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    Wirkung des Glaubens an die Rückkehr

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    Der Glaube ans Jenseits gehört zu den 3 wichtigsten Islamischen Glaubensprinzipien . Der Jenseitsglaube ist neben dem Glauben an den Einen Gott und an die Propheten die wichtigste Forderung des Islams. Der Koran nennt die Auferstehung von den Toten und das Jenseits Maad. Dieses Wort bedeutet soviel wie Rückkehr.

     

    Alle Himmelsreligionen lehren, dass alles Dasein von Gott kommt und schließlich wieder zu Ihm zurückkehrt. Maad ist die Rückkehr aller Dinge und Geschöpfe zu ihrem Schöpfer. Im Vers 11 der Sure Rum, Sure 30, heißt es:

     

    „Gott beginnt die Schِöpfung . Dann lässt Er sie wiederkehren, worauf ihr zu Ihm zurückgebracht werdet.“

     

    Gott hat einen natürlichen Hang nach dieser Rückkehr in seine Geschöpfe hineingelegt. Alle sie bewegen sich angetrieben von ihrer inneren Natur (Fitrah) auf die absolute Vollkommenheit , nämlich Gott den Höchsterhabenen zu.

     

    Der Glaube an die Rückkehr zu Gott und das Jenseits hat eine tiefe Wirkung auf das Handeln des Menschen. Jemand, der vom Jenseits und dem Leben nach dem Tod überzeugt ist, erlaubt sich nicht jede Handlung, denn er weiß, dass er für jede Tat im Jenseits Rede und Antwort stehen muss. In Wahrheit bleiben nämlich alle Taten erhalten. Sie werden verewigt und begleiten den Menschen ins Jenseits. Wer daran glaubt, wird natürlich versuchen, sein Handeln zu verbessern , zu vervollkommnen und bei allem die nötige Sorgfalt bewahren.

     

    Imam Ali Ibn Abi Talib ist Sinnbild eines solchen Menschen. Als sein bedürftiger Bruder Aqil zu ihm kam, und ihn bat, er solle ihm mehr als den anderen aus dem Bait-ul Mal – der Volkskasse – geben, hat Imam Ali ihn an das Prinzip der Gerechtigkeit im Islam erinnert. Er führte ein heißes Eisen in die Nähe der Hand seines blinden Bruders und als sein Bruder erschreckt aufschrie, sagte Imam Ali zu ihm: „Warum schreist du, obwohl dieses Feuer noch gar nicht deine Hand erreicht hast? Dabei willst du mich (mit deiner Bitte) mitten ins Feuer schleppen , das Gott der Allgewaltige für diejenigen die die göttlichen Gesetze missachten, angezündet hat.“ Er sagte: „Bei Gott! Mir ist es lieber bis zum Morgen auf einem dornigen Bettlager verbringen zu müssen und am Tag an Händen und Füssen in Ketten durch die Stadt geschleppt zu werden, als dass ich vor dem Großen Gericht des Herrn erscheine, während ich einem der Diener Gottes ein Unrecht angetan haben und jemandem sein Recht weggenommen habe.“

     

    Ursprung und Rückkehr bilden sehr wichtige Themen im Heiligen Koran. Ungefähr ein Drittel aller Koranverse, d.h. circa 2000 Verse handeln von der Rückkehr (Maad) und ungefähr ein weiteres Drittel vom Ursprung. Dies zeigt die Bedeutung dieser beiden Themen. Vom Glauben an Ursprung und Rückkehr hängt das Wohl des Menschen ab.

     

    Gott hat gemäß Vers 72 der Sure Sad, Sure 38, zu den Engeln gesagt: „Wenn ich ihn (Adam) dann geformt und ihm Geist von Mir eingehaucht habe, dann fallt (voller Ehrfurcht) vor ihm nieder!“

     

    Der Glaube daran, dass der Geist des Menschen (Ruh) der Geist Gottes ist und er das Geschöpf ist, dass dem Schöpfer der Welten am nächsten steht, hindert den Menschen daran, einfach alles mögliche zu tun.

     

    Durch diesen Glauben verspürt der Mensch, dass er wertvoll ist, so dass er nicht nur nicht sündigt, sondern auch schon den Gedanken zu sündigen von sich fernhält. Der Glaube an Maad, lehrt den Menschen, dass genauso wie er von Gott gekommen ist, auch wieder zu Ihm zurückkehrt. Im Vers 156 der Sure Baqara ,Sure 2 lesen wir über die Gläubigen: „(Ihnen) die, wenn sie ein Unglück trifft, sagen:,Wir gehöِren Gott, und zu ihm kehren wir (dereinst) zurück.“

     

    Der Einfluss des Jenseitsglaubens auf Denken, Seele, die Moral und die Überzeugungen des Einzelnen ist klar. Denn der Mensch, der an die Rückkehr zu Gott und das Jenseits glaubt, sieht die diesseitige Welt realistisch und weiß dass er auf dieser kurzfristigen Welt nicht lange bleibt und zusammen mit allen Weltbewohnern in eine beständige ewige Welt zieht.

     

    Im Gegensatz zu den Materialisten, die behaupten der Jenseitsglaube würde dem Menschen Eifer und Dynamik rauben oder ihn in die Isolation treiben, ist es in Wirklichkeit so, dass die Überzeugung vom jenseitigen Leben eine sehr fruchtbare und gute Wirkung auf das Leben des Einzelnen hat.

