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    Zur Frage der verschiedenen Koranauslegungen und -übersetzungen

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    Ein Hörer schrieb uns, er habe festgestellt, dass der Koran verschiedenartig ausgelegt werden kann . Er meinte sogar, dass die „allermeisten Koran-Übersetzungen den Inhalt verfälschen.“ Wir antworteten: In der Tat gibt im Koran Verse, die mehrere Bedeutungen enthalten. Aber es gibt auch eindeutig bestimmte Verse die die Grundlage des Korans bilden. Über beides
    steht im Vers 7 der Sure 3:

     

    „Er ist es, der die Schrift auf dich herabgesandt hat. Darin gibt es (eindeutig) bestimmte Verse (w. Zeichen) – sie sind die Urschrift – und andere, mehrdeutige. Diejenigen nun, die in ihrem Herzen (vom rechten Weg) abschweifen, folgen dem, was darin mehrdeutig ist, wobei sie darauf aus sind, (die Leute) unsicher zu machen und es (nach ihrer Weise) zu deuten. Aber niemand weiß es (wirklich) zu deuten außer Gott. Und diejenigen, die ein gründliches Wissen haben, sagen:,Wir glauben daran. Alles (was in der Schrift steht) stammt von unserm Herrn (und ist wahre Offenbarung, ob wir es deuten können oder nicht).` Aber nur diejenigen, die Verstand haben, lassen sich mahnen.

    In diesem Vers wird also bestätigt, dass einige Leute mehrdeutige Verse ausnutzen, um Verwirrung zu stiften.

     

    Wie Sie sehen heißt es im zweiten Teil dieses Verses in der obigen Übersetzung von Paret:

    Aber niemand weiss es (wirklich) zu deuten außer Gott. Und diejenigen, die ein gründliches Wissen haben, sagen:,Wir glauben daran. Alles (was in der Schrift steht) stammt von unserm Herrn (und ist wahre Offenbarung, ob wir es deuten können oder nicht).` Aber nur diejenigen, die Verstand haben, lassen sich mahnen.

     

    Vergleichen Sie nun diese Stelle im Vers 7 der Sure 3 mit dieser Übersetzung (aus dem Internet, vermutlich von Henning) wo wie folgt steht:

    „Doch keiner kennt ihre Deutung als Allah und diejenigen, die fest gegründet im Wissen sind, die sprechen: «Wir glauben daran; das Ganze ist von unserem Herrn» – und niemand beherzigt es, außer den mit Verständnis Begabten –„

     

    Wie Sie sehen geht aus der ersten Übersetzung hervor, dass nur Gott alle richtigen Deutungen der mehrdeutigen Stellen kennt, aber aus der zweiten Übersetzung heißt es, dass auch diejenigen, die fest gegründet im Wissen sind, die Bedeutungen kennen.

     

    Wenn wir uns nun auf die Internetseite tebyan.net die fünf Übersetzungen auf Persisch anschauen, stellen wir fest, dass sie alle diese Stelle im Sinne von der ersten Übersetzung von Paret ins Persische übertragen haben.

     

    In den Korankommentar „Nur“, der zusammen mit fünf anderen verschiedenen jüngeren und älteren bekannten Korankommentaren auf dieser Internetseite erscheint, wird die interessante Frage behandelt, weshalb es im Koran auch mehrdeutige Verse gibt.

     

    Dieser Kommentar führt drei Gründe an:

    Erstens: Die Existenz von mehrdeutigen Versen fördert das Nachdenken über den Koraninhalt

    Zweitens: Die offenen Fragen veranlassen die Menschen, sich an die himmlischen Führer (und ihre Überlieferungen) zu wenden. (Wenn der Unterricht einfach wäre, hätte ein Schüler nicht das Gefühl einen Lehrer zu brauchen)

     

    Drittens: Die mehrdeutigen Verse sind eine Prüfung für die Menschen. Einige böswillige Leute nutzen sie aus, um ihre üblen Ziele zu verfolgen und andere Menschen, die nachdenken suchen, wie Imam Resa aus dem Hause des Propheten (a.s.) es ausdrückt, „bei den eindeutigen Versen Halt, um von diesen ausgehend die richtige Bedeutung der Verse aufzudecken.“

     

    Wir verweisen außerdem auf die Erläuterungen über Auslegungswerke, wie sie auf der webseite eslam.de stehen und zwar:

    Heute gibt es unzählige Auslegungswerke, die im Laufe der Geschichte entstanden sind. Diese sind sehr unterschiedlich ausgeformt und oft vom Zeitgeist, Wissensstand und der individuellen Fähigkeit des Gelehrten [faqih] bestimmt. Viele große Gelehrte haben zudem Teile des Heiligen Qur’an ausgelegt. Weltberühmt ist z.B. die Auslegung der ersten Verse der Al-Fatiha von Imam Chomeini. Als eines der bedeutendsten den gesamten Heiligen Qur’an umfassenden Auslegungswerke der heutigen Zeit gilt Tafsir al-Mizan von Allama Tabatabai.

