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    Wege zur Gerechtigkeit in der Islamischen Wirtschaftsordnung Teil 1

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    17 Mai 2011

     

    Das vierte Lebensjahrzehnt der Islamischen Revolution Irans wurde von Ajatollah Khamenei, dem Revolutionsoberhaupt zum Jahrzehnt des Fortschritts und der Gerechtigkeit ernannt.  In den Augen Ajatollah Khameneis gehören Fortschritt und Gerechtigkeit zusammen. Die üblichen Auffassungen vom Fortschritt, die der Westen anführt,  schließen den wichtigen Faktor der Gerechtigkeit kaum oder gar nicht mit ein. Einige Wirtschaftsexperten im Kapitalismus sind sogar der Überzeugung, dass Wirtschaftswachstum und Gerechtigkeit nicht gleichzeitig erreicht werden können und eine größere Ungleichheit die erste Voraussetzung für  optimales Wirtschaftswachstum  und  Fortschritt darstellt.  Deshalb raten sie  vor Erreichung eines hohen Wachstums von Strategien zur gerechten Vermögensverteilung ab.

     

    Aber in der Wirtschaftsordnung des Islams wird auf einen Fortschritt, der nicht mit Gerechtigkeit einhergeht, kein großer Wert gelegt. Wenn Ajatollah Khamenei  die Vereinigung von Fortschritt und Gerechtigkeit betont, legt er ein Modell vor, welches auf dem Islamischen Denken beruht und in dem Fortschritt aufgrund von Gerechtigkeit verwirklicht wird. Gerechtigkeit ist außerdem nur dann praktizierbar, wenn alle Mitglieder der Gesellschaft auf einer gewünschten Ebene einen Arbeitsplatz finden, sicher investieren können und wünschenswerte Möglichkeiten in Bezug auf Bildung, Gesundheitswesen und Wohlstand genießen. In der Wirtschaftsordnung des Islams gibt es Mechanismen,  welche die Voraussetzung für wirtschaftliche Gerechtigkeit zusammen mit Entwicklung schaffen.

     

    Das Gefühl, dass Gerechtigkeit gut ist, wurde dem Mensch bei seiner Erschaffung mitgegeben und deshalb ist es einer seiner größten Wünsche, dass Gerechtigkeit in der Gesellschaft herrscht. Alle Denker und Religionen haben nachdrücklich diese Forderung für alle Lebensbereiche  gestellt. Plato und Aristoteles waren die ersten Denker, die über die Gerechtigkeit und die Wege zu ihrer Erreichung Schriften hinterließen.  In den göttlichen Lehren ist die Gerechtigkeit eines der Ziele, von dem man sich nie abwenden  und welches in keinem Bereich übersehen werden kann.  Der Begriff der Gerechtigkeit steht eng in Verbindung mit den Rechten der Menschen und der anderen Daseinswesen.  Die Gerechtigkeit wurde dahingehend gedeutet, dass jede Sache an das Recht, dass  ihr zusteht, gelangt. Imam Ali sagt über die Gerechtigkeit:  „Gerechtigkeit besteht darin, dass jede Sache an ihren Platz gelangt.“ (Nahdschul Balagheh Weisheit 437).  Von diesem Wort lässt sich ableiten, dass Gerechtigkeit dann entsteht,  wenn jedes Recht  in jeder Beziehung seinem  Inhaber zuteil wird.

     

    Prinzipiell baut die Daseinsordnung auf  der eben definierten Gerechtigkeit auf und ihr Bestand und ihre Festigkeit hängen von diesem wichtigen Prinzip ab. Auf dieser Grundlage bedeutet jede Störung der Gerechtigkeit eine Störung der Daseinsordnung und hat schädliche Folgen. Da aber der Mensch Wille und Entscheidungsrecht besitzt, ist er auch dazu befähigt, die Gerechtigkeit und Ausgewogenheit beiseite zulassen und den Weg der Über- und Untertreibung zu gehen. Dies manifestiert sich dann in Form des Unrechtes und des Übergriffes auf Rechte anderer.

     

    In den göttlichen Lehren wird  der Menschheit mitgeteilt, wie sie auf der Bahn der Gerechtigkeit bleiben und sich vor dem Unrecht hüten kann. Schon  die Vernunft des Menschen akzeptiert keine Ungerechtigkeit. Doch trotz Mahnung der Vernunft und des Geistes lässt sich der Mensch unter dem Einfluss egoistischer Vorlieben zum Unrecht verleiten und verlässt den Weg der Gerechtigkeit.

