islamic-sources

    1. Startseite

    2. article

    3. „Wahdat al-Wujud“ (Teil 3): Wahdat al-Wujud

    „Wahdat al-Wujud“ (Teil 3): Wahdat al-Wujud

    „Wahdat al-Wujud“ (Teil 3): Wahdat al-Wujud
    Rate this post

     

    Aufbauend auf die vorigen Erörterungen und Kenntnissen ist es nun möglich, die Lehre von der Einheit der Existenz zu verstehen. Als dritte Stufe des Einheitsbekenntnisses des Wesens (al-Tawĥeed al-Dhāti – التوحيد الذاتي) besagt die Lehre von der Einheit der Existenz, dass die wahrhaftige, notwendige, unabhängige und selbstständige Existenz eine ist, welche keinen Beigeseller hat. Alle anderen Existenzen sind damit lediglich Erscheinungen[1], Offenbarungen und Zeichen der einen notwendigen Existenz.

     

    Allah (t.) ist die einzige notwendige Existenz, welche keinen Beigeseller hat[2] und Er (t.) ist der Ewiglebende, der Sich Selbst Seiende und Beständige.

     

    ٱللَّهُ لَآ إِلَـٰهَ إِلَّا هُوَ ٱلۡحَىُّ ٱلۡقَيُّومُ‌ۚ

     

    Allah, es gibt keine Gottheit außer Ihm, dem Sich Selbst Seienden und Beständigen[3]

     

    Die Lehre von der Einheit der Existenz besagt damit, dass die notwendige Existenz eine ist und diese ist Allah (t.). Damit sind alle Geschöpfe und alle Existenzen, außer Allah, mögliche Existenzen. Allah (t.) ist Derjenige, der aus sich für sich existiert und dessen Existenz von keinem anderen abhängig ist. Er (t.) ist erhaben über einen Helfer oder einen Beigeseller. Nichts ist Ihm gleich, und Er ist der Allsehende, Allhörende. Alle Existenzen lobpreisen und verherrlichen ihren Schöpfer. Allah (t.) ist der Ewigbeständige, durch den alle anderen Existenzen bestehen, wobei Er (t.) durch niemand anderes besteht, sondern Sich Selbst Seiend ist. Alle anderen Existenzen geben sich Seiner Hoheit hin und sind die Hilfsbedürftigkeit, Unselbstständigkeit und Schwäche selbst, welche jeden Augenblick nur durch ihren Herrn bestehen und keine Sekunde von Ihm (t.) getrennt werden können.

     

    Der bloße Wortlaut „Einheit der Existenz“ besagt damit, dass die wahrhaftige und notwendige Existenz eine ist und diese ist Allah (t.), der keinen Beigeseller hat. Das bedeutet aber nicht, dass es keine anderen Existenzen gibt oder dass alle restlichen Existenzen Allah (t.) seien – und vor Allah ist die Zuflucht vor solch einer Aussage. Es bedeutet aber, dass alle Existenzen, außer Allah (t.), keine notwendigen Existenzen sein können und nur mögliche Existenzen sind. Damit sind sie in ihrem Rang der Existenz niedrig, denn es ist unmöglich zu behaupten, dass die Existenz Allahs gleich der Existenz Seiner Geschöpfe ist. Der heilige Qur’ān ist deutlich und sagt:

     

    لَيْسَ كَمِثْلِه ِِ شَيْء

     

    Nichts gibt es Seinesgleichen[4]

     

    Nichts ist Ihm (t.) gleich und damit kann auch keine Existenz in ihrem Dasein Ihm (t.) gleich sein. Deshalb ist es absolut notwendig, zwischen der Existenz Allahs und der Geschöpfe zu trennen und ausführlich zu unterscheiden, damit niemand den Fehler begeht und behauptet, dass Allah und seine Geschöpfe in ihrer Existenzstufe gleich sind.