     

    Ein Mensch, der an Maad glaubt, bringt triebhafte Neigungen wie Drang nach Überlegenheit, Egoismus, Besitzliebe und Zorn unter seine Kontrolle. Die sensiblen Situationen im Leben bewältigt er, in dem er sich das Leben im Jenseits vor Augen hält. Dieser Glaube verleiht ihm Mut und Tapferkeit. Er macht aus ihm einen Menschen, für den das Schahadat – der Opfertod für ein göttliches Ziel – begehrenswert wird und der für ihn den Beginn eines blühendes ewigen Lebens bedeutet.

     

    Imam Hussein a.s. hat dank seines Jenseitsglaubens, den Märtyrertod auf dem Wege Gottes als großen Sieg für sich und seine Mitkämpfer bezeichnet.

     

    Am Aschura-Tag sagte er zu seinen Gefährten: „Bleibt standhaft ihr Lieben! Denn der Tod ist nur eine Brücke, die euch von den großen Leiden hinüber zu ewigen Freuden des Paradieses führt. Wer von euch wäre nicht damit einverstanden, aus einem Gefängnis in einen Palast gebracht zu werden?“

     

    Diese Worte sagte Imam Husseins a.s., als er und seine Gefährten sich in der Umzingelung befanden und ihnen der Feind immer mehr zusetzte. Er zitierte auch Worte seines Großvaters, des Propheten Gottes s., nämlich: „Die Welt ist das Gefängnis der Gläubigen und das Paradies der Ungläubigen und der Tod ist eine Brücke für die erste Gruppe, die zum Paradies führt und eine Brücke für die zweite Gruppe, die sie zur Hölle bringt.“

     

    Das Geheimnis des Heldenepos von Aschura im Monat Moharram und die einmalige Kühnheit und Tapferkeit des Imam Hussein a.s. und seiner Gefährten haben also mit ihrem starken und festen Glauben an Maad – die Rückkehr zu Gott – und das ewige Leben im Jenseits zu tun. Der Jenseitsglaube verbrennt die Hoffnunglsosikgeit, welche eine Plage für die Seele des Menschen ist, an den Wurzeln. Der Mensch kann darauf hoffen, dass keiner seiner guten Taten im Dasein ausgelöscht werden und er für ertragenes Leid belohnt wird.

     

    Der gläubige Mensch ist davon überzeugt, dass das Leben sich nicht auf diese materielle Welt beschränkt, sondern dass der Mensch nach dem Tod ein anderes Leben vor sich hat und ihm dort viele seiner großen Wünsche erfüllt werden. Gemäß dem Koran herrscht im Jenseits ewiges Wohl, denn in Vers 39 der Sure Ghafer, Sure 40, heißt es: „Ihr Leute! Das diesseitige Leben hier ist nur eine Nutznießung (auf eine beschränkte Zeit). Das Jenseits (dagegen) ist die Heimstätte , die Bestand hat.“

     

    Im Paradies gibt es Freuden, Ruhe und Sicherheit in vollendeter Form. Keiner verspürt einen Mangel oder Resignation, denn dort gibt es alles, was sich das Herz wünscht und an dem das Auge seine Freude hat. Wenn der Mensch im diesseitigen Leben Entbehrungen empfindet, so vergisst er sie bei der Erinnerung an die Segensgüter im Jenseits. Ein gläubiger Mensch hofft darauf, dass er in jener Welt die göttlichen Segensgaben nutzen darf.

     

    Eines der wichtigsten Wirkungen des Gedankens an das Jenseits im diesseitigen Leben ist das Gefühl der Ruhe und Sicherheit. Im diesseitigen Leben lauern sowohl langfristige Wünsche als auch tiefe Enttäuschung und Resignation dem Menschen auf. Beide gefährden ihn. Aber sie sind beide durch die Erinnerung an den Tod zu zügeln.

     

    Imam Ali a.s. hat gemäß Nahdschul-Balagheh Ansprache 42 gemahnt: „ Langfristige Wünsche verdrängen die Erinnerung an das Jenseits.“.

     

    Um an das Jenseits zu glauben, muss man es als erstes verstehen. Diese Erkenntnis wird unter anderem durch die Erklärungen zu den Koranversen über das Jenseits und die Überlieferungen des Propheten und der Edlen aus seinem Hause möglich. Dieses Wissen ist notwendig um das Jenseits nachzuweisen, aber es genügt nicht. Der Glaube ans Jenseits wirkt erst, wenn jemand Gewissheit darüber besitzt. Diese Gewissheit ist durch das Handeln nach den Lehren über das Jenseits erreichbar. Dazu muss man planmäßig und gezielt leben.

     

    Die religiösen Ethiker halten zur Erreichung des Jenseitsglaubens Vorschläge bereit. Zum Beispiel sollte man zu Beginn jeden Tages ein wenig an den Tod und dem was danach folgt denken und sich vornehmen, sich tagsüber so gut es geht der Sünde zu enthalten und sich auf dem Wege Gottes zu bewegen. Auch im Laufe des Tages sollten wir uns vergegenwärtigen, dass Gott auf unser Handeln achtet, dass also wir selber auch auf unser Tun achten sollen.

     

    Am Abend sollten wir dann die Bilanz ziehen. Sollten wir gesündigt haben, so sollten wir uns selber tadeln, damit die negative Wirkung des Gottungehorsams in unserem Herzen beseitigt wird. Und sollten wir gute Taten getan haben und unserem morgendlichem Vorsatz nachgekommen sein, sollten wir nicht stolz darauf werden und uns klarmachen, dass dieses gute Werk gegenüber den Segensgaben Gottes so winzig ist, dass es nicht zählt.

     

    So besteht die Hoffnung, dass sich unserem Herz eine Tür zur verborgenen Welt öffnet, der Glaube an das Jenseits in ihm Wurzeln schlägt und wir uns denen anschließen, die Gewissheit haben.