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    Warum Islamische Theologie in Paderborn? Warum nicht!

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    Das Zentrum für Komparative Theologie und Kulturwissenschaften (ZeKK) wurde 2009 als interdisziplinäre Forschungseinrichtung an der Universität Paderborn gegründet.

     

    Das Zentrum steht dafür, unterschiedliche theologische Traditionen miteinander und darüber hinaus auch mit kulturwissenschaftlichen Fachdisziplinen in ein intensives Gespräch zu bringen. So sind neben den Instituten für Katholische und Evangelische Theologie auch Bereiche wie die der Germanistik, Romanistik, Philosophie, Geschichte oder auch die Erziehungswissenschaft in einem fächerübergreifenden Diskurs beteiligt, der sich in interdisziplinären Lehrveranstaltungen niederschlägt.

     

    Ein großer Arbeitsschwerpunkt des ZeKK liegt darin, das wissenschaftlich konstruktive Gespräch zwischen den oben genannten Fächern mit der Islamischen Theologie (personell repräsentiert durch Dr. des. Muna Tatari, Ufuk Topkara, Adris Nassery sowie Hamideh Mohagheghi) und der Islamischen Religionspädagogik (personell repräsentiert durch Dr. des. Tuba Işık) zu initiieren und zu vertiefen. Die Islamische Theologie und Religionspädagogik ist damit in einen wissenschaftstheoretisch breit angelegten Fächerrahmen eingebettet, in dem sie sich profilieren kann.

     

    Es geht darum, den Islam aus hegemonialen und essenzialisierenden Betrachtungsweisen zu befreien und ihm seinen gebührenden Platz mit seiner reichen Tradition einen Ort in der universitären Wissenschaftslandschaft zu geben. Die Universität Paderborn ist damit der einzige Standort in Deutschland, der die Etablierung Islamischer Theologie und Religionspädagogik im Kontext Komparativer Theologie und im engen Gespräch mit benachbarten Theologien und Kulturwissenschaften betreibt.

     

    Komparative Theologie ist eine derzeit nur in einigen Forschungszentren in den USA entwickelte neue Forschungsrichtung, die die Binnenperspektiven verschiedener Theologien vergleichend ins Gespräch bringt, um diese Theologien jeweils weiterzuentwickeln. Es geht ihr also bezogen auf den Islam und das Christentum darum, dass sich christliche Theologinnen und Theologen in islamische Theologie hineindenken und dass umgekehrt muslimische Theologen das christliche Denken nachvollziehen.

     

    Durch den solidarischen und freundschaftlichen Mitvollzug der Denkbewegungen des jeweils Anderen entstehen ganz neue Möglichkeiten des Dialogs und des friedlichen Miteinanders, aber auch neue Entwicklungsmöglichkeiten für die jeweilige konfessionelle Theologie. Die christlichen Theologien eignen sich für diese Zusammenarbeit am besten, da sie in ihrer Geschichte mit vergleichbaren Herausforderungen konfrontiert waren; mit Prof. Dr. Angelika Neuwirth gesprochen, entstammen die christlichen und islamischen theologischen Traditionen derselben formativen Epoche, nämlich der Spätantike.

     

    Die komparativ arbeitenden Theologen am ZeKK haben sich mithin zum Ziel gesetzt, diese einstmalig lebendige Debattenkultur, die ihre Blütezeit in Damaskus, Bagdad und Andalusien hatte, wiederzubeleben, neu zu reflektieren und zu gestalten. In diesem Zusammenhang sind auch bereits erste wissenschaftliche Publikationen in der Reihe Beiträge zur Komparativen Theologie im Schöningh Verlag erschienen.

     

    Konkret ist die theologische Arbeit am Standort Paderborn von der Überzeugung geleitet, dass eine sich zu etablierende Islamische Theologie zunächst ihre eigene Tradition aufarbeiten sollte, um diese dann konstruktiv in den Prozess der Analyse und Beantwortung von philosophischen, sozialen und theologischen Gegenwartsfragen der Gesellschaft, in die sie sich beheimaten will, einzubringen. Sie kann auf diesem Weg die mögliche Synergie mit bereits etablierten Wissenschaften nutzen, in interdisziplinären Gesprächen sowie der theologischen Zusammenarbeit zwischen christlicher und islamischer Theologie und verschiedener Kulturwissenschaften.

     

    Diese Einbettung in einen universitären Diskurszusammenhang, ergänzt durch die Aufnahme von Impulsen aus der muslimischen Community, kann entscheidend zur Konturenbestimmung der methodischen Ansätze und der inhaltlichen Bestimmung der in Deutschland noch jungen Disziplin beitragen, die dann sowohl den fachlichen Anforderungen gerecht werden kann als auch im Dialog mit der Lebenswelt der Menschen steht, für die sie entwickelt wird.

     

    Mit Hilfe des Ansatzes der Komparativen Theologie, die in diesem Zusammenhang eine äußerst hilfreiche und fruchtbare Instanz ist, um erfolgreich die emanzipatorischen und friedensstiftenden Potenziale von Religion in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen und in religionspädagogische Konzepte umzusetzen, befindet sich die Islamische Theologie in Paderborn auf einem guten Weg, eine weitere wichtige Stimme in der Gestaltung Islamischer Theologie in Deutschland zu werden.

     

    Quelle: islamische-zeitung/ Von Tuba Işık und Muna Tatari