     

    Allah (t.) ist damit die notwendige Existenz und alles, was nicht Allah (t.) ist, ist eine mögliche Existenz und nichts Eigenständiges, sondern nur ein Zeichen, Erscheinung und Offenbarung des Einen, Gepriesen und Erhaben sei Er.

     

    Nachdem nun in aller Deutlichkeit klar wurde, dass sowohl Allah (t.) eine Existenz ist als auch Seine Geschöpfe, sie sich jedoch in der Art ihrer Existenz unterscheiden, stellt sich die Frage nach dem Verhältnis und der Beziehung dieser (beiden) Existenzen. Wie ist das Verhältnis zwischen Allah (t.) und Seinen Geschöpfen? Ist es ein isoliertes Verhältnis oder eine Verschiedenheit im Rang der Existenz?

     

    Damit sollte klar sein, dass es unmöglich ist, dass das Verhältnis Allahs (t.) zu Seinen Geschöpfen eine isolierungsbasierte Differenz ist. Es ist nicht möglich, dass Allah (t.) eine Existenz ist und Seine Geschöpfe eine Existenz, sie jedoch beide nebeneinander und isoliert voneinander existieren können, denn dies würde die notwendige Existenz (Allah) begrenzen und Ihm (t.) einen Start- und Endpunkt zuweisen. Es ist nicht möglich, dass die Geschöpfe isoliert zu Allah (t.) bestehen, denn wenn sie isoliert wären, würde ihr Dasein nicht von Allah (t.) abhängen und sie könnten ohne Ihn (t.) bestehen und dies ist eindeutiger Unglaube, wovon sich der Islam distanziert. Allerdings ist es auch nicht so, dass Allah (t.) und Seine Schöpfung eins sind, also beide ineinander verschmolzen, da auch dies dem Einheitsbekenntnis widersprechen würde[5].

     

    Das Verhältnis Allahs (t.) zu Seinen Geschöpfen kann damit nur eine Verschiedenheit im Rang der Existenz sein. Das bedeutet, dass sowohl Allah eine Existenz ist, als auch die Geschöpfe, sie sich jedoch im Rang ihrer Existenz unterscheiden. Damit bestehen die Geschöpfe nur durch Allah (t.), sie erhalten ihr Leben von Allah, sie handeln nach Allahs Erlaubnis, sie sind die Hilfsbedürftigkeit, Armut, Unselbstständigkeit und Unbeständigkeit selbst und nichts Eigenständiges. Die Geschöpfe bestehen nur durch die einzig wahre notwendige Existenz und diese ist Allah (t.), der keinen Beigeseller hat.

     

    Kurz gefasst will die Lehre von der Einheit der Existenz sagen, dass Allah (t.) die einzige wahre Existenz ist und alle anderen Existenzen sind nichts Eigenständiges, sondern bestehen erst durch Allah und haben nichts von sich aus, sondern bedürfen in jedem Augenblick die Zuwendung Allahs (t.).

     

    Die Verse des heiligen Qur’ān, sowie die reinen Überlieferungen der Ahl al Bayt (a.) machen auf diese Wahrheit deutlich und lassen keinen Zweifel daran, dass die Lehre von der Einheit der Existenz die höchste Stufe des Einheitsbekenntnisses und die höchste Form der Erkenntnis Gottes darstellt.

     

     

    3.1 Die Beweise aus dem heiligen Qur‘ān

     

    Der heilige Qur’ān ist von Versen überhäuft, welche die Tatsache deutlich machen, dass das absolute Reichtum Allah (t.) gebührt und die Geschöpfe die Hilfsbedürftigkeit selbst sind. Er macht deutlich, dass lediglich Allah die einzige (notwendige) beständige Existenz ist und durch die andere (mögliche) Existenzen erst bestehen können.

