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    Was sagt der Qur’an über Muhammad (s)? (I)

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    Was sagt der Qur’an über Muhammad (s)? (I)

     

    Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Der Qur’an spricht ja bekanntlich in erster Linie zum Propheten, so dass viele Aussagen, die seinen Charakter und sein Verhalten kommentieren, indirekt darin enthalten sind. Zunächst soll es nun im Folgenden um direkte Aussagen zu Muhammad (s) als einem Menschen und um seine Aufgabe gehen.

     

    Muhammad ist nicht der Vater eines eurer Männer, sondern Gottes Gesandter und das Siegel der Propheten, und Gott weiß alle Dinge wohl. Ihr, die ihr glaubt, seid Gottes in stetiger Erinnerung eingedenk und verherrlicht Ihn früh und spät. Er ist es, der euch segnet, und Seine Engel beten um Segen für euch, dass Er euch aus den Finsternissen zum Licht führt, und Er ist barmherzig zu den Gläubigen. Ihr Gruß an dem Tag, an dem sie Ihm begegnen werden, ist: „Friede!“, und Er hat ihnen großzügigen Lohn verheißen. Prophet, Wir haben dich als einen Zeugen entsandt und als Verheißungsbringer und als Warner und als Einladenden zu Gott mit Seiner Erlaubnis und als leuchtende Sonne. Verkünde den Gläubigen die Verheißung, dass es für sie große Gnade von Gott geben soll. (Sura 33:40-47)

     

    Zunächst ist es wichtig zu wissen, was der Prophet nicht ist. Er „ist nicht der Vater eines eurer Männer,“ wird hier festgestellt. Wie wir wissen, sind alle seine Söhne in seiner Kindheit gestorben, während die Töchter erwachsen wurden und es bis heute Menschen gibt, die ihre Abstammung über Fatima auf den Propheten zurückführen – eine ungeheure Herausforderung für eine überwiegend patriarchale Gesellschaft.

     

    Einige Kommentatoren verstehen diesen Satz unter anderem als eine Hervorhebung der Wichtigkeit Fatimas. Andere verbinden diese Aussage mit dem auch im Qur’an verankerten Bestreben des Propheten, den verbreiteten Stolz auf die Abstammung und die damit verbundenen Privilegien abzuschaffen: jeder ist für sein eigenes Verhalten verantwortlich, und allein Aufrichtigkeit und Achtsamkeit zählen vor Gott. Das Wort „Vater“ kann man auch im übertragenen Sinne verstehen: der Prophet ist keine „Vaterfigur“, kein übermenschliches Ideal jenseits der Probleme dieser Welt, und die Angehörigen seiner Gemeinschaft sollen als erwachsene, reife Menschen ihre Aufgabe in der Welt erfüllen. Aus diesem Grunde ist es dem Qur’an immer wieder ein Anliegen, den schmalen Pfad zwischen übertriebener Verehrung und gleichgültiger Missachtung aufzuzeigen.

     

    Muhammad ist Gottes Gesandter. Vierzig Jahre lang wurde er auf seine Aufgabe vorbereitet: als elternloses Kind bei seinem Großvater, der ihm erste Einblicke in die Gesellschaft von Mekka ermöglichte, und bei seinem Onkel, der ihn zum Kaufmann ausbildete und auf Reisen mitnahm, als sozial engagierter junger Mann, als Angestellter bei einer Frau, die allen zeitgenössischen Hindernissen zum Trotz ihre eigene Firma weiterführte, wo er sich mit seiner Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit einen Namen machte, als erfolgreicher Kaufmann, Ehemann und Familienvater, dessen Wort in der ganzen Stadt geachtet war, als Suchender, der sich Gedanken über die gesellschaftlichen und religiösen Probleme seiner Zeit machte. Nach allen diesen Prüfungen erfolgte seine Berufung. In einer dunklen Stunde seines Lebens tröstet Gott ihn mit einer Erinnerung an diese Erfahrungen:

     

    Beim strahlenden Vormittag und bei der Nacht, wenn sie am tiefsten ist: dein Herr hat dich nicht verlassen und zürnt nicht, und das Zukünftige ist besser für dich als das Frühere, und dein Herr wird dir geben, und du wirst zufrieden sein. Fand Er dich nicht als Waise und gab dir Obdach, fand dich herumirrend und leitete dich recht, fand dich arm und machte dich reich? Was also die Waise angeht, so bedrücke sie nicht, und den Bittenden, so beschimpfe ihn nicht. Und was die Gnade deines Herrn angeht, so erzähle davon. (Sura 93:1-11)

     

    Der Kern der Botschaft ist derselbe wie der aller früheren Gesandten: Gottes Einheit und die Verantwortung des Menschen vor Ihm.

