nicht im geringsten. Ich mag solch ein Getue nicht, denn ich bin ein Menschenwesen wie ihr, und ihr seid freie Männer. warum macht ihr dieses Getue?“

    Wir sehen daher, wie Ali ein schlichtes und einfaches Leben führte, und er hatte nur wenige Sachen.

     

    Es gibt eine Überlieferung (Hadith), die auch von sunnitischen Glaubens­geschwistern erzählt wird:

    Omar Ibn Al-Khattab (der spätere zweite Kalif) betrat einstmals das Zimmer des Heiligen Propheten; der Prophet hatte gerade seine Frauen vor die Wahl gestellt, entweder klaglos einverstanden zu sein und ein schlichtes und einfaches Leben weiterzuführen oder die Scheidung zu erhalten.

     

    Einige der Frauen des Propheten hatten sich nämlich bei ihm beklagt, sie müssten ein sehr einfaches Leben führen, und sie baten ihn, er solle einen großen Anteil seines Beutegutes an sie herausrücken. Der Prophet sagte ihnen, dieses Leben würde bis zu seinem Ende schlicht und einfach sein, und sie müssten sich damit abfinden, andernfalls, wenn ihnen so ein Leben nicht passe, würde er sich von ihnen scheiden lassen und sie sehr gut abfinden. Einmütig sagten sie, dass sie ein schlichtes und einfaches Leben (an seiner Seite) doch bevorzugen würden.

     

    Omar erfuhr von dieser Sache und dass sich der Prophet geärgert habe, und so wollte Omar den Propheten besuchen. Er erreicht die Zimmertüre, aber ein schwarzer Diener, der als Türsteher fungierte, verweigerte ihm den Zutritt. Omar sagte dem Mann, er solle dem Propheten sagen, Omar wäre an der Türe. Der Mann ging hinein, kam zurück und sagte, der Prophet habe kein Wort geäußert. Omar bat zum zweiten Mal um die Erlaubnis, eintreten zu dürfen und beim dritten Mal durfte er eintreten.

     

    Omar soll berichtet haben: „Ich trat ein und sah, dass der Heilige Prophet auf einer Matte aus Palmfasern ruhte und, die Matte war das einzige Interieur. Als der Prophet mich sah, erhob er sich, und ich bemerkte die groben Eindrücke, welche die Matte auf seinem heiligen Körper hinterlassen hatte. Ich wurde besorgt und ich fragte ihn, warum er so leben müsse. Die sassanidischen Großkönige und die römischen Kaiser würden doch Gottes Wohltat und Reichtum ge­nießen! Warum müsse er als Prophet Gottes so ein kärgliches Leben führen. Meine Worte verärgerten den Heiligen Propheten, und stehend sagte er: ‚Welch Sinnloses sprichst du da? Hat sich die Welt enthüllt und dich fasziniert und deine Augen betört? Dünkt dir, der Mangel an weltlichen Gütern sei Verelendung für mich? Und meinst du, sie zu haben, sei ein Segen? Ich schwöre bei Gott, dass all solche Dinge die Muslime besitzen werden, aber auf diese (Dinge) braucht man nicht stolz zu sein!’ “

     

    Solcherart war die Lebensart des Heiligen Propheten, und als er verschied, hatte er keine weltlichen Güter (keine beweglichen Dinge!) an seine einzige Tochter, an die hohe Herrin Fatima, zu vererben, wiewohl die Elternliebe gewöhnlicher weise etwas fürs eigene Kind zurücklässt.[14] Im Gegenteil, einstmals betrat der Heilige Prophet Mohammed (s.) die Hütte der Fatima, und er gewahrte, dass sie ihre Hand mit einem Silbergeschmeide geschmückt hatte und ihre Hütte mit einem wertvollen farbigen Teppich. Er ging sofort hinaus, ohne ein Wort zu sagen, obwohl er seine Tochter Fatima tief liebte.

     

    Jetzt begriff Fatima, dass ihr Vater nicht wollte, dass sie irgendetwas Überflüssiges besitze. Denn damals gab es die Leute der Suffa [15]. So bat Fatima jemand, das Silberarmband und den Teppich zum Propheten zu bringen. Der Überbringer traf den Propheten und sagte:

    „O Gottesgesandter ! Deine Tochter schickt diese Sachen zu dir, damit du sie verwendest, wie du möchtest.“

    Der Heilige Prophet freute sich sehr und sagte: „Ich möchte gerne mein Leben für Fatima hergeben.“

     

    Für die Hochzeit der Fatima wurde nur ein einziges neues Kleid gekauft, und dazu hatte sie noch das alte Kleid. In der Hochzeitsnacht klopfte eine Bettlerin an die Hüttentür und sagte: „Ich bin nackt, gibt es keinen Menschen, der mich kleidet?“ Niemand wollte der Bettlerin etwas geben. Fatima, die Braut, zog ihr Hochzeitsgewand aus, legte wieder das alte Kleid an und gab das Hochzeitsgewand der Bettlerin, denn solche prächtigen Sachen bedeuteten ihr nichts.