     

    1.Der heilige Qur’ān: Sure 35, Vers 15

     

    يَـٰٓأَيُّہَا ٱلنَّاسُ أَنتُمُ ٱلۡفُقَرَآءُ إِلَى ٱللَّهِۖ وَٱللَّهُ هُوَ ٱلۡغَنِىُّ ٱلۡحَمِيدُ

     

    O ihr Menschen, ihr seid Allahs bedürftig, Allah aber ist der Sich Selbst Genügende, der Preiswürdige

     

    Zu den deutlichsten Versen gehört dieser heilige Vers in Sure Fāţir, welcher in einer klaren Art und Weise auf die Hilfsbedürftigkeit der Menschen aufmerksam macht. Dieser heilige Vers nimmt jene Unterteilung vor, welche die Gelehrten der Rechtsschule der Ahl al Bayt (a.) vorgenommen haben, um die Stufen der Existenzen zu beschreiben. Es ist die Rede von der einen reichen, unabhängigen und selbstständigen Existenz, wobei alle anderen Existenzen dieser einen reichen Existenz (Allah) bedürfen, da sie hilflos sind. Damit ist es klar, dass Allah (t.) die einzige notwendige Existenz ist, wobei alle anderen Existenzen lediglich mögliche Existenzen sind, die nichts aus sich selbst besitzen und damit hilfsbedürftig in jeder Situation sind.

     

    2. Der heilige Qur’ān: Sure 39, Vers 30

     

    إِنَّكَ مَيِّت ٌ وَإِنَّهُمْ مَيِّتُونَ

     

    Wahrlich, du bist tot und auch sie sind tot

     

    Dieser heilige Vers wird in den meisten Übersetzungen leider falsch übersetzt. Aufgrund dieser Tatsache geht eine große und wichtige Lehre, welcher dieser Vers beinhaltet, verloren. Er wird meist mit „Du wirst sterben und auch sie werden sterben“ übersetzt, obwohl doch der arabische Wortlaut gezielt den Präsens nutzt und nicht die Zukunftsform. Allah (t.) spricht jetzt gerade und in diesem Augenblick (zur Zeit der Herabsendung) mit Seinem Propheten (s.) und sagt, dass er tot sei und die anderen tot sind, obwohl der Prophet (s.) doch lebendig war, als er diesen Vers offenbart bekam.

     

    Der reine Vers möchte auf die Tatsache aufmerksam machen, dass jede Existenz, obgleich sie auf Erden lebendig ist, im Vergleich zum wahrhaftigen Lebendigen und wahrhaftigen Existenz tot und nichtig ist. Aus diesem Grund nutz der reine Vers gezielt die Gegenwartsform und bezeichnet alle Existenzen als tot im Vergleich zu Allah (t.). Damit ist Allah (t.) das Leben, durch den alle andere leben, Er (t.) ist der Beständige, durch den alle anderen Existenzen bestehen und nicht einen Augenblick von Ihm getrennt werden können. Alles, außer Allah (t.) ist in Wirklichkeit tot und hat keine (eigenständige) Existenz.

     

    3.Der heilige Qur’ān: Sure 55, Vers 26

     

    كُلُّ مَنْ عَلَيْهَا فَان

     

    Alles, was auf (Erden) ist, ist nicht beständig

     

    Auch dieser reine Vers macht auf die Tatsache aufmerksam, dass alle Existenzen außer Allah (t.) nicht beständig sind und vergangen sind. Ebenso wird auch hier der Präsenz genutzt um den allgegenwärtigen Zustand deutlich zu machen.

     

    4.Der heilige Qur’ān: Sure 28, Vers 88

     

    كُلُّ شَيْءٍ هَالِك ٌ إِلاَّ وَجْهَه

     

    Alle Dinge sind vergänglich, bis auf Sein Angesicht

     

    All diese Qur’ānverse haben nur ein Ziel und dies ist es, dem Menschen klar zu machen, dass er auch sich selbst heraus nichts besitzt, ja nicht einmal eine eigene Existenz hat, denn seine Existenz besteht durch den Allerbarmer (t.). Der Mensch muss seine Hilfsbedürftigkeit, Unbeständigkeit und Schwäche erkennen und zugleich die Quelle aller Vollkommenheit kennen lernen und diese ist Allah, Gepriesen und Erhaben sei Er. Der Mensch muss erkennen, dass er durch Allah besteht und dass Allah die einzige notwendige Existenz ist, durch die alle anderen Existenzen bestehen. Der Allerbarmer (t.) ist keine Existenz wie die Geschöpfe Existenzen sind, sondern ist die Quelle aller Existenzen, durch den alles und jeder existiert.