    Sprich: Ihr Menschen, ich bin für euch ein Gesandter Gottes, dem das Reich der Himmel und der Erde gehört. Es gibt keinen Gott außer Ihm. Er belebt und Er lässt sterben. Glaubt also an Gott und an Seinen Gesandten, den unverbildeten Propheten, der an Gott und Seine Worte glaubt, und folgt ihm, damit ihr rechtgeleitet seid. (Sura 7:158)

     

    Muhammad (s) hat sich sicherlich nicht als „Religionsstifter“ gesehen, wie es heute verstanden wird, sondern jemand, der den Glauben an den Einen Gott und das Bewusstsein ethischer Werte in einer Umgebung wiederbelebt, wo vieles davon in Vergessenheit geraten war, aufgrund materialistischer Bestrebungen missachtet wurde und von heidnischen Kulten überlagert worden war.

     

    Gott hat den Gläubigen Güte erwiesen, als Er unter ihnen einen Gesandten von ihnen selbst erweckte, der ihnen Seine Zeichen darlegt und sie läutert und sie die Schrift und die Weisheit lehrt, wo sie doch zuvor in offenkundigem Irrtum waren. (Sura 3:163)

     

    Der Prophet war ein Mann seines Volkes, ein Bürger seiner Stadt, einer „von ihnen selbst“, den sie kannten und respektierten. Das ist auch ein Aspekt des Wortes „ummi“ (vgl. oben in Sura 7:158, wo es mit „unverbildet“ übersetzt wurde), das mehrdeutig ist. Oft wird es mit „ungelehrt“ übersetzt und als Hinweis darauf verstanden, dass der Prophet keine formale Schulbildung hatte. Da er eine abgeschlossene Berufsausbildung hatte, kann man allerdings nicht davon ausgehen, dass er „ungebildet“ war, nur verstellten ihm keine intellektuellen Haarspaltereien den Weg zur Erkenntnis.

     

    Insofern weist der Qur’an auch wiederholt den Vorwurf seiner Gegner zurück, er sei ein „Dichter“, der aufgrund eigener Phantasie oder unter dem Einfluss einer subjektiven Begeisterung („Jinn“, wie man sich damals vorstellte), eindrucksvolle Werke verfasste. Von „Umm“ (Mutter) hergeleitet heißt es auch „mütterlich“ und kann somit als Hinweis darauf verstanden werden, dass die Sendung des Propheten ein Ausdruck der göttlichen Barmherzigkeit und Güte ist. Einige Kommentatoren bringen das Wort auch mit dem Wort „Umma“ in Verbindung und verstehen es als „zur Umma gehörig“, nämlich über Mekka und Medina hinaus zur Gemeinschaft derer, die dem Einen Gott dienen. Auf sie ist sein Auftrag gerichtet: Gottes Zeichen darzulegen, sowohl in der Verkündung der Botschaft als auch in der Erläuterung der Zeichen Gottes in der Natur, der Geschichte und im menschlichen Inneren, sie zu läutern, d.h. Charakterbildung und gesunde zwischenmenschliche Beziehungen zu bewirken, und sie die Schrift und die Weisheit zu lehren – sowohl im Wort als auch im Handeln.

     

    Die Bezeichnung „Gesandter“ beschreibt seinen Auftrag, der von Gott kommt, und dieser Aspekt steht in den theologischen Überlegungen meist im Mittelpunkt, da es in der Diskussion oft darum geht, ob und wie Gott Menschen auswählt und als Verkünder und Lehrer zu ihren Mitmenschen sendet bzw. ob Muhammad (s) ein solcher Gesandter ist. Der Qur’an sagt aber auch etwas zu seiner Seite der Angelegenheit:

    Ein Gesandter ist doch zu euch gekommen von euch selber. Schwer würde es auf ihm lasten, wenn ihr in Unheil geraten würdet. Euer Wohl liegt ihm am Herzen; zu den Gläubigen ist er gütig, barmherzig. (Sura 9:128)

     

    Die Motivation des Propheten ist offensichtlich eine große Liebe zu seinen Mitmenschen. Tatsächlich verfolgen wir diese Regung von seinem Engagement in Hilf al-Fudûl, einer Organisation, die sich für die Rechte der Armen und Unterprivilegierten einsetzte, in seiner Jugendzeit, über seine Großzügigkeit den Armen gegenüber in seiner Zeit als erfolgreicher Kaufmann, bis hin zu der Sorge um das Wohl der Menschen, die ihn bei seinen einsamen Meditationen in der Höhle beschäftigte und schließlich veranlasste, den schwierigen Auftrag anzunehmen. Später hören wir von seiner Enttäuschung, als seine eigenen Verwandten sich zu ihrem eigenen Schaden gegen ihn wenden, und seine Sorge um die Wehr- und Schutzlosen unter den Muslimen während der Verfolgungszeit – eine Anzahl von Qur’antexten nehmen darauf Bezug, indem sie ihn trösten und stärken und der jungen Gemeinschaft in dieser schwierigen Zeit Mut zusprechen und Gottes Beistand verheißen.