     

    Als sie später das Gut Fadak [16] als Erbe haben wollte, so nur deshalb weil das Gut ihrem Vater gehörte und weil sie nach islamischem Erbrecht als einzige Tochter erbberechtigt war. Es ging ihr nicht um den ökonomischen Wert des Landgutes an sich. Hätte sie auf das Landgut freiwillig verzichtet, so hätte sie sich der Unrechtshandlung des ersten Kalifen Abu Bakr unterworfen, und das wäre Sünde gewesen.

     

    Das Landgut Fadak hatte tatsächlich einen Wert für Fatima, aber weniger von einem materiellen Standpunkt aus, sondern von einem gesetzlichen Standpunkt aus. Hätte das Landgut Fadak irgendeinen materiellen Wert für Fatima gehabt, so hätte sie mit dem Ertrag den Armen und Bedürftigen geholfen. Sie selbst, ihr Vater, ihr Ehemann Ali und ihre beiden Söhne (Hassan und Hussein) waren großherzig genug, um Besitztümer mehrfach wertvoller als Fadak zum Wohl­gefallen Gottes (d.h. für karitative Zwecke) herzugeben.
    So sehen wir, dass Fatima ebenfalls den Verhaltensweisen ihres Vaters in ihrer gesamten kurzen Lebensspanne folgte.

     

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    [1] Auswanderung des Propheten Muhammad von Mekka nach Medina und beginn der islamischen Zeitrechnung 622 n. Chr.

    [2] Große islamische Dichter aus dem persischsprachigen Raum

    [3] Eine Reihe von großen islamischen Gelehrten

    [4] Es wird daran erinnert, dass dieses Buch Motahharis zu seinen Lebzeiten entstanden ist.

    [5] Gewaltherrscher in der islamischen Geschichte, der den Enkel des Propheten, Imam Hussain (a.) ermorden lies.

    [6] Vater von Yazid, der das islamische Kalifat unrechtmäßig an sich riss.

    [7] Gefährten des Propheten Muhammad (s.)

    [8] Nach dem Onkel des Propheten benannt Schlucht, die unter seinem Schutz stand.

    [9] Gemeint sind die gesegneten Leute, die Nachkommen des Propheten (s.)

    [10] Motahhari

    [11] Stamm in Mekka, dem der Prophet entstammt und die dem Islam gegenüber sehr feindlich gesonnen waren.

    [12] Hind war Adoptivsohn des Heiligen Propheten (s.) und so der Halbbruder seiner geehrten Tochter Fatima-tu-Zahra. Hind gilt als Sohn der Khadidscha von ihrem früheren Ehemann Abi Khalid. Ähnlich war es bei Usama bin Zaid, dem Sohn der Zainab. Usama war natürlich jünger als Hind und wurde erst in Medina bekannt. Aber Hind war beim Propheten schon dreizehn Jahre des Prophetenamtes in Mekka (vor der Auswanderung nach Medina) und Hind erlebte die zehn Jahre des Prophetenamtes in Medina. Hind kannte daher das Leben und Verhalten des Propheten in Mekka und Medina. Imam Hasan (a.), der zweite schiitische Imam und Sohn Imam Alis (a.), befragte als Kind den Onkel Hind, ihm den Heiligen Großvater zu schildern, wie er ihn beobachtet hatte. Hind gab Auskunft, und Imam Hasan erzählte anderen genau das weiter, was er gehört hatte. Eine Aussage Hinds, die durch eine Kette von Erzähler an uns weitergereicht wurde, lautet: Der Gottesgesandte hatte nur ein paar Sachen. (Nicht zu verwechseln mit Hind, der Ehefrau Abu Sufjans)

    [13] Quelle: Asch-Scharif Ar-Radi: Nahdsch-ul-Balagha Alis, Vol. 2, Teheran, Welt-Organisation für Islamische Dienste, 1979, pp. 406-407

    [14] Fatimas (a.) einziges Erbe war ein kleines Stück Land namens Fadak (siehe nächste Seiten).

    [15] Suffa ist der Arkadengang der Medina-Moschee und die dort lebenden Obdach­losen hatten gar nichts.

    [16] Fadak war ein Landgut in der Oase Khaybar, das sich der Prophet nach der Eroberung (628) als persönlichen Besitz aneignete (wobei die Juden als Pächter bleiben konnten). Da der Prophet (632) keinen leiblichen Sohn hatte, war seine einzige leibliche Tochter Fatima für das Landgut erbberechtigt. Der Erste Kalif Abu Bakr, angestiftet von Omar, verweigerte die Herausgabe und machte das Landgut Fadak zu Staatsbesitz. Zur Begründung fabrizierte er eine falsche Überlieferung (Hadith), wonach kein Prophet etwas an seine Kinder vererbe, was selbst dem Heiligen Qur’an widersprach. Durch diesen Trick wurden Fatima und Imam Ali enteignet.

     

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    Quelle: http://www.al-shia.eu/der%20prophet/Verhalten_und_Benehmen_Teil_1.htm