     

     

    3.2 Die Beweise aus den reinen Überlieferungen

     

    Auch in den reinen Überlieferungen finden wir eine große Ansammlung von Aussagen der Ahl al Bayt (a.), welche die Lehre von der Einheit der Existenz beweisen und explizit darauf eingehen. Hierbei überhäufen sich die Aussagen des Fürsten der Gläubigen Ali Ibn Abi Tālib (a.), welcher auf diese höchste Form des Einheitsbekenntnisses aufmerksam macht. Einige dieser Überlieferungen werden im Folgenden aufgeführt werden.

     

    1.Seine (a.) Aussage im Buch „al-Iĥtijāj“ von al-Schaykh al-Ţabarsi

     

    وقال عليه السلام في خطبة أخرى: ومعرفته توحيده، وتوحيده تمييزه من خلقه وحكم التمييز بينونة صفة لا بينونة عزلة

     

    Er (a.) sprach in einer Predigt: „Seine Erkenntnis ist das Einheitsbekenntnis Seiner (Tawĥeed) und das Einheitsbekenntnis Seiner besteht in der Unterscheidung zwischen Ihm und den Geschöpfen und das Urteil des Unterscheidens besteht in der Verschiedenheit im Rang der Existenz (بينونة صفة) und nicht in der isolierungsbasierten Differenz (بينونة عزلة).“[6]

     

    Diese Aussage des Fürsten der Gläubigen (a.) besteht aus mehreren Aussagen, welche allesamt einen großen Einfluss auf die Lehre des Einheitsbekenntnisses ausüben. Aus diesem Grund sei dieser Abschnitt in drei Sätze unterteilt, sodass jeder Absatz zunächst einzeln betrachtet werden kann.

     

    „Seine Erkenntnis ist das Einheitsbekenntnis Seiner (Tawĥeed)“

     

    Die Frage nach der wahrhaftigen Erkenntnis Allahs (t.) beantwortet der reine Imam damit, dass es das Einheitsbekenntnis ist. Damit lässt sich sagen, dass sobald jemand Allah (t.) erkennen möchte, er unweigerlich das Einheitsbekenntnis ablegen und verinnerlichen muss, da sonst die wahrhaftige Erkenntnis nicht eintreffen kann. Aus diesem Grund heißt es auch in der ersten Predigt in Nahdsch-ul-Balagha: „Das Erste der Religion ist Seine (Allahs) Erkenntnis.“[7] Das Ziel eines jeden Menschen muss darin bestehen, dass er Allah (t.) erkennt, denn Allah (t.) sagt im heiligen Qur’ān:

     

    وَمَا خَلَقْتُ الْجِنَّ وَالإِنسَ إِلاَّ لِيَعْبُدُونِ

     

    Und Ich habe die Dschinn und die Menschen nur darum erschaffen, dass sie Mir dienen[8]

     

    Imam al-Sadiq (a.) wurde bezüglich dieses Verses befragt und er sagte, dass das Wort „dienen“ mit „erkennen“ gleichzusetzen ist. Sinngemäß möchte Allah (t.) damit sagen, dass Er die Menschen und die Dschinn nur darum erschaffen hat, auf dass sie Ihn (t.) erkennen. Deshalb sagte der Fürst der Gläubigen, dass das Erste und damit Wichtigste in der Religion die Erkenntnis Allahs (t.) ist. Wie findet diese Erkenntnis statt? Indem der Mensch das wahrhaftige Einheitsbekenntnis erlangt.

