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    Was ist die Ehe im Islam in Wirklichkeit?

    • Raida Chbib
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    Was ist die Ehe im Islam in Wirklichkeit?
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    Essay: Gedanken einer muslimischen Frau

     

    Von Raida Chbib,

     

    (iz) Die Ehe, eine ernste Angelegenheit?! Irgendwie schon, denn mit dem Ja-Wort und dem Autogramm auf dem Ehevertrag hat man eine wichtige Entscheidung für das Leben gefällt. Man hat den Wegbegleiter fürs Leben, und damit zugleich die / den engste(n) Vertraute(n) an seiner Seite auserkoren und an sich gebunden. So prickelnd das am Anfang sein kann, so schnell kann die Ernüchterung kommen. Oder? Vielen ist anfangs nicht bewusst, was auf einen zukommt. Viele verkennen die Bedeutung der Ehe, manche vergessen, was das eigentliche Ziel, was der Zweck eines Zusammenlebens durch eine Vermählung ist. Nun, was ist denn die Ehe in Wirklichkeit? Darüber haben sich viele den Kopf zerbrochen. Und jemand hat seine Gedanken – wohl auch seine Erfahrungen (?!) – in einem trefflichen Satz formuliert: „Liebe macht blind! Die Ehe ist der beste Augenarzt“. Das sagt doch mehr als tausend Worte. Etwas konkreter wird Micheline Presle, wenn sie in einem ebenso prägnanten Einzeiler zum Ziel der Ehe meint: „Es ist das Ziel jeder Frau, den Mann zu dem zu machen, was er vor der Hochzeit zu sein behauptet hatte“. Also, liebe Gattinnen: Ran ans Werk. Aber auch der neue Gatte steht zunächst vor einer gigantischen Knacknuss. Denn: „Richtig verheiratet ist erst der Mann, der jedes Wort versteht, das seine Frau nicht gesagt hat“ (Alfred Hitchcock). Fragt sich, wer heutzutage wirklich verheiratet ist…

     

     

    Letztenendes findet man doch die eindringlichsten Worte zur Ehe im Koran. Man fühlt sich beseelt, angesichts der vollendeten und angenehmen Begriffe und Metapher zu Ehe, Liebe und Partnerschaft. Auf ledige Muslime wirken die Verse ermutigend. Aber auch verheirateten Paaren tut es gut, sich die göttlichen Worte zur ehelichen Lebensgemeinschaft zu vergegenwärtigen. In Surat ar-Rum (Nr. 30) Vers 20 finden wir die wohl ausführlichsten Worte: „Und unter Seinen Zeichen ist dass Er Lebensgefährten erschuf aus euch selber, auf dass ihr Ruhe und Frieden an ihrer Seite fändet und Er hat Liebe und Barmherzigkeit zwischen euch gesetzt. Hierhin sind wahrlich Zeichen für jene, die nachdenken.“ Es fällt auf, dass die Erwähnung der Ehepartner im Kontext einer Aufzählung wundersamer Zeichen für die Allmacht und Schöpfungskraft Gottes geschieht.

     

    Dies ist eine sehr hohe Aufwertung der ehelichen Partnerschaft. Und ebenso schön klingt der gerne zitierte, im Alltag leider oft vergessene Halbsatz: „Sie sind euch ein Gewand (Geborgenheit) und ihr seid ihnen ein Gewand“ (Sure 2 Vers 187) Das hört sich doch herrlich-befreiend an. Doch jeder, der verheiratet ist, weiß, dass man diese Verse zwischen Frühstück und Abendbrot schnell vergessen kann – obschon sie den Partnern einen großen Auftrieb zur Bewältigung des gemeinsamen Alltags spenden. Ob man am Anfang der Ehe steht oder schon ein paar Ehejahre auf dem Buckel hat: es lohnt, sich auf den eigentlichen, göttlichen Sinn und auf die Bedeutung der Ehe zu besinnen. Denn Gott fordert im selben Vers zur besinnlichen Betrachtung auf, zum reflektieren in der Routine des Lebens: So entdeckt man für sich mindestens vier Aspekte, die in diesen Versen angelegt sind:

     

    Erstens: Sinn der Partnerschaft besteht im Grunde darin, „Ruhe und Frieden“ miteinander zu finden, die einem zugleich einen wichtigen Halt im Leben geben. Wenn man im kleinen vertrauten Ehekreis beieinander und miteinander Seelenfrieden, Gelassenheit und Zufriedenheit entwickeln kann, dann ist man für alle Lebenslagen gewappnet. Man findet sozusagen eine heimelige Ladestation, wo man seine Batterien aufladen kann. Sofern man sein Zuhause zu einem Hort der Geborgenheit macht und nicht zu einem zermürbenden Streitquartier. Durch gegenseitigen Respekt und gegenseitiger Anteilnahme sowie mit gemeinsamen positiven Aktivitäten, wie der Verrichtung des Gebets oder mit gemeinsamen Freizeitaktivitäten und Gesprächen, lässt sich ein schöner Kontakt aufbauen. Dadurch entsteht eine gute Beziehung, die positive Kräfte freisetzen kann. Vielen muslimischen Familien ginge es wohl besser, wenn die Ehepartner die gottgegebenen Eigenschaften der Ehe, die viele Partner in der ersten Phase des Zusammenseins genießen und dann aber häufig ganz oder teilweise zerstören, aufrechterhalten würden. So hat man am Anfang zumeist eine schöne Zeit, die dann aber durch schlechte Verhaltensweisen zuende gehen kann. Ruhe und Frieden ist wichtig für jeden Menschen. Das gibt die Ehe, nämlich einen Hort für Ruhe und Frieden, sofern man diesen nicht mit den eigenen Händen oder meist mit Worten zerstört!

