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    Wie sollen wir anderen Ansporn geben?

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    Einige sind aus Achtlosigkeit, Stolz, Eifersucht oder ähnlichen Gründen niemals bereit, andere für etwas zu loben oder zu einer Sache Ansporn zu geben. Andere sind so aufgewachsen oder haben sich dahingehend selbst so erzogen, dass es ihnen ganz leicht fällt und sogar Freude bereitet, positiv über andere zu sprechen und ihre guten Seiten hervorzuheben. Der Mensch hat ein natürliches Bedürfnis, angespornt zu werden. Ansporn und Anerkennung trägt erheblich zum Fortschritt eines Menschen bei. Ansporn motiviert und gibt Hoffnung. Allerdings sind dabei einige Dinge zu beachten, da sich ansonsten nicht das gewünschte Ergebnis einstellt.

     

    Imam Ali aleihe salam hat über die Bedingungen für Lob und Ansporn zu Malik Aschtar, einem seiner treuen Anhänger gesagt:„Du darfst niemals den guten und den schlechten Menschen auf die gleiche Art behandeln, denn dies führt dazu, dass die Guten ihr Interesse an guten Taten verlieren und dass die Schlechten zu schlechten Taten angeregt werden.“

    Jemand, der gelobt und angespornt wird, empfindet Zufriedenheit und gewinnt Selbstvertrauen. Er wird zu größerem Eifer sowie dazu angeregt, auch Probleme anzugehen, die schwieriger sind. Aber jemand, der Undank oder sogar Tadel erfährt, wird enttäuscht und desinteressiert. Er fühlt sich herabgesetzt und kann seine Fähigkeiten nicht optimal nutzen.

     

    Auch wirkt es sich günstig auf andere aus, wenn ihnen gegenüber ein rechtschaffener und verdienstvoller Mensch gelobt wird, denn dadurch werden sie motiviert, sich selber auch lobenswerte Eigenschaften zuzulegen.

    Wenn jemand für eine gute Tat gelobt werden soll, sind einige Punkte zu beachten, damit sich das Lob positiv auswirkt. Ohne deren Beachtung kann das Resultat gleich null sein oder sogar negativ ausfallen:

    Erstens muss jeder mit etwas angespornt werden, das für ihn einen Wert darstellt. Will man jemandem zum Beispiel durch ein Geschenk Anerkennung zeigen, so muss es für den Betreffenden geeignet sein und ihm in der Tat Auftrieb geben.

     

    Zweitens muss der Ansporn über das, was der berechtigte Anspruch oder Lohn des Betreffenden ist, hinausgehen. Denn anderenfalls wird derjenige, der eigentlich gelobt und angespornt werden soll, nicht das Gefühl haben, man wolle ihm Antrieb geben.

    Drittens soll die Handlung oder Eigenschaft, für die man Anerkennung zukommen lassen will, nicht verschwommen sein, sondern man sollte sie klar umschreiben können. Der Lobempfänger sollte wissen, warum und für was im Anerkennung erwiesen wird.

     

    Viertens sollte das Lob adäquat sein, d.h. im angemessenen Verhältnis zu dem Gegenstand des Lobes stehen. Ein Lob darf also nicht übertrieben sein, noch darf es zu schwach ausfallen. Dann erst erfüllt es seine Funktion. Imam Ali a.s. sagt:

    „Ein Lob, das über die Rechtfertigung und Angemessenheit hinausgeht, ist als Schmeichelei zu betrachten und das Lob eines Rechtschaffenen, welches unter dem berechtigten Maß liegt, zeugt für Unfähigkeit oder Neid (auf der Seite des Lobenden).“

     

    Hinter einem übertriebenen Lob steckt entweder Unkenntnis über den Wert einer Angelegenheit oder die hässliche Absicht, sich einzuschmeicheln. Und wenn jemand eine gute Handlung nicht richtig zu würdigen weiß, kann es sein, dass er neidisch ist und nur ungern den anderen lobt. Deshalb fällt sein Lob spürbar mager aus.

    Lob und Ansporn sind ein wertvolles pädagogisches Mittel.

     

    Zwei wichtige Wirkungen der Anwendung dieses Mittels sind:

     

    Erste Wirkung:

     

    Derjenige, der Lob erfährt oder als Anerkennung ein Geschenk erhält, wird gegenüber dem, der ihn auf diese Weise anspornt, freundlich gestimmt. Dadurch werden neue Freundschaften entfacht und alte Freundschaften gefestigt.