     

    „das Einheitsbekenntnis Seiner besteht in der Unterscheidung zwischen Ihm und den Geschöpfen“

     

    Nachdem nun deutlich wurde, dass die Erkenntnis Allahs darin besteht, das Einheitsbekenntnis abzulegen und Ihm (t.) keinen Beigeseller zuzuschreiben, fragen wir den Fürsten der Gläubigen (a.), wie denn das Einheitsbekenntnis auszusehen hat. Hierbei ist die Antwort deutlich: Das Einheitsbekenntnis besteht darin, zwischen Ihm (t.) und den Geschöpfen zu unterscheiden. Das Einheitsbekenntnis bedeutet zu sagen, dass Allah eine Existenz ist und die Geschöpfe sind eine (andere) Existenz. Weder ist Allah Seine Geschöpfe noch sind die Geschöpfe Allah. Damit erfolgt die Widerlegung sämtlicher Sekten, welche an die Verschmelzung oder Manifestation glauben. Die Unterscheidung zwischen Allah und Seinen Geschöpfen ist damit der wesentliche Aspekt des Einheitsbekenntnisses.

     

    „das Urteil des Unterscheidens besteht in der Verschiedenheit im Rang der Existenz (بينونة صفة) und nicht in der isolierungsbasierten Differenz (بينونة عزلة)“

     

    Bis dahin wurde deutlich, dass das Einheitsbekenntnis darin besteht, zwischen Allah und Seinen Geschöpfen zu unterscheiden. Doch es ist berechtigt zu fragen, wie denn die Unterscheidung auszusehen hat? O Fürst der Gläubigen, du sagtest uns, dass das Einheitsbekenntnis darin besteht, dass wir zwischen Allah und den Geschöpfen unterscheiden sollen. Wie hat diese Unterscheidung auszusehen? Erfolgt die Unterscheidung so wie wir beispielsweise zwischen zwei Büchern unterscheiden oder so wie wir zwischen Wasser und seiner Wassertemperatur unterscheiden?

     

    Der Imam antwortet in aller Deutlichkeit, dass die Unterscheidung zwischen Allah und Seinen Geschöpfen in Form der Verschiedenheit im Rang der Existenz zu erfolgen hat und dies ist es, was die Lehre von der Einheit der Existenz versucht zu lehren und diesen Gedanken an den Leser näher zu bringen.

     

    Die Geschöpfe sind eine Existenz und Allah ist eine Existenz. Damit ist die Unterscheidung gewährleistet. Allerdings ist die Existenz Allahs die einzig wahrhaftige und notwendige Existenz, da Er (t.) aus sich für sich besteht, wobei die Geschöpfe allesamt durch Ihn (t.) bestehen, da sie die Unselbstständigkeit, Bedürftigkeit und Schwäche selbst sind. Die Unterscheidung zwischen Allah und den Geschöpfen erfolgt somit in Form der Verschiedenheit im Rang der Existenz. Viele weitere Aussagen des Fürsten (a.) deuten auf diese Wahrheit hin.

     

    2.Seine (a.) Predigt zu Dhi`lib al-Yamani

     

    هو في الأشياء على غير ممازجة، خارج منها على غير مباينة

     

    Der Fürst der Gläubigen (a.) sagte: „Er ist in den Dingen, ohne mit ihnen zu verschmelzen und er ist außerhalb von ihnen, ohne von ihnen getrennt zu sein.“[9]

     

    Dieser Ausspruch bestätigt ebenso die Tatsache, dass Allah (t.) nicht isoliert von Seinen Geschöpfen existiert, jedoch auch nicht mit ihnen verschmolzen ist. Eher ist es so, dass die Geschöpfe durch Allah existieren und Offenbarungen, Erscheinungen[10] und Angelegenheiten Seiner (t.) sind, jedoch keine eigenständigen Existenzen bilden, sondern im Rang der Existenz der einzig wahrhaftigen und notwendigen Existenz untergeordnet sind.

     

    Der Fürst der Gläubigen (a.) macht in vielen weiteren Predigten auf diese Wahrheit aufmerksam. Aus diesem Grund mögen im Folgenden einige Predigten aufgeführt werden, ohne sie jedoch zu kommentieren, da inzwischen eindeutig sein sollte, was die Lehre von der Einheit der Existenz (Waĥdat al-Wujūd) aussagt.

