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    „Wahdat al-Wujud“ (Teil 4): Die Einheit der Existenz ist kein Unglaube

    „Wahdat al-Wujud“ (Teil 4): Die Einheit der Existenz ist kein Unglaube
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    Auch wenn die Lehre von der Einheit der Existenz mit der nötigen Aufmerksamkeit, sowie den nötigen Vorkenntnissen durchaus leicht zu verstehen ist, stößt sie dennoch auf Widerstand und Unverständnis. Hauptursache hiervon ist meist das Befolgen von Behauptungen, ohne diese auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen oder aber ein lückenhaftes Verständnis dieser Lehre. Im Folgenden seien einige dieser Behauptungen aufgezeigt und beantwortet.

     

    1. Die Lehre von der Einheit der Existenz (Waĥdat al-Wujūd) hat ihren Ursprung nicht bei den heiligen Imamen, sondern bei Gelehrten, welche nicht der Rechtsschule der Ahl al Bayt (a.) angehören, wie beispielsweise al-Schaykh Muĥiye Deen Ibn `Arabi.

     

    Antwort: Es wurde anhand der Analyse deutlich, dass die Beweise sowohl aus dem heiligen Qur’ān stammen, als auch aus den Worten der reinen Ahl al Bayt (a.) und diversen Bittgebeten. Der Ursprung liegt damit zweifelsohne in den Worten der Ahl al Bayt (a.). Ja, es mag sein, dass Gelehrte, mögen diese der Rechtsschule der Ahl al Bayt (a.) angehören oder nicht, durch die Beweise selbstständig zu diesen Gedanken gekommen sind, doch dies bedeutet nicht, dass es ihre unbestätigte Theorie ist, welche abzulehnen ist. Der Fürst der Gläubigen (a.) sagte: „Schau was gesagt wurde und nicht wer es sagte.“ Es muss unser Ziel sein, das Gesagte zu analysieren und zu deuten, sowie auf den heiligen Qur’ān und den reinen Überlieferungen auszulegen. Stimmt eine Theorie oder Gedankengang mit den reinen Schriften überein, so wird diese akzeptiert. Steht sie jedoch im Widerspruch dazu, so wird die Theorie abgelehnt und wenn möglich auch widerlegt.

     

    Doch es ist für den Fortschritt einer Rechtsschule hinderlich, dass nur Aussagen herangezogen werden, welche von den eigenen Rechtsgelehrten getroffen wurden. Der Fortschritt einer Rechtsschule kennzeichnet sich dadurch aus, dass sie auch über ihren Horizont hinaus geht und die Aussagen anderer Rechtsschulen überprüfen und analysieren und so die religiöse Anstrengungen und Forschungen am Leben erhalten. Selbst die Kontrahenten der Rechtsschule der Ahl al Bayt (a.) geben offen zu, dass eine Säule der Gelehrten, nämlich Scheikh al-Mufid (r.), kein Buch der Kontrahenten ausgelassen hat, außer dass er dieses ausführlich studiert und entweder widerlegt oder dem zugestimmt hat[1], während sie selber Allah (t.) dafür danken, dass sie kein einziges Buch der Gelehrte der Rechtsschule der Ahl al Bayt (a.) gelesen haben und damit stolz auf ihre Unwissenheit sind. Das ist jedoch nicht die Logik und Vorgehensweise unserer Gelehrten, möge Allah sie allesamt erhalten.

     

    2. Die Lehre von der Einheit der Existenz ist Unglaube, da sie behauptet, dass es nur eine Existenz gibt und damit alles Allah (t.) sei.

     

    Antwort: Solche Behauptungen werden verwendet, wenn es darum geht, große Gelehrte der Rechtsschule der Ahl al Bayt (a.) des Unglaubens zu bezichtigen. Aus der vorangegangenen Analyse kann jeder für sich entscheiden, ob diese Behauptung wahr ist oder nicht. Es wurde erläutert, dass mit dem Wortlaut „Einheit der Existenz“ die notwendige Existenz gemeint ist. Ja, Allah ist eine Existenz, der Baum ist eine Existenz, der Mensch ist eine Existenz, die Wolken sind eine Existenz etc., doch die Frage ist, ob die Existenz der Geschöpfe gleich der Existenz des Schöpfers ist. Es ist eindeutig, dass die Existenz der Geschöpfe sich von der Existenz des Schöpfers unterscheidet, denn die Unterscheidung zwischen Allah und Seinen Geschöpfen muss immer gewahrt bleiben. Existieren die Geschöpfe nun isoliert von Allah oder in Allah? Die Antwortet lautet, dass weder Allah in der Schöpfung ist, noch die Schöpfung in Ihm, sondern die Geschöpfe durch Allah bestehen, nämlich in Form der Verschiedenheit im Rang der Existenz. Damit ist es falsch zu behaupten, dass alle Existenzen Allah sind und diese Ansicht wäre Unglaube. Die Einheit der Existenz lehnt diesen Unglauben strikt ab und widerlegt ihn sogar.

     

    3. Der Begriff „Waĥdat al-Wujūd“ ist in keiner Überlieferung zu lesen und gehört damit zu den Erneuerungen, da alles, was nicht von der Ahl al Bayt (a.) stammt, ungültig ist.

     

    Antwort: Wenn es lediglich um den Wortlaut und die Buchstaben „Waĥdat al-Wujūd“ geht, so ist dies korrekt. Der Begriff wurde in keiner Überlieferung von der reinen Ahl al Bayt (a.) erwähnt. Doch ist die Rechtsschule der Ahl al Bayt (a.) tatsächlich so oberflächlich, dass sie sich lediglich auf Wortlaute beschränkt und nicht auf die äußere Wirkung und den Inhalt eines Wortes eingeht? Wir haben erkannt, dass die Bedeutung, welches hinter diesem Wortlaut steckt, durchaus mit den Worten der Ahl al Bayt (a.) und dem heiligen Qur’ān vereinbar ist. Solange der Inhalt und die Bedeutung mit den heiligen Schriften zu vereinen ist, ist es gleichgültig, welche Bezeichnung diese Lehre erhält, da sie von der Bedeutung her korrekt und bewiesen ist. Würden wir den Islam beispielsweise leugnen, wenn er nicht Islam sondern „Malsi“[2] heißen würde, obwohl die Bedeutung und Inhalte allesamt identisch sind? Dies ist nicht die Verfahrensweise der vernünftigen Menschen und es darf nicht unser Anliegen sein, uns lediglich auf Wortlaute zu konzentrieren und zu beschränken.

     

     

    وَآخِرُ دَعْوَانا أَنِ الْحَمْدُ لِلَّهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ

     

    Der letzte Ruf gebührt dem Dank Allahs, dem Herrn der Welten

     

     

    [1] Siehe dazu das Werk von al-Dhahabi: „Tarikh al-Islam“, Band 9, S. 227

    [2] „Islam“ nur andersherum gelesen

     

     

    Quelle: http://alhaydari.de/irfan