     

    Deshalb ist der Mensch auf Empfehlungen,  Konzepte und Strategien angewiesen, um in allen Bereichen nach der Gerechtigkeit zu streben und eventuelle Abweichungen von diesem rechtschaffenen Weg Gottes zu korrigieren.   Daher hat Gott die Menschen nicht mit ihren Angelegenheiten alleine gelassen und durch Aussendung von Propheten und Herabschicken des Religionsgesetzes Strategien zur Verwirklichung der Gerechtigkeit unter Wahrung der menschlichen Würde und seines Weges zur Vollkommenheit vorgelegt. Der große iranische Philosoph Abu Ali Sina (Avicena) sagt über das Bedürfnis der Menschheit hinsichtlich des Prophetentums:

     

    „Der Mensch hat ein Gesellschaftsleben, ist aber  nicht  fähig, Gesetze aufzustellen, durch die er  aufgrund der Gerechtigkeit  sein Gesellschaftsleben oder auch nur  sein privates Leben zu regeln vermag,  und die ihn seinem gebührenden Wohl zuführen. Daher hat Gott aufgrund Seiner Weisheit den Menschen in dieser Beziehung Wegweisung gegeben.“ (Aus Al Schifa Seite 557)

     

    Die Gerechtigkeit und deren Verteidigung ist also  ein wichtiges Prinzip und Ziel der Gottgesandten und Himmelsschriften gewesen. Für den Islam ist die Gerechtigkeit ein wichtiger Grundsatz. Dies ist dem Koran zu entnehmen.  In der Sure 57 heißt es im Vers 25: Wir haben doch unsere Gesandten mit den klaren Beweisen geschickt und die Schrift und die Waage mit ihnen herabkommen lassen, damit die Menschen für Gerechtigkeit sorgen.

     

    Gemäß dieser Koranstelle gehört es zu den Zielen des Prophetentums  und der Himmelsbücher, dass  die Menschen zur Gerechtigkeit aufgerufen werden. Gott benutzt den Begriff „Waage“ in diesem Koranvers. Eine gerechte Bewegung braucht nämlich einen Maßstab, an dem sich alles abwägen lässt.  Ein wichtiger Punkt in diesem Vers ist darüber hinaus, dass es heißt: die Menschen sollen selber für  Gerechtigkeit sorgen.  Um das zu können, müssen sie aufgrund der Lehren der Propheten so herangebildet werden, dass sie die Gerechtigkeit praktizieren.

     

    Die Gerechtigkeit ist also als ein Grundpfeiler und ein hohes Ziel im Koran – ein Prinzip, demgegenüber kein Muslim gleichgültig bleiben kann.  Einer der Bereiche, in dem die Gerechtigkeit zum Zuge kommen muss, ist die Wirtschaft und sind die wirtschaftlichen Beziehungen.  Muslimische Denker haben die Gerechtigkeit in der Wirtschaft aus der Sicht des Islams unterschiedlich definiert, doch ihre Definitionen weisen große Ähnlichkeit auf.  Zusammengefasst lässt sich daher sagen, dass die wirtschaftliche Gerechtigkeit aus der Sicht des Islams folgendes mit einschließt:  Herstellung des Allgemeinwohls, gleiche Chancen sowie Ausgleich in Bezug auf  Vermögen und Einkommen.

     

    In diesem Zusammenhang ist die Bekämpfung von Vermögensanhäufung auf der einen  und die Beseitigung von  Armut auf der anderen Seite , die gerechte Vermögensverteilung unter dem Volke und ebenso  die Verhütung von Inflation, Hamstern und ungleichen wirtschaftlichen Vorteilen eine religionsrechtliche Pflicht für die Muslime, die der Herstellung von Gerechtigkeit dient. Selbstverständlich verhilft  die Bekämpfung von Raffgier  und Armut  zur Regelung der Gesellschaft und zum Erhalt der Religion.

     

    Die jetzige Lage in einigen Gesellschaften zeigt, dass zwar in gewissem Sinne wirtschaftliches Wachstum erzielt wurde, jedoch die Gerechtigkeit zu kurz kam. Einige Entwicklungstheoretiker führen die Kluft zwischen den Bevölkerungsschichten, Armut und Ungerechtigkeit darauf zurück, dass die Beziehungen zwischen den Wirtschaftsgrößen insbesondere zwischen Arbeit und Kapital ungerecht sind. Zum Beispiel ist ein Wirtschaftsexperte wie Trudeau  der Ansicht, dass die ungerechte Verteilung von Vermögensbeständen wie Boden, Kapital, Produktionsmittel sowie die Existenz von ungleichen Wirtschaftsfreiheiten zu den  wichtigsten Faktoren für Ungerechtigkeit im Einkommensbereich werden.

     

    Aber die Islamische Wirtschaftsordnung  beseitigt, während sie alle vorhandenen Potentiale der Menschen und der Natur für das Wachstum der materiellen Dinge einsetzt, durch die Institutionalisierung  des göttlichen Glaubens und der menschlichen Werte und durch  Anwendung von besonderen Methoden und Wirtschaftsgesetzen die Faktoren für eine Kluft zwischen den Gesellschaftsschichten und für  Ausnutzung des Menschen und verbessert den allgemeinen Lebensstandard.

     

    Die islamische Wirtschaftsordnung verfolgt die Verwirklichung der Gerechtigkeit  im Bereich der Wirtschaft auf zwei Wegen. Sie gibt einmal allen Mitgliedern der Gesellschaft das Recht auf ein menschenwürdiges Leben und strebt zum anderen durch  Gebote und Methoden einen Ausgleich bei Vermögen und Einkommen an.

     

    Im zweiten Teil dieses Beitrages wollen wir über die Wege des Islams zur Herstellung von wirtschaftlicher Gerechtigkeit sprechen.

     

    Quelle: http://german.irib.ir/radioislam/beitr%C3%A4ge/beitr%C3%A4ge/item/246320-wege-zur-gerechtigkeit-in-der-islamischen-wirtschaftsordnung-teil-1