     

    3.Seine (a.) 1. Predigt in Nahdsch-ul-Balagha

     

    Der Fürst der Gläubigen (a.) sagte: „Er ist mit allen Dingen, doch nicht (mit ihnen) verbunden, und Er ist anders als alle Dinge, doch ohne (von ihnen) getrennt zu sein.“[11]

     

    Der Wortlaut dieser Predigt ist der vorausgegangenen Aussage sehr ähnlich und versucht dieselbe Tatsache deutlich zu machen.

     

    4.Seine (a.) 49. Predigt in Nahdsch-ul-Balagha

     

    Der Fürst der Gläubigen (a.) sagte darin: „Seine Erhabenheit entfernt Ihn nicht von irgendeinem Seiner Geschöpfe, noch bringt sie Seine Nähe auf gleiche Ebene mit Ihm.“[12]

     

    5.Seine (a.) 96. Predigt in Nahdsch-ul-Balagha

     

    Der Fürst der Gläubigen (a.) sprach: „Alle Lobpreisung gebührt Allah, Dem Ersten, vor Dem nichts existierte, und Dem Letzten, nach Dem nichts existiert, Der Offenkundige, über Dem sich nichts befindet, und Der Verborgene, ohne Den es nichts gibt.“[13]

     

    6.Seine (a.) 109. Predigt in Nahdsch-ul-Balagha

     

    Der Fürst der Gläubigen (a.) sagte: „Alles ist Ihm gegenüber demütig, und alles besteht durch Ihn. Er ist die Genüge jedes Armen, die Ehre jedes Erniedrigten, die Stärke jedes Schwachen und die Zuflucht eines jeden Bedrückten.“[14]

     

    7.Seine (a.) 152. Predigt in Nahdsch-ul-Balagha

     

    Der Fürst der Gläubigen (a.) sagte: „Aller Preis gehört Allah, Der mit Seinen Geschöpfen auf Seine Existenz und mit Neubildung Seiner Schöpfung auf Seine Ewigkeit hinweist sowie damit, dass Er sie einander ähnlich machte darauf, dass Ihm nichts ähnelt. Die Sinne können Ihn nicht wahrnehmen, und Vorhänge können Ihn nicht verdecken aufgrund der Unterschiede zwischen dem Produzenten und dem Produkt, dem, der Grenzen setzt und dem Begrenzten, dem Herrn und dem Beherrschten.“[15]

     

    8.Seine (a.) 160. Predigt in Nahdsch-ul-Balagha

     

    Der Fürst der Gläubigen (a.) sagte: „Wir erkennen nicht die Größe Deines inneren Wesens, außer dass wir wissen, dass du „der Lebende, der Beständige“ bist, „kein Schlummer erreicht Dich, noch Schlaf.“[16]

     

    Diese Vielzahl an Aussagen und Weisheiten des Fürsten der Einheitsbekennenden und Führer der Rechtschaffenen, Ali Ibn Abi Tālib (a.) machen deutlich, dass die eigentliche und hauptsächliche, sowie notwendige Existenz lediglich Allah (t.) ist, welcher keinen Beigeseller hat. Er (t.) ist die Einheit der (notwendigen) Existenz.

     

    Nicht nur in den Worten der Ahl al Bayt (a.) finden wir die Bestätigung dieser Lehre, sondern auch in verschiedenen Bittgebeten, welche von Allah (t.) selbst offenbart wurden. Dazu gehört das Bittgebet von der „großen Rüstung“[17] (Du`ā Dschawschan al-Kabir), welches dem Gesandten Gottes (s.) durch Jibrā’eel offenbart wurde. Dieses Bittgebet beinhaltet 1000 Namen Allahs, durch die Er (t.) gebeten wird und darunter ist Sein (t.) heiligster Name. Ein Abschnitt enthält 10 Namen, welche gerufen werden und anschließend rezitiert man folgendes:

     

    „Ehre sei Dir, neben dem es keine Gottheit gibt! Du bist Sicherheit und Frieden! Errette uns vor dem Feuer der Hölle!“

     

    Im 37. Abschnitt dieses Bittgebets finden wir ebenso Hinweise und Beweise auf die Lehre von der Einheit der wahrhaftigen Existenz.