     

    Zweitens beschreibt der Koran das Verhältnis der Ehepartner zueinander: Die Gleichwertigkeit von Mann und Frau, welche auf ihrem gemeinsamen Ursprung beruht. „dass Er Lebensgefährten erschuf aus euch selber.“ Wie häufig das ignoriert wird, zeigt das verbreitete Phänomen der schlechten Behandlung von Frauen in vielen muslimischen Familien. Es wird verkannt, dass dieser Aspekt die Basis für partnerschaftliches und freundschaftliches Miteinander in einer Ehe bildet und darum auch die Basis für Ruhe und Frieden. Sofern diese Basis ignoriert wird, kann auch kein liebevolles und harmonisches Miteinander entstehen. In Anerkennung des einen Ursprungs ergänzt man sich, man schätzt sich und vor allem – von diesem Ausgangspunkt aus befindet man sich auf gleicher Augenhöhe. In Verkennung dieses göttlichen Hinweises blickt man hingegen auf den jeweils anderen herab oder würdigt ihn gar herab. Und damit zerstört man sich selbst alle Möglichkeiten für eine wahrhaft islamische Ehe.

     

    Drittens: Als Zweck der im Koran angelegten Institution Ehe lässt sich Schutz und Geborgenheit anführen: „Sie sind Euch ein Gewand und ihr seid ihnen ein Gewand“. Man schützt sich gegenseitig, beruhigt sich gegenseitig, behütet einander, macht sich Mut, und hütet die gegenseitigen Geheimnisse und Schwächen. Das vertrauensvollste Verhältnis überhaupt kann gedeihen.

     

    Viertens lassen sich zur Basis einer Ehe folgende Worte des Schöpfers zitieren: „und Er hat Liebe und Barmherzigkeit zwischen euch gesetzt“ – Was ist das wundersame daran? In einer Ehe kommen immer zwei ganz unterschiedliche Menschen unterschiedlichen Geschlechts aus unterschiedlichen Bereichen, Lebenswelten und unterschiedlichen Familien zusammen. Was hält sie zusammen? Was macht aus diesen ein haltbares, stabiles Miteinander? – Liebe und Rahma, d.h. Barmherzigkeit, ein göttliches Attribut. Das wichtigste Bindekitt einer ehelichen Beziehung. Gerade am Anfang der neu eingegangenen Partnerschaft ist es normal, dass man nicht immer auf einer Linie ist und gerade am Anfang, – man muss nichts schön malen – muss man sich zusammenraufen, einander kennenlernen, Kompromisse eingehen und sich gegenseitig akzeptieren lernen. Doch Gott lässt Menschen nicht damit allein: Liebe und Barmherzigkeit hat er ihnen mitgegeben. Die helfen dabei, gemeinsam durch Dick und Dünn zu gehen, in allen Lebenslagen. Doch eine absolute Garantie gibt es wohl auch dafür nicht. Daher muss man diese Liebe und Zuneigung pflegen und hüten, und sie nicht abbauen oder zerstören. Wie?? Das wird jeder für sich selbst wissen.

     

    Es gibt viele Tipps zur guten Ehe und viele Weisheiten über Liebe und Partnerschaft. Und es ist sicherlich nicht falsch, neben der Rezitation von Koranversen, Ratschläge von erfahrenen und vernünftigen Menschen einzuholen. Ein Franzose – jaja die wissens doch – hat etwa einen weisen Spruch zur Liebe formuliert: Liebe ist nicht, sich ständig anzusehen, sondern gemeinsam in dieselbe Richtung zu blicken. (Antoine de St. Exupéry) Das ist gar nicht so unbedeutend. Viele Partnerschaften würden womöglich besser funktionieren, wenn sie sich danach richten würden. Das heißt, anstatt sich gegenseitig auf die Pelle zu rücken, kann man sich nützliche gemeinsame Ziele setzen und gemeinsam daran arbeiten. Das schweißt zusammen. Aber auch andere scheinbar irrelevante Dinge helfen. Eine Portion Gelassenheit, viel Humor und Spaß miteinander können etwa das gemeinsame Leben mächtig erleichtern und verschönern. Doch der wohl beste Rat von Frau zu Mann, bleibt: Das Geheimnis einer glücklichen Ehe liegt in vier Worten: „Du hast recht Liebling!“