    Der Prophet Gottes (s) sagt: „Die Herzen der Menschen werden von Natur aus denjenigen zugeneigt, die ihnen Gutes erweisen und von Natur aus denjenigen gegenüber abgeneigt, die ihnen Schlechtes antun.“

     

    Der Prophet (s) und die religiösen Vorbilder haben oft das Mittel von Anerkennung und Ansporn zur Charakterveredlung der Menschen eingesetzt.

    Es wird wie folgt berichtet:

    Jemand ging ständig zu Imam Kasem a.s., einem der Edlen Nachkommen des Propheten, und beschimpfte ihn. Einige Anhänger des Imam waren darüber erbost und baten Imam Kasem a.s.: „Gestatte uns, dass wir diesen Frevler töten.“

     

    Aber Imam Kasem wehrte ab. Er bat, man solle ihm sagen, wo das Anbaufeld dieses Mannes liegt. Dann bestieg er sein Pferd und ritt mit einigen dorthin. Als der Mann Imam Kasem zusammen mit einigen seiner Gefährten sah, warnte er sie lauthals: „Reitet bloß nicht durch mein Feld und zerstört mir nicht meine Ernte!“

     

    Imam Kasem stieg ab, ging zu ihm und fragte:

    „Wieviel hast du für dein Feld ausgegeben?“

    Der Mann: „100 Dinar!“

    Der Imam wieder: „Wieviel Erlös erhoffst du dir?“

    Der Mann: „200 Dinar!“

    Da sagte der Imam: „Nimm diese 300 Dinar. Dein Feld bleibt in deinem Besitz und Gott möge dir das bescheren, auf was du hoffst.“

    Der Mann nahm das Geld und küsste dem Imam die Stirn. Imam Kasem lächelte nur und kehrte um.

    Am nächsten Tag, als Imam Kasem in die Moschee kam, wartete dieser Mann bereits auf ihn. Als er den Imam eintreten sah, zitierte er eine Stelle aus dem Koran, nämlich dort, wo es in der Sure 6 im Vers 124 heißt: „Gott weiß am besten, wohin er seine Botschaft sendet.“

    Die Gefährten Imam Kasems wunderten sich: „Der hat doch vorher ganz anderes geredet! Und was sagt er jetzt?! Bisher hat er nur geschimpft und jetzt lobt er!“

    Da sagte der Imam zu ihnen: „Ihr habt mich um Erlaubnis gebeten, diesen Mann zu töten. Aber ich habe ihn mit ein wenig Geld (das ich ihm schenkte) in Ordnung gebracht. Einer der Wege, um die Menschen zum Guten hin zu ändern, besteht darin, ihnen Gutes zu tun und sie zu beschenken.“

     

    Zweite Wirkung:

     

    Wenn wir jemanden beschenken und ihm Gutes tun, wird dieser angeregt, den rechten Weg zu betreten bzw. fortzusetzen.

    Der Prophet des Islams (s) hat , als er die göttliche Botschaft offen verkünden wollte, sich als erstes seinen Verwandten zugewandt. Er lud sie zu einem gemeinsamen Essen ein und rief sie nach dem Essen zum Islam auf. Wenn daraufhin ein Teil seiner Familie ihn dennoch nicht anerkannte, ging es auf Faktoren zurück wie engstirnige Liebe zu den Götzen und die Angst, persönliche Vorteile zu verlieren und ähnliches.

     

    Es sei noch erwähnt, dass bei Belohnung und Lob sowohl die materielle als auch die immaterielle Seite des Menschen beachtet werden soll. Manchmal ist ein immaterieller Ansporn sogar wirkungsvoller als ein materieller.

    Aus der Sicht des Islams ist Loben und Beschenken ein gutes Werk. Deshalb nimmt jemand, der die anderen anspornt, bei Gott einen hohen Platz ein, ebenso wie er unter den Menschen einen besonderen Rang genießt. Gott hat im Koran gesagt: Tut gute Werke, denn Gott liebt die, die Gutes tun.

     

    Quelle: http://german.irib.ir/radioislam/beitraege/item/147611-wie-sollen-wir-anderen-ansporn-geben?