     

    „O Du, durch den alles existiert

     

    O Du, durch den alles besteht“

     

    Auch in diesem Bittgebet wird unweigerlich deutlich, dass die Geschöpfe keinerlei eigene Existenz besitzen, sondern durch Allah (t.) existieren und leben.

     

     

    3.3 Schlussfolgerung

     

    Aufgrund der vorangegangenen Beweisführung sollte inzwischen klar sein, dass die Wurzeln der Lehre von der Einheit der Existenz in den reinen Quellen zu finden sind, sei es im heiligen Qur’ān, in den reinen Überlieferungen oder in diversen Bittgebeten.

     

    Kurz gefasst: Die Lehre von der Einheit der Existenz (Waĥdat al-Wujūd) besagt, dass die wahrhaftige und notwendige Existenz (Allah) einer ist, der keinen Beigeseller hat und dass die Geschöpfe allesamt Zeichen und Offenbarungen Seiner (t.) sind, da sie nichts aus sich selbst heraus besitzen und allesamt durch Allah (t.) bestehen. Weder ist Allah (t.) mit den Geschöpfen verschmolzen, noch ist Er (t.) von ihnen isoliert, da die Unterscheidung zwischen Allah (t.) und den Geschöpfen stets gewahrt bleiben muss. Jedoch ist es so, dass die Geschöpfe nicht neben Allah existieren, sondern durch Ihn (t.).

     

     

    [1] Natürlich ist damit keine bildliche Erscheinung Allahs (t.) gemeint, sondern jene Erscheinung, welche der heilige Qur’ān verwendet (siehe Sure 7, Vers 143)

    [2] Besser: Allah ist derjenige, der keinen Beigeseller haben kann

    [3] Der heilige Qur’ān: Sure 2, Vers 255

    [4] Der heilige Qur’ān: Sure 42, Vers 11

    [5] Dieser Aspekt wird in den Worten des Fürsten der Gläubigen (a.) deutlich, worin er sagte: „Er ist außerhalb der Schöpfung, ohne von ihnen getrennt zu sein und er ist in der Schöpfung, ohne mit ihnen verschmolzen zu sein.“

    [6] Al-Schaykh al-Ţabarsi: „al-Iĥtijāj“, S. 299

    [7] Scharif Radhi Muhammad Ibn Hussain: „Nahdsch-ul-Balagha“, (Pfad der Eloquenz), Verlag m-haditec, Band 1, S. 38

    [8] Der heilige Qur’ān: Sure 51, Vers 56

    [9] Al-Schaykh al-Jaleel al-Aqdam al-Muĥadith al-Akbar Abi Ja`far Muĥammad Ibn Ali Ibn al-Ĥussein Ibn Babaway al-Qummi, bekannt als Al-Schaykh al-Sadūq, verst. 381 n.d.H.: „Al-Tawĥeed“, S. 244

    [10] Auch in diesem Fall möge nochmals deutlich betont werden, dass es sich um keine bildliche Erscheinung handelt.

    [11] Scharif Radhi Muhammad Ibn Hussain: „Nahdsch-ul-Balagha“, (Pfad der Eloquenz), Verlag m-haditec, Band 1, S. 39

    [12] Scharif Radhi Muhammad Ibn Hussain: „Nahdsch-ul-Balagha“, (Pfad der Eloquenz), Verlag m-haditec, Band 1, S. 165

    [13] Selbe Quelle, S. 251

    [14] Selbe Quelle, S. 273

    [15] Selbe Quelle, S. 339

    [16] Selbe Quelle, S. 354

    [17] دعاء جوشن الكبير

     

     

    Quelle: http://alhaydari.de/irfan