     

    Muhammad ist nur ein Gesandter. Vor Ihm sind Gesandte dahingegangen. Wenn er also stirbt oder getötet wird, kehrt ihr dann auf euren Fersen um? Wer aber auf seinen Fersen umkehrt, der fügt Gott keinerlei Schaden zu, und Gott belohnt die Dankbaren. (Sura 3:144)

     

    Wiederum werden wir auf die Menschlichkeit des Gesandten Gottes hingewiesen: wie andere Propheten und Gesandte wird auch er nicht ewig auf der Erde leben. Wie jeder andere Mensch wird er eines Tage sterben, wenn er nicht von seinen Feinden getötet wird. Er hat eine wichtige Rolle als Lehrer, Vorbild und spiritueller Wegweiser. Ebenso wichtig ist es aber, dass wir selbst die Initiative ergreifen und unsere eigene Aufgabe in dieser Welt in Angriff nehmen. Darin erweist sich unsere Dankbarkeit dafür, dass Gott uns durch Seine Gesandten unseren Weg gezeigt hat.

     

    Dass Gesandte Gottes Menschen waren, wurde von Zeitgenossen, die sowohl den Glauben an Gott als auch die Vorstellung einer persönlichen ethischen Verantwortung ablehnten, oft spöttisch kritisiert: sie verlangten etwas Sensationelles und Spektakuläres, jemanden, der übermenschliche Kräfte oder unvorstellbaren Reichtum hatte oder nicht von dieser Welt war. Allerdings ist eben gerade die Menschlichkeit eine notwendige Voraussetzung dafür, dass der Gesandte seine Gemeinschaft mit all ihren Schwächen, Sorgen und Problemen versteht, und dass die Menschen seine Lehre begreifen und seinem Leitbild folgen können. Der Qur’an kommentiert dies mit den Worten:

     

    Und nichts hat die Menschen daran gehindert zu glauben, als die Rechtleitung zu ihnen kam, als dass sie sagten: „Hat Gott etwa einen Menschen als Gesandten geschickt?“ Sprich: „Wenn auf Erden Engel wären, die zufrieden herumgehen, dann hätte Gott sicherlich vom Himmel einen Engel als Gesandten geschickt.“

     

    In Sura 33:40 wird Muhammad (s) als „Siegel der Propheten“ bezeichnet. Dies wird grundsätzlich so verstanden, dass er das Prophetentum, wie wir es aus den biblischen Schriften kennen, abschließt. Religionsgeschichtlich kann man von Naturreligion sprechen Tradition weitervermittelt wurde, von philosophischer Religion wie etwa im alten Griechenland, wo menschliche Vernunft nach Erkenntnis strebte und die Tradition hinterfragte, und von prophetischer Religion, bei der Menschen im vollen Bewusstsein, dass Gott sie angesprochen hatte, andere lehrten, die keine solche Erfahrung gemacht hatten. Diese drei Phasen waren für die Entwicklung der menschlichen Zivilisation unerlässlich. Im 7. nachchristlichen Jahrhundert gab es eine Reihe von heiligen Schriften, die Werte und Weisheit zugänglich machten, und einen Schatz von Erfahrungen, sowohl negative im Sinne von Verfehlungen und Umkehr von Einzelnen und Gruppen als auch positive religiöse Erfahrungen und eine Tradition des Wissens sowie zunehmend Möglichkeiten, sich darüber auszutauschen. Bedeutet das nun, dass wir mit den vorhandenen schriftlich niedergelegten oder überlieferten Erkenntnissen uns selbst überlassen sind?
    Abgesehen von intuitiver Einsicht und Vernunfterkenntnis sowie den Möglichkeiten zum Austausch und gemeinsamen Forschen spricht der Prophet von einem prophetischen Potential in jedem Menschen, der Fähigkeit zu wahren Träumen und Visionen. Außerdem bezeichnete er die Wissenden als „Erben der Propheten“ und wies darauf hin, dass die Wissenden seiner Gemeinschaft dieselbe Funktion haben wie die Propheten der Kinder Israel, darunter die Aufgabe, immer wieder an Gottes Einheit und die Gerechtigkeit unter den Menschen zu erinnern.

     

    Ihr habt doch in Gottes Gesandtem ein gutes Vorbild für jeden, der auf Gott und den Jüngsten Tag hofft und Gottes oft eingedenk ist. (Sura 33:21)
    Halima Krausen

     

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    Quelle: http://www.huda.de/zeitschrift/aktuelleausgaben/500645940e0dcc31e.html