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    Wie ging der Prophet mit Konflikten um?

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    Wie ging der Prophet mit Konflikten um?
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    (1) persönliche Schwierigkeiten

     

    Als der Prophet die erste Offenbarung erhalten hatte, war er so erschüttert, dass er fürchtete, seinen Verstand zu verlieren. In dieser Situation musste er unbedingt jemanden um Rat fragen. Wen wählte er aus? Er ging nicht zu seinem Freund Abu Bakr oder einem gebildeten Weisen seiner Heimatstadt, er lief schnurstracks nach Hause zu seiner Frau, die ihren zitternden Mann mit einem Mantel bedeckte. In der Situation, in dem es für Muhammad (s.a.s) um alles ging, war seine Frau diejenige, die er um Rat fragte.

    Auch in späteren Zeiten hat er in schwierigen politischen Situationen Rat bei seinen Frauen gesucht.

     

     

    (2) Umgang mit Gerüchten

     

    Eine bekannte Begebenheit im Leben des Propheten war der sog. Lügenskandal (Hadith Al-Ifk) um Aischa. Wie bekannt war die 15-jährige versehentlich in der Wüste zurückgeblieben und wurde von einem Nachzügler ins Lager zurückgebracht. Bei den in der Folgezeit entstandenen Gerüchten stand der Prophet trotz seiner Ratlosigkeit auf der Seite seiner Familie und verteidigte die Betroffenen (Aischa/Safwan) auch öffentlich, da keine Beweise vorlagen. Auch machte er Aischa keine Vorwürfe.

     

     

    (3) Eheliche Konflikte/ Eifersucht

     

    Rückzug

     

    Nach der Schlacht von Chaibar stiegen mit zunehmendem Wohlstand auch die Forderungen der Frauen an den Propheten. Zu selben Zeit herrschte unter ihnen erhebliche Eifersucht auf Maria, die der Prophet oft besuchte. In dieser Situation zog sich der Prophet von allen seinen Frauen zurück und schuf so einen Abstand von diesem Konfliktfeld. Er kündigte Umfang und Dauer der Konsequenz an und ließ seine Frauen nicht im Unklaren. Nachdem der angekündigte Monat verstrichen war, versöhnte er sich mit ihnen und stellte sie nach einer Offenbarung zu diesem Anlass vor die Entscheidung, sich von ihm zu trennen und reichlich versorgen zu lassen oder als seine Frauen ins Paradies zu gelangen.

     

    Vermeidung von Bloßstellung

     

    Eines Tages bereitete Hafsa Essen aus Fleisch und Brot in einem großen Behälter aus Ton vor. Der Prophet (s) freute sich und lud seine Gefährten zum Essen ein. Aischa (r) wurde neidisch auf Hafsa und trat mit ihrem Fuß gegen den Behälter. Er zerbrach und das Essen fiel heraus. Der Prophet (s) kniete nieder, sammelte das Essen in den Behälter und sagte: „Eure Mutter wurde neidisch.“ Er ging dann zu Aischa (r) und sagte zu ihr: „Aischa, du hast Hafsas Behälter zerschlagen. Bring ihr einen Neuen. Daraufhin sagte sie: „Bitte für mich um Vergebung, Gesandter Allahs.“

     

     

    Beratung/Schlichtung durch einen (gemeinsam geeinigten) Dritten

     

    Einmal hatte der Prophet (s.a.s.) eine Auseinandersetzung mit Aischa (r). Er fragte sie: „Wer soll zwischen uns richten? Abu U’beidah Ibn Al-Dscharrah?“ Sie antwortete: „Nein, Abu U’beidah ist ein gutherziger Mann.“ Er fragte weiter: „Abu Bakr Assiddiq?“ Sie war mit diesem Vorschlag einverstanden. Der Prophet holte Abu Bakr und sagte zu Aischa (r): „Sprich.“ Sie sagte: „Erzähl du aber nur die Wahrheit.“ Abu Bakr wurde wütend und sagte zu ihr: „Tochter von Umm Rumman! Sagt er denn etwas außer der Wahrheit?“ und wollte sie schlagen. Aischa (r) aber versteckte sich hinter dem Propheten (s). Der Prophet rückte vor Abu Bakr und sagte zu ihm: „O Abu Bakr, deswegen haben wir dich nicht geholt.“ Abu Bakr ging fort. Der Prophet (s.a.s.) sagte zu Aischa (r): „Hast du gesehen, wie ich euch auseinander gehalten habe?“ Daraufhin lachte Aischa (r). Abu Bakr hörte ihr Lachen und kehrte zurück. Er sagte: „Lasst mich an eurem Frieden teilnehmen, wie ich an eurem Krieg teilgenommen habe.“

     

    Verzicht auf eigene Wünsche (Marafir)

     

    (1) Aischa (r) sagte zu Safia (r): „Siehst du den Propheten (s.a.s.), wie er immer zu Zainab geht, er mag es, bei ihr Honig zu essen, denn Zainab hat immer süßen Honig bei sich.“ Sie wollten erreichen, dass der Prophet Zainab nicht mehr so häufig besuchte. So sagte Aischa (r) zu Hafsa (r): „Wenn der Prophet (s) zu dir kommt, sag ihm, dass du den Geruch von Marafir riechst(1). Und wenn er dir sagt, dass er kein Marafir gegessen hat, dann sag ihm, dass er Honig gegessen hat, den eine Biene aus einem Garten geholt hat, wo Marafir wächst. Und wenn er zu mir kommt, dann sage ich ihm das Gleiche.“Als der Prophet (s) dann zu Hafsa (r) ging, dann sagte sie zu ihm: „Ich rieche bei dir Marafir.“ Er sagte: „Ich habe kein Marafir gegessen.“ Dann sagte sie: „Dann kann es sein, dass du Honig gegessen hast, den eine Biene aus einem Garten geholt hat, wo Marafir wächst.“. Dann ist der Prophet (s) zu Aischa (r) gegangen, die dasselbe wie Hafsa sagte. Darauf hat der Prophet (s) gelächelt und verstanden, was die beiden damit gemeint hatten. Er sagte: „Gut, ich werde keinen Honig mehr bei Zainab essen.“

     

    (2) Als der Prophet (s.a.s.) Maria, die in der Oberstadt von Madina lebte bei einem Besuch in den Räumen von Zainab, die abwesend war, empfing und diese daraufhin dem Propheten Vorwürfe machte, versprach er ihr, keinen Kontakt mehr zu Maria zu haben. Erst als die Verse von Sura at-Tahrim herab gesandt wurden, löste sich der Prophet von diesem sich selbst auferlegten Verbot.

     

    An diesen Beispielen sehen wir, dass der Prophet neben seinen öffentlichen Aufgaben auch mit ganz konkreten Alltagsproblemen konfrontiert war. Sein Umgang damit und seine Konfliktlösungen sind immer noch zeitgemäß und bieten uns auch heute noch wichtige Hilfestellungen zur Lösung unserer Probleme. Auch wir als Therapeuten konnten dabei wertvolle Hinweise und Ideen für unsere Arbeit gewinnen und haben festgestellt, dass auch die moderne Familien- und Paartherapie vom Beispiel unseres Propheten eine Menge lernen kann.

     

     

    Möge Allah (t) uns verzeihen, falls uns Fehler unterlaufen sind.

     

    Fußnoten:

    (1) Marafir ist eine spezielle Pflanze, die zwar gut schmeckt, aber einen stechenden Geruch hat