     

    Die Wissenschaft der Quran-Exegese [ilm tafris al-quran] als ein Zweig der Qur’an-Wissenschaften befasst sich mit der „Aufdeckung“ und „Enthüllung“ des Verständnisses der Verse. Diese Wissenschaft hat zum Ziel, die Bedeutungen, Umstände und Stellenwerte der Verse des Heiligen Qur’an, gemäß Menschenvermögen in einer für die jeweilige Leserschaft geeigneten Sprache zu verdeutlichen. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Heilige Qur’an ein in Wort und Sprache offenbartes Buch ist, dessen in Worten ausgedrückter Inhalt Sinn und Bedeutung besitzt und Gott dem Menschen auf diesem Weg etwas offenbaren will. Aufgrund ihrer fundamentalen Bedeutung hatte diese Wissenschaft immer eine hohe Priorität unter den Qur’an-Wissenschaften

     

    Wir hoffen unsere Ausführungen geben ihnen Anregungen zu weiteren Studien! Es liegt in der Natur von Übersetzungen, dass sie je nach Übersetzer verschieden ausfallen. Die Übersetzungen können auch sinngemäß unterschiedlich sein, falls an einer Stelle mehrere Deutungen möglich sind. Der Übersetzer muss sich ja bei der Übertragung auf eine von mehreren Deutungen festlegen. Während das Arabische alle Bedeutungen in sich birgt, wird in der Übersetzung nur eine wiedergegeben. Eine Übersetzung kann also nicht das Arabische Original ersetzen. Sie kann auch nicht die literarische Schönheit dieses Himmelsbuches wiedergeben. (Von der anziehenden Sprache des Korans können Sie sich bei Übersetzungen, die auch das Arabische transliteriert bringen, einen Eindruck machen)

     

    Bei einer Übersetzung muss man auch den Autor und seine Motivation kennen. Unter den ersten Übersetzungen gibt es die von Ullmann, die später von Winter weitergeführt wurden. Beides keine Freunde des Islams. Rückert hat es gereizt, eine gereimte Übersetzung anzufertigen, die unvollständig blieb. Die Übersetzung von Paret (auch kein Befürworter des Islams) ist hinsichtlich der Wortwahl nicht zufriedenstellend und verfänglich. Er übersetzt zum Beispiel das Wort „Dschihad“ laufend mit „Krieg“. Mit Dschihad ist aber jedes Bemühen auf dem Wege Gottes gemeint, auch die Bemühung um gute Eigenschaften.

     

    Oder an zwei Stellen übersetzt er das Wort „ami“ das die meisten mit schreib- und leseunkundig übersetzt haben mit dem Wort „Heide“ und verwendet es auf den Propheten. Außerdem legt er die sunnitischen Werke über Überlieferungen zugrunde. Auch wenn sie sich in den wesentlichen Dingen mit den schiitischen decken, so bräuchte jede gerechte Übersetzung zumindest den Hinweis auf die Auslegung von bestimmten Versen wie Vers 33 der Sure 33 aus schiitischer Sicht.

     

    Eine Übersetzung bedarf ganz gewiss auch zum besseren Verständnis (Anmerkungen in Klammern) und Fußnoten. Diese fallen je nach der Einstellung des Übersetzers zum Islam verschieden aus. Bei Winter richten sie sich eindeutig gegen den Islam.

     

    Es ist also richtig und nützlich, dass man mehrere Übersetzungen liest und natürlich auch die von Muslimen. Zusätzlich sollte man Korankommentare lesen oder Bücher zu bestimmten Themen, die meistens ihre Ausführungen auf Koranversen aufbauen.. Wir empfehlen Bücher die es beim haditec Verlag http://www.m-haditec-verlag.de/gibt.

     

    Der oben bei eslam.de erwähnte Kommentar Tafsir-e Mizan ist von einem schiitischen Gelehrten und es scheint ihn auch auf Englisch zu geben.

    Übrigens hat einmal ein schiitischer Geistlicher festgestellt, dass alle paar Jahre neue Korankommentare abgefasst werden müssten, weil die Wissenschaft nach ein paar Jahren weiter ist und man aufgrund der neuen Erkenntnisse in der Wissenschaft auch neue Erkenntnisse aus dem Koraninhalt gewinnt.

     

    Zum Beispiel hat die Wissenschaft erst vor ein paar Jahrhunderten festgestellt, dass die Fingerabdrücke bei jedem Menschen anders sind. Von diesem Wissen ausgehend, kann man auch bei der folgenden Stelle am Anfang der Sure 75 (Al Qiyama – Die Auferstehung) besser verstehen, weshalb hier die Formung der Finger also etwas besonderes hervorgehoben wird, nämlich

    „Wähnt der Mensch, daß Wir seine Gebeine nicht sammeln werden?

    Fürwahr, Wir sind imstande, (sogar) seine Fingerspitzen zusammenzufügen.“

     

    Oder der vor über 1400 Jahren offenbarte Vers: „Er ist es, Der den beiden Gewässern freien Lauf gelassen hat, zu fließen, das eine wohlschmeckend, süß, und das andere salzig, bitter; und zwischen ihnen hat Er eine Schranke gemacht und eine Scheidewand.“

     

    wird erst im 20. Jahrhundert durch die Wissenschaft in einem wichtigen Punkt seines Inhalts bestätigt, nachdem der französische Meeresforscher Jacques Cousteau (1910 bis 1997) herausfand, dass die Süß- und Salzwassermassen durch eine Art Scheidewand voneinander getrennt werden.

     

    Quelle: http://german.irib.ir/radioislam/beitr%C3%A4ge/verschiedenes/item/249900-zur-frage-der-verschiedenen-koranauslegungen-und-%C3%BCbersetzungen